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Tagebuch eines Ruheständlers in Pattaya. Ich bereite es vor: in wenigen Monaten wird es starten

OnkelToto

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merke das "fertich" übrigens selber fast überhaupt nicht
Du hast das sehr schön ausgeführt was ich mit dem privilegiert meinte. Die bildungsferne Masse und die Populisten werden noch zum Problem. Allerdings nicht mehr meins, ich bin ja weg. Auch nur weil ich mich in einem noch nicht fertigen Land gut aufstellen konnte.

Ich bin gerade in eben diesem Land um alles aufzulösen und mich abzumelden. Ich höre und merke überall wie Systeme wie Gesundheit, Bildung, Finanzen an der Kippe zur Kapitulation stehen. Mir tun alle leid die nicht flüchten können aber ich kann denen nicht helfen und die meisten wollen das auch nicht weil sie die Notwendigkeit noch nicht erkennen.
 

Klimbim

Hat nix anderes zu tun
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24 November 2024
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Du hast das sehr schön ausgeführt was ich mit dem privilegiert meinte. Die bildungsferne Masse und die Populisten werden noch zum Problem. Allerdings nicht mehr meins, ich bin ja weg. Auch nur weil ich mich in einem noch nicht fertigen Land gut aufstellen konnte.

Ich bin gerade in eben diesem Land um alles aufzulösen und mich abzumelden. Ich höre und merke überall wie Systeme wie Gesundheit, Bildung, Finanzen an der Kippe zur Kapitulation stehen. Mir tun alle leid die nicht flüchten können aber ich kann denen nicht helfen und die meisten wollen das auch nicht weil sie die Notwendigkeit noch nicht erkennen.


Ich verstehe gut was Du meinst. Was mir an Dir gefällt und was ich sehr vermisse ist diese totale Abwesenheit von Aggression bei allem was Du beschreibst.

Ich glaube die Befähigung den anderen (Demokraten) nicht als Feind zu sehen (Nichtdemokraten, kann ich leider nicht nur als geschätzte Gegner betrachten), ist Grundvoraussetzung das Land moralisch zu sanieren - sofern man das mag.

Ich sehe es im Wesentlichen wie Du: ich habe ein Alter erreicht (noch nicht biblisch aber doch inzwischen so, dass ich keinen Drang mehr verspüre die Dinge zu richten, oder mich gar zu "beweisen" (ist gut beim Rollerfahren...), bei dem ich meine Ruhe haben will und das in Pattaya recht gut hin bekommen werde.

Da bin ich sicher.

Dennoch neige ich noch dazu zu spotten, zu beobachten und manchmal regt sich sogar wieder ein Schub Humanismus in mir... gepaart mit Neugierde.


Hey Bitcoin-Jonny, Du bist schon ganz okay. Bis bald mal ;)


P.S. Bin heute 400 km mit dem Roller gefahren und das mitten in einen tropischen Platzregen in den Bergen... und daraus entwickelte sich, wie sollte es bitte anders bei mir sein, eine wunderbare Geschichte mit einer Thailänderin... aber die kommt morgen!

... mitsamt Beweisfoto. Macht die Sache rund und authentisch. Ich bin ein Glückspilz, soviel bereits jetzt.
 
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Klimbim

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Teil 32: „Klimbim, der Monsun und die Frau unter dem Blechdach oder wie ich lernte, einer thailändischen Mutter mein Leben anzuvertrauen, obwohl ich nicht einmal Google Maps bedienen konnte“



Nach ungefähr anderthalb Stunden Fahrt Richtung Chanthaburi begann die Landschaft langsam unangenehm interessant zu werden.

Das Navi hatte inzwischen nach mehreren Fehlversuchen offenbar beschlossen, mich nicht mehr über normale Straßen zu führen, sondern direkt durch die feuchtesten und einsamsten Stellen Südostthailands.

Autobahn vermeiden.

Motorradtauglich.

Keine Maut.

Schnellste Route.

Irgendwann hatte ich so viele Optionen angeklickt, dass vermutlich selbst Google kurz dachte: „Weißt du was? Fahr einfach irgendwo hin.“

Vor mir erhob sich langsam das Gebirge.

Und darüber…

…eine schwarze Wand.

Nicht einfach Wolken.

Eine richtige Wand.

So dunkel, als hätte jemand vor den Bergen heimlich den Eingang zur Unterwelt eröffnet und vergessen, das Licht wieder auszuschalten.

