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Tagebuch eines Ruheständlers in Pattaya. Ich bereite es vor: in wenigen Monaten wird es starten

Klimbim

Hat nix anderes zu tun
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24 November 2024
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Das musst Du mir mal zeigen. Allerdings lehne ich Temu zum Beispiel strikt ab. (Keine Politik): ich kaufe nichts bei chinesischen Onlineanbietern. Meine Frau, philippinischer Abstammung, würde mir vielleicht die Scheidung einreichen... mindestens aber mich zur Strafe 1 Monat lang ignorieren...

(in den Philippinen haben Chinesen nicht einen soooo guten Stand im Ansehen - das ist einfach so).

Insgesamt aber bescheren mir meine ungeschickten Vorgehensweisen ja doch recht nette Geschichten und euch damit Gelegenheit über sie und mich herzlich zu lachen. Immerhin, Donnerwetter!

Ich muss auch gestehen, dass ich bei solchen Aktionen merke, wie derartig deutlich ich selbst Berliner bin. Diese Damen... ich kenne sie bevor ich sie kannte seit quasi meiner Geburt und es ist der Grund, weshalb ich ungebrochener Lokalpatriot bin - Rheinländer vergebt mir bitte... lustig sein auf Terminvereinbarung zum Karneval, ist nicht so ganz mein Ding... bei diesen quasi "3 Damen vom Grill", fühlte ich mich hingegen wie ein Kindergartenkind im Jahr 1971 auf dem Hinterhof.

Sehr sehr liebe Truppe war das. Ich fragte übrigens: die waren Mitte 70 und Freundinnen. Raue Stimmen, viele Cigaretten nehme ich an aber jede Menge Charme und Mutterwitz...

Und: sie kannten Thailand! Fand ich super süß die Truppe...das Spannende: meine junge Frau entwickelt sich exakt in diese Richtung. Und das mit 150 cm, 42 kg und asiatischem Outfit... hat was.

Ihre Klappe geht ab wie Schmitz Katze... identisch ihr Sohn ("is stabil"), der Knirps, mit dem ich (sicher!) im Juli von Pattaya nach Phuket mit dem Roller fahre... in 5 Tagen und auf kleinen Nebenstrassen...

;)
 
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Ajax

Luftbildfetischist
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2 Oktober 2018
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Ich habe für meine Nepalreise ca. 20 Waren bei Lazada bestellt, hat alles prima geklappt.
Das 1. Teil war allerdings ein Eierkocher - der aus D importierte ist nach einigen Jahren verreckt. Immerhin war da ein
Eierpikser dabei. Ich suchte in Pattaya in verschiedenen Spezialläden und Einkaufszentren, fand aber nichts - dann bestellte ich bei Lazada.
Das Teil war günstig und hat mir für diese Saison gereicht, aber im Winter bringe ich aus D einen besseren mit...
 

Klimbim

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24 November 2024
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Archivnotiz, Teil 28. Pattaya. Modegeschäft, Klimaanlage auf „arktische Verwirrung“.


Begegnung aus dem letzten Jahr, als meine Frau Teresa in Pattaya versucht hat, ein „schönes Kleid“ zu kaufen. Ein Vorhaben, das in der Theorie einfach klingt und in der Praxis ungefähr so stabil ist wie WLAN im Monsun.

Meine Frau Teresa ist philippinischen Ursprungs, lebt aber schon lange in Berlin. 1,50 groß, 42 Kilo, Energie wie ein frisch aufgeladener Ventilator. Sie sieht aus wie lokale Bevölkerung, verhält sich aber wie ein Berliner Taxistand nach Mitternacht, nur mit mehr Geduld und besserem Englisch.

Im Laden steht Nok hinter dem Tresen. Freundlich, geschniegelt, komplett auf Thai eingestellt.

Nok denkt: Alles normal.
Teresa denkt: Ich verstehe nichts, aber ich werde das hier sauber zu Ende bringen.

Nok: „Sawasdee kaaa, ao baep nai ka?“
Teresa: „Hi. Dress. Simple. Not wedding cake. Not disco ball. Just normal.“

Nok nickt sofort. Dieses universelle Verkäuferinnen-Nicken, das Hoffnung verkauft, bevor Ware überhaupt existiert.

Nok denkt: Elegant. Vielleicht glitzer.
Teresa denkt: Ich sehe schon, es wird wieder kreativ.

Nok bringt Kleid Nummer eins. Viel Stoff, viel Meinung, leichtes Funkeln.

Teresa: „Das ist kein Kleid. Das ist ein Event mit Reißverschluss.“
Nok lächelt tapfer.

Nok: „Sexy style maybe?“
Teresa: „Ich bin schon sexy. Ich brauche nur Kleidung, die das nicht stört.“

Nok nickt und bringt Kleid Nummer zwei. Weniger Stoff, mehr Risiko.

Teresa schaut drauf.

Teresa: „Das ist eher Evakuierungsplan als Mode.“
Nok denkt: Fortschritt.
Teresa denkt: Rückwärtsgang mit Beleuchtung.

Nok: „Color good?“
Teresa: „Color schreit mich an. Ich hätte gern etwas, das mich ignoriert.“

Nok verschwindet im Ladeninneren. Geräusche von Stoff, Hoffnung und leichtem Zweifel.

Rückkehr. Kleid Nummer drei. Schlicht. Hell. Endlich etwas, das nicht sofort Aufmerksamkeit verlangt.

Stille.

