Vor gefühlt 1000 Jahren war ich während einer Ausbildungskooparation ein paar Monate in Thailand stationiert. In dieser Zeit hatte ich eine Art Beziehung mit der Witwe eines Generals. Das war so ziemlich das anstrengendste das ich je erlebt habe. Niemand durfte davon wissen weil ich ein farang bin. Trotzdem hat sie mir ein Drama nach dem anderen geliefert. Damals habe ich mir geschworen von der „normalen“ Gesellschaft im Los die Finger zu lassen. Bin ganz zufrieden damit.
Eine ganz ähnliche Erfahrung habe ich vor etwa 13 Jahren auch gemacht – mit der einzigen Tochter eines ehemaligen, sehr hochrangigen Militärgenerals. Wir kannten uns schon länger über Tinder (das war damals noch ganz neu), woraus dann viel später eine zweimonatige „Beziehung“ entstand. Aus ihrem Umfeld durfte absolut niemand davon wissen. Da sie aber allein in einem großen Haus in Bangkok wohnte, habe ich etliche Male bei ihr übernachtet, oder sie eben bei mir im Condo. Nach genau zwei Monaten beendete sie die Beziehung von heute auf morgen und völlig ohne Vorwarnung.
Ich habe das anfangs überhaupt nicht auf die Reihe bekommen und mich nur gewundert. Erst einige Zeit später verriet sie mir den wahren Grund: Sie hatte damals vorsichtig bei ihrem Vater vorgefühlt und gefragt, was er davon halten würde, wenn sie einen
Farang als Freund hätte – sie wollte ihm unsere Beziehung schonend beibringen. Der Vater ist komplett ausgeflippt und meinte: Unter keinen Umständen! Man muss dazu sagen, dass ihre Mutter erst zwei Jahre zuvor an Krebs gestorben war und auch der Vater schwer krebskrank war und oft in der Klinik lag.
Aufgrund dessen – und wegen der Tatsache, dass ich damals noch nicht offiziell geschieden war, sondern nur schon lange getrennt lebte – entschied sie sich für den radikalen Schlussstrich. Der Grund war ausschließlich der Vater.
Später habe ich allerdings noch etwas herausgefunden: Sie hatte in meinem Condo jeden einzelnen Security-Mitarbeiter geschmiert. Die Jungs haben ihr jedes Mal Bericht erstattet, wenn ich das Haus verlassen habe oder zurückgekommen bin. Zudem ist mir in dieser Zeit aufgefallen, dass ein bestimmter Thai auffällig oft an den Orten auftauchte, an denen ich gerade mit Kumpels um die Häuser zog. Keine Ahnung, ob ich da zusätzlich unter professioneller Überwachung stand.
Das allein wäre für mich schon Grund genug gewesen, die Reißleine zu ziehen. Beziehungen brauchen Vertrauen und keine Spionage.
Heute stehen wir über Instagram immer mal wieder in Kontakt. Der Vater ist inzwischen verstorben. Aber auch wenn sie heute immer noch toll aussieht, wäre das keine Option mehr für mich. Es freut mich zu sehen, dass es ihr gut geht, aber in ihrem thailändischen
HiSo-Leben würde ich mich wahrscheinlich nicht wohlfühlen. Sie hatte in ihrem Leben bisher nur zwei Beziehungen: Einmal mit dem Sohn eines extrem reichen und bekannten Bauunternehmers – da wurden nur Ferraris, Porsches oder Lamborghinis bewegt. Und eben mit mir – bei mir saß sie das erste Mal in ihrem Leben auf der Rückbank eines Rollers, weil ich damals noch kein Auto in BKK hatte. ( Sie schon - aber klar Benz- darunter ging nichts ) Es hat ihr aber sichtlich Spaß gemacht. Sie ist auch noch nie im Leben MRT oder BTS gefahren - das bis heute.
Für mich war es eine extrem interessante Lebenserfahrung, mal in die thailändische HiSo-Klasse hineinzuschnuppern. Aber eines ist klar:
Farangs sind dort absolut nicht willkommen.
Deshalb: Deine Erfahrung war keine Erfahrung mit der „normalen“ Gesellschaft hier. Und sei froh, dass es irgendwann vorbei war. In diesen Kreisen verschwinden Leute, die nicht gewollt sind, auch mal ganz diskret – und kein Hahn kräht danach. Da wird der Körper in irgendeinem Klong gefunden und alle Ermittlungen werden ganz schnell zu den Akten gelegt.
Man darf das also auf keinen Fall verwechseln: Mit der normalen thailändischen Gesellschaft hat das absolut null zu tun.