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News Der Rentner in Pattaya - eine bissig satirische Abrechnung

Klimbim

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24 November 2024
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Das, das Pattaya in und auswendig kennt, jedermann Pattaya erklärt, war aber noch nicht wirklich dort.

Disclaimer​

Hinweis vor der wissenschaftlich völlig unhaltbaren Betrachtung:

Für diese Folge wurden aus Gründen der praktischen Vereinfachung zwei in freier Wildbahn normalerweise getrennt auftretende Spezies miteinander verschmolzen:

zum einen der Pattaya-Experte,
zum anderen die Pattaya-Moralistin.

Aus dem Experten wurde dabei eine Expertin.

Aus der Expertin wurde zusätzlich eine Moralistin.

Und aus zwei ohnehin schon ausgesprochen erklärungsbedürftigen Lebensformen wurde somit kurzerhand ein einziges Exemplar hergestellt.

Das ist biologisch fragwürdig, dramaturgisch aber ausgesprochen praktisch.

Die so entstandene Expertin-Moralistin verfügt nun gleichzeitig über das erstaunliche Talent, Dinge, die sie niemals selbst erlebt hat, fachkundig zu erklären, und Dinge, die andere Menschen tatsächlich erlebt haben, moralisch zu bewerten.

Damit entfällt für sie erfreulicherweise auch die lästige Notwendigkeit, sich zwischen „Ich weiß es besser“ und „Das darf man so aber nicht sehen“ entscheiden zu müssen.

Sie kann beides.

Gleichzeitig.

Aus Gründen der Übersichtlichkeit habe ich deshalb darauf verzichtet, zwei verschiedene Texte über zwei verschiedene Figuren zu schreiben, und beide Erscheinungsformen in diesem einen Text zusammengeführt.

Das spart Platz, Zeit und vermutlich auch zwei weitere Forumsdiskussionen.

Sollte sich jemand aus der Gruppe der Experten, Expertinnen, Moralisten oder Moralistinnen durch diese Zusammenlegung persönlich, fachlich, geschlechtlich, ideologisch oder lediglich aufgrund einer auffällig präzisen Beschreibung seines Internetverhaltens angesprochen fühlen, bitte ich bereits an dieser Stelle höflich um Entschuldigung.

Es war nicht meine Absicht, zwei unterschiedliche Arten von Besserwisserei miteinander zu vermischen.

Ich wollte lediglich praktisch sein.

Außerdem erschien es mir wissenschaftlich sinnvoll, zunächst einmal herauszufinden, wie viele Eigenschaften ein einziger Mensch gleichzeitig besitzen kann, ohne jemals in Pattaya gewesen zu sein.

Die Ergebnisse dieser Untersuchung folgen nun.
 
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Klimbim

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24 November 2024
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Pattaya-Naturkunde – Teil 18: Die gemeine Pattaya-Expert:in aus dem Volk der Expert:innen​


Eine wahre Geschichte. Nur die Expertin ist erfunden.

Es gibt in der Welt der Pattaya-Beobachterinnen und -Beobachter eine ganz besondere Spezies.

Sie lebt nicht in Pattaya.

Sie war nie dort.

Sie kennt keine Bar.

Keinen Condo.

Keinen Baht-Taxi-Fahrer.

Keinen 7/11 um drei Uhr morgens.

Keinen Strand.

Keine Soi.

Nichts.

Und trotzdem kennt sie Pattaya besser als jeder Mensch, der tatsächlich dort lebt.

Die gemeine Pattaya-Expertin aus dem Volk der Expert:innen

(ist das korrekt gegendert? Meine Tochter ist grad auf Reisen, ich kann sie nicht fragen. Schreibt man das I nun gross, oder klein beim Gendern?)


Ihr zoologischer Name:

Expertus pattayensis fernbeobachticus.


Ihr natürlicher Lebensraum ist das Internet.

Genauer gesagt: ein deutsches Forum.

Noch genauer: ein Thread über Pattaya.

Sobald dort jemand schreibt:

„Bin gerade in Pattaya und habe eigentlich eine ganz gute Zeit.“

beginnt bei der Fernexpertin die innere Alarmanlage zu arbeiten.

Sie liest den Satz. Schaut auf den Bildschirm.

Rückt ihre Nickelbrille zurecht.

Atmet einmal tief ein.

Und schreibt:

„Du weißt offenbar nicht, was Pattaya wirklich ist.“

Das ist ihr Spezialgebiet.

Die Realität anderer Menschen zu korrigieren.

Die Fernexpertin sitzt dabei meistens zu Hause.

Kurze, akkurat geschnittene lila Haare.

Nickelbrille.

Funktionale Strickjacke.

Bequeme Schuhe.

Vor ihr ein Laptop.

Neben dem Laptop ein Kaffee, der seit ungefähr 45 Minuten kalt ist. Eine Latte. Nein, nicht das, was ihr jetzt denkt. Ich mein dieses modische Kaffeegetränk, das in Berlin Kreuzberg sogar im U Bahnschacht angeboten wird, in Strandkörben neben dem Stand für lila Bettwäsche und Sonnenblumen...ihr wisst schon...

Auf dem zweiten Bildschirm läuft ein YouTube-Video:

„Pattaya – die Wahrheit über die Stadt der Sünde.“

Das Video ist 38 Minuten lang.

Die Fernexpertin hat es vollständig gesehen. 100 x hinter einander. Natürlich.

Damit besitzt sie gegenüber jedem Menschen, der seit zehn Jahren in Pattaya lebt, einen entscheidenden Informationsvorsprung.

Sie hat recherchiert.

„Ich kenne Pattaya.“

Das sagt sie gerne.

„Warst du schon mal dort?“

Kurze Pause.

Sie schiebt die Nickelbrille höher. Die Augen verengen sich gefährlich...

„Nein.“

Aber darum geht es nicht.

Sie kennt schließlich auch den Mond.

Und da war sie ebenfalls noch nicht.

Die Fernexpertin besitzt ein erstaunlich umfangreiches Wissen über Pattaya.

Sie kennt die Sois.

Sie kennt die Bars.

Sie kennt die Preise.

Sie kennt die Frauen.

Sie kennt die Männer.

Sie kennt die Motive.

Sie kennt die sozialen Strukturen.

Sie kennt sogar die Gedanken der Menschen.

Wenn ein Mann in Pattaya schreibt: „Ich bin hier glücklich.“...

...weiß die Fernexpertin sofort:

„Der redet sich das nur schön. Ein Vertreter des Patriachats. Alter weisser Mann...äh...Sack".

Wenn ein anderer schreibt:

„Ich habe hier meine Frau kennengelernt.“

weiß die Fernexpertin: „Die will nur sein Geld und er nur Macht über sein Opfer".


Wenn jemand schreibt:

„Ich lebe seit acht Jahren hier und fühle mich wohl.“

weiß sie: „Der ist abgestumpft, muss umerzogen werden".

Das ist schon beeindruckend.

Die Frau kennt nicht einmal die Person.

Aber ihren inneren Zustand kennt sie genau.

Besonders gut kennt die Fernexpertin die Männer.

Sie hat dafür eine einfache Theorie.

Wer nach Pattaya fliegt, fährt nicht wegen des Wetters.

Nicht wegen des Essens.

Nicht wegen der Lebenshaltungskosten.

Nicht wegen des Klimas.

Nicht wegen der Strände.

Nicht wegen der Menschen.

Und ganz bestimmt nicht, weil ihm Thailand gefällt.

Nein.

Der Mann fliegt nach Pattaya, weil er in Deutschland keine Frau bekommt, die er mal so richtig unterdrücken kann...am besten, indem er Ehegattennachunterhalt zahlt ...

Das weiß die Fernexpertin.

Warum?

Weil es so im Internet steht.

Mehrfach.

Mit Quellen.

Die Quelle lautet: „Hab ich oft genug gelesen.“

Damit ist die Sache wissenschaftlich abgeschlossen.

Die Fernexpertin kennt auch die berühmte Theorie vom deutschen Mann, der in Pattaya plötzlich zum König wird.

„Die kommen mit ihren Euros und glauben, sie sind die Größten.“

Das sagt sie.

Während sie auf ihrem deutschen Bürostuhl sitzt.

Mit 1.200 Euro auf dem Girokonto.

Der Mann in Pattaya hat vielleicht 4.000 Euro Rente, glaubt sie...

Aber das ist nebensächlich.

Denn die Fernexpertin hat eine Theorie.

Und Theorien müssen nicht unbedingt mit Zahlen belästigt werden.

Besonders empört sie, wenn jemand schreibt:

„Ich fühle mich hier wohl.“

Das kann sie nicht akzeptieren.

Wohlfühlen ist in Pattaya nämlich nur erlaubt, wenn die Fernexpertin vorher die moralische Genehmigung erteilt hat.

Hat sie nicht.

Also schreibt sie: „Was soll daran schön sein?“

Dann:

„Pattaya ist doch bekannt.“

Dann:

„Jeder weiß, was dort abgeht.“

Dann:

„Wenn du Kultur willst, geh in den Isaan.“

Oder nach Chiang Mai.

Oder in einen Tempel.

Irgendwohin jedenfalls, wo die Welt noch moralisch in Ordnung ist.

Die Fernexpertin liebt Tempel.

Sehr. Schon seit 1975

Sie war allerdings auch dort noch nicht.

Aber sie findet sie kulturell wertvoll.

Sie hat ungefähr 17 Fotos von thailändischen Tempeln auf Google Images gesehen.

Das reicht.

„Das ist das wahre Thailand.“

Das sagt sie.

Wenn jemand antwortet: „Ich war in Bangkok, Chiang Mai, im Isaan und auf Koh Samui.“

sagt die Fernexpertin:

„Trotzdem kennst du das Land nicht.“

Die andere Person fragt: „Und du?“

Die Fernexpertin: „Ich beschäftige mich intensiv damit.“

Das ist ein wichtiger Unterschied.

Andere Menschen fahren hin.

Sie beschäftigt sich damit.

Ihre Kenntnisse stammen aus verschiedenen wissenschaftlichen Quellen.

YouTube.

Foren.

Facebook.

Dokumentationen.

Google.

Und einer Bekannten, deren Schwager einmal sechs Wochen in Thailand war.

Dieser Schwager ist eine besonders wichtige Autorität.

„Der hat mir erzählt, wie das wirklich läuft.“

Was genau wirklich läuft, weiß niemand.

Aber es klingt belastbar.

Die Fernexpertin hat außerdem eine sehr klare Vorstellung davon, wie Thailänderinnen denken.

Das ist besonders bemerkenswert.

Denn mit Thailänderinnen hat sie ebenfalls kaum gesprochen.

Aber sie kennt ihre Motive.

„Die wollen nur Geld und werden von ihren Gönnern unterdrückt."

" Warum bekomme ich dieses Geld eigentlich nicht"? ... denkt sie weiter...

„Die sind alle auf Farang aus.“

„Die lachen dich an und rechnen gleichzeitig.“

„Die wissen genau, was sie tun.“

Das klingt wie eine Mischung aus Soziologie und sehr schlechtem Kriminalroman.

Wenn man sie fragt: „Woher weißt du das?“

kommt meistens: „Das ist doch bekannt.“

Dieser Satz ersetzt bei der Fernexpertin ungefähr 70 Prozent aller Quellen.

Die restlichen 30 Prozent bestehen aus:

„Eine Bekannte von mir.“

Die Fernexpertin ist überzeugt, dass Pattaya ausschließlich aus Sextourismus besteht.

Das ist für sie nicht nur eine Meinung.

Es ist eine Geografie.

Pattaya besteht aus:

Bar.

Bardame.

Sextourist.

Deutscher Rentner.

Geld.