Teresa: „Ja.“
Nok: „Good?“
Teresa: „Yes. Good. Kein Notarztgefühl.“

Nok strahlt. Mission erfüllt.

Beim Bezahlen:

Nok: „You come again.“
Teresa: „Nur wenn ich vorher Skizze mitbringe.“

Teresa tritt aus dem Laden. Freuend. Dieses seltene, echte „ich habe etwas gefunden“-Gesicht.

Draußen sitzt ein Pattaya-Veteran am Rand, Bier in der Hand, Blick wie jemand, der schon zu viele gute Entscheidungen bereut hat.

Tatoos, wettergegerbte gebräunte Haut die dennoch irgendwie grau wirkt, Bart zum Zopf geflochten und diese klassisch mit einer Kette an der zerschlissenen Jeanshose verankerte Geldbörse... kleiner Hund daneben. Ob zufällig oder sein Untermieter, war nicht erkennbar... (Strassen) - Hund sah aus wie Veteran und blinzelnde mit dem synchron sozusagen...

Veteran, trocken: „Na schau an. Europäische Modeberatung in Reinform. Drei Minuten, zwei Kulturen, ein Trauma.“

Teresa hört das, bleibt stehen, dreht sich langsam um.

Teresa, freundlich vernichtend:

„Trauma? Schatz, ich nenn das hier nur Einkauf. Wenn du hier länger sitzt, brauchst du eher Therapie vom Bier als ich vom Kleid.“

Kurze Pause. Der Veteran blinzelt, sein (?) Hund gähnt....

Dann ein Grinsen, das langsam aus ihm rausbricht.

Veteran: „Die hat ja mehr Rückgrat als die halbe Soi.“

Und genau das ist der Moment, in dem jeder, der das hört, weiß: Pattaya hat wieder geliefert.

Ich denke, das kann noch echt heiter werden wenn meine Frau nachkommt und hier viel Zeit verbringt. Sie steht nicht auf 1000x sich entschuldigen und den "Wai", hat aber jede Menge Herz und Entschlusskraft, die auch eher achtsame Thais zum lachen bringen und irgendwie wirkt das dann skurril sympathisch...

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Klimbim

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24 November 2024
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Ich habe für meine Nepalreise ca. 20 Waren bei Lazada bestellt, hat alles prima geklappt.
Das 1. Teil war allerdings ein Eierkocher - der aus D importierte ist nach einigen Jahren verreckt. Immerhin war da ein
Eierpikser dabei. Ich suchte in Pattaya in verschiedenen Spezialläden und Einkaufszentren, fand aber nichts - dann bestellte ich bei Lazada.
Das Teil war günstig und hat mir für diese Saison gereicht, aber im Winter bringe ich aus D einen besseren mit...

Komm im Winter zu uns zum Frühstück.

Wir haben einen Pikser und kochen 4,5 Minuteneier. Schwarzwälder Schinken und Brötchen gibt es vermutlich im Central. Bacon essen wir nicht, keine Sorge.

Ich bringe aber einen Schinken mit. Im ganzen Stück. Riesenteil. Der Knirps wird wieder sagen: "stabil".

;)
 

MrDeeJay

Last night a DJ saved my Life
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„Nu geh ick nach Thailand“, sagte ich, „und esse jeden Morgen ein weiches Ei.“
Nimm ihn mit in den 7/11 und zeig ihn den vorher ahnungslosen Verkäuferinnen ... und evtl. wird das rapzap in Thailand nachgebaut und dir von jedem Straßenverkäufer aufm Mopped versucht anzudrehen - vielleicht sogar im Doreamon Design :LOL:
Aber vermutlich sind die //11 Mädels schon im nächsten odeer übernächsten Job und nicht mehr aufzuspüren - schade, das hätte Potential für nen Kurzfilm ;)
 
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Reaktionen: Graf66 und Klimbim

Klimbim

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24 November 2024
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Nimm ihn mit in den 7/11 und zeig ihn den vorher ahnungslosen Verkäuferinnen ... und evtl. wird das rapzap in Thailand nachgebaut und dir von jedem Straßenverkäufer aufm Mopped versucht anzudrehen - vielleicht sogar im Doreamon Design :LOL:
Aber vermutlich sind die //11 Mädels schon im nächsten odeer übernächsten Job und nicht mehr aufzuspüren - schade, das hätte Potential für nen Kurzfilm ;)


Ich habe mein ganzes Leben in der Wirtschaft gekämpft. Eine Art Strassenarbeiter in Rechtssachen. Zuvor war ich in Berlin "Rechtsmediator".

Mit dem Kontaktbereichsbeamten (Urberliner und astreiner Bulle) mitten in Moabit (Berlin, Arbeiterbezirk) hab ich in den Wohnungen vor der Arminius Markthalle (älteste von Berlin) auf dessen Wunsch geholfen, die Schnapsleichen zu transportieren ("könnse mia mal helfn, ick pack den nich...")...

Gott möge den schützen, ich mochte ihn sehr!

Ich sah da die Nutten um 5 h morgens in Alt Moabit aus dem Club kommen, ich habe die alten Schneider und Schuster in den Seitenstrassen alle mit dem Vornamen begrüsst:

Chef eines türkischen Ladens 2001: " Abiiii...stell Dich auf als "Bezirkskandidat". Isch hab 100 Cousins mit einer ganzen Sippe, die machen das klar für Disch". eigentlich recht nette Typen. Kam mir vor wie "Liebling Kreuzberg" aus Moabit damals.

