Phu Thok statt TikTok – oder: Wenn der Tag schon nass beginnt
7:00 Uhr Abfahrt.
Das war zumindest das, was wir ausgemacht hatten.
Und weil ich ein ausgesprochen zuverlässiger Mensch bin, stellte ich mir tatsächlich einen Wecker. Man soll ja schließlich nicht schon am ersten Tag der Tour durch
thailändische Zeitrechnung negativ auffallen.
Da ich von Natur aus eher der unruhige Schläfer bin, bekam ich nachts bereits einen kleinen Vorgeschmack auf das, was uns am nächsten Morgen erwarten sollte.
Egal ob Rechtsdrehung, Linksdrehung oder komplette 360-Grad-Wende im Bett – ich hörte es draußen immer wieder ordentlich regnen.
Mein erster Gedanke:
„Na super… morgen heißt es dann wohl: Durch den Monsun.“
Das Wetter hatte allerdings zumindest ein kleines bisschen Mitleid mit uns.
Schwager verfrachtete Madame samt Koffer auf dem Moped vom Bungalow zum Auto beim Elternhaus.
Und ich durfte auf dieser kurzen Strecke schon einmal meinen Regenponcho einem Praxistest unterziehen.
Also rein ins Auto, Cousine eingesammelt, mich selbst nach hinten verfrachtet und los ging es Richtung
Wat Phu Thok.
Den Kaffee hatte ich mir morgens noch gemütlich auf der Terrasse gemacht. Das restliche Frühstück bestand aus 7/11-Mikrowellen-Snacks.
Kulinarisch geht definitiv mehr.
Aber laut TikTok und diversen selbsternannten Internet-Food-Experten hätte ich daraus wahrscheinlich einfach einen „Hidden Gem Breakfast Hack“ machen müssen.
Phu Thok finde ich allerdings sowieso besser als TikTok
.
Und dort gibt es wenigstens richtige Berge statt Leute, die 30 Sekunden lang erklären, wie man ein Ei kocht oder so.
Unterwegs durch die Provinz Bueng Kan konnte man dann teilweise sehen, dass Petrus in den vergangenen Stunden offensichtlich etwas zu enthusiastisch den Wasserhahn aufgedreht hatte.
Einige Bäume machten jedenfalls einen deutlich kürzeren Eindruck als vorher.
Am Wat Phu Thok angekommen hieß es zunächst einmal Schuhwerk wechseln
. Sicher ist sicher.
Das Wetter präsentierte sich weiterhin ausgesprochen abwechslungsreich. Mal trocken, mal nass, mal schwül und alles gerne innerhalb von fünf Minuten.
Und irgendwie verlieh genau das dem Ganzen einen besonderen Charme.
Aufgrund der Wetterlage hatte der schlaue Farang allerdings irgendwann beschlossen, den Regenponcho lieber im Auto zu lassen.
Eine Entscheidung, die sich später als… sagen wir mal… optimistisch herausstellen sollte.
Tolle Aussichten. Ich habe zu viele Bilder gemacht