Ende.


Wenn jemand ein Foto vom Strand postet:

„Schau, Sonnenuntergang.“

Die Fernexpertin:

„Ja, und fünf Minuten weiter sitzen die Sextouristen.“

Wenn jemand ein Foto vom Essen postet:

„Pad Thai.“

Die Fernexpertin: „Das kannst du auch überall bekommen beim Vietnamesen eine U Bahn weiter, Berlin Kurfürstenstrasse".

Wenn jemand ein Foto vom Condo postet:

„Schöne Aussicht.“

Die Fernexpertin: „Mitten im Sextourismus.“

Sie schafft es, selbst einen Sonnenuntergang moralisch zu belasten.

Das ist schon eine seltene Begabung.

Besonders nervös wird sie, wenn jemand tatsächlich dort lebt und widerspricht.

„Also ich lebe seit fünf Jahren hier und sehe das etwas anders.“

Die Fernexpertin wird unruhig.

Fünf Jahre?

Das ist natürlich gefährlich.

Denn jetzt kommt jemand mit eigener Erfahrung.

Das muss korrigiert werden.

„Du bist doch längst betriebsblind.“

Natürlich.

Wer vor Ort lebt, kann Pattaya nicht verstehen.

Wer 9.000 Kilometer entfernt sitzt, kann es dagegen sehr gut.

Das ist ein Grundprinzip der Fernexpertin.

Distanz schafft Objektivität.

Je größer die Entfernung, desto größer die Erkenntnis.

Am besten wäre wahrscheinlich der Nordpol.

Von dort aus könnte man Pattaya vermutlich perfekt beurteilen.

Die Fernexpertin hat auch ein Lieblingswort:


„Normal.“

„Ein normaler Mann macht so etwas nicht.“

„Eine normale Frau lebt nicht so.“

„Normale Menschen fahren nicht nach Pattaya.“

Was normal ist, entscheidet sie.

Natürlich.

Normalität ist schließlich ein internationales Konzept.

Mit ihr als Vorsitzende.

Oder, je nach Tagesordnung, Vorsitzenderin.

Eines Tages schreibt jemand: „Ich bin jetzt seit sechs Monaten hier und fühle mich zum ersten Mal seit Jahren wirklich glücklich.“

Die Fernexpertin liest den Satz.

Ihre Nickelbrille rutscht ein wenig nach vorn.

Ihr Kaffee ist inzwischen wirklich kalt.

Sie stellt ihn zur Seite.

Das ist jetzt wichtig.

Sie schreibt: „Glücklich? In Pattaya?“

Dann löscht sie den Satz.

Zu direkt.


Sie schreibt: „Jeder muss natürlich selbst wissen, was er tut.“

Liest es.

Sehr vernünftig.

Dann folgt der zweite Satz: „Aber ich persönlich könnte dort niemals glücklich werden.“

Auch gut.

Dann kommt:

„Dafür gibt es ja auch Gründe.“

Jetzt ist sie zufrieden.

Sie hat niemandem ausdrücklich verboten, glücklich zu sein.

Sie hat nur ziemlich deutlich erklärt, dass es eigentlich keinen vernünftigen Grund dafür gibt.

Die Fernexpertin entwickelt sich im Laufe der Jahre weiter.

Am Anfang sagt sie: „Pattaya ist nichts für mich.“

Das wäre vollkommen in Ordnung.

Eine persönliche Präferenz.

Dann wird daraus:

„Pattaya ist nichts für normale Menschen.“

Schon interessanter.

Dann: „Wer nach Pattaya fährt, hat ein Problem.“

Und irgendwann: „Dort leben nur Männer, die zu Hause keine abbekommen.“

Jetzt ist die persönliche Meinung endgültig zur Naturwissenschaft geworden.

Wenn ein Mann mit 65 in Pattaya eine Freundin hat, die ihn liebt, wird das von der Fernexpertin sofort neu interpretiert.

„Die will sein Geld.“

Wenn die beiden seit zehn Jahren zusammen sind: „Die wartet auf die Erbschaft.“

Wenn sie gemeinsam ein Haus besitzen:

„Das Haus gehört wahrscheinlich sowieso ihr.“

Wenn sie ihn pflegt: „Das macht sie doch nur wegen des Geldes.“

Wenn sie ihn nicht pflegt:

„Siehst du.“

Es gibt für die Fernexpertin keine Beobachtung, die ihre Theorie gefährden könnte.

Die Realität ist vollständig beweissicher.

Und dann passiert das Schlimmste.

Jemand schreibt:

„Ich war jetzt drei Wochen in Pattaya und habe festgestellt, dass es mir dort tatsächlich gefällt.“

Die Fernexpertin lehnt sich zurück.

Drei Wochen.

Sie schließt die Augen.

Das Internet hat versagt.

Sie schreibt: „Drei Wochen sind keine Erfahrung.“


Das stimmt.

Dann fragt jemand:

„Wie viele Wochen warst du dort?“

Die Fernexpertin schweigt.

Totenstille

Dann:

„Darum geht es nicht.“

Natürlich nicht.

Die Fernexpertin besitzt nämlich etwas, das selbst drei Wochen Pattaya nicht ersetzen können: eine Meinung vor der Erfahrung.

Und die ist besonders wertvoll.

Sie kann durch keine Realität beschädigt werden.

Eines Abends entdeckt die Fernexpertin einen Beitrag: „Ich lebe jetzt seit zwölf Jahren in Pattaya und würde nirgendwo anders mehr wohnen.“

Sie liest ihn.

Dann schreibt sie:

„Dann hast du wahrscheinlich vergessen, wie schön das wahre Thailand ist.“

Der Mann antwortet: „Welches wahre Thailand?“

Die Fernexpertin:

„Das Land.“

„Welchen Teil meinst du?“

„Das authentische Thailand.“

„Wo ist das?“

Kurze Pause.

„Nicht Pattaya.“

Damit ist die geografische Frage geklärt.

Die Fernexpertin hat übrigens inzwischen einen Reiseführer gekauft.

„Thailand – 50 Orte, die Sie gesehen haben müssen.“

Sie ist auf Seite 83.

Pattaya kommt auf Seite 117.

Dort ist ein Foto.

Darunter steht:

„Pattaya – berühmter Badeort und Zentrum des Nachtlebens.“

Die Fernexpertin nickt.

„Genau.“

Sie kennt die Stadt.

Manchmal fragt sie jemand:

„Warum fährst du eigentlich nicht einmal selbst hin?“

Das ist eine schwierige Frage.

Denn ein Besuch vor Ort wäre wissenschaftlich gesehen ausgesprochen riskant.

Es könnte ihr gefallen.

Es könnte ihr sogar sehr gut gefallen.

Vielleicht würde sie feststellen, dass Pattaya aus mehr besteht als aus Bars.

Vielleicht würde sie Menschen treffen, die ganz normale Dinge tun.

Frühstücken.

Arbeiten.

Einkaufen.

Dumme Sprüche über den Untergang an Stammtischen raus hauen.

Spazieren gehen.

Mit Freunden essen.

Am Strand sitzen.

Vielleicht würde sie feststellen, dass die Realität komplizierter ist als ihre Theorie.

Und das wäre für die Fernexpertin eine Katastrophe.

Nicht für Pattaya.

Für ihre Theorie.

Also fährt sie nicht.

Sie bleibt zu Hause.

Und erklärt weiter.

„Pattaya ist ...“

Dann folgt ein langer Beitrag.

Sehr lang.

Mit Absätzen.

Mit Links.

Mit Screenshots.

Mit einem YouTube-Video.

Mit einem Hinweis auf eine Bekannte.

...alles so extra so lang, damit mein Forenfreund hier durchdreht.

Ich sorge mich nicht. Er hat das hier eben eh nicht gelesen sondern postet eh nur: " kürzer, ist zu lang" 😋

Die Expertin indes mit dem Satz:

„Ich habe mich intensiv mit dem Thema beschäftigt.“

Die Frau war noch nie dort.

Aber sie hat sich beschäftigt.

Das muss man respektieren.

Am Ende schreibt jemand:

„Dann fahr doch einfach hin.“

Die Fernexpertin antwortet:

„Warum sollte ich? Ich weiß doch, wie es dort ist.“

Und genau hier hat die Natur ihre schönste Pointe eingebaut.

Die gemeine Pattaya-Fernexpertin kennt Pattaya nicht deshalb so gut, weil sie dort gewesen ist.

Sie kennt es so gut, weil sie niemals dort war.

Denn solange sie nicht hinfährt, kann ihr die Realität auch nicht widersprechen.

Sie kann weiterhin behaupten, dass alle Männer dort nur deshalb sind, weil sie in Deutschland keine Frau bekommen.

Dass alle Frauen dort vom weissen alten Mann eh nur das Geld wollen.

Dass niemand dort wirklich glücklich sein kann.

Dass Pattaya nur aus Sextourismus besteht.

Dass Kultur ausschließlich dort beginnt, wo keine Bars stehen.

Und dass sie selbst natürlich niemals in diese Stadt fahren würde.

Das ist wichtig.

Denn wenn sie jemals tatsächlich nach Pattaya flöge, müsste sie möglicherweise zugeben, dass sie sich geirrt hat.

Und das wäre ausgesprochen unangenehm.

Vor allem im Forum.

Dort hat sie schließlich einen Ruf zu verlieren.

Also bleibt sie zu Hause.

Vor dem Laptop.

Mit lila Haaren, Nickelbrille und kaltem Kaffee.

Und erklärt einer Person, die seit zwölf Jahren in Pattaya lebt, wie Pattaya wirklich ist.

Die Person antwortet: „Aber ich wohne hier.“

Die Fernexpertin tippt:

„Genau deshalb bist du nicht objektiv.“

Sie lehnt sich zurück.

Rückt die Nickelbrille zurecht.

Trinkt ihren kalten Kaffee. Kalt.

Und lächelt zufrieden.

Sie hat Pattaya wieder erfolgreich erklärt.

Ohne einmal dort gewesen zu sein.

Ein bemerkenswert sparsames Reisekonzept.

Und vermutlich das einzige, bei dem man gleichzeitig die ganze Welt kennt und trotzdem nie das Haus verlassen muss.

Am nächsten Abend trifft sie sich mit ihrer Frauengruppe.

Dort wird der Fall noch einmal gründlich diskutiert.

Eine trägt eine violette Filztasche.

Eine andere hat einen Button mit der Aufschrift „Patriarchat? Nein, danke!“

Die Dritte besitzt ein Notizbuch aus Recyclingpapier und sagt seit zwölf Minuten nichts, weil sie erst ihre Gefühle sortieren möchte.

Die Fernexpertin legt Ausdrucke des Forums auf den Tisch.

Alle nicken ernst.

„Wir müssen das ein für alle Mal klarstellen“, sagt sie.

„In den Foren“, ergänzt eine andere.

„Mit Quellen“, sagt die mit dem Notizbuch.

„Und mit Haltung“, sagt die mit der Filztasche.

Daraufhin wird die Fernexpertin einstimmig beauftragt, künftig in sämtlichen Pattaya-Foren die Dinge endgültig zu erklären.

Sie nimmt den Auftrag an.

Schließlich hat sie Erfahrung.

Nicht mit Pattaya.

Aber mit dem Erklären.
 

Klimbim

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@Ajax​

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Nachtrag des Adlers: Das gemeine Pattaya-Wechselkurs-Krokodil​


Eine Spezies habe ich in meinem ursprünglichen Bericht allerdings vergessen.

Das gemeine Pattaya-Wechselkurs-Krokodil.

Crocolius pattayensis forexianus.

Es stammt ursprünglich aus Indien und tritt in Pattaya grundsätzlich in Gruppen auf.

