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Tagebuch eines Ruheständlers in Pattaya. Ich bereite es vor: in wenigen Monaten wird es starten

Klimbim

Hat nix anderes zu tun
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24 November 2024
1.401
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Pattaya hat mich krank gemacht?

Das wäre ungefähr so, als würde man behaupten, der Liegestuhl sei schuld am Sonnenbrand.

Pattaya macht mich vermutlich eher wieder gesund.

Kein Stress. Mildes Klima. Neun Stunden Schlaf. Viel Schwimmen. Leichtes Essen. Fremdsprachen lernen. Lesen. Mein Alkoholkonsum liegt ungefähr auf dem Niveau eines evangelischen Kirchenvorstands.

Bars interessieren mich exakt null. Ich glaube, ich wäre der einzige Mensch in Pattaya, der an einer Go-Go-Bar vorbeigeht und denkt: „Schöner Schatten hier.“

Für andere ist Pattaya Party.
Für mich ist Pratumnak eine Reha mit besserem Wetter.

Und jetzt entschuldigt mich bitte
Manfred hat vermutlich schon wieder eine Treppe gefunden, von der er behauptet, sie würde meiner Erholung dienen.
 

Klimbim

Hat nix anderes zu tun
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24 November 2024
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Die große Pattaya-Namensforschung meiner Generation

Ich habe inzwischen eine Theorie entwickelt.

Pattaya ist nicht nur ein Ort in Thailand. Pattaya ist auch ein riesiges Freiluftarchiv deutscher Vornamen zwischen ungefähr 1960 und 1965.

Man trifft sie überall.

Dieter.
Manfred.
Uwe.
Hans-Jürgen.
Klaus.
Michael.
Heiner.

Ich bin inzwischen überzeugt: Wenn man in Pattaya laut „Uwe!“ ruft, drehen sich mindestens fünf Männer um. Einer sucht gerade seine Brille, einer erklärt, warum früher alles besser war, und einer weiß zufällig, wo es das beste Essen gibt.

Die spannende Frage ist:
Warum heißen die alle so?

Gab es damals eine geheime deutsche Namenskommission?

„Wir brauchen Namen für Männer, die später irgendwann nach Thailand auswandern.“

„Kevin?“

„Nein. Zu modern.“

„Luca?“

„Völlig ausgeschlossen.“

„Dann nehmen wir Dieter.“

Und erstaunlicherweise hat die Kommission einen Volltreffer gelandet.

Denn genau diese Männer findet man heute in Pattaya erstaunlich häufig.

Malermeister.
Maurer.
Schlosser.
Handwerker.
Busfahrer.
Lkw-Fahrer.

Männer, die 40 Jahre gearbeitet haben, Dinge gebaut haben und vermutlich sogar einen defekten Toaster wieder zum Leben erwecken könnten.

Irgendwann sitzen sie dann in Thailand, trinken gemütlich etwas Kaltes und sagen:

„Eigentlich wollte ich schon immer mal etwas anderes machen.“

Und dann machen sie es.

Natürlich mit deutscher Gründlichkeit.

Andere Menschen kaufen ein Flugticket.

Der deutsche Dieter prüft vorher:
Krankenversicherung.
Bankkonto.
Wechselkurs.
Wetterstatistik der letzten 30 Jahre.
Und ob der Ventilator nachts ein verdächtiges Geräusch macht.

Der typische Pattaya-Uwe ist dabei erstaunlich entspannt.

Vielleicht keine Doktorarbeit geschrieben.

Aber er weiß, welcher Roller zuverlässig ist, wo es gutes Essen gibt und welcher kleine Laden um die Ecke besser ist als jede große Kette.

Der Hans-Jürgen sitzt daneben, nickt langsam und sagt:

„Das habe ich schon vor zehn Jahren gesagt.“

Und meistens hatte er recht.

Dann gibt es noch die besondere Untergruppe:
den Heiner.

Der Heiner ist kein normaler Heiner.

Der Heiner ist der Kistenheiner.

