(Diese Geschichte habe ich selber ziemlich genau so erlebt und eine Figur in ihr, ist aus diesem Forum. Ich habe mir aus Gründen der Diskretion erlaubt die Namen zu verändern, was mir die Personen vergeben mögen. "Manfred" geht aber irgendwie immer finde ich..., wahlweise auch "Dieter" oder "Hans-Jürgen". Hier war ich faul und hab ihn abermals Manfred genannt...) Die Begnung habe ich auf die mir wesentlichen Teile gekürzt. Die mir unterhaltsamsten... mit einem der beiden bin ich nun befreundet. Beide sind mir auf ihre Art sympathisch. Nun aber mal los...
TEIL 43: „VON IRGENDWELCHEN GECKOS, SCHÄFERHUNDEN UND DER FRAGE OB MAN MIT NÄGELN EIGENTLICH DAS LEBEN VERSTEHT“
Soi 5, Pratumnak Hill. Mai 2026. Kurz nach so einem dieser richtig dicken Regengüsse. Alles noch feucht, warm, bisschen stickig in der Luft.
Restaurant, ich mag’s eigentlich nicht so richtig, aber Manfred wollte da hin. Und ehrlich gesagt hatte ich keinen Bock, da jetzt eine Diskussion draus zu machen.
Also sitzen wir da.
Manfred ist schon da, natürlich.
Als hätte er den Tisch irgendwie reserviert, ohne dass es jemand mitbekommen hat.
Poloshirt, früher mal blau, jetzt eher so… ausgewaschen halt. Shorts, Tasche halb kaputt, aber irgendwie noch dran. Sandalen, die wahrscheinlich mehr Kilometer haben als ich hier insgesamt gelaufen bin.
Manfred selbst wirkt wie jemand, der nicht viel plant. Eher so: wird schon irgendwie. Und meistens wird’s dann auch irgendwie. Nicht elegant, aber es läuft halt.
Er ist schon lange hier. Zehn Jahre? Vielleicht mehr. Ich glaube, er zählt das selbst nicht mehr so genau.
Florian kommt dazu.
Ein bisschen später, ein bisschen… ja, kontrollierter vielleicht. Nicht geschniegelt, aber man merkt schon, der hat sich vorher gedacht: „Okay, wie wirke ich hier jetzt nicht komplett falsch.“
Hemd hell, sauber. Uhr da, aber nicht laut. Shorts ordentlich. Schuhe ziemlich sauber – das fällt Manfred sofort auf.
Florian setzt sich nicht so breit hin. Eher vorsichtig. Als würde er kurz checken, ob der Stuhl ihn mag.
Manfred schaut ihn an.
„Du bist also der Neue aus dem Forum.“
Er sagt „Forum“ so, als wäre das irgendwo zwischen Kneipe, Wartezimmer und Missverständnis.
„Du siehst aus, als wärst du in drei Wochen wieder weg.“
Florian nickt erst mal.
„Ja… möglich. Hab ich nicht so fest eingeplant.“
Manfred lacht kurz.
„Hier kannst du nix einplanen. Vergiss das gleich wieder.“
Florian schaut auf den Tisch.
„Ja, hab ich schon gehört. Ich versuch auch gar nicht so zu tun, als hätte ich hier irgendwas im Griff.“
Manfred zieht die Augenbrauen hoch.
„Was heißt denn das jetzt genau?“
„Naja… eher, dass ich versuche, nicht komplett überrascht zu sein, wenn es sowieso anders läuft.“
Manfred: „Aha.“
Er lehnt sich zurück, Beine ausgestreckt.
„Ich bin seit zehn Jahren hier. Ohne so viel Nachdenken. Geht auch.“
Florian nickt.
„Ja, glaub ich.“
Kurze Pause.
„Sie wirken so, als hätten Sie sich einfach dran gewöhnt, dass sich Dinge ändern.“
Manfred: „Was heißt denn schon wieder ‚dran gewöhnt‘?“
„Nicht negativ. Einfach… nicht alles komplett durchgeplant.“
Manfred grinst schief.
„Ich hab mein Leben nicht geplant. Ich hab’s halt gemacht.“
Florian: „Ja… das sieht man schon.“
Das war eigentlich nicht böse gemeint, aber Manfred reagiert trotzdem einen Moment.
Dann:
„Du hast bestimmt alles durchgerechnet. Geld, Wohnung, sowas.“
„Ich hab versucht, dass mir nicht alles irgendwann um die Ohren fliegt.“
„Und klappt das?“
Florian zuckt mit den Schultern.
„Bisher ja. Aber ich bin auch noch nicht so lange hier.“
Manfred lacht.