Zuvor habe ich bei meiner Großmutter mit 11 am Mittelmeer in Südfrankreich das Bier im Laden gezapft und mit 18 im Wagon als ich nachts die Alpen durchquerte, eine junge super süsse Studentin aus Verona nachdem wir das Abteil abschlossen... no more comment. Ich hatte jede Menge Spass im Leben.

Ich sage es mal so: ich hatte wirklich ein wunderbares Leben. Echt. Alles war so bunt und lebendig und die meisten Menschen waren zu mir wirklich freundlich.

Ich beabsichtige in Thailand / Pattaya ein neues Kapitel aufzuschlagen und mindestens noch 30 Jahre "High life in Dosen" zu geniessen. Besonders mit meiner wunderbaren Frau, die ich aufrichtig liebe.

Die ganzen Idioten die das Leben hassen und das zeigen, indem sie Menschen abwerten und runter machen, sie sind mir völlig egal. Diese "blaue Fraktion der angeblichen Superpatrioten", von wegen!

Ich lade den irren Giebel zum Schnaps ein und koche für ihn. Ein netter Typ. Mit Herz, auch wenn er für mich irgendwie fremd ist. Er ist ein netter anständiger Zeitgenosse, das ist so!

Das Leben ist eine Wundertüte - ich werde in Thailand weiter Wunder entdecken und freue mich darauf.


Finde ich gut.
 
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Klimbim

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24 November 2024
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Update: es geht mir schlicht so sau gut in Thailand, dass ich momentan zwar Stoff sammle aber erst später weiter schreiben werde.

Mein versprechen: es werden wunderschöne, witzige, unterhaltsame Geschichten folgen.

Momentan aber möchte ich sammeln und geniessen. Thailand tut mir sehr gut...
 
Tischtennis Pattaya

Klimbim

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24 November 2024
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Teil 29: Türkischer Kaffee und Schweizer Kirsch


Klimbim saß wie fast jeden Abend unten vor seinem Condo in Pratumnak Hill, halb beschäftigt mit seinem Handy und halb damit, so auszusehen, als hätte er noch irgendeine Form von Kontrolle über sein Leben. Also praktisch wie jeder zweite Farang zwischen Dongtan Beach und einem leicht enttäuschenden Visa-Run.

Es war einer dieser Abende, an denen Pattaya aussah, als hätte jemand versehentlich einen feuchten Waschlappen über Dubai gezogen und anschließend beschlossen, Stadtplanung werde generell überbewertet.

Dann kam Nok vorbei.

Auf einem Motorroller.

Hinten drauf ein Mädchen, vielleicht dreizehn. Beide sahen so erschreckend jung aus, dass erfahrene Auswanderer aus Deutschland innerlich bereits ihre Lesebrille putzten und vorsichtig anfingen, moralische Excel-Tabellen anzulegen.

Der Roller hielt direkt vor dem Gebäude.

Nok zeigte auf das Condo.

„Excuse me… juristic office where stay?“

Ich antwortete in meinem besten Englisch: “The management office should still be open, unless they’ve once again decided that administrative responsibility is merely a philosophical concept.”

Sie sah mich an wie eine Katze, die gerade mit Mehrwertsteuerrecht konfrontiert wurde.

„You know office or no know office?“

„Yes.“

„Ahhh. Good.”

Kurze Pause.

„We want rent condo here.”

Und plötzlich wurde die Situation deutlich interessanter.

Nicht Pattaya-interessant.

Eher angenehm absurd. So wie ein englischer Lord, der im 7-Eleven ernsthaft versucht, Toast Hawaii als Kulturgut zu verteidigen.

Ich nickte Richtung Gebäude.

„Actually, these units are rather nice.”

„You live here?“

„Unfortunately, yes.”

Die Tochter begann zu kichern.

Nok: „Can see room maybe sometime?”

Und jetzt kommt der Punkt, an dem jeder Pattaya-Veteran instinktiv kurz aufhört zu atmen und geistig bereits seine Scheidungsurkunde sucht.

Ich sagte: “Well, I can at least show you mine so you get an idea.”

Beide schauten sich an.

Dann mich.

Dann wieder sich.

Dann begannen beide gleichzeitig zu lachen wie zwei Schülerinnen, die gerade beschlossen hatten, einen ahnungslosen Farang emotional in den Bankrott zu treiben.

„Can go now?”

„Yes, of course.”

Und so stand ich fünf Sekunden später mit zwei thailändischen Damen im Fahrstuhl meines Condos, während irgendwo in Jomtien ein deutscher Rentner plötzlich grundlos nervös seinen Blutdruck kontrollierte und seine Thai-Freundin fragte, ob „alles okay“ sei.

Im Lift entstand direkt das erste Missverständnis.

Nok: „You stay alone?“

„No, I’m married.”

Sie nickte.

„Ahhh. Wife Thailand?”

„No, Filipino originally. But German now.”

Sie blinzelte.

„German Thai?”

„No, Filipino. From Philippines.”

„But look Thai?”

„A little, yes.”

Nok dachte kurz nach und nickte dann mit der ernsten Miene einer Frau, die gerade ein geopolitisches Problem verarbeitet.

„Asia same same.”

„That is diplomatically dangerous territory, Nok.”

Ihre Tochter lachte wieder los.

Dann kam die nächste Frage:

„Still married?“

Ihre Tochter lachte so abrupt los, dass sie fast gegen die Fahrstuhlwand fiel.

Oben angekommen öffnete ich die Tür.

Die beiden gingen hinein…

…und reagierten ungefähr so, als hätte ich versehentlich den Eingang zum Buckingham Palace geöffnet.