Ich kenne keinen Menschen, der so konsequent Kisten bewegt wie dieser Mann.

Als er meine Wohnung renoviert hat, war ich zunächst begeistert.

Saubere Arbeit.
Gute Organisation.
Ein Handwerker, der weiß, was er tut.

Bis ich irgendwann gemerkt habe:

Der eigentliche Bauleiter war nicht Heiner.

Der eigentliche Bauleiter waren die Kisten.

Diese Kisten waren überall.

Eine oben.
Eine unten.
Eine rechts.
Eine links.

Manchmal hatte ich den leisen Verdacht, Heiner transportiert nicht die Kisten.

Die Kisten transportieren Heiner.

Wenn ich ihn angerufen habe:

„Heiner, hast du kurz Zeit?“

Kam meistens:

„Eigentlich ja. Aber ich muss noch die Kisten machen.“

Welche Kisten?

Was ist darin?

Warum werden es immer mehr?

Wo kommen sie her?

Und wohin verschwinden sie?

Das weiß niemand.

Nicht ich.
Nicht Dieter.
Nicht Klaus.
Nicht Manfred.
Nicht einmal Hans-Jürgen, der sonst über fast alles informiert ist.

Und selbst jetzt, wo ich ihm von meiner Krankheit erzähle, von Krankenhaus, OPs und meinem neuen sehr persönlichen Verhältnis zu meinem Dünndarm, bleibt Heiner erstaunlich beschäftigt.

„Heiner, mir geht es gerade wirklich nicht so gut.“

„Ja, habe ich gehört. Schlimme Sache. Aber ich muss los.“

„Warum?“

„Die Kisten.“

Natürlich.

Die Kisten.

Ich glaube inzwischen, wenn irgendwann die große Geschichte über Pattaya geschrieben wird, bekommt Heiner ein eigenes Kapitel:

„Die unbekannte Logistikbewegung eines deutschen Handwerkers.“

Vielleicht sind darin Werkzeuge.

Vielleicht Ersatzteile.

Vielleicht der halbe Inhalt eines thailändischen Baumarktes.

Niemand weiß es.

Aber eines ist sicher:

Wenn irgendwo in Pattaya eine Kiste auftaucht, steht Heiner wahrscheinlich daneben und sagt:

„Keine Sorge. Ich habe einen Plan.“

Und genau deshalb mag man diese Leute.

Sie sind manchmal rätselhaft.

Sie haben ihre Eigenheiten.

Sie heißen oft wie eine komplette deutsche Stammtischrunde aus dem Jahr 1962.

Aber am Ende sind es genau die Typen, die helfen, wenn es darauf ankommt.

Sie reparieren Tische.
Sie renovieren Wohnungen.
Sie erklären einem, welcher Reifen auf welchen Roller gehört.

Und wahrscheinlich würden sie auch nachts um zwei helfen.

Vorausgesetzt natürlich:

Die Kisten geben Heiner kurz frei.
 

Klimbim

Hat nix anderes zu tun
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24 November 2024
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Kleine Begebenheit aus dem Krankenhauspark. Berlin eben.

Die Ärzte haben mir eine ziemlich einfache Therapie verordnet.

"Laufen. So viel Sie schaffen."

Nicht weil es besonders angenehm ist.

Sondern weil meine Darmenden möglichst gut zusammenwachsen sollen und der Körper langsam wieder merkt, dass das hier noch nicht das Ende der Veranstaltung ist.

Meine Mutter unterstützt das Ganze mit selbst gekochter Fleischbrühe. Mit den Ärzten abgestimmt. Die Krankenhausbrühe und ich haben nämlich beschlossen, künftig getrennte Wege zu gehen.

Also bin ich heute los.

Mit erstaunlich viel Motivation.

Und deutlich weniger Kondition.

Am Ende saß ich auf einer Bank direkt am Zaun zur Straße und sah vermutlich aus, als hätte mich das Leben gerade knapp nach Punkten besiegt.