Ich fuhr direkt darauf zu.

Mit einem Motorrad.

Freiwillig.

Die Luft roch plötzlich unglaublich frisch.

Nach nasser Erde. Nach tropischem Regen. Nach Pflanzen.

Fast ein bisschen wie ein botanischer Garten kurz vor einer mittelschweren Depression.

Die Straße war schon nass.

Überall kleine Wasserflächen.

Aber der eigentliche Regen kam noch nicht.

Das war psychologisch deutlich unangenehmer.

Es fühlte sich an wie diese unnatürliche Ruhe kurz bevor irgendwo etwas sehr Dummes passiert.

Dann kam der Regen.

Nicht langsam.

Nicht vorsichtig.

Sondern sofort mit voller Kraft.

Innerhalb von Sekunden war alles nur noch Wasser.

Diese tropischen Regengüsse haben ungefähr dieselbe Feinfühligkeit wie ein Hochdruckreiniger auf Methamphetamin.

Ich schaffte es gerade noch unter ein kleines Blechdach vor irgendeinem Haus.

Dort stand ich nun.

Komplett durchnässt.

Neben mir das Motorrad. Vor mir Weltuntergang. Über mir ein Blechdach, das klang, als würde jemand Kies mit einer Schaufel aus dem ersten Stock darauf werfen.

Ich begann hektisch meine Regenausrüstung herauszuholen.

7-Eleven-Plastikanorak.

Theoretisch wasserdicht.

Praktisch eher ein philosophisches Konzept.

Schon beim Versuch, das Ding anzuziehen, begann der Wind daran herumzureißen.

Eine Ecke flatterte weg.

Dann die nächste.

Nach wenigen Sekunden sah ich aus wie ein international gesuchter Müllsack.

Ich gab auf.

Gegen solchen Regen diskutiert man nicht.

Den sitzt man einfach aus.

Wie Steuerprüfungen oder Flughafenprojekte.

Irgendwann öffnete sich die Tür hinter mir.

Eine thailändische Dame kam heraus und betrachtete zuerst den Regen, dann mich und schließlich wieder den Regen.

Sie war vielleicht Mitte dreißig, ausgesprochen gepflegt, freundlich und hatte genau diese ruhige thailändische Ausstrahlung, bei der man nie ganz weiß, ob Menschen einfach höflich sind oder bereits beschlossen haben, einen leicht in ihr Leben hineinzusortieren.

„You okay?“

„Perfectly fine“, antwortete ich, während wahrscheinlich ungefähr zwei Liter Wasser langsam aus meinen Schuhen liefen.

Sie nickte höflich.

Dieser typische thailändische Blick, bei dem man nicht genau weiß, ob die Menschen einen freundlich oder leicht besorgt ansehen.

„You ride alone?“

„Yes.“

Kurze Pause.

„Very long way.“

„That becomes increasingly obvious.“

Sie lachte leise.

Nicht laut.

Eher dieses warme höfliche Lachen, das Thai-Frauen oft haben, wenn sie glauben, ein Farang sei gleichzeitig leicht verrückt und irgendwie sympathisch.

„You handsome bike.“

Das war sprachlich nicht ganz eindeutig.

Ich entschied mich vorsichtshalber dafür, das Kompliment ausschließlich auf das Motorrad zu beziehen.

„Thank you. It has emotional problems sometimes, but generally good character.“

Sie lachte wieder.

Dann fragte sie: „You want come inside? Rain very long maybe.“

„No no, thank you very much. Here is perfectly fine.“

Sie blieb trotzdem noch einen Moment stehen.

Nicht aufdringlich.

Eher interessiert.

So als würde sie versuchen herauszufinden, warum ein komplett durchnässter Europäer freiwillig mitten durch einen Monsun Richtung Chanthaburi fährt.

Wahrscheinlich aus demselben Grund, aus dem andere Menschen Jetskis finanzieren oder Kryptowährungen kaufen. Eine Mischung aus Hoffnung und Realitätsverlust.

„You hungry?“

„No thank you.“

„Coffee?“

„No thank you.“

Kurze Pause.

„Beer?“

Ich dachte kurz nach.

„That is a dangerously good idea.“

Diesmal lachte sie deutlich lauter.

Kurz darauf tauchten Kinder auf.

Viele Kinder.

Ich weiß bis heute nicht genau, woher die plötzlich kamen.