„OOOOHHHHHH!”

„Beautiful!”

„Very hi-so!”

Das Wort „hi-so“ wurde dabei ausgesprochen wie eine religiöse Offenbarung kurz vor einem Tempelneubau mit Sponsorentafel.

Nok lief durch das Wohnzimmer und fasste alles an, als würde sie prüfen, ob europäische Möbel tatsächlich existieren oder nur ein Mythos aus westlichen Netflix-Serien sind.

Dann blieb sie plötzlich vor dem großen Bild von mir und meiner Frau im Wohnzimmer stehen.

Und starrte es ungewöhnlich lange an.

Wirklich lange.

So lange, dass ich kurz dachte, sie versucht vielleicht herauszufinden, ob meine Frau irgendwo heimlich einen thailändischen Pass versteckt.

Ihr Gesichtsausdruck wurde dabei leicht traurig.

Nicht dramatisch traurig.

Eher diese stille kleine Enttäuschung, wie wenn jemand im 7-Eleven feststellt, dass der Toast-Schinken schon wieder ausverkauft ist.

Dann zeigte sie auf das Bild.

„Nooo… Thai wife.”

„No, Filipino.”

„No, no… must be Thai.”

„Honestly, she’s Filipino.”

Nok trat noch näher an das Bild heran und musterte meine Frau mit der Ernsthaftigkeit eines Immigration Officers kurz vor Feierabend.

Dann nickte sie langsam.

„Very beautiful lady.”

„She is.”

Sie lächelte kurz.

Aber da war eindeutig ein winziger Hauch von persönlicher Enttäuschung dabei. Nicht schlimm. Eher dieses stille: „Ah. So that explains things.”

Die Tochter beobachtete ihre Mutter inzwischen mit dem Grinsen eines Menschen, der genau versteht, was gerade passiert.

Dann lief Nok weiter durchs Wohnzimmer.

„This condo VERY expensive.”

„Not really. The condo was normal. The renovations were expensive.”

„How much?”

Ich seufzte kurz in der Art eines Menschen, der gleich gestehen muss, freiwillig sehr viel Geld für hübsche Wände ausgegeben zu haben.

„About twelve thousand Euros.”

Absolute Stille.

Ihre Tochter sah mich an, als hätte ich gerade erklärt, ich hätte privat einen kleinen Regionalflughafen finanziert.

Nok: „TWELVE THOUSAND?!”

„Yes.”

„For make wall?”

„Among other things.”

Sie nickte langsam.

„Farang very strange people.”

„That has been scientifically confirmed several times.”

Dann zeigte ich ihnen Schlafzimmer, Küche, Balkon.

Im Schlafzimmer blieb Nok erneut vor einem weiteren Bild meiner Frau und mir stehen.

Sehr groß.

Also wirklich groß.

Praktisch die Art Bild, die subtil sagt: „Bevor hier jemand dumme Ideen entwickelt ... bitte zunächst Formular 7B beim zuständigen Amt einreichen und zwei Passkopien beilegen.“

Nok zeigte sofort wieder darauf.

„See! Thai wife!”

„No, Filipino - German. Berlin City Girl. Really”

„Noooo. Thai.”

„Honestly, Filipino...from origin.”

Sie trat näher an das Bild heran, als würde sie ein Kunstwerk im Louvre analysieren.

„Maybe little Thai.”

„No.”

„Maybe Phuket Thai.”

„That is not an ethnicity.”

Ihre Tochter bog sich bereits vor Lachen.

Nok blieb vollkommen überzeugt.

„Thai face.”

„Asian face.”

„Same same.”

„Again: dangerous diplomatic territory.”

Ich deutete schließlich auf das Bild.

„That’s my wife. We’re very happily married.”

Nok lächelte freundlich.

Aber dieses Lächeln hatte ganz kurz diesen winzigen Hauch von: „Well. That is mildly inconvenient.”

Die Tochter bemerkte es sofort und grinste ihre Mutter an.

„Maaaa…”

„Quiet.”

Themawechsel mit der Geschwindigkeit einer thailändischen Kellnerin, die hört, dass irgendwo ein Farang seit drei Minuten ohne Getränk sitzt.

„You drink coffee?”

Und damit begann unerwartet der kulturelle Höhepunkt des Abends.

Ich erinnerte mich plötzlich daran, dass ich noch türkischen Kaffee hatte.

Richtigen.

Mit diesem kleinen Metallkännchen.

Dieses kleine Kupferinstrument, mit dem man Kaffee zubereitet wie ein osmanischer Chemiker kurz vor einem kontrollierten Zwischenfall im Sultanpalast.

Ich sagte: “I can make proper Turkish coffee.”

Nok: „Turkish coffee same like Amazon Café?“

„Not remotely.”

Während ich den Kaffee kochte, standen beide daneben und beobachteten mich mit der Konzentration eines NASA-Kontrollzentrums kurz vor Raketenstart.

„You put sugar now?”

„Yes.”

„Now milk?”

„No.”

„Now milk?”

„Still no.”

„Now?”

„Patience, Nok. Civilisation took centuries.”

Der Duft breitete sich aus.

Ich servierte kleine Tassen.

Beide nahmen vorsichtig einen Schluck.

Dann wurden ihre Augen groß.

Sehr groß.

„OOOOHHHH!”

„Very strong!”

„This coffee fight people!”

„That,” sagte ich trocken, „is more or less the point.”

Innerhalb von drei Minuten wollten beide Nachschlag.

Mehrfach.