Plötzlich höre ich Bremsen.

Ein BVG-Bus.

Warnblinker.

Mitten im Verkehr.

Der Fahrer springt raus.

Ein Berliner Original.

„Na, Junge... wat is'n los? Kippste mir hier gleich um?“

Ich musste lachen.

„Nee... alles gut. Krankenhaus. Zwei OPs. Die Ärzte haben mir Laufen verschrieben.“

Er schaut mich an.

Von oben bis unten.

„Na, die ham dir aber hoffentlich nich jesacht, dass de unterwegs zusammenbrechen sollst.“


„Das stand nicht im Beipackzettel.“

Dann kamen wir ins Quatschen.

Ich erzählte ihm, dass ich nach meiner Genesung komplett nach Pattaya auswandern möchte.

Er lachte.

„Ick ooch. Noch paar Jahre, dann bin ick weg.“

Wir tauschten ein paar Tipps aus, redeten kurz über Pattaya, übers Leben und darüber, dass man irgendwann merkt, dass Zeit manchmal wertvoller wird als alles andere.

Dann sagte er plötzlich:

„Pass uff... wenn dir schwindlig wird oder de nich mehr kannst, nimm einfach meine Linie. Ick fahr dir schon dahin, wo de hinmusst. Is mir doch egal, ob det offiziell auf'm Fahrplan steht.“

Da musste ich wirklich schlucken.

Nicht wegen der OP.

Wegen des Satzes.

Und genauso beeindruckend war das, was hinter ihm passierte.

Der ganze Bus wartete.

Kein Genörgel.

Kein Hupen.

Kein ungeduldiges Winken.

Einfach Verständnis.

Als der Fahrer wieder einstieg, klatschten tatsächlich einige Fahrgäste.

So nach dem Motto:

„Alles richtig gemacht.“

Er winkte mir noch einmal zu und fuhr weiter.

Ich blieb noch einen Moment sitzen und dachte:

Man kann über Berlin vieles sagen.

Und manches stimmt auch.

Aber Berlin besteht eben nicht nur aus den Geschichten, die abends in den Nachrichten laufen.

Berlin besteht auch aus einem Busfahrer, der mitten im Verkehr anhält, den Warnblinker einschaltet und zu einem völlig Fremden sagt:

„Komm, wenn's sein muss, fahr'n wa eben zusammen.“

Und aus einem Bus voller Menschen, die dafür einfach Verständnis haben.

Vielleicht war meine Runde heute medizinisch nicht besonders beeindruckend.

Für meinen Glauben an diese Stadt war sie es ganz bestimmt.
 

Klimbim

Hat nix anderes zu tun
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24 November 2024
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Klimbim hat immer Pläne und alles gleiche- nun wurde er in die Realität zurück geholt auf die denkbar schlechteste Variante , aber es geht ihn besser - er schreibt schon wieder ohne Punkt und Komma wie man sagt 🙏👍


Wie soll ich diesen Unsinn bitte aushalten?

Das Zimmer ist heiss. Das Essen beschissen.

Mein Dünndarm ist beleidigt.

Ich werde zwar geheilt aber gefühlsmässig gefoltert. Seit Wochen.

Humor ist der Gegenschlag und Dankbarkeit für netten Stoff gibt es auch bei schlechter Gesamtlage.


Dazu kommt, dass mein Betriebssystem speziell ist.

Mein Bettnachbar bittet mich ihn nicht zum Lachen zu bringen, weil er dann Schmerzen hat.

Davor lag hier ein Polizeiobermeister der brüllte und kommandierte.

Die Schwestern sind spürbar erleichtert, dass sie nun einen Witzbold pflegen, mein Bettnachbar, ein sensibler Mathematiker, ist extrem amüsiert und froh.

Gut so
 
Zuletzt bearbeitet:

max_hh

Schreibwütig
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Kleine Begebenheit aus dem Krankenhauspark. Berlin eben.

Die Ärzte haben mir eine ziemlich einfache Therapie verordnet.