Ein einzelnes Exemplar ist selten.

Meistens sitzen drei bis sieben Krokodile irgendwo in der Nähe einer Wechselstube und lauschen.

Nicht der Musik.

Nicht dem Verkehr.

Dem Wechselkurs!

Eines hält das Handy ans Ohr.

Das andere beobachtet die Anzeige.

Das dritte telefoniert bereits mit dem vierten Krokodil, das etwa 300 Meter weiter an einer anderen Wechselstube steht.

Plötzlich: „Brother. Rate now forty-one point eight.“

Kurze Pause.

„No, no. Do not change yet.“

Dann schaut das Krokodil wieder auf die Anzeige.

„Now forty-two.“

Sofort wird telefoniert.

„Brother, now change. Now. Very good rate.“

Das andere Krokodil ruft etwas zurück.

„How much?“

„All.“

„All what?“

„All money.“

Stille

„How much money?“

„All.“

Das Krokodil legt auf.

Drei Sekunden später fällt der Kurs um 0,12 Baht.

Es schaut auf sein Handy.

Dann auf die Wechselstube.

Dann auf die anderen Krokodile.

„Wait.“

Niemand bewegt sich.

Fünf Minuten später:

„Now forty-one point nine.“

Das Krokodil nickt.

„Very good. Change now.“

Die Gruppe setzt sich langsam in Bewegung.

Wie eine kleine Wanderherde auf der Suche nach der letzten wirtschaftlich vertretbaren Möglichkeit, einen Euro bzw. Rupien in Baht zu verwandeln.

Der Adler beobachtet das seit geraumer Zeit.

Er hat inzwischen festgestellt, dass das Krokodil seinen gesamten Tag nach dem Wechselkurs organisiert.

Frühstück:

„Rate?“

Kaffee:

„Rate?“

Mittagessen:

„What is rate now?“

Am Abend im Restaurant:

„Brother, check rate.“

Jemand schaut auf den Kurs.

„41.73.“

Das Krokodil lehnt sich zurück.

„Bad.“

Zehn Minuten später: „41.81.“

Es springt auf.

„Now!“

Alle Krokodile greifen gleichzeitig nach ihren Handys.

Eines ruft die Wechselstube an.

Eines ruft das andere Krokodil an.

Eines steht bereits dort.

Und eines weiß überhaupt nicht, was passiert, handelt aber vorsichtshalber trotzdem.

Der Adler betrachtet das Schauspiel.

Dann kommt er zu einem bemerkenswerten Schluss: Das Krokodil lebt nicht in Pattaya.


Es lebt zwischen zwei Wechselkursen.

Und wenn der Unterschied groß genug ist, hält es das für einen erfolgreichen Tag.

Ich hatte diese Spezies ursprünglich für einen besonders nervösen Pattaya-Bewohner gehalten.

Inzwischen bin ich mir sicher: Es handelt sich um ein Finanzmarktphänomen mit Sandalen.

Und natürlich wird morgen wieder angerufen.

„Brother.“

„Rate now?“
 
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Klimbim

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Pattaya-Naturkunde – Teil 19: Die gemeine Kleidermotte​


Eine wahre Geschichte. Nur das Tier ist erfunden.

Es gibt in Pattaya eine besonders scheue Spezies.

Sie ist klein.

Unauffällig.

Nachtaktiv.

Und wenn sie Gefahr wittert, verschwindet sie augenblicklich in der nächstbesten Stofffalte.

Der zoologische Name lautet: Tineola pattayensis timidissima.

Im Volksmund:

Die gemeine Pattaya-Kleidermotte.

Sie gehört zur Familie der besonders scheuen Nachtfalter und ist hervorragend an das Leben in Pattaya angepasst.

Vor allem an die Hitze.

Deshalb trägt sie grundsätzlich drei Hemden.

Eine Jacke.

Eine Kappe.

Und gelegentlich noch eine dünne Weste.

Bei 32 Grad.

Die Kleidermotte möchte nämlich nicht erkannt werden.

Von wem?

Das weiß niemand.

Vermutlich von YouTube.

Die Kleidermotte bewegt sich grundsätzlich am Rand der Straße.

Nie mitten hindurch. Sie beobachtet. Sie lauscht.

Sie sieht die Bargirls.

Und die Bargirls sehen sie.

Das ist das Problem.

„Hello!“ Die Motte schaut weg.

„Handsome!“

Die Motte schaut auf den Boden.

„Come here!“

Die Motte entdeckt plötzlich ein ausgesprochen interessantes Straßenschild.

Laundry – 80 Baht.

Sie liest es vollständig.

Von oben nach unten.

Dann noch einmal.

Das ist Tarnung.

Dabei wäre die Kleidermotte durchaus interessiert.

Sehr sogar.

Sie bleibt manchmal stehen.

Nur kurz.

Drei Sekunden.

Schaut zur Bar.

Schaut zum Bargirl.

Dann sofort wieder weg.

Als hätte sie gerade festgestellt, dass dort eine Steuerprüfung stattfindet.

Der Blick sagt:

Ich habe nichts gesehen.

Das Bargirl weiß allerdings genau, was sie gesehen hat.

Und beginnt zu lachen.

„You looking!“

Die Motte: „No.“

„Yes.“

„No.“

„Yes.“

Die Motte geht weiter.

Sehr schnell.

Das größte Problem der Kleidermotte ist allerdings nicht Schüchternheit.

Es ist Überwachung.

Sie ist überzeugt, dass irgendwo ständig jemand filmt.

Ein YouTuber.

Ein Bekannter.

Ein ehemaliger Arbeitskollege.

Vielleicht sogar jemand aus Deutschland.

Und dann erscheint am nächsten Morgen ein Video:

„DEUTSCHER IN PATTAYA – WAS ER NACHTS MACHT!“

Allein dieser Gedanke lässt die Motte schneller laufen.

Deshalb die Kappe.

Deshalb die Sonnenbrille.

Deshalb die Tarnfarbe.

Deshalb die drei Hemden.

Und deshalb geht sie tagsüber überhaupt nicht mehr raus.

Zu viele Menschen.

Zu viele Kameras.

Zu viel Öffentlichkeit.

Nachts ist es sicherer.

Am liebsten geht die Kleidermotte nach 1 Uhr los.

Da ist es ruhig.

Da sind weniger Menschen unterwegs.

Und sie glaubt ernsthaft, dass nach 1 Uhr niemand mehr hinsieht.

Das ist eine bemerkenswert optimistische Einschätzung der Nachtökonomie in Pattaya.

Die Bars sind selbstverständlich noch offen.

Und die Bargirls ebenfalls.

Die Motte weiß das.

Sie ignoriert es.

Am ersten Abend schafft es tatsächlich ein Bargirl, sie in die Bar zu bekommen.

Nur Wasser. Nur kurz.

„I just want to talk.“

Das Bargirl nickt.

Sie kennt diesen Satz.

Die Motte sitzt da. Kappe auf. Jacke an.

Tarnfarbe im Gesicht.

Vor ihr ein Glas Wasser.

„You want beer?“

„No.“

„Whisky?“

„No.“

„Juice?“

„No.“

„Why you come here?“

Die Motte schaut auf das Wasser.

„I just wanted to talk.“

Sie reden.

Zehn Minuten. Zwanzig.

Dann geht die Motte nach Hause.

Überglücklich, dass sie überhaupt überlebt hat.

Sie schließt die Tür.

Dreimal.

Legt die Kappe ab.

Die Jacke.

Die Sonnenbrille.

Dann steht sie vor dem Spiegel.

„Ich habe mit einer Frau gesprochen.“

...

„Freiwillig.“

Sie lächelt.

Das war der erste Abend.

Am nächsten Abend kommt sie wieder.

Das ist bereits ein wissenschaftlich bemerkenswerter Vorgang.

Die Kleidermotte hat offenbar Vertrauen gefasst.

Sie trägt diesmal nur zwei Hemden.

Das ist für ihre Verhältnisse praktisch nackt.

Die Kappe sitzt allerdings noch tiefer.

Das Bargirl erkennt sie sofort.

„You come back!“

Die Motte lächelt.

„Yes.“

„Why?“

„I don't know.“

Das Bargirl kichert.

„You know.“

Die Motte schaut weg.

„Maybe.“

Sie setzt sich.

Wasser.

Natürlich.

Dann redet sie.

Diesmal länger.

Über Deutschland.

Über Thailand.

Über das Wetter.

Über Essen.

Über nichts.

Dann fragt das Bargirl:

„You want go home?“

Die Motte schaut sie an.

Sehr lange.

Dann: „No.“

Das ist ein historischer Moment.

Das Bargirl rückt näher.

Die Motte wird nervös.

Sehr nervös. Schwitzt, wird rot, weint fast...

Sie schaut nach links.

Nach rechts.

Keine Kamera.

Sie schaut hinter sich.

Auch keine Kamera.

Das Bargirl beobachtet das Ganze.

„You afraid?“

„No.“

„You look afraid.“

„I am careful.“

„Very careful.“

„Yes.“

Sie lacht. Dann nimmt sie seine Hand.

Die Motte erstarrt.

Vollständig.

Kein Muskel bewegt sich.

Offenbar hat das Nervensystem beschlossen, die Situation durch vollständige Systemabschaltung zu lösen.

Das Bargirl schaut ihn an.

„You okay?“

Die Motte nickt.

Sehr langsam.

„Yes.“

Dann: „Oh my God.“

Das Bargirl lacht.

„What?“

„Nothing.“

Sie hält noch immer seine Hand.

Die Motte schaut darauf.

Dann auf sie.

Dann wieder auf ihre Hand.

Und plötzlich explodiert emotional etwas, das vermutlich seit Jahren unter strengem Druck stand.

„I DID IT.“

Das Bargirl blinzelt.

„Did what?“

„I DID IT!“

„What?“

„I AM HERE!“

Sie beginnt zu kichern.

„Yes. You are here.“

„I TALKED TO YOU.“

„Yes.“

„AND YOU DIDN'T KILL ME.“

Jetzt lacht sie richtig.

„Why I kill you?“

„I don't know!“

Die Motte ist vollkommen überwältigt.

„I THOUGHT THIS WOULD NEVER HAPPEN!“

Das Bargirl hält sich den Mund zu.

„You very funny.“

„I AM HAPPY!“

„I can see.“

„NO, YOU DON'T UNDERSTAND.“

Sie versteht tatsächlich nicht.

Die Motte aber schon.

Sie hat einen historischen Sieg errungen.

Nach Jahren.

Vielleicht Jahrzehnten.

Vielleicht war das überhaupt sein persönlicher Mount Everest.

„I FINALLY DID IT!“

Das Bargirl kichert.

„Did what?“

Die Motte zeigt auf sie.

„YOU.“

Dann zeigt sie auf sich.

„ME.“

Dann auf die Bar.

„HERE.“

Sie breitet die Arme aus.

„TOGETHER.“

Das Bargirl lacht jetzt so sehr, dass sie sich abwenden muss.

„You crazy.“

Die Motte strahlt.

„YES!“

Dann plötzlich ganz ernst:

„But happy.“

Sie schaut ihn an.

„Very happy.“

Die Motte nickt.

„Very, very happy.“

„Extremely happy.“

Das Bargirl lacht wieder.

„I know.“

Die Motte lehnt sich zurück.

Schaut zur Decke.

Atmet tief ein.

„What a night.“

Dann schaut sie wieder zu ihr.

„I was so scared.“

„I know.“

„For nothing.“

„Yes.“

„All this time.“

„Yes.“

„And now...“

Er macht eine dramatische Pause.

„...nothing happened.“

Das Bargirl kichert.

„Something happened.“

Die Motte schaut sie an.