Ich hob warnend den Finger.

„Careful. If you drink more of this, neither of you will sleep before nächstes Songkran.”

Nok grinste. „I no need sleep.”

Ihre Tochter: „Mama already no sleep.”

„QUIET.”

Irgendwann dachte ich, man müsse den Abend noch kulturell abrunden.

Ein klassischer Fehler europäischer Männer seit mehreren Jahrhunderten.

Ich holte die Flasche hervor.

Etter Alte Kirsche aus Zug.

Schweizer Kirschschnaps.

Eine Flüssigkeit, die schmeckt, als hätten sehr disziplinierte Bergmenschen versucht, Mathematik trinkbar zu machen.

Ich schenkte Nok ein kleines Glas ein.

„Just try a little.”

Sie roch daran.

Sofort skeptisch.

Dann nahm sie einen Schluck.

Und ihr Gesicht…

Mein Gott.

Ihr Gesicht verzog sich in eine Form, die ich bisher nur bei Menschen gesehen hatte, die versehentlich Diesel probiert oder deutsche Behördenpost geöffnet haben.

Die Tochter sprang einen halben Meter zurück.

„Mama okay?!”

Nok hustete leicht.

„This medicine?”

Ich musste lachen.

„No. Swiss hospitality.”

Sie stellte das Glas vorsichtig ab, als wäre darin ein aktiver NATO-Zwischenfall.

„Thai lady no drink this.”

„An important lesson in international diplomacy.”

Die Tochter verweigerte kategorisch jede Teilnahme.

Was vermutlich ihre vernünftigste Entscheidung des gesamten Abends war.

Irgendwann erzählte Nok dann von ihrem neuen Café irgendwo in der Nähe.

Und plötzlich wechselte ihre gesamte Energie.

Sie setzte sich etwas näher.

Nicht dramatisch.

Nur dieses sehr subtile thailändische Näherkommen, bei dem man plötzlich das Gefühl hat, versehentlich in eine romantische Nebenszene einer asiatischen Soap Opera geraten zu sein.

„You come café, okay?”

„Maybe.”

„Tomorrow maybe?”

„Could be.”

„You promise?”

„We will see what future brings.”

Sie lächelte.

Leicht schief.

„You speak like Thai person now.”

„I adapt to local culture.”

Nok versuchte es weiter.

„I make special coffee for you.”

„That sounds dangerous.”

„I wait for you.”

„Very kind.”

„You come evening better.”

„Possibly.”

„You really come?”

Und hier geschah etwas Bemerkenswertes.

Denn plötzlich antwortete ich exakt so wie Thailänder seit Jahrhunderten antworten, wenn sie höflich ablehnen wollen, ohne dem Gegenüber das Gesicht zu nehmen.

Also praktisch vollkommen nutzlos konkret.

„Maybe yes. Maybe no. Difficult to know these things. Life very unpredictable.”

Nok sah mich kurz irritiert an.

Die Tochter dagegen verstand sofort.

Und fing derart an zu lachen, dass sie beinahe ihren Kaffee verschüttete.

Denn ich hatte ihr eigenes kulturelles System gegen sie verwendet.

Wie ein höflicher UNO-Diplomat mit Passiv-Aggressions-Zertifikat.

Nok versuchte trotzdem weiterzulächeln.

Aber man sah ihr kurz diesen winzigen Moment an, in dem ihr Gehirn dachte:

„Moment mal… ich werde gerade auf Thai abgelehnt.”

Und exakt das machte es so unfassbar komisch.

Sie nickte langsam.

„Ahhh… maybe.”

„Exactly.”

Dann gingen beide irgendwann wieder.

Unten hörte ich den Roller anspringen.

Und während sie davonfuhren, dachte ich mir:

Pattaya ist manchmal schon ein bemerkenswerter Ort.

Wo sonst endet ein vollkommen harmloser Dienstagabend damit, dass man zwei fremden Thailänderinnen türkischen Kaffee serviert, ihnen Schweizer Kirschschnaps traumatisch nahebringt und anschließend eine höfliche Thai-Abfuhr auf Tinglish erteilt?

Wahrscheinlich nur hier.

Und vermutlich genau deshalb bleiben die alten Veteranen seit dreißig Jahren in ihren kleinen Condo-Bunkern sitzen wie pensionierte Kolonialbeamte, die schlicht vergessen haben heimzufliegen.

Weil Pattaya einem ständig Geschichten schenkt, die eigentlich völliger Unsinn sind.

Aber eben ausgesprochen unterhaltsamer Unsinn.


P.S.: sie hiess wirklich NOK. PPS. Morgen fahre ich an die Grenze zu Kambodscha zu schönen Wasserfällen. Ich freue mich.

Schnaps.jpg

Cafe und Schnaps.jpg
 

Klimbim

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PPS.

Völlig Offtopic aber ich sage es euch:

Türkischer Kaffee ist weltweit der beste und schweizer Kirsch ebenso.

Nur: beides schmeckt mir in Pattaya besser als dort, wo diese beiden Schätze herkommen... am für mich momentan schönsten Ort wer Welt.
 

Klimbim

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24 November 2024
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Teil 30: „Chang, Knie und kalter Toast ...4 deutsche Auswanderer im aussichtslosen Endkampf gegen 80 Baht Frühstück“


Ich war genau einmal bei diesem Stammtisch.

Und das reichte vollkommen.