"Laufen. So viel Sie schaffen."

Nicht weil es besonders angenehm ist.

Sondern weil meine Darmenden möglichst gut zusammenwachsen sollen und der Körper langsam wieder merkt, dass das hier noch nicht das Ende der Veranstaltung ist.

Meine Mutter unterstützt das Ganze mit selbst gekochter Fleischbrühe. Mit den Ärzten abgestimmt. Die Krankenhausbrühe und ich haben nämlich beschlossen, künftig getrennte Wege zu gehen.

Also bin ich heute los.

Mit erstaunlich viel Motivation.

Und deutlich weniger Kondition.

Am Ende saß ich auf einer Bank direkt am Zaun zur Straße und sah vermutlich aus, als hätte mich das Leben gerade knapp nach Punkten besiegt.

Plötzlich höre ich Bremsen.

Ein BVG-Bus.

Warnblinker.

Mitten im Verkehr.

Der Fahrer springt raus.

Ein Berliner Original.

„Na, Junge... wat is'n los? Kippste mir hier gleich um?“

Ich musste lachen.

„Nee... alles gut. Krankenhaus. Zwei OPs. Die Ärzte haben mir Laufen verschrieben.“

Er schaut mich an.

Von oben bis unten.

„Na, die ham dir aber hoffentlich nich jesacht, dass de unterwegs zusammenbrechen sollst.“


„Das stand nicht im Beipackzettel.“

Dann kamen wir ins Quatschen.

Ich erzählte ihm, dass ich nach meiner Genesung komplett nach Pattaya auswandern möchte.

Er lachte.

„Ick ooch. Noch paar Jahre, dann bin ick weg.“

Wir tauschten ein paar Tipps aus, redeten kurz über Pattaya, übers Leben und darüber, dass man irgendwann merkt, dass Zeit manchmal wertvoller wird als alles andere.

Dann sagte er plötzlich:

„Pass uff... wenn dir schwindlig wird oder de nich mehr kannst, nimm einfach meine Linie. Ick fahr dir schon dahin, wo de hinmusst. Is mir doch egal, ob det offiziell auf'm Fahrplan steht.“

Da musste ich wirklich schlucken.

Nicht wegen der OP.

Wegen des Satzes.

Und genauso beeindruckend war das, was hinter ihm passierte.

Der ganze Bus wartete.

Kein Genörgel.

Kein Hupen.

Kein ungeduldiges Winken.

Einfach Verständnis.

Als der Fahrer wieder einstieg, klatschten tatsächlich einige Fahrgäste.

So nach dem Motto:

„Alles richtig gemacht.“

Er winkte mir noch einmal zu und fuhr weiter.

Ich blieb noch einen Moment sitzen und dachte:

Man kann über Berlin vieles sagen.

Und manches stimmt auch.

Aber Berlin besteht eben nicht nur aus den Geschichten, die abends in den Nachrichten laufen.

Berlin besteht auch aus einem Busfahrer, der mitten im Verkehr anhält, den Warnblinker einschaltet und zu einem völlig Fremden sagt:

„Komm, wenn's sein muss, fahr'n wa eben zusammen.“

Und aus einem Bus voller Menschen, die dafür einfach Verständnis haben.

Vielleicht war meine Runde heute medizinisch nicht besonders beeindruckend.

Für meinen Glauben an diese Stadt war sie es ganz bestimmt.
Und genau diese "Busfahrer" sind es weswegen ich diese Stadt und die Berliner einfach liebe. Mein Umfeld schüttelt immer nur den Kopf aber Berlin ist und bleibt meine 2. Heimat.

n 3 Wochen wieder für ein Wochenende inkl. WNBR :love:
 

Klimbim

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24 November 2024
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Und genau diese "Busfahrer" sind es weswegen ich diese Stadt und die Berliner einfach liebe. Mein Umfeld schüttelt immer nur den Kopf aber Berlin ist und bleibt meine 2. Heimat.

n 3 Wochen wieder für ein Wochenende inkl. WNBR :love:

DANKE

DANKE

Ich bin nämlich absoluter Lokalpatriot und stehe hinter meiner Stadt.

