Meine Bemerkung hatte nichts mit Dir zu tun. Captain Hornblower soll ruhig weiter die Wellen des Forums reiten und ich lese oft sehr interessiert mit.
Alles gut, mein Lieber.
Ich hatte lediglich deinen Post als Aufhänger benutzt. Mir war natürlich klar, dass er sich nicht auf mich beziehen kann, zumal ich ja noch gar nicht gejammert hatte, daß von Captain Hornblower plötzlich jede Spur fehlte.
Aber um zur Abwechslung mal richtig ON TOPIC zu werden:
Auch ich hatte von Anfang an bei diesem Thread ein komisches Bauchgefühl.
So als würde man sich über eine Unverschämtheit ärgern. Nun möchte ich die TS nun weiß Gott nicht als unverschämt bezeichnen und sicherlich hatte sie auch nicht die Absicht irgend jemanden zu verärgern, und dennoch finde ich das ganze auf mehreren Ebenen nicht unproblematisch.
Das fängt schon einmal damit an, dass jemand extra aus Deutschland nach Thailand kommt, um sich über Sex Tourisen zu informieren, mit besonderem Augenmerk auf die Motive der Männer, die extra deswegen hierher kommen.
Dafür kann sie sich den Weg sparen: Deutschland ist mittlerweile das Sex Tourismus Zentrum Europas und hat mit fast 3000 offiziell angemeldeten Bordellbetrieben und geschätzten 400.000 Sexarbeiterinnen Thailand weit hinter sich gelassen.
Ein jeder kehr vor seiner Tür ….
Sie schreibt zwar, daß sie niemanden bewerten oder verurteilen möchte, aber sie ist sich sicherlich auch darüber im Klaren, dass es sich hier um ein Tabuthema handelt.
Jeder der mich kennt, weiß dass ich meistens eher lustig unterwegs bin und nicht zu den miesepetrigen Grantlern gehöre, aber ich lebe in Thailand, Ich liebe Thailand und meine Frau ist Thailänderin, weswegen ich möglicherweise Beschützerinstinkte entwickelt aber auch zum Teil eine etwas thailändische Sichtweise angenommen habe.
Und Thailand bemüht sich seit vielen Jahrzehnten von diesem Rotlicht Image wegzukommen - zum Teil mit Erfolg:
Jeder, der Pattaya vor 30 Jahren kannte und es mit dem heutigen Pattaya vergleicht, der kommt nicht umhin einzugestehen, dass die Zahl der Bars und Gogos in Relation zu anderen Unterhaltungsbetrieben deutlich zurückgegangen ist.
Ebenso wie die Zahl der Sextouristen in Relation zu solchen, die aus anderen Motiven hierher kommen.
Jeder weiß, dass die Gastfreundschaft der Thailänder und ihre wirklich warmherzige Art Fremden gegenüber schon etwas ganz Besonderes sind und da finde ich es einfach ziemlich daneben, wenn sich jemand aus dem Sex Touristenzentrum Europas auf den Weg macht um über Sextourismus in Thailand zu forschen, auch wenn es sich nur um eine Masterarbeit handelt, die hinterher möglicherweise ohnehin keiner liest.
Dennoch wird hierdurch das Land und seine Frauen und weiter stigmatisiert.
Nochmal, ein jeder kehre vor seiner Tür.
Was die Forschungsfrage betrifft: "
Welche Einstellungen und Motive prägen das Verhalten deutscher Touristen in Pattaya, welche Deutungsmuster legen sie ihrem Handeln zugrunde und welche Erfahrungen machen sie mit Stigmatisierung in ihrem Heimatland?“
Die kann ich ihr kurz und knapp und dennoch vollumfänglich beantworten:
Deutsche Touristen besuchen Pattaya aus dem gleichen Grund, weswegen sie jedes andere Seebad besuchen: Sonne, Strand, Meer und Futtern wie bei Muttern.
Sex Touristen besuchen Pattaya aus dem gleichen Grund, weswegen Sex Touristen generell Sex Tourismus Zentren ansteuern: Stangenfieber.