Eingeladen hatte ein halbwegs bekannter Pattaya-YouTuber, dessen gesamtes Geschäftsmodell im Wesentlichen daraus bestand, jeden Tag dieselbe Straße abzulaufen und dabei Sätze zu sagen wie:

„Freunde… heute zeig ich euch mal die aktuelle Lage.“

Die aktuelle Lage war allerdings seit ungefähr 20 Jahren unverändert.

Der Stammtisch fand in einer Bar in Klang statt.

Natürlich in Klang.

Denn diese Männer bewegten sich geografisch ungefähr im Radius einer leicht verwirrten Hauskatze.

Soi Buakhao bedeutete für sie bereits „weiter draußen“.

Jomtien galt praktisch als Auslandsreise.

Und wenn jemand „ich fahr morgen mal nach Naklua“ sagte, klang das in etwa so, als würde Shackleton eine Expedition zum Südpol ankündigen.

Dort saßen sie also.

Vier deutsche Rentner.

Vier Männer, die aussahen, als hätte das Leben sie in einen Trockner geworfen und anschließend bei mittlerer Hitze vergessen.

Dieter aus Wanne-Eickel.

Klaus-Jürgen aus Frankfurt.

Manfred aus Freiburg.

Und Enrico aus Dresden.

Vor jedem stand mindestens ein Chang Beer.

Teilweise auch zwei.

Nicht weil sie besonders schnell tranken.

Sondern weil sie grundsätzlich Angst hatten, es könnte plötzlich keins mehr geben.

Dieter eröffnete den Abend mit einem tiefen Seufzer, der klang wie eine sterbende Diesellok im Ruhrgebiet.

„Deutschland is fertich.“

Alle nickten sofort.

Nicht einmal zustimmend.

Eher reflexartig.

Wie alte Tempelhunde, die bei Gewitter zusammenzucken.

Klaus-Jürgen nahm einen Schluck Bier.

„Kannste vergessen alles. Nur noch Verbote. Nur noch Steuern. Nur noch Gender.“

Er sprach „Gender“ aus wie eine seltene Hautkrankheit.

Enrico schüttelte den Kopf.

„Frieher… also bei uns drüben… da gab’s wenigstens noch Ordnung.“

„In der DDR?“, fragte ich vorsichtig.

„Nee“, sagte Enrico.
„In Pattaya 2009.“

Schweigen.

Alle nickten ehrfürchtig.

Als hätte er gerade über Atlantis gesprochen.

Manfred saß etwas schief auf seinem Barhocker.

Wegen des Knies.

Das Knie war inzwischen praktisch das fünfte Stammtischmitglied.

„Hundertachtzigtausend Baht“, sagte er düster.

„Für einmal Knie bissel sauber machen.“

Er sagte „bissel“, als hätte das Krankenhaus ihm versehentlich eine Niere ausgebaut.

„Versicherung?“, fragte ich.

Alle lachten.

Nicht fröhlich.

Eher dieses trockene Rentnerlachen, bei dem man sofort spürt, dass irgendwo finanzielle Traumata verarbeitet werden.

„Versicherung“, sagte Dieter.
„Ja klar. Und morgen kauf ich mir noch ‘n Helikopter.“

Manfred nahm einen tiefen Schluck Chang.

„Die wollten vorher Gesundheitscheck machen.“

„Ja und?“

„Ja da hab ich gesagt nee.“

„Warum?“

„Die finden ja sonst alles.“

Kurzes Schweigen.

Dann nickten wieder alle.

Diese Männer nickten unglaublich viel.

Wie vier leicht verbitterte Tauben.

Enrico zeigte plötzlich auf mich.

„Und du? Was machst du beruflich?“

Ich antwortete:
„Ich glaube, viele Menschen unterschätzen, wie wichtig es ist, innerlich einigermaßen ruhig zu bleiben. Egal ob man in Deutschland lebt oder in Thailand. Am Ende nimmt man sich selbst ja immer mit.“

Stille.

Komplette Stille.

Klaus-Jürgen blinzelte.

Dieter nahm langsam einen Schluck Bier.

Dann sagte Enrico:
„Aha.“

Und damit war das Thema beendet.

Später erzählte Dieter stolz, dass sie morgens regelmäßig in der Sailor Bar frühstücken würden.

„80 Baht.“

Er sagte das wie ein Investmentbanker, der gerade Insiderinformationen verrät.

Dann schüttelte er langsam den Kopf.

„Frieher war billiger.“

„Viel billiger“, bestätigte Klaus-Jürgen sofort, obwohl vermutlich keiner der Anwesenden mehr genau wusste, wann eigentlich dieses mystische „früher“ gewesen sein soll.

„Absolute Frechheit inzwischen“, murmelte Enrico.

„Für Eier!“

„Und Toast!“, ergänzte Manfred empört.

„Zwei Eier!“

„Wenn de nett fragst manchmal drei.“

Diese Männer redeten über Frühstück wie andere Menschen über explodierende Immobilienmärkte.

Dieter nahm einen tiefen Schluck Chang.

„Thailand wird teuer.“

Er sprach den Satz mit der Schwere eines Mannes, der gerade den Untergang einer Zivilisation dokumentiert.

Dabei kostete sein gesamtes Frühstück ungefähr so viel wie ein mittelmäßiger Parkplatzkaffee in Frankfurt.

Aber genau das machte die Diskussion so faszinierend.

Diese Männer konnten gleichzeitig überzeugt sein, Deutschland sei wirtschaftlich völlig ruiniert…

…und trotzdem zwanzig Minuten lang ernsthaft über achtzig Baht diskutieren, als hätte die Bank of Thailand persönlich Krieg gegen sie erklärt.