Torti in Tortis Biergarten (Naklua) bekam auf die Frage an meinen Sohn, 13, ex Filipino "wie jefällt Dir did Essen bei mia" und "Hertha oda Union" zu hören:

" Der Laden is stabil" (riesiges Lob von einem jugendlichen Berliner)

Und

"Natürlisch UNION!"

Damit wurde er augenzwinkernd adoptiert.
 
Tischtennis Pattaya

Klimbim

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24 November 2024
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Ich habe ihn leider verpasst.

Ein paar Tage früher, und wir hätten uns vermutlich ein Zimmer geteilt.

Polizeiobermeister Klaus.

Kurz vor der Pensionierung.
Rekrutenausbilder.
Ein Mann, der vermutlich sogar den Wecker morgens anschreit.

Man erzählte mir, der ganze Flur wusste jederzeit, wie es ihm ging.

„SCHWESTER!“

Fünf Sekunden Ruhe.

„SCHWESTER!!“

Weitere fünf Sekunden.

„ICH HABE GESAGT SCHWESTER!!!“

Ich glaube, selbst die Tauben auf dem Dach haben sich freiwillig zur Visite gemeldet.

Je mehr ich darüber höre, desto mehr bedaure ich fast, dass wir uns verpasst haben.

Andererseits wahrscheinlich besser so.

Ich stelle mir das ungefähr so vor.

Klaus:
„HIER WIRD NICHT DISKUTIERT!“

Ich:
„Doch. Eigentlich schon.“

Klaus:
„ICH BIN POLIZEIOBERMEISTER!“

Ich:
„Ich bin Dünndarmstomaträger. Jeder trägt sein Kreuz.“

Klaus:
„SIE HÖREN MIR JETZT ZU!“

Ich:
„Gern. Sobald Sie dieselbe Lautstärke benutzen wie der Rest der Bundesrepublik.“

Klaus:
„DISZIPLIN MUSS SEIN!“

Ich:
„Absolut. Deshalb schreien die Schwestern vermutlich auch nicht zurück.“

An diesem Punkt hätten vermutlich zwei Pflegekräfte, ein Stationsarzt und vorsorglich ein Physiotherapeut im Türrahmen gestanden.

Nicht um einzugreifen.

Nur um zu sehen, wer gewinnt.

Ich vermute übrigens: niemand.

Klaus hätte bis heute geglaubt, ich sei hoffnungslos undiszipliniert.

Ich hätte bis heute geglaubt, Klaus sei der einzige Mensch, der selbst im Schlaf im Befehlston schnarcht.

Und irgendwann hätten wir uns wahrscheinlich doch verstanden.

Er hätte gebrüllt:
„KAFFEE?“

Ich:
„Ja bitte. Aber leise.“

Manchmal ist es vielleicht ganz gut, wenn sich zwei Naturgewalten knapp verpassen.

Der Stationsfrieden hat es vermutlich gedankt.
 

Klimbim

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24 November 2024
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P.S.

Ich möchte hier übrigens klarstellen, dass ich absolut hinter unserer Polizei stehe. Ja.

Und das als Altliberaler. Aber Rechtsstaat und Demokratie brauchen robuste Hüter hoheitlicher Gewalt.

Gut ausgebildet und im Zweifel zur Not auch sehr robust.

Clankriminalität bekämpft man nicht mit Kamillentee und Gutmenschentum. Komisch, das von mir zu lesen? Nein!

Ich mag aber meine Haltung klarstellen, da ich selbst innerhalb des Regelrahmens unseres liberalen Rechtsstaates zu Hause bin,.

Ich empfinde autoritäres Gebrüll als maximal unangenehm und bin wiederum meinerseits geradezu darauf abgerichtet, es zu unterbinden.

Weil ich das darf, weil es hier möglich ist, weil unsere Republik so ist und bleiben soll, stehe ich dahinter.