Deutungsmuster? Ganz einfach, der Mann wacht eines Morgens auf und sieht so kleine Kaulquappen vor seinen Augen herumschwimmen. Daraus deutet er, daß es mal wieder soweit ist und je nach Resturlaub und Zustand seines Bankkontos fliegt er eben nach Pattaya oder setzt sich ins Auto und fährt nach Saarbrücken, Berlin, München oder Frankfurt am Main und sollte finanziell mal wieder Schmalhans Küchenmeister sein, marschiert er schnurstracks in Mamas Keller und wirft den Computer an, nachdem er auf halber Strecke Mamas Baby Öl stibitzt hat.
Stigmatisierung? Damit machen einige gar keine Erfahrung, zumindest die Schlauen nicht und der Rest bereut es bitter bös es jemals rumerzählt zu haben.
Die TS kann dieses ja gerne mal im Eigenversuch testen, indem sie im Bekannten- und Verwandtenkreis sowie am Arbeitsplatz verlautbaren läßt, dass sie für 2 Wochen alleine auf Jamaika war und jede Nacht Reggae-Rhythmen genießen durfte aber so richtig „A La La La La Long“.
Im ersten Post meine ich irgend etwas von „
Faszination und Sehnsucht in Bezug auf erotische Reisen“ gelesen zu haben.
Erst hier wird es eigentlich interessant, also wenn wir mal die normalen Touristen und die reinen Sextouristen abgearbeitet haben.
Vor allem die Sehnsüchte und Hoffnungen deutscher Männer bezüglich ihrer Bekanntschaften mit Thailänderinnen, die sich zu mehrjährigen Beziehung und sogar Partnerschaften und Heirat entwickeln.
Und auch deswegen braucht sie sich nicht auf den weiten Weg nach Thailand zu machen. Da wäre sie viel besser beraten sich in Deutschland mit Männern zu unterhalten, die mit einer Thailänderin verheiratet sind, sie nach dem warum zu fragen, wie es dazu gekommen ist und welche Voraussetzungen dazu geführt haben oder zuvor Erlebtes.
DAS ist doch des Pudels Kern.
Möglicherweise stellt sich dann aber heraus, dass die Probleme doch eher hausgemacht sind oder besser gesagt heimisch angesiedelt. Daß sie ihren Ursprung teilweise in unserem Scheidungsrecht haben und wie dieses Männer behandelt. Aber auch in der generellen Mentalität Männern gegenüber, vor allem älteren weißen, denen man ja gerne das Adjektiv toxisch zuordnet und deren Versuche den eigenen Standpunkt zu verdeutlichen als „Mansplaining“ abgetan wird.
Die Gretchenfrage ist natürlich ob solche Ergebnisse heutzutage an einer Universität überhaupt erwünscht sind oder geduldet werden.
Man denke nur an die Biologin Marie-Luise Vollbrecht, deren Vortrag an der Humboldt Universität Berlin mit dem Titel „Geschlecht ist nicht (Ge)schlecht: Sex, Gender und warum es in der Biologie zwei Geschlechter gibt“ abgesagt wurde, weil transfeindlich.
Es geht mir wirklich nicht darum der TS auf die Füße zu treten, ich frage mich nur, ob die Sozialwissenschaft gerade heutzutage nicht viel interessantere und vor allen Dingen dringlichere Themen bearbeiten sollte als das ewig durchgekaute Sex Tourismus in Thailand Thema, worüber schon unzählige Doktor- oder Masterarbeiten geschrieben wurden.
Ich hätte da einen Vorschlag
Welche Einstellungen und Motive prägen das Verhalten der Deutschen bezüglich der Klage Nicaraguas vor dem IGH, wo Deutschland der Beihilfe zum Genozid bezichtigt wird und welche Deutungsmuster legen sie dem Handeln ihrer Regierung zugrunde, die einem Land, dessen Ministerpräsident vom Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) per Haftbefehl für das Kriegsverbrechen des Aushungerns als Methode der Kriegsführung sowie für die Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Form von Mord, Verfolgung und anderen unmenschlichen Taten gesucht wird, weiterhin Waffen zu liefern und welche Erfahrungen machen sie mit der möglicherweise erneuten Stigmatisierung ihres Heimatlandes?“
Dat wär doch mal wat, oder?