Dann begann eine lange Diskussion über Hotelbuffets.

Offenbar hatten sie eine Art inoffizielles Netzwerk entwickelt.

Wie Waschbären.

Nur mit Sonnenbrand.

„Beim LK Metropole musste einfach selbstbewusst reingehen“, erklärte Dieter.

„Genau“, sagte Klaus-Jürgen.
„Immer telefonieren dabei. Dann denkt jeder, du gehörst dahin.“

Enrico nickte stolz.

„Ich hab einmal drei Tage hintereinander gefrühstückt.“

„Und?“

„Am vierten Tag hamse mich erkannt.“

„Was passiert?“

„Musste raus.“

Kurze Pause.

„War bisschen unangenehm.“

Dann hob er philosophisch das Bier.

„Aber Omelett war gut.“

Irgendwann driftete das Gespräch wieder Richtung Politik.

Natürlich.

Denn deutsche Rentner in Pattaya reden über Politik ungefähr so wie Möwen über Pommes.

„Die Grünen sind schuld“, sagte Dieter sofort.

Woran genau, blieb unklar.

Aber offenbar an allem.

Klaus-Jürgen nickte.

„Durch die Grünen musste ich praktisch auswandern.“

Ich sah mich kurz um.

Die Bar.
Das Chang.
Die thailändische Bedienung.
Die kaputten Plastikstühle.
Die geplatzten Flipflops neben dem Tisch.

Es wirkte nicht vollständig wie politisches Exil.

Eher wie ein Betriebsausflug mit langfristigen Konsequenzen.

„Jetzt musste blau wählen“, sagte Dieter.

„Hab gar keine Wahl mehr.“

„Wählt ihr denn?“, fragte ich.

Alle schauten sich an.

Dann sagte Manfred:

„Nee.“

„Warum nicht?“

„Briefwahl zu kompliziert.“

Wieder Schweigen.

Dann prosteten sie sich zu, als hätten sie gemeinsam gerade ein staatsphilosophisches Problem gelöst.

Irgendwann fragte mich Klaus-Jürgen:
„Und wie siehste Thailand so?“

Ich antwortete:
„Ich glaube, Thailand ist für viele Europäer so eine Art Sehnsuchtsort geworden. Nicht unbedingt, weil hier alles besser wäre. Sondern weil man hier manches leichter vergessen kann. Das Wetter, die Freundlichkeit, das Leben draußen auf der Straße… das wirkt auf viele Menschen beruhigend.“

Absolute Stille.

Dieter sah mich an, als hätte ich gerade versucht, ihm Quantenphysik mit einer Mango zu erklären.

Dann sagte er:
„Die Frauen sind halt freundlicher hier.“

„Ja“, sagte Enrico.
„Und warm isses.“

Damit war auch dieses Gespräch beendet.

Später kam tatsächlich eine Geburtstagstorte in die Bar.

Wie durch ein unsichtbares Signal aktiviert wurden plötzlich alle vier Männer hochkonzentriert.

Man hätte meinen können, irgendwo sei ein militärischer Alarm ausgelöst worden.

„Kostenlos“, flüsterte Dieter.

Innerhalb von Sekunden standen sie am Buffet.

Mit einer Effizienz, die Deutschland vermutlich seit dem Wirtschaftswunder nicht mehr erlebt hatte.

Enrico organisierte Teller.

Manfred sicherte Frühlingsrollen.

Klaus-Jürgen sprach bereits mit der Bedienung, als sei er enger Familienangehöriger des Geburtstagskindes.

Nur Dieter blieb strategisch ruhig sitzen.

„Nie als Erster gehen“, erklärte er.
„Wirkt verzweifelt.“

Er sagte das mit der Weisheit eines Mannes, der sehr lange sehr wenig Geld hatte.

Am Ende des Abends fragte mich Enrico:
„Kommste nächste Woche wieder?“

Ich dachte kurz nach.

Dann antwortete ich auf maximal thailändische Weise:

„Mal sehen. Man sollte im Leben nie zu schnell zusagen. Sonst nimmt man sich selbst die Freiheit, spontan etwas anderes zu tun.“

Enrico nickte sofort.

„Ahhh. Verstehe.“

Und exakt in diesem Moment begriff ich:

Diese Männer lebten seit so vielen Jahren in Thailand, dass sie längst aufgehört hatten, wie Deutsche zu kommunizieren.

Sie waren inzwischen etwas völlig Neues geworden.

Eine Art tropische Zwischenform.

Halb deutscher Stammtisch.
Halb südostasiatische Ausweichbewegung.

Männer, die jeden Tag über Deutschland schimpften, aber gleichzeitig morgens um sieben strategisch Hotelbuffets infiltrierten, um zwei kostenlose Würstchen mitzunehmen.

Und irgendwie…

…war das gleichzeitig tragisch und unfassbar komisch.

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Klimbim

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P.S. Ich esse zwar aus Neugierde auch mal in solchen Cafés, aber schon da mein Eierpicker so gut funktioniert dann doch lieber bei mir mit netten Freunden im eigenen Condo.

Allerdings nicht aus der Stammtischclique der deutschen Wutrentner...wobei sehr ehrlich...

...ich wünsche den 4 Jungs auch ein paar schöne Tage.


Nur ist mein Revier ein anderes. Zum mich amüsieren, bin ich aber bereit mal in meine ganz "eigenen Tropen" zu wechseln...