„What?“

„You finally stopped running.“

Die Motte schweigt.

Das trifft.

Sie lächelt.

Dann nimmt sie noch einen Schluck Wasser.

Sehr langsam.

Sehr zufrieden.

Als hätte sie gerade einen Friedensvertrag unterzeichnet.

Später geht die Kleidermotte nach Hause.

Diesmal ohne Flucht.

Ohne hektische Blicke.

Ohne hinter Bäume zu schauen.

Sie läuft ganz normal.

Fast.

Zu Hause steht sie vor dem Spiegel.

Nimmt die Kappe ab.

Schaut sich an.

Dann sagt sie: „Hätte ich ja doch auch gleich haben können.“

Dann setzt sie die Kappe wieder auf.

Man weiß ja nie.
 

Klimbim

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Pattaya-Naturkunde – Teil 20: Der preußische Feldwebel und die philippinische Passkrise​


Ein kleiner Seitenarm der Naturkunde. Diesmal geht es nicht um Pattaya-Bewohner, sondern um eine Familie, die sich auf dem Weg dorthin beinahe selbst verwaltet.

Die Pattaya-Naturkunde beschäftigt sich normalerweise mit den erstaunlichen Arten, die in und um Pattaya vorkommen.

Diesmal machen wir eine Ausnahme.

Denn gelegentlich beginnt die eigentliche Naturkunde bereits lange vor der Ankunft in Thailand.

Zum Beispiel dann, wenn eine philippinische Mutter einen Pass braucht.

Und ihre Tochter inzwischen Deutsche ist.

Und Krankenschwester.

Und außerdem davon überzeugt, dass jedes bürokratische Problem durch entschlossenes Auftreten lösbar ist.

Dann entsteht eine interessante Mischform.

Nennen wir sie: Theresa preussica philippinensis.

Oder einfacher:

der preußische Feldwebel mit philippinischem Familienhintergrund.

Theresa stammt ursprünglich von den Philippinen.

Dort konnte sie vieles nicht machen, was sie später in Deutschland nachgeholt hat.

Nicht weil sie es nicht konnte.

Sondern weil man manche Dinge schwer nachholen kann, wenn einem schlicht die Mittel fehlen.

In Deutschland hat sie deshalb irgendwann beschlossen, das Versäumte nachzuholen.

Deutsch lernen.

Arbeiten.

Mittleren Bildungsabschluss machen.

Ausbildung zur Krankenschwester.

Spezialisierung.

Weiterlernen.

Weiterarbeiten.

Noch mehr lernen.

Wenn Theresa etwas anfängt, hat das ungefähr die Dynamik eines Güterzuges, der festgestellt hat, dass er pünktlich sein muss.

Ich habe dabei natürlich ein wenig geholfen.

Man kann schließlich nicht gleichzeitig Vollzeit arbeiten und einen Bildungsabschluss in einem Jahr durchziehen, ohne dass irgendwann jemand fragt, ob man überhaupt noch schläft.

Theresa schlief trotzdem.

Wahrscheinlich aus Trotz.

Inzwischen ist Theresa eine hervorragende Krankenschwester.

Und gelegentlich ein preußischer Feldwebel.

Das merkt man besonders dann, wenn ihre Geduld endet.

Dann verändert sich ihre Stimme.

Nicht viel.

Aber ausreichend.

Man hört plötzlich nicht mehr die Ehefrau.

Man hört die Einsatzleitung.

„Mutter muss Pass machen.“

„Ja.“

„Mutter muss Geburtsurkunde korrigieren.“

„Ja.“

„Mutter muss zur Behörde.“

„Ja.“

„Warum macht Mutter das nicht?“

Ich: „Weil sie 75 ist.“

Theresa:

„Das ist kein Argument.“

Da weiß man: Die Verhandlung ist eröffnet.

Die Mutter lebt auf den Philippinen in einem kleinen Dorf im Süden.

Sie hat ihr ganzes Leben dort verbracht.

Sie kennt ihre Umgebung.

Ihre Leute.

Ihre Wege.

Ihre Gewohnheiten.

Und jetzt soll sie plötzlich einen Pass beantragen, nach Thailand fliegen und mit uns Urlaub machen.

Für sie ist das ungefähr so, als würde man einem Menschen, der sein Leben lang in einem kleinen Garten gearbeitet hat, plötzlich einen internationalen Führerschein geben und sagen:

„Wir fahren morgen nach Dubai.“

Sie ist entsprechend begeistert.

Also innerlich.

Sehr innerlich.

Das Problem ist die Geburtsurkunde.

Der Name wurde falsch geschrieben.

Nicht dramatisch.

Ein Buchstabe.

Für die Behörde offenbar ungefähr dieselbe Katastrophe wie ein fehlender Staatsvertrag.

Theresa sitzt vor dem Bildschirm.

Ihre Mutter sitzt am anderen Ende des Videocalls.

75 Jahre.

Große Augen. Fast Tränen darin...

Leise Stimme.

Theresa dagegen:

„MAMA!“

Die Mutter zuckt zusammen.

Ich sehe das alles im Videocall.

Der Knirps sitzt neben mir.

Meine Tochter ebenfalls.

Der Knirps flüstert:

„Papa.“

„Ja?“

„Oma sieht aus, als hätte sie gerade etwas falsch gemacht.“

„Sie hat nichts falsch gemacht.“

„Sag das Mama.“

„Das musst du ihr schon selbst sagen.“

Der Knirps überlegt.

„Nein.“

Vernünftig.

Theresa erklärt ihrer Mutter inzwischen den Plan.

„Du gehst morgen zur Behörde.“

Die Mutter: „Yes, anak.“

„Und dann sagst du denen, dass der Name falsch geschrieben ist.“

„Yes.“

„Und dann müssen die das korrigieren.“

„Yes.“

„Und wenn sie das nicht machen?“

Die Mutter schweigt.

Theresa: „Dann machst du Druck.“

Die Mutter schaut noch besorgter.

Ich interveniere: „Theresa, vielleicht etwas ruhiger.“

Sie schaut mich an.

„Warum?“

„Weil deine Mutter gerade aussieht, als würde sie gleich aus dem Bildschirm herausfallen.“

Der Knirps nickt.

„Oma hat Angst.“

Theresa: „Sie muss keine Angst haben.“

Meine Tochter murmelt auf Portugiesisch:

„Ela está aterrorizando a própria mãe.“

Ich schaue sie an.

Theresa hebt eine Augenbraue.

Sie versteht kein Portugiesisch.

Aber sie versteht sehr genau, dass über sie gesprochen wurde.

Ein kurzes Räuspern.

Die klassische internationale Warnung.

Meine Tochter schweigt.

Theresa ist inzwischen bei ihrem Lieblingssatz: „Die müssen das einfach machen.“

Das ist eine bemerkenswerte deutsche Denkfigur.

Ich kenne sie gut.

Ich habe jahrelang versucht, Verwaltungsprobleme für Theresa zu lösen.

Schritt für Schritt.

Formular für Formular.

Behörde für Behörde.

Ich habe Dinge erklärt.

Nachgefragt.

Widersprochen.

Neue Unterlagen besorgt.

Andere Unterlagen wieder besorgt.

Manchmal sogar dieselben Unterlagen noch einmal besorgt, weil sie inzwischen offenbar eine andere Farbe hatten.

Theresa hat damals gelegentlich den Eindruck erweckt, ich sei ein Terrorist.

Nicht weil ich einer war.

Sondern weil sie anfangs den Rechtsstaat und Terrorismus sprachlich miteinander verwechselt hatte.

Inzwischen hat sie das vollständig verstanden.

Leider hat sie daraus eine andere Schlussfolgerung gezogen.

Sie glaubt jetzt gelegentlich, man müsse beim Rechtsstaat nur laut genug auftreten.

Meine Tochter sagt irgendwann:

„Mama, du hast etwas vergessen.“

Theresa:

„Was?“

„Papa hat jahrelang für dich die ganzen Verwaltungssachen geregelt.“

Theresa schaut mich an.

„Ja.“

„Und jetzt willst du deiner Mutter beibringen, sie soll bei der Behörde auf den Tisch hauen.“

Theresa schweigt.

Meine Tochter:

„Vielleicht funktioniert das auf den Philippinen anders.“

Theresa: „Natürlich funktioniert das anders.“

Meine Tochter:

„Gut.“

„Dann erklär mir bitte, warum deine Mutter dort plötzlich bessere Chancen hat, wenn du sie aus Berlin anschreist.“

Theresa schaut sie an.

Der Knirps nickt langsam.

„Das ist ein guter Punkt.“

Ich sage: „Das war jetzt wahrscheinlich der Moment, in dem die Familienregierung gestürzt wurde.“

Theresa sieht mich an.

Ich schweige.

Man muss seine Einsatzmöglichkeiten kennen.

Dann kommt der Knirps auf seine eigene Lösung.

„Wir machen Oma einfach ein T-Shirt.“

Theresa: „Was für ein T-Shirt?“

„Jesus loves Pattaya.“

Ich schaue ihn an.

„Warum?“

„Damit die Leute wissen, warum sie da ist.“

„Und wenn sie nicht nach Pattaya kommt?“

Der Knirps überlegt.

„Dann muss Jesus sie eben holen.“

„Oder wir ziehen sie an einem Boot hoch.“

Theresa schaut ihn an.

„Was?“

„An einem Seil.“

„Warum?“

„In den Himmel.“

Ich: „Du möchtest deine Großmutter an einem Boot befestigen?“

„Ja.“

„Und warum?“

„Dann kann sie im Dorf erzählen, dass sie ein Engel geworden ist.“

Stille.

Ich schaue meine Tochter an.

Sie schaut mich an.

Dann sagt sie: „Das wäre zumindest ein sehr überzeugender Reisebericht.“

Meine Tochter hat allerdings noch eine zweite, wesentlich praktischere Idee.

„Wir müssen Oma am Flughafen einen Rosenkranz geben.“

Theresa schaut sie an.

„Warum?“

Meine Tochter:

„Damit sie in Pattaya keinen Herzinfarkt bekommt.“

Kurze Pause.

„Wenn sie die Barmädchen sieht.“

Theresa schweigt.

Meine Tochter wird ernst.

„Deine Mutter ist sehr katholisch.“

Dann schaut sie mich an.

„Und ich weiß ziemlich genau, wie das ist.“

Das kann sie tatsächlich nachvollziehen.

Mit ihrer brasilianischen Herkunft und einer ebenfalls sehr katholisch geprägten Mutter ist ihr die religiöse Gefühlswelt ihrer Großmutter keineswegs fremd. Wir sind eine Patchworkfamilie, 4 verschiedene Pässe...

Sie überlegt kurz.

„Wir geben ihr den Rosenkranz am Gate.“

Der Knirps: „Und das T-Shirt.“

Meine Tochter: „Natürlich.“

Ich: „Und was soll auf dem T-Shirt stehen?“

Der Knirps:

„Jesus loves Pattaya.“

Meine Tochter nickt.

„Das ist wichtig.“

Ich schaue beide an.

„Ihr wollt also eine 75-jährige streng katholische Frau nach Pattaya schicken, bewaffnet mit Rosenkranz und T-Shirt, während sie zum ersten Mal in ihrem Leben ihr Dorf verlässt.“

Der Knirps: „Ja.“

Meine Tochter:

„Das klingt doch gut.“

Ich denke kurz darüber nach.

„Eigentlich fehlt nur noch eine Gebrauchsanweisung.“

Meine Tochter: „Die schreibt Theresa.“

Theresa hebt die Augenbraue.

Ich sage nichts.

Man muss seine Einsatzmöglichkeiten kennen.

Theresa hat inzwischen genug von Asien.

Das erklärt sie uns sehr deutlich.