Thailand hat manchmal die Eigenschaft, Kinder spontan aus der Landschaft wachsen zu lassen.

Sie standen um das Motorrad herum und betrachteten alles sehr aufmerksam.

Mich.

Das Motorrad.

Meine völlig sinnlose Regenjacke.

Ein Junge zeigte auf das Motorrad.

„Big bike?“

„Emotionally, yes.“

Er nickte ernsthaft.

Wahrscheinlich hielt er das für eine technische Angabe.

Die Dame setzte sich irgendwann ebenfalls unter das Blechdach.

Mit etwas Abstand.

Aber doch nah genug, dass man sich normal unterhalten konnte, ohne den Monsun anschreien zu müssen.

Und dann begann etwas sehr Thailändisches.

Ich sagte fast nichts…

…und bekam trotzdem innerhalb kurzer Zeit ungefähr die komplette Lebensgeschichte erzählt.

Familie. Kinder. Arbeit. Verwandtschaft. Noch mehr Verwandtschaft. Leute, die ich niemals kennenlernen werde, über deren Probleme ich jetzt allerdings erstaunlich gut informiert war.

Thailand ist wirklich das einzige Land, in dem man sich zufällig vor Regen unterstellt und danach emotional ungefähr Cousin dritten Grades einer fremden Großfamilie wird.

Zwischendurch fragte sie plötzlich:

„You married?“

„Yes. Very happily.“

Sie nickte langsam.

„Ahhh.“

Dann schaute sie kurz auf das Motorrad.

Dann wieder zu mir.

„Your wife not worry you ride in rain?“

„I suspect she stopped trying years ago.“

Darüber musste sie erstaunlich lange lachen.

Nicht dieses höfliche Thailand-Lachen.

Richtig lachen.

Kurz darauf rief Achim an.

„Wo bist du?“

Ich schaute hinaus in die grauschwarze Regenwand.

„Schwer zu sagen. Meteorologisch vermutlich bereits kurz vor dem Untergang.“

Im Hintergrund hörte ich wieder Pingpong-Pupu-Pang oder wie auch immer er hieß.

„Rain very bad?!“

„Slightly historic.“

Großes Gelächter am anderen Ende.

Offenbar war meine Situation dort eher Unterhaltung.

Irgendwann fragte mich die Dame: „You know way?“

Ich zeigte ihr mein Handy.

Und damit begann die eigentliche Krise.

Google Maps hatte inzwischen offenbar selbst die Orientierung verloren.

Jedes Mal, wenn ich irgendetwas drückte, erschien plötzlich ein anderes Ziel.

Einmal sollte ich Richtung Rayong.

Dann Richtung Trat.

Zwischendurch hatte ich kurz den Eindruck, die App wolle mich langfristig nach Kambodscha umsiedeln.

Die Dame nahm mir schließlich das Handy aus der Hand.

Und plötzlich funktionierte alles sofort.

Neue Route. Richtige Strecke. Kein Problem.

„Ahhh“, sagte sie freundlich. „You press wrong.“

„That theory has strong evidence.“

Ich stand daneben wie ein leicht verwirrter Europäer, der gerade feststellen musste, dass eine thailändische Mutter unter einem Blechdach technisch deutlich kompetenter war als er selbst.

Dann geschah etwas sehr Merkwürdiges.

Ohne irgendeinen Anlass begann sie plötzlich, mein Motorrad zu putzen.

Einfach so.

Mit Tuch. Mit Wasser. Mit erstaunlichem Ehrgeiz.

„No no please, really no need.“

Sie winkte nur ab.

„Too dirty.“

Das sagte sie mit der Entschlossenheit eines Menschen, der offenbar nicht akzeptieren konnte, dass ein Motorrad in diesem Zustand weiterexistiert.

Inzwischen halfen auch die Kinder.

Eines putzte den Spiegel.

Ein anderes drückte begeistert irgendwelche Knöpfe.

Ich hatte kurz Sorge, dass die Kinder am Ende technisch besser mit meinem Motorrad vertraut wären als ich selbst.

Und dann hörte der Regen plötzlich auf.

Einfach so.

Als hätte jemand oben beschlossen: „Genug.“

Die Sonne kam leicht zurück.

Dampf stieg von der Straße auf.

Fünf Minuten nach dem Weltuntergang sah plötzlich wieder alles vollkommen friedlich aus.

Thailand macht das ständig.