„Ja wart mal ab. Hier kannst du eh nix beurteilen. Hier passiert einfach.“
Er macht eine kleine Handbewegung.
„Du redest ein bisschen, als wär das hier so ein Spiel.“
Florian überlegt kurz.
„Vielleicht eher so ein Spiel, bei dem sich die Regeln ändern, ohne dass jemand was sagt.“
Manfred: „Genau sowas mein ich.“
„Und du meinst, du blickst da dann durch oder wie?“
Florian: „Nein. Ich versuch nur vorher ein paar Möglichkeiten zu sehen.“
Manfred: „Ausgänge oder was?“
„Ja, so ungefähr.“
Manfred grinst.
„Ich geh einfach durch die Wand, wenn’s sein muss.“
Florian: „Kann man machen. Ist nur nicht immer so stabil.“
Manfred schaut ihn an.
„Du bist anstrengend, weißt du das?“
Florian nickt.
„Hab ich schon gehört.“
Kurze Pause.
„Meistens von Leuten, die später sagen, sie hätten früher zuhören sollen.“
Manfred lacht kurz.
„Du bist so einer, der beim Bier noch Risiken durchrechnet, oder?“
„Nur wenn das Bier sich komisch verhält.“
Manfred: „Was heißt denn bitte komisch verhält?“
„Schaum zum Beispiel.“
Manfred: „Junge…“
Florian grinst, kann sich’s nicht ganz verkneifen.
„Du hast so einen Blick, als wäre alles erklärbar.“
Dann etwas ruhiger:
„Ich glaube nicht, dass alles erklärbar ist. Nur manche Sachen kann man vorher vermeiden.“
Manfred winkt ab.
„Ja ja. Klingt gut, bis es dann halt nicht mehr gut klingt.“
„Ich komm hier schon klar. Ohne dein System.“
Florian: „Sieht man.“
Manfred: „Schon wieder so ein Satz.“
„War kein Urteil.“
Manfred schaut kurz weg.
„Ich brauch das alles nicht so kompliziert.“
Florian: „Kompliziert wird’s meistens erst später.“
Manfred: „Oder halt gar nicht.“
Florian: „Auch möglich.“
Das hängt kurz zwischen ihnen.
Manfred steht halb auf.
„Ich hol mir jetzt ein Bier. Ohne Analyse. Ohne Geckos und ohne alles.“
Florian: „Geckos sind eigentlich ziemlich effiziente Tiere.“
Manfred bleibt stehen.
„Sag das nochmal, und ich setz dich ins nächste Taxi.“
Klimbim, der die ganze Zeit schon daneben sitzt und eher so tut als wäre er Deko, beugt sich jetzt vor.
„Kurze Frage an dich, Manfred… wenn dein Lebensstil ein Ersatzteil wäre, eher Original oder eher so ‚passt schon, solange es fährt‘?“
Manfred schaut ihn an.
„Was ist das denn bitte für eine Frage.“
„Ganz normale.“
Manfred: „Nein.“
Florian murmelt: „technisch nicht völlig falsch…“
Manfred: „Hör bitte auf.“
Klimbim dreht sich zu Florian.
„Und du mit deinen Ausgängen… echte Türen oder eher so mentale Fluchtwege, die man nur nachts sieht?“
Florian überlegt kurz.
„Eher echte. Aber mental abgesichert.“
Klimbim nickt zufrieden.
„Gut. Stabil.“
Dann wieder zu Manfred:
„Wenn dein Leben ein Werkzeug wäre… Hammer oder eher so ein Schraubenzieher, der schon so oft benutzt wurde, dass er eigentlich nur noch durch Erinnerung funktioniert?“
Manfred: „Ich bin kein Werkzeug.“
„Das ist auch eine Antwort.“
Manfred: „Nein, ist es nicht.“
Florian muss kurz lachen, eher überrascht von sich selbst.
Klimbim merkt das sofort.
„Okay, der lacht schon. Der bleibt.“
Manfred schaut ihn an:
„Warum lachst du?“
Florian: „Weiß ich nicht genau.“
Klimbim lehnt sich zurück, zufrieden.
„Manfred, wenn du sagst du kommst klar… eher Motor läuft oder eher Motor läuft und hinten klappert was, aber egal?“
Manfred: „Ich komm klar.“
„Ja. Genau so klingt das.“
Florian lacht nochmal kurz.
Manfred schüttelt den Kopf.
„Ich geh jetzt wirklich Bier holen. Und wenn noch eine Frage kommt, bin ich weg.“
Florian schaut ihm nach.
„Das wäre dann logistisch etwas komplizierter.“
Klimbim nickt.
„Der ist drin.“