„Ich habe die Schnauze voll.“

Ich: „Okay.“

„Von diesen Behörden.“

„Verstehe.“

„Von diesen Papieren.“

„Ja.“

„Von dieser ganzen Bürokratie.“

„Ja.“

„Ich will damit nichts mehr zu tun haben.“

Ich nicke.

„Gut.“

...

„Du willst aber trotzdem nach Pattaya.“

„Ja.“

„Mit deiner Mutter.“

„Ja.“

„Und dort Urlaub machen. Später mit mir dort leben...“

„Ja.“

„Dann müssen wir vielleicht akzeptieren, dass die Welt dort nicht nach unseren Berliner Regeln funktioniert.“

Theresa schweigt.

Ich lege den Arm um sie.

„Entspann dich. Ich übernehme das.“

Sie schaut mich an.

Lange.

Dann: „Okay.“

Das ist der Moment, in dem ein preußischer Feldwebel freiwillig das Kommando abgibt.

Ein seltenes Naturereignis.

Ich übernehme also den Hörer.

Meine Bisaya-Kenntnisse bestehen aus einer überschaubaren Anzahl von Wörtern und mehreren sehr optimistischen Kombinationen derselben.

Ich sage zur Mutter ungefähr das, was ich sagen möchte.

Nicht unbedingt grammatikalisch korrekt.

Aber freundlich.

Sehr freundlich.

Die Mutter lacht.

Dann lächelt sie.

Dann wird sie ruhiger.

Der Knirps beobachtet mich.

Meine Tochter ebenfalls.

Dann sagt meine Tochter:

„Papa hat für alles eine Lösung. Immer. “


Ich schaue sie an. Bin sehr gerührt...

„Nein.“

„Doch.“

„Nein.“

„Doch.“

Der Knirps nickt. „Papa macht das.“

Ich lehne mich zurück.

Die Mutter bekommt hoffentlich ihren Pass.

Und wenn sie ihn bekommt, kommt sie mit uns nach Pattaya.

Dann wird sie zum ersten Mal in ihrem Leben ihr Dorf verlassen.

Zum ersten Mal fliegen.

Zum ersten Mal Thailand sehen.

Zum ersten Mal in einer Stadt sein, in der mehr Menschen auf einer Straße stehen als in ihrem Dorf wahrscheinlich insgesamt.

Und vielleicht sitzt sie dann irgendwann mit uns in Pattaya.

Theresa neben ihr.

Der Knirps mit seinem T-Shirt:

JESUS LOVES PATTAYA.

Meine Tochter irgendwo daneben.

Und ich werde vermutlich feststellen, dass ich inzwischen eine 75-jährige philippinische Mutter, eine preußische Krankenschwester, einen 13-jährigen Hobbytheologen und eine 19-jährige Brasilianerin-deutsche Patchwork-Tochter gleichzeitig beaufsichtigen muss.

Ich werde dann vermutlich sehr ruhig bleiben.

Man lernt schließlich dazu.

Theresa ist inzwischen wieder beruhigt.

Die Passkrise ist vorläufig ausgesetzt.

Dafür putzt sie jetzt die Wohnung.

Von oben bis unten.

Mit der Energie eines Menschen, der einer Behörde gerne persönlich widersprochen hätte, aber gerade keine zur Verfügung steht.

Der Knirps schaut ihr zu.

„Mama ist wieder normal.“

Meine Tochter:

„Nein.“

„Was dann?“

„Sie putzt.“

„Ist das normal?“

„Bei Mama schon.“

Ich beschließe, mit beiden einen Tagesausflug zu machen.

Aus Sicherheitsgründen.

Nicht vor Theresa.

Vor uns.

Und genau deshalb gehört diese Geschichte letztlich doch in die Pattaya-Naturkunde.

Denn Pattaya ist nicht nur eine Stadt.

Es ist gelegentlich ein Treffpunkt für Menschen, Familien, Sprachen, Kulturen, Erwartungen und Bürokratie.

Man reist dorthin mit einem Plan.

Dann kommt die Realität.

Dann kommt die Familie.

Dann kommt ein Formular.

Dann kommt der Knirps mit einem T-Shirt.

Und irgendwann sitzt man am Abend da und denkt:

Eigentlich wollten wir nur einen Urlaub machen.

Aber so funktioniert Naturkunde.

Man weiß nie genau, welche Spezies als Nächstes auftaucht.
 

AdventureLion

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19 September 2017
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@Klimbim die sind echt lustig geschrieben, nur leider schwer zu lesen.

"Absätze!", jammert Udo.

Du könntest thematisch noch ein paar Absätze hinzufügen, wenn ein Block oder Wiederholungen abgeschlossen sind.

So wie im Buch.
In einem Roman zum Beispiel.
Einem richtigen Thriller.
Oder einem Gedicht

Wie oben, kann man auch Wiederholung gruppieren.

Menschen überfliegen Texte nur, erklärt Udo.
Sie hangeln sich von Absatz zu Absatz und suchen Anker.
Anker, an denen sich das Auge festhalten kann, erklärt Udo weiter.

"Anker? Ist Arbeit.", sagt Manfred.
"Arbeit", stimmt Klaus zu

Manni nickt
Manni nickt immer.

Und dann das Ende.
Das Finale.


Wovon lebt der Mensch - Berthold Brecht
 
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Klimbim

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24 November 2024
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Eine Frage an die Pattaya-Veteranen: Was macht man eigentlich mit dem Sigi unter den Siggis?


Wer meine kleinen Satireabhandlungen über die Dieters, Manfreds und Holgers dieser Welt kennt, weiß, dass ich mir solche Figuren gelegentlich ausdenke.

Den deutschen Pattaya-Veteranen, der seit elf Jahren überwintert, drei Stammlokale besitzt und die thailändische Gesellschaft inzwischen für eine Fehlentwicklung hält. Den Mann, der bei 38 Grad im Unterhemd vor seinem Apartment sitzt, Leo aus der großen Flasche trinkt und jedem erklärt, wie Thailand funktioniert. Vorzugsweise Leuten, die seit zwanzig Jahren dort leben und trotzdem noch nicht wissen, was morgen auf der Speisekarte steht.

Diesmal gibt es allerdings ein Problem: Der Sigi, um den es geht, ist echt. Ich habe ihn nicht erfunden. So viel Fantasie hätte ich gar nicht.

Sigi ist ein ausgesprochen liebenswürdiger Mensch, ein bisschen wie ein großer Junge, dem man irgendwann vergessen hat zu erklären, dass das Leben leider keinen Erwachsenen an die Hand nimmt. Tätowierungen, Bart, Arbeiterklasse, Motorradzubehörladen. Einer, bei dem man sich die Biografie ungefähr vorstellen kann, ohne dass man dafür einen Roman lesen müsste. Im Kopf nicht unbedingt die schnellste Verbindung zwischen zwei Bahnhöfen, aber dafür ein Herz, das offenbar bei der Deutschen Bahn der Menschlichkeit einen lebenslangen Freifahrtschein bekommen hat.

Er ist herrlich unkompliziert, bescheiden und manchmal derart begriffsstutzig, dass man ihm am liebsten einen Zettel an die Jacke heften würde: Bitte nicht unbeaufsichtigt durchs Leben schicken.

Sigi ist der Typ, der in Pattaya nach drei Tagen jemanden fragt, wo man hier günstig frühstücken kann, und nach fünf Minuten mit einem Mann am Tisch sitzt, der ihm erklärt, warum er seit 1998 nicht mehr arbeitet, obwohl er eigentlich nie aufgehört hat, Geld zu brauchen. Sigi hört sich das alles aufmerksam an, nickt freundlich und fragt anschließend, ob der andere auch weiß, wo es hier eine gute Bäckerei gibt. Man möchte ihn umarmen und gleichzeitig vorsichtshalber seinen Reisepass verstecken.

Und nein, Sigi wäre normalerweise nicht unbedingt der Mensch, mit dem ich meine Abende verbringe. Uns trennen vermutlich Welten, was Interessen, Gesprächstiefe und die Frage betrifft, wie viele Gedanken man sich über einen durchschnittlichen Dienstag machen sollte. Trotzdem mag ich ihn. Sehr sogar. Irgendetwas an diesem Kerl ist so entwaffnend ehrlich und freundlich, dass man ihm einfach wünscht, das Leben möge ausnahmsweise einmal aufhören, ihn wie einen Pfandbon zu behandeln.

Kennengelernt habe ich ihn, weil er mir zwei Motorradhelme verkauft hat. Einer für mich, einer für meine Frau. Inzwischen besorge ich ihm eine Reisekrankenversicherung, suche eine Wohnung für zwei Monate Pattaya, helfe beim E-Visum und versuche, ihm ein paar Kontakte vor Ort zu vermitteln.

Man kauft zwei Helme und landet in der Entwicklungshilfe.

Sigi ist Rentner, arbeitet nebenbei in einem Motorradzubehörladen und hat finanziell keine großen Sprünge zu erwarten. Im November möchte er für zwei Monate nach Thailand. Ein bisschen Sonne, ein bisschen Gesellschaft, ein wenig Abstand vom bisherigen Leben. Er sucht weder eine Luxusvilla noch die große Eskalation. Er möchte einfach einmal irgendwo ankommen, ohne dass ihm das Schicksal gleich wieder einen Klappstuhl unter dem Hintern wegzieht.

Wobei Pattaya natürlich ein schwieriges Pflaster ist, wenn man mit bescheidenen Mitteln anreist. Da sitzt man morgens beim Frühstück, bestellt zwei Spiegeleier und einen Kaffee, und am Nebentisch erklärt einem ein pensionierter Lebenskünstler, wie er mit 1.200 Euro im Monat königlich lebt. Später stellt sich heraus, dass die 1.200 Euro nur die Miete sind und die königliche Familie in Deutschland noch den Rest überweist.

Sigi könnte derweil durchaus an den Falschen geraten. Er ist vermutlich der einzige Mann, der nach einem langen Gespräch mit einem selbsternannten Pattaya-Profi nicht dessen Lebensgeschichte anzweifelt, sondern sich ernsthaft bedankt und ihm noch einen schönen Tag wünscht. Wenn man ihn allein auf die Walking Street schickt, kommt er womöglich mit einer Visitenkarte, einem Timesharing-Vertrag und der festen Überzeugung zurück, er habe heute zwei gute Freunde gefunden.

Eine Sache möchte ich allerdings unbedingt verhindern: dass Sigi nach drei Tagen einer zwanzigjährigen Noi begegnet und seine geplanten zwei Monate Thailand in eine endgültige Auswanderung mit ungewissem Ausgang umwandelt.

Ich sehe die Szene förmlich vor mir. Sigi sitzt irgendwo in einer Bar, bestellt sein Bier und versucht gerade, den Unterschied zwischen Baht und Euro im Kopf auszurechnen. Da setzt sich eine hübsche junge Noi zu ihm, lächelt, nennt ihn handsome man und fragt, ob er allein sei.

Sigi, der in Deutschland zuletzt vermutlich beim Bäcker mit seinem Vornamen angesprochen wurde, spürt plötzlich, dass das Leben doch noch einen zweiten Teil für ihn geschrieben hat.

Noi findet seinen Bart interessant, seine Tattoos männlich und seine bescheidene Art ausgesprochen sympathisch. Sigi wiederum stellt fest, dass sie ihn wirklich versteht. Nach zwei Abenden weiß er, dass sie ein gutes Herz hat, nach drei Abenden, dass ihre Familie ihn dringend kennenlernen sollte, und nach vier Abenden erwägt er, seine Rückreise zu stornieren. Schließlich hat er in Deutschland ohnehin nichts, was ihn hält, und Noi hat gesagt, dass sie noch nie einen Mann wie ihn getroffen hat.