Daher hier erstmal ein paar Eindrücke
gefühlt umkreist man den Berg mehr als einmal , das stimmt aber nicht ganz.
Das müsste ungefähr halbe oder 2Drittel Höhe sein
Bis hier hin waren die Wege ganz gut .Letzte Etappe
Wenn man hier ist muss man auch den Gipfel erklimmen. Man sollte nur nicht zu nah an dem Rand
Weitere Fotos und ein Video kann ich gerne bei Bedarf nachreichen.
Denn irgendwann kam ich unten wieder an – ziemlich nass.
Aber das gehört zu einem ordentlichen Isaan-Abenteuer ja irgendwie dazu.
Bei dieser Luft schwitzt man bereits, wenn man einfach nur steht.
Dann kommt noch der Regen dazu.
Und irgendwann weiß man überhaupt nicht mehr:
Bin ich nass vom Schwitzen, vom Regen oder einfach nur noch grundsätzlich Bestandteil des örtlichen Wasserkreislaufs?
Die Wege rund um den Berg sind übrigens weitestgehend gar nicht so schlimm, wie sie auf den ersten Blick aussehen.
Steile Treppen, die einfach mitten in die Natur gebaut wurden, kenne ich mittlerweile.
Thai Style eben, zumindest auf oberster Ebene.
Geländer? Optional.
Absturzsicherung? Luxus.
Vertrauen in Buddha? Serienausstattung.
Und uf der letzten Etappe kommt dann nochmal richtiges Dschungel-Feeling auf.
Aber wer etwas sehen will, muss eben leiden.
Und solange ich noch einigermaßen fit bin, genieße ich solche Touren tatsächlich – auch wenn die Oberschenkel irgendwann anfangen, mit mir über ihre Arbeitsbedingungen zu diskutieren.
Ganz oben musste natürlich noch der obligatorische Beweis-Thai-Ruup gemacht werden.
Man will schließlich später nicht erklären müssen, dass man tatsächlich oben war.
Allerdings sollte man hier durchaus etwas Vorsicht walten lassen, vor allem wenn es Nass ist.
Denn Thai Style bedeutet an dieser Stelle wirklich Thai Style.
Wenn man fällt, hat man zumindest teilweise freie Sicht.
Es war also kein
feuchtfröhlicher Abend, dafür aber ein ausgesprochen
feuchtfröhlicher Tagesabschnitt.
Zurück im Auto erstmal die hintere Belüftung ausgeschaltet, Haare getrocknet und mich mit einem Handtuch zugedeckt.
Ich sah vermutlich aus wie eine Mischung aus begossenem Pudel und schlecht vorbereitetem Survival-Teilnehmer.
Keine fünf Minuten später gab es dann endlich verspätetes Frühstück und Mittagessen in einer Mahlzeit.
Natürlich Thai Food.
Pom tschôop!
Gut gesättigt machten wir uns anschließend weiter auf den Weg in die Nachbarprovinz
Nakhon Phanom.
Unser Ziel:
Phu Langka National Park – อุทยานแห่งชาติภูลังกา.
Die eigentliche Tour war zwar erst für den nächsten Tag geplant, aber da wir noch etwas Zeit hatten, schauten wir uns unten schon einmal einen kleinen Wasserfall an.
Wasser hatten wir ja schließlich noch nicht genug gesehen.
Anschließend ging es zur Unterkunft, ungefähr zehn Minuten vom Nationalpark entfernt.
Das sollte uns am nächsten Morgen etwas entspannter starten lassen.
Untergebracht waren wir in der
3039 นาคี สเตชั่น / Nakee Station.
Wir hatten zwei Bungalows gebucht.
Ich persönlich bin ja nicht unbedingt der größte Fan von Gruppenkuscheln.
Aber was nicht ist, kann ja noch werden.
Bei uns standen sogar drei Betten.
(Mehr Fotos vom Mini Resort kommen noch im nächsten Abschnitt)
Was sich später als…
naja… nicht unbedingt als Glück, aber zumindest als praktisch herausstellen sollte.
Die kleine Anlage ist jedenfalls wirklich schön und liebevoll angelegt. Die einheimischen Betreiber waren ebenfalls ausgesprochen nett.
Und ich freute mich vor allem auf eines:
Eine Dusche.
Nach diesem Tag wäre ich notfalls auch mit einem Gartenschlauch zufrieden gewesen.
Bis zum Abendessen war noch etwas Zeit, also holte ich drei Leo Yai mit Nam Keng für mich sowie zwei Gläser für Madame und mich zum Bungalow.
Diese Erfrischung war jetzt keine Option mehr. Sie war medizinisch notwendig.
Dafür , dass sie in der Ecke quasi doe Hoheit haben, waren die 340 thb noch OK.
Gegen Abend sollte es dann zu einem netten Plätzchen in der Nähe des Mekong gehen.
Und obwohl der dumme Farang im Vorfeld bereits erwähnt hatte, dass es in dieser Gegend wohl Probleme mit Hochwasser geben könnte, sollte sich später zeigen:
Was weiß Farang schon?
Kurz vor dem Ziel hatten wir jedenfalls einen kleinen Informationsaustausch mit Einheimischen.
Sinngemäß:
„Euer Auto ist hoch, ihr könnt da durchfahren.“
Okay.
„Hat das Restaurant denn geöffnet?“
„Nee.“
„In der Straße hat wegen Hochwasser alles zu.“ 

Ach so.
Na dann.
Straße zum Restaurant am Mekong
Man hätte natürlich auch vorher mal auf der Facebook-Seite des Restaurants nachschauen können.
Mann ja.
Frau nicht.
Dort stand nämlich bereits seit zwei Tagen, dass das Restaurant wegen Hochwasser geschlossen hatte.
Aber dann wäre ja der halbe Spaß weggefallen.
Also Kehrtwende.
Und siehe da: Keine 100 Meter zurück entdeckten wir einen kleinen
Mookata.
So. Nicht lange fackeln.
Anhalten. Essen. Problem gelöst.
So einfach kann thailändische Krisenbewältigung sein.
Zwar nicht direkt am Fluss – aber das Wasser war ja immerhin nicht mehr weit weg.
Mekong-Feeling mit leicht erhöhtem Hochwasser-Risiko.
Während wir uns gerade durch das Essen arbeiteten, bekam Cousine plötzlich einen Anruf von der Unterkunft.
Und jetzt wurde es interessant.
Die Unterkunft hatte einen kleinen Fehler gemacht.
Einen
kleinen.
Der Bungalow von Cousine und Stieftochter war nämlich eigentlich schon anderweitig vermietet.
Ups.
Also ließen wir uns kurzerhand auf
familiäres Gruppen-Kuscheln in unserem Bungalow ein.
Für eine Nacht würde das schon gehen.
Wobei von
„trauter Zweisamkeit“ anschließend nicht mehr wirklich gesprochen werden konnte.
Aber gut:
Familie, Nähe und fehlende Privatsphäre – manchmal bekommt man im Urlaub eben das Komplettpaket.
Das Geld für den zweiten Bungalow wurde uns natürlich erstattet und als kleine Wiedergutmachung gab es für alle ein kostenloses Frühstück.
Also eigentlich alles wieder gut.
Was sollte jetzt noch schiefgehen?
Außer vielleicht der Drohnen-Pilotentest der CAAT. 
Im Nachhinein betrachtet hätte ich vielleicht einfach die letzten beiden Leo weglassen sollen.
Vielleicht wäre dann wenigstens der Drohnenpilot nüchtern genug gewesen, um nicht schon vor dem Test innerlich die komplette Flugbahn neu zu berechnen.
Zurück im Resort waren die Sachen der Mädels bereits in unseren Bungalow verfrachtet.
Damit war das
Gruppenkuscheln offiziell eröffnet. Zu den 3 Matratzen wurde dann noch eine 4te irgendwie dazwischen gequetscht.
Nach diesem ereignisreichen Tag dauerte es dann auch nicht mehr lange, bis alle ziemlich früh eingeschlafen waren.
Und ich hatte das Gefühl:
Manchmal sind wir selbst schon das Abenteuer.

Bis denne...