Ich bedankte mich mehrfach.

Die Dame lächelte.

Etwas länger diesmal.

„You come again maybe.“

Nicht ganz Frage.

Nicht ganz Aussage.

Eher eine vorsichtig formulierte Möglichkeit.

Ich setzte den Helm auf.

„Maybe yes. Maybe no. Life mysterious.“

Sie lachte laut.

Die Kinder winkten.

Ich startete das Motorrad und fuhr weiter Richtung Chanthaburi.

Während hinter mir Menschen standen, die ich vorher nie gesehen hatte…

…die mir aber innerhalb einer Stunde mehr geholfen hatten als manches europäische Navigationssystem in seinem gesamten Berufsleben.

Pause.jpg
 

Klimbim

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Teil 33: „Klimbim, die Durian und die Erkenntnis, dass Liebe manchmal riecht wie ein biologischer Zwischenfall“


Nachdem ich den Monsun, die Frau unter dem Blechdach und Google Maps überlebt hatte, wurde die Landschaft irgendwann zunehmend tropisch interessant.

Die Straßen wurden schmaler.

Mehr Dschungel.

Mehr Berge.

Mehr Nebel zwischen den Hügeln.

Und deutlich weniger Anzeichen dafür, dass hier jemals ein deutscher TÜV-Prüfer freiwillig seinen Dienst verrichten würde.

Irgendwann fiel mir auf, dass plötzlich überall riesige Lastwagen unterwegs waren.

Voll beladen mit irgendwelchen stacheligen Früchten.

Hunderte davon.

Tonnenweise.

Diese Laster kamen mir entgegen, überholten mich, standen am Straßenrand oder krochen die Hügel hinauf wie schwer atmende Metallbüffel mit Obstproblem.

Zunächst dachte ich: „Interessant. Thailand hat offenbar sehr aggressive Äpfel.“

Das stellte sich später als Fehleinschätzung heraus.

Es waren Durians.

Natürlich.

Je weiter ich fuhr, desto mehr davon tauchten auf.

Dann sah ich plötzlich ganze Plantagen.

Und erst da begriff ich: Das sind gar keine gewöhnlichen Bäume.

Das sind Durianbäume.

Ich hatte so etwas noch nie gesehen.

In meinem Kopf wachsen Früchte normalerweise in geordneten europäischen Zusammenhängen.

Apfelbaum. Birnenbaum. Vielleicht mal eine Kirsche.

Aber hier hing plötzlich überall dieses tropische Stachelgemüse der emotionalen Eskalation in den Bäumen herum.

Zwischendurch fuhr ich über irgendetwas auf der Straße.

So ein leichtes „wupp“.

Ich schaute kurz in den Spiegel.

Und sah dort eine ziemlich große Schlange.

Sehr große Schlange.

Wirklich unangenehm groß.

Nicht tot.

Zumindest hoffte ich das für sie.

Ich hatte sie erst bemerkt, nachdem ich bereits darüber gefahren war, was vermutlich für beide Seiten die nervenschonendste Lösung war.

Seitdem fuhr ich etwas konzentrierter.

Man entwickelt plötzlich erstaunlichen Respekt vor Straßenrändern, wenn man weiß, dass dort Dinge leben, die aussehen wie schlechte Entscheidungen der Evolution.

Kurz darauf erreichte ich ein Tal mitten im Gebirge.

Und dort befand sich plötzlich…

…Durian.

Überall.

Lagerhallen. Laster. Kisten. Menschen. Stapel. Noch mehr Durian.

Es sah aus, als hätte jemand beschlossen, die komplette Region wirtschaftlich ausschließlich auf Geruch aufzubauen.

Ich hielt an.

Nicht freiwillig.

Also natürlich technisch freiwillig.

Aber emotional eher aus ehelicher Verpflichtung.

Meine Frau liebt Durian.

Wirklich liebt.

Mit einer Begeisterung, die ich persönlich sonst nur von Menschen kenne, die Modelleisenbahnen sammeln oder Bitcoin evangelisieren.

Sie freut sich auf Thailand unter anderem deshalb, weil sie dort endlich wieder unbegrenzt Durian essen kann.

Ich hingegen empfinde den Geruch ungefähr so, als hätte jemand Zwiebeln, Heizöl und leicht beleidigten Camembert mehrere Tage gemeinsam in einen Kofferraum gesperrt.

Aber Liebe bedeutet manchmal eben Opfer.