Was vermutlich sogar stimmt. Einen Sigi mit genau dieser Kombination aus Tätowierungen, Motorradhelmfachwissen und grenzenlosem Vertrauen trifft man schließlich nicht jeden Tag.

Eine Woche später sitzt er dann vielleicht mit einem Taschenrechner am Tisch, versucht, die Kosten für ein gemeinsames Leben zu ermitteln, und erklärt mir am Telefon, er habe jetzt endlich jemanden gefunden, mit dem er alt werden könne. Ich möchte wirklich nicht derjenige sein, der ihm erklären muss, dass die Altersvorsorge einer zwanzigjährigen Thailänderin und die eines deutschen Rentners gelegentlich unterschiedliche Vorstellungen davon haben, was unter finanzieller Sicherheit zu verstehen ist.


Und bevor mich jemand falsch versteht: Ich unterstelle keiner Noi irgendetwas. Es gibt aufrichtige Beziehungen, und natürlich können sich Menschen ehrlich ineinander verlieben. Aber ich kenne Sigi. Der Mann würde vermutlich sogar einem Goldfisch glauben, wenn der ihm mit ausreichend freundlichem Blick versichert, er sei wegen seiner Persönlichkeit hier.

Mir wäre deshalb lieb, wenn Sigi erst einmal seine zwei Monate Thailand erlebt, ohne gleich die Rückreise gegen einen Verlobungsring einzutauschen. Wenn er sich verliebt, kann er das immer noch tun. Aber vielleicht sollte er vorher wenigstens einmal nach Deutschland zurückkehren, in Ruhe nachdenken und anschließend mit einem Plan wiederkommen, der nicht ausschließlich auf drei Komplimenten und einem gemeinsamen Foto beruht.

Ich dachte an Pratumnak oder Jomtien. Nicht mitten im Nachtleben, aber auch nicht so abgelegen, dass Sigi irgendwann anfängt, mit dem Kühlschrank über seine Zukunft zu sprechen. Wongamat wäre ebenfalls eine Möglichkeit, wobei man dort gelegentlich schon beim Blick auf die Immobilienpreise den Eindruck bekommt, das Meer sei im Kaufpreis enthalten.

Leider muss ich mich gesundheitlich gerade um meine eigenen Angelegenheiten kümmern; nächste Woche steht voraussichtlich eine Operation an. Das Sigi-Projekt muss deshalb langsam ohne Projektleitung auskommen.

Jetzt meine Frage an die alten Pattaya-Hasen: Wo bringt man den Sigi unter, damit er zwei schöne Monate erlebt, ohne dass seine Rente schon nach vier Wochen aussieht wie ein Tatort?

Wo kann er vernünftig wohnen, Anschluss finden und sich ein bisschen Thailand gönnen, ohne dass er hinterher wieder zu Hause sitzt und sich fragt, warum eigentlich immer alles schiefgeht?

Welche Gegenden, Anlaufstellen oder Kontakte wären für so einen Typen geeignet?


Und bitte nicht missverstehen: Ich mache mich nicht über ihn lustig. Na ja, über die eine oder andere Eigenart könnte man schon ein Buch schreiben. Aber ich meine das durchaus liebevoll. Sigi ist kein Satireprodukt. Er ist eher die Sorte Mensch, die man in einer Satire für übertrieben hielte, wenn man ihr nicht persönlich begegnet wäre.


Ich kann nicht sein ganzes Leben in Ordnung bringen. Aber vielleicht lässt sich ja verhindern, dass er nach zwei Monaten Thailand wieder abreist, als hätte er versehentlich ein Praktikum bei der Abteilung für menschliche Enttäuschungen absolviert.


Vielleicht hat ja einer von euch einen Tipp, wo er unterkommt, wie er Anschluss findet und welche Dinge er besser bleiben lässt. Ihr wisst schon: die kleinen Feinheiten, die in keinem Reiseführer stehen, aber nach denen man spätestens dann fragt, wenn man zum dritten Mal gehört hat, dass ein Bekannter jemanden kennt, der jemanden kennt, der eine Wohnung vermietet.

Also, Männer: Was macht ihr mit dem Sigi unter den Siggis?

Ich kann schließlich nicht jeden, der mir zwei Motorradhelme verkauft, persönlich bis zur Erleuchtung begleiten. Obwohl ich langsam den Verdacht habe, dass ich mit dem dritten Helm endgültig für ihn haftbar wäre.
 

MGiebel

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Also wenn du ihn nicht direkt ins Verderben schicken willst, rate ihm dringend davon ab nach Thailand und insbesondere Pattaya zu kommen. Auf so einen hilflosen Typen warten die Aasgeier hier schon lange.

Du müsstest ihm eine lange Checkliste in die Hand geben mit Anweisungen wie vertraue hier absolut niemandem, wirklich alle wollen hier nur an dein Geld, wenn du heute 1000 THB ausgegeben hast beginnt Arlarmstufe ROT und du gehst am besten sofort in dein Hotel, schließt dich dort ein und schaltest dein Handy für heute ab.

Damit wird das ganze kein erholsamer Urlaub mehr sondern eher ein Survival Training
 
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Klimbim

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Also wenn du ihn nicht direkt ins Verderben schicken willst, rate ihm dringend davon ab nach Thailand und insbesondere Pattaya zu kommen. Auf so einen hilflosen Typen warten die Aasgeier hier schon lange.

Du müsstest ihm eine lange Checkliste in die Hand geben mit Anweisungen wie vertraue hier absolut niemandem, wirklich alle wollen hier nur an dein Geld, wenn du heute 1000 THB ausgegeben hast beginnt Arlarmstufe ROT und du gehst am besten sofort in dein Hotel, schließt dich dort ein und schaltest dein Handy für heute ab.

Damit wird das ganze kein erholsamer Urlaub mehr sondern eher ein Survival Training
Jetzt mach ihm bitte keine Angst.

Sigi ist ohnehin in einem Alter, in dem man grundlegende Lebensentscheidungen nicht mehr ohne Rücksprache mit dem Hausarzt treffen sollte.

Mit deiner Checkliste kommt er in Pattaya an, hebt 2.000 Baht ab und erklärt die Reise nach zehn Minuten zum finanziellen Totalschaden. Ein durchaus konsequenter Auftakt.

1.000 Baht ausgegeben. Alarmstufe Rot.

Ich sehe ihn vor mir: Sigi sitzt in seinem Apartment in Jomtien, zieht die Vorhänge zu und führt Buch.

Um 14:30 Uhr sind 680 Baht verschwunden. Aus Sicherheitsgründen verbringt er den Rest des Tages im Bett. Das ist immerhin kostenlos, sofern man von der Klimaanlage absieht.

Am nächsten Morgen geht er für 80 Baht frühstücken.

Er schaut auf die Rechnung.

„Das kann nicht stimmen.“

Die Bedienung lächelt.

Sigi löscht sie vorsichtshalber aus seinen Kontakten. Man kann nie wissen, wie schnell sich so etwas entwickelt.

Nach zwei Wochen ruft er mich an.

„Du, Thailand ist nichts für mich. Hier wollen alle nur mein Geld.“

„Was ist passiert?“

„Ich war gestern beim Geldautomaten.“

„Und?“

„Ich hab Geld abgehoben.“

Stille.

„Sigi, das ist ein Geldautomat.“

„Ja. Aber woher weiß ich, wer dahintersteckt?“

Ich sage es ungern, aber mit deiner Checkliste wird aus ihm kein Thailand Urlauber, sondern ein Fall für die psychologische Betreuung der deutschen Botschaft.

Vermutlich mit einem Merkblatt und einem Termin am Donnerstag.

Natürlich hast du recht: Man muss aufpassen, gerade bei einem gutgläubigen Menschen mit überschaubaren Mitteln. Ich möchte nur vermeiden, dass er nach Pattaya fährt, um dort zwei Monate lang vor der Möglichkeit geschützt zu werden, dass Pattaya stattfindet.

Er soll nicht Haus, Hof und Rentenbescheid an die erstbeste Noi überschreiben. Er muss aber auch nicht jede freundliche Bedienung für die Vorhut einer internationalen Vermögensabschöpfung halten. Ein gewisses Grundvertrauen in die Menschheit wäre vermutlich noch im Budget.

Mein Ziel ist, dass Sigi nach zwei Monaten mit schönen Erinnerungen nach Deutschland zurückkehrt. Nicht, dass er nach vierzehn Tagen im Hotelzimmer sitzt, die Klimaanlage abschaltet, um Strom zu sparen, und seine letzten 300 Baht testamentarisch dem ADAC vermacht. Der ADAC wird davon vermutlich nicht unmittelbar profitieren, aber Sigi hätte dann wenigstens alles geregelt.

Eine Frage hätte ich noch: Wie hoch ist bei dir die aktuelle Freigrenze für Lebensfreude? Ich würde Sigi gern einen entsprechenden Betrag mitgeben, für den Fall, dass er sich unterwegs versehentlich amüsiert.
 

Klimbim

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Fünf Liter Leo und eine virtuelle Visa-Karte: Wie ich den Sigi unter den Siggis nach Pattaya bringe​


Die Pattaya-Veteranen und andere Weltretter​

Es gibt sie überall, diese besonderen deutschen Pattaya-Veteranen. Man erkennt sie an Sandalen mit weißen Socken, einem Unterhemd, das seine besten Jahre noch vor dem Euro hatte, und der Gewissheit, Thailand inzwischen besser zu verstehen als die Thailänder selbst.

Morgens um sieben sitzen sie in der Bar, obwohl sie eigentlich gerade erst nach Hause kommen sollten. Vor ihnen steht ein Leo aus einer Flasche, die aussieht, als sei sie ursprünglich für die Versorgung einer Fußballmannschaft vorgesehen. Fünf Liter wären ihnen am liebsten. Nicht aus Durst, sondern aus Effizienzgründen. Man möchte im Ruhestand schließlich nicht dauernd nachbestellen müssen.

Und dann ist da die junge Dame: Nook, Noi, Pim, oder wie sie gerade heißt.

Ein Lächeln, zwei nette Abende und der Mann, der gestern noch jedem erklärt hat, dass man in Thailand grundsätzlich niemandem trauen darf, verkauft nächste Woche sein Haus in Deutschland.

Die Altersvorsorge wird liquidiert, die Lebensplanung umgebaut, und die Kumpels bekommen die frohe Botschaft überbracht, dass diesmal wirklich alles anders ist.

Die Kumpels schütteln den Kopf. Er winkt ab. Schließlich ist er seit elf Jahren in Thailand. Er kennt das Land. Er weiß, wo es das billigste Bier gibt, welcher Friseur keine Fragen stellt und welche Bar auch dann noch geöffnet hat, wenn der gesunde Menschenverstand längst Feierabend gemacht hat.

Dass er die thailändische Verfassung nicht von der Speisekarte unterscheiden könnte, muss dabei nicht weiter ins Gewicht fallen.

Nach dem dritten Leo erweitert sich das Interessengebiet. Jetzt geht es nicht mehr nur um Pattaya, sondern um die Welt als solche. Früher war alles besser, heute geht alles den Bach runter, und schuld sind selbstverständlich die anderen.

Wer diese anderen sind, lässt sich nicht immer genau sagen. Das ist aber auch nicht nötig. Hauptsache, sie sind nicht von hier – wobei „hier“ je nach Gesprächslage erstaunlich flexibel definiert wird.

Am Nebentisch sitzt dann ein Mann, der die kompliziertesten Probleme der Menschheit mit derselben Leichtigkeit löst, mit der er ein Bier bestellt.