Hinter unserer Polizei.
 

Klimbim

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24 November 2024
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Operation Thailand ... das Universum arbeitet jetzt in meinem Team

Es ist schon faszinierend.

Kaum liegt man halb auseinandergebaut im Krankenhaus, fängt das Universum plötzlich an, Überstunden für die Auswanderung nach Thailand zu machen.

Episode 1 : Der Staat wird plötzlich mein Sponsor

Heute kam der nächste Knaller.

"Sie bekommen vermutlich zunächst einen Schwerbehindertenausweis."

Ich:
"...Aha."

Sachbearbeiter:
"Das eröffnet Ihnen eventuell einen früheren Zugang zur gesetzlichen Rente."

Ich:
"...Moment..."

Klein Bimbo zieht langsam den Taschenrechner.

"Sie wollen mir gerade sagen... dass mich beinahe zu sterben meiner Auswanderung zeitlich entgegenkommt?"

Der Sachbearbeiter schaute ungefähr so, als hätte er diese Frage noch nie gehört.

Ich glaube, der Gesetzgeber hatte das eigentlich anders geplant.

Ich nehme es trotzdem.


Episode 2: Expedition Steuerberater

Seit Wochen war mein Steuerberater verschollen.

Meine Mutter machte sich auf die Suche.

Ich stellte mir das ungefähr so vor wie eine National-Geographic-Dokumentation.

Sie öffnet vorsichtig die Bürotür.

Vor ihr:

Papier.

Noch mehr Papier.

Ein Papiergebirge.

Irgendwo raschelt es.

Dann taucht langsam ein Mensch auf.

Steuerberater:

"Ah... Frau ..., ich arbeite mich gerade durch den Urlaub..."

Ich glaube, der Mann lebt ausschließlich von Kaffee und Einkommensteuergesetzen.

Immerhin:

Meine Steuererklärung läuft.

Das Finanzamt wird mir wohl wieder einen richtig schönen Betrag zurückzahlen.

Thailand nickt anerkennend.

Ich kann jedem nur empfehlen:

Wenn ihr auswandert... behaltet einen guten Steuerberater.

Man trennt sich von vielem.

Nicht vom Finanzamt.

Das findet euch sowieso.


Episode 3 Besuch vom Chef

Heute tauchte plötzlich mein Chef im Krankenhaus auf.

Ganz normal.

Er wollte einfach sehen, wie es mir geht.

Die Station wurde allerdings leicht nervös.

"Wer ist denn der Herr?"

Ich:

"Ach... mein Chef."

Die Schwester guckte kurz.

Dann ihn.

Dann wieder mich.

Ich glaube, sie erwartete jetzt irgendeinen DAX-Vorstand mit Chauffeur.

Stattdessen stand da einfach Herr Kramer.

Ganz normal.

Setzt sich.

"Na... wie geht's?"

Ich:

"Beschissen."

Er:

"Siehst auch so aus."

Das nennt man ehrliche Führungskräftekommunikation.

Keine PowerPoint.

Keine Motivationsrede.

Einfach Sorge um einen Mitarbeiter.

Und genau solche Momente erwischen mich momentan.

Ich muss dann immer aufpassen, dass ich nicht plötzlich sentimental werde.

Die ganzen harten Kerle...

...haben anscheinend doch irgendwo Gefühle versteckt.

Sagt's bloß keinem.

Unterm Strich:

Der Körper ist noch eine Baustelle.

Die Leber beschwert sich über die Antibiotika.

Der Darm diskutiert noch mit der Chirurgie.

Aber jeden Tag geht es ein kleines Stück besser.

Und während ich hier langsam wieder zusammengebaut werde...

...organisieren Schwerbehindertenrecht...

...Steuerberater...

...Chef...

...und wahrscheinlich demnächst noch der liebe Gott persönlich...

meine Auswanderung nach Thailand.

Manchmal arbeitet das Universum wirklich auf sehr merkwürdige Weise.
 

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