Oder zumindest kontrollierte Geruchsbelastung.

Also stieg ich ab.

Sofort blickten mich ungefähr zwanzig Arbeiter gleichzeitig an.

Dieser klassische Thailand-Moment.

Man denkt, man beobachtet unauffällig etwas…

…und plötzlich beobachtet ein komplettes Dorf zurück.

Ein älterer Arbeiter grinste sofort breit.

„You like durian?!“

Kurze Pause.

Ich entschied mich für Diplomatie.

„My wife loves durian.“

Großes Gelächter.

Sofort.

Nicht bösartig.

Eher dieses verständnisvolle Lachen von Menschen, die offenbar schon viele ausländische Männer gesehen hatten, die tapfer versuchten, ihre Ehe durch tropisches Obstmanagement stabil zu halten.

„You no like?“

Ich überlegte kurz.

„I respect durian from safe emotional distance.“

Noch mehr Gelächter.

Einer der Männer hob eine besonders große Frucht hoch.

Dieses Ding sah aus, als könnte man damit mittelalterliche Burgtore aufbrechen.

„Very good! Number one!“

Dann hielt er sie mir direkt vors Gesicht.

Und der Geruch…

Nun ja.

Es war, als hätte ein Käsefondue in einer Gastherme persönliche Probleme entwickelt.

Gleichzeitig süß, schwer, gärend und irgendwie beleidigend.

Mein Gehirn reagierte darauf ungefähr wie eine europäische Brandschutzanlage.

Trotzdem lächelte ich höflich.

„Very impressive.“

Maximales Krisenmanagement.

Die Arbeiter lachten inzwischen hervorragend über mich.

Nicht aus Schadenfreude.

Eher freundlich interessiert.

Man merkte sofort: Der Farang bemüht sich ehrlich.

Auch wenn sein Gesichtsausdruck leicht an einen Mann erinnerte, der gerade versehentlich Batteriesäure probiert hat.

Einer der jüngeren Arbeiter fragte: „You send video wife?“

„Exactly.“

Sofort begannen alle begeistert zu posieren.

Plötzlich wurden Durians hochgehoben. Daumen gezeigt. Irgendjemand winkte. Ein anderer schrie etwas völlig Unverständliches in die Kamera.

Innerhalb weniger Sekunden hatte ich unbeabsichtigt offenbar einen kleinen lokalen Werbefilm für die thailändische Durianindustrie produziert.

Dann führte mich einer der Männer durch die Halle.

Und dort lagen sie.

Berge von Durians.

Tonnenweise.

Es sah aus wie ein militärisches Versorgungslager für sehr aggressive Igel.

Die Männer sortierten die Früchte mit einer Ernsthaftigkeit, die ich sonst nur von Herzchirurgen oder deutschen Finanzbeamten kenne.

Draußen rollten währenddessen ständig neue Lastwagen an.

Und plötzlich verstand ich: Diese Region lebt praktisch von Durian.

Hier war die Frucht keine exotische Spezialität.

Hier war sie Religion, Wirtschaftsfaktor und chemische Waffe zugleich.

Zwischendurch telefonierte ich mit Achim.

„Wo bist du?“

„In einer Durianhalle.“

Kurze Pause.

„Ah.“

Als wäre das die normalste Antwort der Welt.

Dann sagte er: „Pass auf wegen Elefanten.“

„Wie bitte?“

„Hier im Dschungel leben wilde Elefanten. Die gehen manchmal an die Durianlager.“

Ich dachte zunächst, er mache Witze.

Aber Achim ist keiner, der Unsinn erzählt.

Zumindest nicht absichtlich.

„Die klauen die Früchte?“

„Nicht direkt. Aber die randalieren manchmal.“

Ich stand mitten zwischen Tonnen von Durians und versuchte mir gerade vorzustellen, wie nachts wilde Elefanten tropische Obstlager überfallen.

Thailand schafft es wirklich regelmäßig, jede europäische Vorstellung von Realität vorsichtig zu nehmen und anschließend in einen Mixer zu werfen.

Während ich dort noch stand, hielt mir plötzlich einer der Arbeiter ein Stück Durian hin.

Einfach so.

Freundlich lächelnd.

Alle schauten erwartungsvoll.

Offensichtlich stand jetzt eine Art diplomatische Prüfung bevor.

Ich nahm ein kleines Stück.

Sehr kleines Stück.