Für jede Krise hat er eine Erklärung, für jede Entwicklung einen Schuldigen und für jede Gegenmeinung den Beweis, dass man heutzutage wohl überhaupt nichts mehr sagen dürfe. Wie lächerlich...

Er sagt das übrigens gerade zum vierten Mal, in einer Lautstärke, die selbst die Klimaanlage um eine Versetzung bittet.

Sein Weltbild hat die angenehme Eigenschaft, niemals durch neue Erkenntnisse belastet zu werden. Es ist gewissermaßen ein All-inclusive-Angebot: Die eigene Gruppe ist anständig, die anderen sind verdächtig, früher war alles besser, und wenn die Wirklichkeit nicht mitspielt, hat sie vermutlich ihre Gründe.

Manchmal frage ich mich, wie es sein muss, mit einer derart überschaubaren Zahl von Gedanken durch eine so komplizierte Welt zu gehen.

Es muss ungemein entspannend sein.

Andere Menschen lesen Bücher, führen Gespräche oder ändern gelegentlich ihre Meinung.

Dieser Typus braucht das alles nicht. Er hat die Welt bereits verstanden. Die restlichen acht Milliarden sind lediglich noch nicht auf dem neuesten Stand.

Ich kann vieles ertragen: weiße Socken in Sandalen, fünf Liter Leo als vernünftige Gebindegröße und die Vorstellung, nach elf Wintern in Pattaya zum Experten für sämtliche Kulturen Asiens aufgestiegen zu sein.

Aber wenn aus gewöhnlicher Selbstüberschätzung eine Weltanschauung wird, in der man sich selbst für den letzten vernünftigen Menschen hält und alle anderen für den Niedergang verantwortlich macht, wird es für mich schwierig.

Nicht, weil ich empfindlich wäre. Sondern weil ich irgendwann gern wieder ein Gespräch führen würde, in dem nicht schon vor dem ersten Satz feststeht, wer an allem schuld ist.

Dann interessiere ich mich plötzlich sehr für die Rechnung. Nicht hektisch. Ich bin ja ein zivilisierter Mensch. Aber mit einer gewissen Zielstrebigkeit.


Und dann ist da Sigi​

Nun muss ich zugeben: Die Wirklichkeit hat mich bei Sigi rechts überholt. Und zwar mit einem Motorrad, dessen Hubraum ich lieber nicht näher untersuchen möchte.

Ich war bei meinem lieben Sigi unter den Siggis zu Hause. Trotz meiner eigenen gesundheitlichen Baustellen und einer bevorstehenden Operation habe ich versucht, vor dem Eingriff noch das Nötigste auf den Weg zu bringen.

Man möchte schließlich nicht, dass ein Mensch unvorbereitet in Pattaya ankommt. Schon gar nicht Sigi. Bei anderen wäre das eine Reise. Bei ihm ist es zunächst eine Feldstudie über die Grenzen menschlicher Selbstorganisation.

Visum, Wise und die moderne Finanzwelt​

Das Visum ist beantragt. Dafür haben wir Unterlagen zusammengetragen, PDFs zusammengefügt, Dokumente sortiert und den Antrag ausgefüllt. Ich habe dabei Tätigkeiten übernommen, von denen ich vorher nicht wusste, dass sie irgendwann zu meinem persönlichen Aufgabenbereich gehören könnten.

Für die Visagebühren brauchten wir eine geeignete Zahlungsmöglichkeit. Also haben wir ein Wise-Konto eröffnet und eine virtuelle Visa-Karte eingerichtet.

Das war ein bisschen so, als würde man einem Mann, der gerade gelernt hat, wie eine Türklinke funktioniert, die Steuerung eines kleinen Satelliten erklären.

„Also, Sigi, das Geld liegt auf deinem Wise-Konto. Wenn du mit der Karte bezahlst, wird es dort abgebucht.“

Er schaut mich an.

„Und wenn ich die Karte nicht benutze?“

„Dann bleibt das Geld liegen.“

Er nickt. Man sieht ihm an, dass er diesen Teil des Weltfinanzsystems für ausgesprochen vernünftig hält.

Dann zeige ich ihm die virtuelle Karte.

„Die ist also gar nicht richtig da?“

„Sie ist da. Nur eben nicht aus Plastik.“

„Und wie soll ich die dann verlieren?“

Ich muss kurz nachdenken.

„Das ist tatsächlich einer der wenigen Vorteile dieses Systems.“

Die Gebühren konnten bezahlt werden, der Visumantrag ging raus. Ob das Visum genehmigt wird, bleibt abzuwarten. Die thailändischen Behörden haben bedauerlicherweise noch keinen Vertrag unterschrieben, nach dem sie sich nach meinem Zeitplan zu richten hätten. Ich finde das unhöflich, werde aber versuchen, damit zu leben.

Die ADAC-Reisekrankenversicherung für zwei Monate hatte ich vorher ebenfalls abgeschlossen.

Man möchte schließlich, dass Sigi im Notfall medizinisch versorgt wird und nicht erst versucht, eine ernsthafte Erkrankung mit einem Glas Wasser, einer Massage und dem guten Rat eines Mannes zu behandeln, der seit 1997 nicht mehr beim Arzt war.

Auch eine stornierbare Hotelreservierung für die Visumunterlagen haben wir organisiert. Sobald die Wohnung feststeht, wird die Unterkunft entsprechend angepasst.

Langsam arbeiten wir uns von der internationalen Reiseverwaltung zur kommunalen Wohnungswirtschaft vor.

Pratumnak: eine Wohnung und ein überschaubares Budget​

Ich tendiere zu Pratumnak. Der Stadtteil scheint mir ein vernünftiger Kompromiss zwischen Ruhe, Erreichbarkeit und der Möglichkeit zu sein, abends etwas zu erleben, ohne gleich vom Nachtleben persönlich adoptiert zu werden.

Rund 20.000 Baht im Monat halte ich für einen vernünftigen Rahmen. Kein Luxuspalast, aber auch keine Unterkunft, in der man morgens erst prüfen muss, ob die Dusche noch zum Gebäude gehört.

Meine eigene Hausverwaltung schaut sich bereits um. Vielleicht hat aber auch jemand aus dem Forum einen guten Tipp. Gesucht wird etwas Ordentliches für zwei Monate, das nicht aussieht, als hätte der Vormieter dort eine sehr persönliche Auseinandersetzung mit der Elektrik verloren.

Ich habe Sigi erklärt, dass eine Wohnung nicht allein deshalb günstig ist, weil auf den Fotos ein Bett zu sehen ist.

„Du musst auch schauen, wo sie liegt, wie du einkaufen kannst und ob du vernünftig wegkommst.“

„Ja“, sagt Sigi. „Aber wenn sie schön ist, kann ich doch auch mal drinbleiben.“

„Natürlich. Das nennt man Wohnen. Es ist eine durchaus anerkannte Tätigkeit.“

Ich frage nicht weiter nach. Man muss einem Menschen auch Erfolgserlebnisse lassen.

Motorrad und andere Formen des Optimismus​

Sigi hat einen deutschen Führerschein für eine 125er-Maschine.

Für das, was er in Thailand fahren möchte, müssen wir die geltenden Führerschein- und Berechtigungsvoraussetzungen sauber klären. Ich habe jedenfalls dafür gesorgt, dass er sich vor Ort um den erforderlichen Führerschein kümmern kann.

Die Vorstellung, dass Sigi in Pattaya auf einem Motorrad unterwegs ist, erfüllt mich mit einer gewissen, wenn auch nicht völlig uneingeschränkten Zuversicht.

„Du musst aufpassen“, sage ich. „Vorausschauend fahren.“

„Mach ich.“

„Und damit rechnen, dass jemand plötzlich vor dir abbiegt.“

„Ja, das kenne ich.“

„Gut. Und wenn jemand hupt, ist das nicht unbedingt eine persönliche Beleidigung.“

Er sieht mich an.

„Auch wenn ich gar nichts gemacht habe?“

„Gerade dann. Das spart dir eine Menge Ärger.“

Ich werde ihm noch erklären, dass man in Thailand nicht allein deshalb Vorfahrt hat, weil man davon überzeugt ist, sie zu besitzen. Diese Erkenntnis ist für manche langjährigen Pattaya-Bewohner selbst nach jahrelanger praktischer Anschauung noch immer nicht vollständig zugänglich.

Tom, Jacques und die internationale Verständigung​

Ich habe Sigi mit zwei Freunden in Pattaya bekannt gemacht: Tom, einem Amerikaner, und meinem französischen Freund Jacques.

Sigis Englisch ist, sagen wir, von einer gewissen Unmittelbarkeit.

Französisch spricht er überhaupt nicht. Ich sehe darin keine Schwierigkeit, sondern eine Gelegenheit zur Völkerverständigung.

Tom darf endlich erleben, dass nicht die gesamte Menschheit verpflichtet ist, sich in seiner Muttersprache auszudrücken.

Sigi wiederum bekommt Gelegenheit, sein Englisch zu verbessern. Für beide Seiten also ein pädagogisch wertvolles Projekt.

Jacques spricht Französisch und Thai.

Er ist ein Spaßvogel hoch zehn, eine Art Louis de Funès mit thailändischem Wortschatz und der festen Überzeugung, dass jede Alltagssituation durch drei Handbewegungen, zwei Gesichtsausdrücke und eine dramatische Pause verbessert werden kann.

Ich stelle mir das so vor:

Jacques erklärt etwas auf Französisch.

Sigi schaut ihn an.

Jacques erklärt es noch einmal auf Französisch, diesmal langsamer und mit einer Handbewegung, die ursprünglich vermutlich für die Einweisung eines startenden Flugzeugs gedacht war.

Sigi nickt.

„Ja, ja. Genau.“

„Tu as compris?“, fragt Jacques.

„Ja“, sagt Sigi. „Das ist gut.“

Jacques wechselt nicht die Sprache. Er ergänzt eine weitere Handbewegung, zieht die Augenbrauen bis in die politische Oberliga und zeichnet möglicherweise eine kleine Skizze in die Luft.

Tom versucht, die Situation auf Englisch zu retten. Jacques hält das für einen persönlichen Angriff auf die französische Sprache und antwortet noch ausführlicher auf Französisch.

Sigi betrachtet beide aufmerksam.

„Du, Klimbim“, sagt er später zu mir, „der Jacques ist ein netter Kerl. Aber der redet ganz schön viel.“

„Er ist Franzose, Sigi. Das gehört zur Grundausstattung.“

„Und warum macht der dabei so komische Bewegungen?“

„Damit man merkt, dass er nicht nur redet.“

Ich freue mich auf diese Freundschaft.

Tom lernt, dass ein Gespräch auch ohne amerikanische Moderation stattfinden kann.

Jacques lernt, dass man mit Geduld und Gestik einen Deutschen durch einen französischen Satz bringen kann. Und Sigi lernt, dass ein Gespräch nicht zwingend dann beendet ist, wenn man selbst nichts mehr versteht.

Wenn es gut läuft, endet die kulturelle Begegnung mit einem gemeinsamen Abendessen. Wenn es schlecht läuft, mit einer schriftlichen Erklärung in drei Sprachen und Jacques, der den Fisch pantomimisch nachspielt.

TDAC, Strände und andere Bildungslücken​

Die Thailand Digital Arrival Card, kurz TDAC, muss innerhalb der drei Tage vor der Einreise online ausgefüllt werden. Sie kommt zusätzlich zum Visum. Auch dabei werde ich Sigi helfen, damit die gesamte Reise nicht an einem Formular scheitert, das der Rest der Menschheit in wenigen Minuten erledigt.

Mit Wise muss er ebenfalls noch etwas üben. Sigi betrachtet jede neue Funktion mit dem Respekt eines Mannes, der vermutet, dass hinter einem falsch gesetzten Häkchen unmittelbar eine internationale Finanztransaktion lauert.

