Du hast in zentralen Punkten Recht. Vor 20 Jahren hätte ich das vermutlich 1:1 unterschrieben.Sehr guter Beitrag! Das müsste eigentlich für jeden zur Pflichtlektüre werden – und zwar bevor der Wechsel vom Paysex-Dienstleister zur Freundin oder Ehefrau in Pattaya oder sonst wo in Thailand vollzogen wird.
Viele glauben ja immer noch, die Mädels in „Patte“ machen das alles nur, um sich selbst ein besseres Leben zu ermöglichen. Viele Männer denken, wenn man sie wie ein „Ritter in weißer Rüstung“ da herausholt und ihnen ein gutes Leben an der eigenen Seite bietet, bräuchten sie das Geld aus dem Business nicht mehr. Weit gefehlt! Die Unterstützung der Eltern ist eine fundamentale, lebenslange Pflicht.
Der Hauptantrieb für diesen "Job" ist fast immer der Support für die Familie, der in Thailand leider meistens an den Frauen hängenbleibt.
Bun Khun (Dankbarkeitspflicht) wird von männlichen Nachkommen zwar auch praktiziert, aber bei Weitem nicht in dem Maße wie von den Frauen.
Die Familie steht in Thailand über allem – erst danach kommt der feste Freund oder Ehemann. Wenn eine Thailänderin irgendwann sagt: „You are my family“, dann hat man es eventuell geschafft, in diesen inneren Kreis aufgenommen zu werden. Das wird ihr wesentlich schwerer über die Lippen kommen als ein schnelles „I love you“ – bedeutet im thailändischen Kontext aber unendlich viel mehr.
Ein „I love you“ ist im touristischen Umfeld schnell gelernt und wird oft als Floskel genutzt, um dem Kunden oder Partner das zu geben, was er hören will.
Wenn eine Thailänderin jedoch sagt, dass du zu ihrer Familie gehörst "Pen khrop-khrua diao kan“ , bedeutet das den Fall aller Masken.
Es heißt, dass du nicht mehr nur der „Zahlmeister“ oder der temporäre Partner von außen bist, sondern voll in das soziale und emotionale Gefüge integriert wurdest.
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Nur noch als Info wieso es diese ungleiche Last zwischen Töchter und Söhnen gibt bei Bun Khun:
Männliche Nachkommen können ihre Schuld gegenüber den Eltern traditionell dadurch begleichen, dass sie (oft nur für ein paar Wochen) als Mönch ordinieren lassen. Damit erstatten sie den Eltern (besonders der Mutter, der der Zugang zum Mönchtum verwehrt bleibt) spirituelle Verdienste -Tam Bun- für das nächste Leben.
Weibliche Nachkommen haben diese Option nicht. Von ihnen wird erwartet, dass sie die Familie materiell und finanziell unterstützen. Da der thailändische Arbeitsmarkt in ländlichen Regionen wie dem Isaan kaum Perspektiven bietet, landen viele Frauen im Nachtleben, um dieser Pflicht nachzukommen zu können.
Für die Gegenwart zeigen allerdings Entwicklungen, dass sich das alte Familienbild ("die Jungen sind die Altersvorsorge der Älteren") im Wandel befindet.
Zu den stärksten Treibern gehören aus meiner Sicht
- die hohen Lebenshaltungskosten in den Ballungszentren. Da bleibt am Ende des Monats wenig Geld übrig für die Familie.
und
- die zunehmende Statusorientierung vieler junger Thais, befeuert durch soziale Netzwerke.
Die Überweisung an Oma bringt keine Likes. Der Japan-Urlaub oder das neue iPhone dagegen schon.
Platt ausgedrückt: Für das neue iPhone muss Oma manchmal etwas kürzer treten. Es sei denn, der Farang gleicht die entstandene Lücke in der Familienkasse aus. Wobei der Farang natürlich nicht das iPhone bezahlt, sondern ausschließlich das neue Dach für Omas Haus. Da gibt es bekanntlich eine sehr klare mentale Trennung der Budgets.
Weiterhin bin ich mir nicht sicher, ob ein "Du bist jetzt Familie" in jedem Fall ein eindeutiges Bekenntnis zum Partner ist. Es kann das sein. Es kann aber auch eine eher beiläufig verwendete Floskel oder eine geschickte Schmeichelei sein, die die moralische Verpflichtung des Gegenübers stärken soll.
Vor 20 Jahren – ohne ausgeschöpfte Kreditlinien, deutlich niedrigere Lebenshaltungskosten und ohne die heutige soziale Statusjagd – wäre das vermutlich einfacher einzuschätzen gewesen.
Deshalb verlasse ich mich weder in Thailand noch in Deutschland auf Lippenbekenntnisse. Für mich zählt am Ende das überprüfbare !!!!! Handeln. Daran erkenne ich meist deutlich besser, welchen Stellenwert ich tatsächlich habe.