Mikroskopisch klein.

Und probierte.

Die Konsistenz war überraschend cremig.

Fast angenehm.

Der Geschmack allerdings…

Nun.

Es fühlte sich an, als hätte Vanillepudding eine sehr schwierige Kindheit gehabt.

Die Männer beobachteten mich gespannt.

Ich nickte höflich.

„Very interesting.“

Das schien die perfekte Antwort gewesen zu sein.

Großes Gelächter.

Zufriedene Gesichter.

Einer klopfte mir sogar anerkennend auf die Schulter.

Wahrscheinlich hatte ich gerade irgendeine inoffizielle Integrationsprüfung bestanden.

Ich machte noch einige Fotos und einen kleinen Videoclip für meine Frau.

Man sieht darauf: Durian. Laster. Berge. Arbeiter. Und vermutlich auch meinen leicht traumatisierten Gesichtsausdruck hinter der Kamera.

Dann setzte ich den Helm wieder auf und fuhr weiter Richtung Chanthaburi.

Durch Berge.

Durch Nebel.

Durch Dschungel.

Und mit dem beruhigenden Wissen, dass irgendwo dort draußen offenbar wilde Elefanten nachts Durianlager terrorisieren.

Thailand bleibt wirklich ein Land, das sich konsequent weigert, langweilig zu werden.

Duriam.jpg

Duriam 2.jpg
 

Klimbim

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24 November 2024
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Kauf dir sowas in Vietnam , sind besser und funktionieren

Gut. Ich werde somit extra wegen Deines Vorschlages über Kambodscha weiter nach Vietnam fahren und mir Regenjacken kaufen.

Hohenstein, ich feiere Dich. Du hast mir eben den Vorwand für eine weite weitere Reise geliefert...

Im Ernst: kommt man inzwischen wieder über die Grenze nach Kambodscha? Ich glaube nicht...
 
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MGiebel

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Teil 32: „Klimbim, der Monsun und die Frau unter dem Blechdach oder wie ich lernte, einer thailändischen Mutter mein Leben anzuvertrauen, obwohl ich nicht einmal Google Maps bedienen konnte“



Nach ungefähr anderthalb Stunden Fahrt Richtung Chanthaburi begann die Landschaft langsam unangenehm interessant zu werden.

Das Navi hatte inzwischen nach mehreren Fehlversuchen offenbar beschlossen, mich nicht mehr über normale Straßen zu führen, sondern direkt durch die feuchtesten und einsamsten Stellen Südostthailands.

Autobahn vermeiden.

Motorradtauglich.

Keine Maut.

Schnellste Route.

Irgendwann hatte ich so viele Optionen angeklickt, dass vermutlich selbst Google kurz dachte: „Weißt du was? Fahr einfach irgendwo hin.“

Vor mir erhob sich langsam das Gebirge.

Und darüber…

…eine schwarze Wand.

Nicht einfach Wolken.

Eine richtige Wand.

So dunkel, als hätte jemand vor den Bergen heimlich den Eingang zur Unterwelt eröffnet und vergessen, das Licht wieder auszuschalten.

Ich fuhr direkt darauf zu.

Mit einem Motorrad.

Freiwillig.

Die Luft roch plötzlich unglaublich frisch.

Nach nasser Erde. Nach tropischem Regen. Nach Pflanzen.

Fast ein bisschen wie ein botanischer Garten kurz vor einer mittelschweren Depression.

Die Straße war schon nass.

Überall kleine Wasserflächen.

Aber der eigentliche Regen kam noch nicht.

Das war psychologisch deutlich unangenehmer.

Es fühlte sich an wie diese unnatürliche Ruhe kurz bevor irgendwo etwas sehr Dummes passiert.

Dann kam der Regen.

Nicht langsam.

Nicht vorsichtig.

Sondern sofort mit voller Kraft.

Innerhalb von Sekunden war alles nur noch Wasser.

Diese tropischen Regengüsse haben ungefähr dieselbe Feinfühligkeit wie ein Hochdruckreiniger auf Methamphetamin.

Ich schaffte es gerade noch unter ein kleines Blechdach vor irgendeinem Haus.

Dort stand ich nun.

Komplett durchnässt.

Neben mir das Motorrad. Vor mir Weltuntergang. Über mir ein Blechdach, das klang, als würde jemand Kies mit einer Schaufel aus dem ersten Stock darauf werfen.