„Und wenn ich da draufdrücke?“, fragt er.

„Dann passiert das, was da steht.“

„Und wenn es nicht das ist, was ich will?“

„Dann sollten wir vorher lesen, was da steht.“

Er sieht mich an, als hätte ich ihm gerade eine bislang unbekannte Schule eröffnet.

Ich werde ihm eine kleine Anleitung schreiben. Nicht zu lang. Ich möchte vermeiden, dass Sigi mit einem Handbuch nach Pattaya reist, das mehr Seiten hat als sein Reisepass.

Außerdem soll Sigi in den zwei Monaten ja etwas erleben. Weihnachten und Silvester stehen an, und ich werde schauen, was in dieser Zeit los ist. Koh Samet und Military Beach stehen auf meiner Ausflugsliste. Dort kann man angenehmer schwimmen als an manchen Stellen in Pattaya, an denen das Meer den Eindruck eines sehr großen, schlecht gelaunten Hotelpools vermittelt.

Kulinarisch soll er ebenfalls etwas erleben. Ein ordentliches Wiener Schnitzel muss sein, ebenso ein gutes Eisbein in Naklua. Sigi soll schließlich nicht glauben, er habe Deutschland verlassen, um künftig von Reis und moralischer Verunsicherung zu leben.

Aber er soll auch eine richtig scharfe Curry probieren.

„Sigi, das musst du versuchen. Das ist wirklich gut.“

„Ist das scharf?“

„Ein wenig.“

„Wie scharf?“

„Das kommt darauf an, wie du dein bisheriges Leben beurteilst.“

Ich würde ihm gern eine Portion bestellen, bei der er nach fünf Minuten nicht mehr weiß, ob er gerade isst oder an einer traditionellen Reinigungszeremonie teilnimmt.

Zwingen werde ich ihn natürlich nicht. Ich bin schließlich kein Unmensch.

Massage, Noi und die Grenzen der Reiseleitung​

Ich werde Sigi die seriösen Massagesalons in der Soi 5 in Pratumnak zeigen, die ich persönlich für gut halte. Alles Weitere darf er selbst herausfinden. Ich bin hilfsbereit, aber es gibt Grenzen der kommunalen Daseinsvorsorge.

Was eine mögliche Bekanntschaft mit einer jungen Dame namens Noi angeht, möchte ich mich nicht unnötig in die Zukunft einmischen. Vielleicht lernt er jemanden kennen. Vielleicht verliebt er sich. Vielleicht sitzt er irgendwann am Strand und denkt, dass das Leben doch noch eine Überraschung für ihn vorgesehen hat.

Das wäre ihm durchaus zu gönnen.

Ich werde ihm lediglich raten, größere Lebensentscheidungen nicht in derselben Woche zu treffen, in der er zum ersten Mal eine thailändische Telefonnummer gespeichert hat. Zwischen dem ersten Kompliment und der Verlegung des Lebensmittelpunkts sollten schon ein paar Nächte Schlaf liegen.

Ich kann ihm helfen, eine Reise zu organisieren, Kontakte vermitteln, Restaurants empfehlen und erklären, warum man nicht jedem Fremden an der Bar sofort die vollständige finanzielle Lebensplanung anvertrauen sollte.

Ich kann nicht verhindern, dass er sich verliebt. Und ich werde mich hüten, ihm das Leben aus lauter Vorsicht abzugewöhnen.

Zwischen Visum und Vorruhestand​

Ich habe eine Krankenversicherung abgeschlossen, ein Wise-Konto eingerichtet, eine virtuelle Visa-Karte organisiert, beim Visumantrag geholfen, Unterlagen sortiert, PDFs zusammengefügt, eine Unterkunft für den Antrag organisiert, die Wohnungssuche angestoßen, Kontakte vermittelt, die Führerscheinfrage auf die Liste gesetzt und eine kleine Reiseplanung begonnen.

Wenn ich so weitermache, braucht Sigi am Ende keinen Reiseführer mehr. Er braucht nur noch eine schriftliche Genehmigung von mir, um morgens das Apartment verlassen zu dürfen.

Bescheuert.

Meine eigene Operation steht an, und ich sollte mich allmählich wieder um die Dinge kümmern, für die ich tatsächlich zuständig bin. Was offenbar nicht ganz dasselbe ist wie die Dinge, für die ich mich zuständig fühle.

Aber ich habe Sigi gern. Er ist ein liebenswerter Kerl, der es im Leben offenbar nicht immer besonders leicht gehabt hat.

Er ist nicht der Mensch, mit dem ich stundenlang über Politik, Literatur oder die Zukunft der Zivilisation diskutiere. Aber er ist aufrichtig, freundlich und dankbar. Und manchmal reicht das vollkommen.

Auf den ersten Blick könnte man ihn durchaus in dieselbe Schublade stecken wie manche der Herren, über die ich mich hier gelegentlich amüsiere: Bart, Tätowierungen, Motorrad, eher handfeste Interessen und sprachlich nicht unbedingt der Mann, der einen spontan für eine Vorlesungsreihe über europäische Geistesgeschichte anmeldet.

Aber dann sitzt man mit ihm zusammen und merkt, dass man sich vom Äußeren ziemlich leicht täuschen lassen kann.

Sigi begegnet Menschen erst einmal freundlich. Ihm fehlt diese unangenehme, kleingeistige Neigung, die Welt in eine überschaubare Ansammlung von Schuldigen und Unschuldigen aufzuteilen und sich selbst selbstverständlich auf der richtigen Seite zu verorten.

Er trägt keine fertige Weltanschauung wie eine schlecht sitzende Uniform vor sich her und hat auch nicht das Bedürfnis, jedem Fremden erst einmal zu erklären, warum früher alles besser war und heute grundsätzlich die Falschen am Ruder sitzen.

Sigi läuft vielmehr mit den offenen Augen eines Kindes durch die Welt, staunt über das, was ihm begegnet, und geht zunächst einmal davon aus, dass es schon irgendwie interessant sein wird.

Dass er dabei gelegentlich so herrlich vertrottelt wirkt, dass man ihm am liebsten vorsichtshalber einen Zettel mit seiner Hoteladresse in die Hemdtasche stecken würde, gehört durchaus zum Gesamtbild.

Er hört zu, freut sich über Hilfe und bedankt sich, ohne daraus eine Grundsatzfrage zu machen.

Er hat vielleicht nicht für alles die passende Antwort. Aber er muss auch nicht auf jede Frage eine haben. Und wenn er etwas nicht versteht, macht er daraus keine Verschwörung, sondern schaut einen einfach ratlos an.

Das ist, bei näherer Betrachtung, eine ziemlich angenehme Eigenschaft.

Vielleicht hat mich gerade das dazu gebracht, ihm zu helfen.

Nicht, weil ich glaube, ihn vor allen Fehlern bewahren zu können. Das wäre bei meinem eigenen Lebenslauf eine etwas gewagte Dienstleistung. Sondern weil ich den Eindruck habe, dass Sigi Unterstützung tatsächlich zu schätzen weiß und sie nicht als Beweis dafür betrachtet, dass er die Welt längst durchschaut hat.

Man muss nicht dieselben Interessen teilen, um einen Menschen gernhaben zu können. Und manchmal ist ein gutherziger, etwas unbeholfener Mensch, der sich ehrlich über einen schönen Tag freut, deutlich mehr wert als ein eloquenter Zeitgenosse, der einem nach dem zweiten Bier erklärt, warum die Menschheit ohne ihn längst untergegangen wäre.

Das klingt jetzt beinahe rührend. Ich bitte, diesen Ausrutscher zu entschuldigen. Wir sind schließlich in einem Thailand-Pattaya-Forum.


Eure Tipps sind gefragt​

Was fehlt noch auf der Liste?

Wer kennt eine ordentliche Wohnung in Pratumnak für ungefähr 20.000 Baht im Monat? Welche Restaurants sollte Sigi ausprobieren? Welche Veranstaltungen oder Ausflüge lohnen sich rund um Weihnachten und Silvester? Welche praktischen Dinge sollte man einem Pattaya-Neuling erklären, bevor er sie auf die unangenehme Art lernt?

Ich möchte, dass Sigi zwei schöne Monate hat. Er soll etwas sehen, gut essen, nette Menschen kennenlernen, im Meer schwimmen und mit ein paar Geschichten nach Hause kommen, die er vorher nicht hatte.

Wenn er zusätzlich ein paar Brocken Französisch kann, wäre das bereits eine internationale Auszeichnung.

Und wenn er nach zwei Monaten tatsächlich wieder nach Deutschland zurückfliegt, ohne zwischenzeitlich ein Haus gekauft, eine Bar eröffnet oder eine zwanzigjährige Noi zur Mitverwalterin seiner Rente gemacht zu haben, werde ich das als ausgesprochen gelungenes Projekt betrachten.

Nicht, dass ich mir dafür auf die Schulter klopfen möchte. Ich bin ja bescheiden.

Ich würde lediglich gern wissen, ob man für solche Leistungen irgendwo einen kleinen Orden bekommt. Vielleicht in Bronze. Ich möchte nicht übertreiben.

Klimbim und der Sigi unter den Siggis.

Der eine versucht, vor einer Operation noch die letzten Reisevorbereitungen zu erledigen. Der andere versucht herauszufinden, wie eine virtuelle Kreditkarte funktioniert.

Thailand kann kommen.

Ich hoffe nur, dass es vorbereitet ist.
 
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Es ist schon interessant wie du hier deine Sicht auf die Pattaya Veteranen erklärst, die den anderen Thailand, Pattaya und die Welt erklären müssen.

Wenn ich genügend Zeit finde, werde ich vielleicht mal eine statistische Auswertung anfertigen wieviele Leute ich hier mit Sandalen nebst zugehörigen Socken treffe 555
 
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Maig1759

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13 Februar 2009
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Motorrad und andere Formen des Optimismus​

Sigi hat einen deutschen Führerschein für eine 125er-Maschine.

Für das, was er in Thailand fahren möchte, müssen wir die geltenden Führerschein- und Berechtigungsvoraussetzungen sauber klären. Ich habe jedenfalls dafür gesorgt, dass er sich vor Ort um den erforderlichen Führerschein kümmern kann.

Die Vorstellung, dass Sigi in Pattaya auf einem Motorrad unterwegs ist, erfüllt mich mit einer gewissen, wenn auch nicht völlig uneingeschränkten Zuversicht.

„Du musst aufpassen“, sage ich. „Vorausschauend fahren.“

sehr spannend drücke Sigi beide Daumen
 
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Klimbim

Kein anderes Hobby?
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Es ist schon interessant wie du hier deine Sicht auf die Pattaya Veteranen erklärst, die den anderen Thailand, Pattaya und die Welt erklären müssen.

Wenn ich genügend Zeit finde, werde ich vielleicht mal eine statistische Auswertung anfertigen wieviele Leute ich hier mit Sandalen nebst zugehörigen Socken treffe 555


Trägst Du Sandalen, oder Flipflops?

Die von mir dargelegte Sorte ist nur amüsant, nicht ärgerlich.

Beim Rollerfahren rate ich aber zu festem Schuhwerk.

Mein amerikanischer Freund: " Du denkst zu deutsch. Hier ist Thailand"...

Ich könnte nun seinen aufgerissenen Fuss posten, den er sich vor 4 Wochen zuzog...

Pattaya Veteran...lieb und etwas speziell.

Wie unsere "Dachlatte".

Das gleiche bei denen, die ohne KV unterwegs sind:

"Ich lutsche saure Drops, mai pen rai"...

..."Impfen ist was für Weicheier..." 😅😅😅
 
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