Genauso ist es, die EU Bankenaufsicht kann keine Strafen gegen thailändische Banken verhängen, wenn sie innerhalb der EU keine Zweigstellen haben. Ist eine thailändische Bank ausschließlich in Thailand tätig, hat die EU-Bankenaufsicht keine direkte rechtliche Handhabe oder Sanktionsgewalt gegen sie. Indirekte Sanktionen sind allerdings schon möglich, z.B. den Korrespondenzbanken in Europa die Geschäftsbeziehungen untersagen.
Ausserdem gibt es ausdrücklich ein Bestandsschutz für bestehende Konten. Des Weiteren ist es möglich auch in Zukunft aus Eingeninitiative ein Konto zu eröffnen. Das ist nicht verboten!
Auch muss man bei der Kontoeröffnung u.a. ein CoR vorlegen, damit hat man für die Bank eine thailändische Wohnadresse. Bei mir ist diese auch z.B. in der App der Bangkok Bank hinterlegt.
Für bestehende Konten (besonders die ohne Touristenstatus) sehe ich da absolut keine Probleme. Für zukünftige Konteneröffnungen kann es natürlich sein dss die Banken da vorsichtiger werden. Man wird es abwarten müssen.
Lustigerweise schickte mir jemand privat – völlig ohne zu wissen, dass ich mich mit dem Thema bereits beschäftigt hatte – einen Artikel einer Agentur mit ungefähr der beruhigenden Überschrift:
„Bankkonten von EU-Ansässigen im Nicht-EU-Ausland gefährdet, handeln Sie schnell!“
Die genaue Überschrift habe ich vergessen. Die Dramatik ist aber sinngemäß korrekt.
Was ich bemerkenswert fand: Direkt neben dem drohenden finanziellen Armageddon wurde selbstverständlich Rechts- und Finanzberatung angeboten. Unter anderem dazu, wo man denn jetzt noch schnell ein Auslandskonto eröffnen könne. Und rein zufällig war natürlich genau diese Agentur ausgesprochen gut geeignet, ein entsprechendes Beratungsgespräch anzubieten.
Das hatte ein wenig den Charme eines Bestatters, der auf der Titelseite verkündet:
„Vermutlich sind Sie bald tot. Wir hätten da übrigens noch ein sehr günstiges Sargmodell.“
Dann wird es im Internet naturgemäß interessant.
Jemand liest den Artikel, bekommt leichte Panik, fragt die KI.
Die KI antwortet sinngemäß:
„Das lässt sich so pauschal nicht sagen.“
Der Leser:
„Aber die EU?“
Die KI:
„Auch das lässt sich so pauschal nicht sagen.“
Der EU-Skeptiker aus dem Hintergrund:
„Doch.“
Und plötzlich steht aus einem relativ nüchternen regulatorischen Thema ein kleiner Jahrmarkt aus Schlagzeile, Panik, KI und Weltanschauung.
Der eigentliche Sachverhalt liegt derweil vermutlich irgendwo daneben und wartet geduldig darauf, dass sich jemand mit ihm beschäftigt.
Das Ganze erinnert mich ein wenig an einen Mann, der beim Hotel anruft:
„Ist mein Zimmer noch da?“
„Ja.“
„Sehr gut. Ist das Hotel auch noch da?“
„Ja.“
„Und die EU?“
„Bitte?“
„Schon gut.“
Man muss die Angelegenheit vermutlich nicht dramatischer machen, als sie ist.
Es reicht völlig, die Rechtslage zu prüfen. Kannste aber oft einfach nur vergessen...
Der Rest ist Pattaya Geflüster.
Und das ist bekanntlich ein durchaus eigenständiges Feld mit all den Manfreds, Dieters, Heiners und Holgers, den Sandalen mit Klettverschluss, Funktionswesten bei 31 Grad, Sonnenhüten aus dem Reisebüro, Lesebrillen um den Hals, dem obligatorischen kleinen Bauchansatz über der Badehose und dem Ausdruck jener tiefen Gelassenheit im Gesicht, den nur ein Mann entwickeln kann, der seit 17 Jahren in derselben Bar sitzt und inzwischen zuverlässig weiß, welcher Tisch ab 16:30 Uhr den besten Schatten bietet.
Dazu ein Chang, ein Smartphone mit maximal 11 Prozent Akku und eine sehr entschiedene Meinung zur EU, zur deutschen Politik, zum thailändischen Baht und zu Dingen, von denen er vor fünf Minuten zum ersten Mal gehört hat.
Man setzt sich dazu, bestellt einen Kaffee und erfährt innerhalb von sieben Minuten, dass „die da oben“ jetzt auch noch an sein Konto wollen.
Es ist ein erstaunlich gut eingespieltes Ökosystem.
Versuche dazu sachlich darauf hinzuweisen, dass es keine Verbotsnorm gibt und eine andere Norm völlig falsch sachfremd interpretiert wurde schlagen genau so fehl wie der Versuch zu erklären, dass es in Deutschland zu heiss und zu trocken geworden ist...