Ich begann hektisch meine Regenausrüstung herauszuholen.

7-Eleven-Plastikanorak.

Theoretisch wasserdicht.

Praktisch eher ein philosophisches Konzept.

Schon beim Versuch, das Ding anzuziehen, begann der Wind daran herumzureißen.

Eine Ecke flatterte weg.

Dann die nächste.

Nach wenigen Sekunden sah ich aus wie ein international gesuchter Müllsack.

Ich gab auf.

Gegen solchen Regen diskutiert man nicht.

Den sitzt man einfach aus.

Wie Steuerprüfungen oder Flughafenprojekte.

Irgendwann öffnete sich die Tür hinter mir.

Eine thailändische Dame kam heraus und betrachtete zuerst den Regen, dann mich und schließlich wieder den Regen.

Sie war vielleicht Mitte dreißig, ausgesprochen gepflegt, freundlich und hatte genau diese ruhige thailändische Ausstrahlung, bei der man nie ganz weiß, ob Menschen einfach höflich sind oder bereits beschlossen haben, einen leicht in ihr Leben hineinzusortieren.

„You okay?“

„Perfectly fine“, antwortete ich, während wahrscheinlich ungefähr zwei Liter Wasser langsam aus meinen Schuhen liefen.

Sie nickte höflich.

Dieser typische thailändische Blick, bei dem man nicht genau weiß, ob die Menschen einen freundlich oder leicht besorgt ansehen.

„You ride alone?“

„Yes.“

Kurze Pause.

„Very long way.“

„That becomes increasingly obvious.“

Sie lachte leise.

Nicht laut.

Eher dieses warme höfliche Lachen, das Thai-Frauen oft haben, wenn sie glauben, ein Farang sei gleichzeitig leicht verrückt und irgendwie sympathisch.

„You handsome bike.“

Das war sprachlich nicht ganz eindeutig.

Ich entschied mich vorsichtshalber dafür, das Kompliment ausschließlich auf das Motorrad zu beziehen.

„Thank you. It has emotional problems sometimes, but generally good character.“

Sie lachte wieder.

Dann fragte sie: „You want come inside? Rain very long maybe.“

„No no, thank you very much. Here is perfectly fine.“

Sie blieb trotzdem noch einen Moment stehen.

Nicht aufdringlich.

Eher interessiert.

So als würde sie versuchen herauszufinden, warum ein komplett durchnässter Europäer freiwillig mitten durch einen Monsun Richtung Chanthaburi fährt.

Wahrscheinlich aus demselben Grund, aus dem andere Menschen Jetskis finanzieren oder Kryptowährungen kaufen. Eine Mischung aus Hoffnung und Realitätsverlust.

„You hungry?“

„No thank you.“

„Coffee?“

„No thank you.“

Kurze Pause.

„Beer?“

Ich dachte kurz nach.

„That is a dangerously good idea.“

Diesmal lachte sie deutlich lauter.

Kurz darauf tauchten Kinder auf.

Viele Kinder.

Ich weiß bis heute nicht genau, woher die plötzlich kamen.

Thailand hat manchmal die Eigenschaft, Kinder spontan aus der Landschaft wachsen zu lassen.

Sie standen um das Motorrad herum und betrachteten alles sehr aufmerksam.

Mich.

Das Motorrad.

Meine völlig sinnlose Regenjacke.

Ein Junge zeigte auf das Motorrad.

„Big bike?“

„Emotionally, yes.“

Er nickte ernsthaft.

Wahrscheinlich hielt er das für eine technische Angabe.

Die Dame setzte sich irgendwann ebenfalls unter das Blechdach.

Mit etwas Abstand.

Aber doch nah genug, dass man sich normal unterhalten konnte, ohne den Monsun anschreien zu müssen.

Und dann begann etwas sehr Thailändisches.

Ich sagte fast nichts…

…und bekam trotzdem innerhalb kurzer Zeit ungefähr die komplette Lebensgeschichte erzählt.

Familie. Kinder. Arbeit. Verwandtschaft. Noch mehr Verwandtschaft. Leute, die ich niemals kennenlernen werde, über deren Probleme ich jetzt allerdings erstaunlich gut informiert war.

Thailand ist wirklich das einzige Land, in dem man sich zufällig vor Regen unterstellt und danach emotional ungefähr Cousin dritten Grades einer fremden Großfamilie wird.

Zwischendurch fragte sie plötzlich:

„You married?“

„Yes. Very happily.“

Sie nickte langsam.

„Ahhh.“

Dann schaute sie kurz auf das Motorrad.

Dann wieder zu mir.

„Your wife not worry you ride in rain?“

„I suspect she stopped trying years ago.“

Darüber musste sie erstaunlich lange lachen.

Nicht dieses höfliche Thailand-Lachen.

Richtig lachen.

Kurz darauf rief Achim an.

„Wo bist du?“

Ich schaute hinaus in die grauschwarze Regenwand.

„Schwer zu sagen. Meteorologisch vermutlich bereits kurz vor dem Untergang.“

Im Hintergrund hörte ich wieder Pingpong-Pupu-Pang oder wie auch immer er hieß.

„Rain very bad?!“

„Slightly historic.“

Großes Gelächter am anderen Ende.

Offenbar war meine Situation dort eher Unterhaltung.

Irgendwann fragte mich die Dame: „You know way?“

Ich zeigte ihr mein Handy.

Und damit begann die eigentliche Krise.

Google Maps hatte inzwischen offenbar selbst die Orientierung verloren.

Jedes Mal, wenn ich irgendetwas drückte, erschien plötzlich ein anderes Ziel.

Einmal sollte ich Richtung Rayong.

Dann Richtung Trat.

Zwischendurch hatte ich kurz den Eindruck, die App wolle mich langfristig nach Kambodscha umsiedeln.

Die Dame nahm mir schließlich das Handy aus der Hand.

Und plötzlich funktionierte alles sofort.

Neue Route. Richtige Strecke. Kein Problem.

„Ahhh“, sagte sie freundlich. „You press wrong.“

„That theory has strong evidence.“

Ich stand daneben wie ein leicht verwirrter Europäer, der gerade feststellen musste, dass eine thailändische Mutter unter einem Blechdach technisch deutlich kompetenter war als er selbst.

Dann geschah etwas sehr Merkwürdiges.

Ohne irgendeinen Anlass begann sie plötzlich, mein Motorrad zu putzen.

Einfach so.

Mit Tuch. Mit Wasser. Mit erstaunlichem Ehrgeiz.

„No no please, really no need.“

Sie winkte nur ab.

„Too dirty.“

Das sagte sie mit der Entschlossenheit eines Menschen, der offenbar nicht akzeptieren konnte, dass ein Motorrad in diesem Zustand weiterexistiert.

Inzwischen halfen auch die Kinder.

Eines putzte den Spiegel.

Ein anderes drückte begeistert irgendwelche Knöpfe.

Ich hatte kurz Sorge, dass die Kinder am Ende technisch besser mit meinem Motorrad vertraut wären als ich selbst.

Und dann hörte der Regen plötzlich auf.

Einfach so.

Als hätte jemand oben beschlossen: „Genug.“

Die Sonne kam leicht zurück.

Dampf stieg von der Straße auf.

Fünf Minuten nach dem Weltuntergang sah plötzlich wieder alles vollkommen friedlich aus.

Thailand macht das ständig.

Ich bedankte mich mehrfach.

Die Dame lächelte.

Etwas länger diesmal.

„You come again maybe.“

Nicht ganz Frage.

Nicht ganz Aussage.

Eher eine vorsichtig formulierte Möglichkeit.

Ich setzte den Helm auf.

„Maybe yes. Maybe no. Life mysterious.“

Sie lachte laut.

Die Kinder winkten.

Ich startete das Motorrad und fuhr weiter Richtung Chanthaburi.

Während hinter mir Menschen standen, die ich vorher nie gesehen hatte…

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Für deinen nächsten Trip in der Regenzeit 😀, ich habe auch noch ein Erste Hilfe Set dabei.
 

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Für deinen nächsten Trip in der Regenzeit 😀, ich habe auch noch ein Erste Hilfe Set dabei.


Ich ebenso. In Deutschland gekauft und durch meine Frau hier ergänzt. Die hat für Prüfungen der Intensivmedizin die sie momentan macht sowieso mit mir so oft geübt bzw. ich mit ihr, dass ich kürzlich ein Unfallopfer recht fachmännisch versorgte bis die Ambulanz kam. Das dauerte aber wieder einmal echt ewig.

Diese Unfälle hier sind alarmierend. Sie bewirken massive Demut und Vorsicht meinerseits. Bei starkem Regen fahre ich nicht.
 
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