Ausserdem brauche ich meinen türkischen Kaffee... jeden Morgen. In voller Süße lieber @Hohenstein :biggrin:

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Klimbim

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Teil 31: „Drei Wasserfälle, ein thailändischer Ehemann namens vermutlich "Pingpong" und die meteorologische Endphase meiner geistigen Stabilität“


Morgen fahre ich ungefähr zweihundert Kilometer südöstlich von Pattaya.

Chanthaburi.

Allein das Wort klingt bereits wie ein Ort, an dem man entweder innere Ruhe findet oder von einem sehr großen Insekt gestochen wird.

Dort leben Achim und sein thailändischer Mann.

Oder Partner.

Oder Ehemann.

Ich bin mir nicht ganz sicher, wie die beiden das exakt formulieren würden, aber beide wirken jedenfalls erheblich glücklicher als ungefähr neunzig Prozent aller heterosexuellen Paare, die ich in Pattaya bisher gesehen habe.

Ich habe die beiden letztes Jahr im Oktober kennengelernt.

Seitdem wollte ich sie wieder besuchen.

Vor allem wegen der Gegend.

Chanthaburi ist wunderschön.

Wasserfälle.
Grüne Hügel.
Ruhige Straßen.
Frische Luft.

Also praktisch das komplette Gegenteil von Pattaya, wo selbst die Tauben aussehen, als hätten sie irgendwann einmal schlechte finanzielle Entscheidungen getroffen.

Das Problem ist nur:

Es soll morgen möglicherweise regnen.

Nicht normal regnen.

Sondern dieser thailändische Regen, bei dem der Himmel plötzlich aussieht, als hätte jemand den Pazifik senkrecht gestellt.

Ich lag deshalb eben im Bett und starrte auf die Wetter-App wie ein mittelalterlicher Bauer kurz vor der Heuschreckenplage.

Pattaya: „Partly cloudy.“

Chanthaburi: „Thunderstorm.“

Natürlich.

Denn Thailand behandelt Motorradfahrer ungefähr mit derselben emotionalen Fürsorge wie ein Casino Problemspieler.

Ich rief Achim an.

„Wie sieht’s wettertechnisch bei euch aus?“

Kurze Pause.

Dann Achim vollkommen entspannt: „Ach, bisschen Regen.“

Das sagte er mit der Gelassenheit eines Mannes, der offenbar vergessen hatte, dass ich auf einem Motorrad sitze und keine gepanzerte NATO-Fregatte fahre.

Im Hintergrund hörte ich seinen Partner.

Oder Mann.

Oder Ehemann.

Oder Pingpong.

Oder Pupu.

Oder wie er heißt.

Ich kann mir diese Namen nicht merken.

Nicht weil ich sie lächerlich finde.

Ganz im Gegenteil.

Ich scheitere lediglich mental daran, Namen ernsthaft auseinanderzuhalten, die für mich klingen wie Geräusche aus einer leicht hektischen japanischen Spielhalle.

Pingpong.
Pipo.
Pupu.
PimPam.
Irgendetwas in dieser Richtung.

Jedes Mal denke ich: „Jetzt merkst du’s dir.“

Und fünf Minuten später klingt es in meinem Kopf wieder wie ein sehr kleiner Tischtennisverein.

Im Hintergrund hörte ich jedenfalls:

„Noooo! Tomorrow rain very big!“

Achim: „Ach Quatsch. Vielleicht bisschen.“

„VERY BIG RAIN.“

„Der übertreibt.“

„NO OVERREACT! FLOOD POSSIBLE!“

Ich saß derweil auf meinem Bett und begann innerlich bereits, verschiedene Rückfahrtszenarien durchzurechnen.

Szenario 1:

Die ideale Rückfahrt.

Leichter Wind.
Bewölkter Himmel.
Die Straße trocken.
Ich fahre entspannt durch die grünen Hügel Chanthaburis, während irgendwo buddhistische Tempelglocken erklingen und mein Motorrad sanft durch die Landschaft gleitet wie ein zufriedener Verwaltungsjurist auf Midlife-Crisis-Tour.

Wahrscheinlichkeit: Etwa drei Prozent.

Szenario 2: Der klassische Thailand-Regen.

Es beginnt leicht.
Dann stärker.
Dann sehr stark.
Dann verliert der Himmel vollständig jede professionelle Distanz.

Innerhalb von fünf Minuten sehe ich nichts mehr außer Wasser, Lastwagenlichtern und meiner eigenen schlechten Lebensplanung.

Die Straßen verwandeln sich in längliche Seenlandschaften.

Irgendwo überholt mich ein Thai auf einem Honda Click völlig entspannt mit einer Hand am Lenker, einem Regenschirm in der anderen und vermutlich noch einer warmen Nudelsuppe zwischen den Knien.

Währenddessen sitze ich auf meinem Motorrad wie ein durchnässter Buchhalter kurz vor dem emotionalen Zusammenbruch.

Szenario 3: Die vollständige meteorologische Eskalation.

Gewitter.

Nicht europäisches Gewitter.

Thailand-Gewitter.

Diese Sorte Unwetter, bei der man plötzlich versteht, warum frühere Kulturen ernsthaft an zornige Himmelsgötter glaubten.

Blitze.
Wind.
Wasser.
Apokalyptische Sichtverhältnisse.

Irgendwo schlägt vermutlich ein Strommast ein.

Die Straße verschwindet vollständig unter Wasser.

Ich werde möglicherweise gemeinsam mit drei Plastiktüten, einem Flipflop und einer überraschten Kröte Richtung Rayong gespült.

Währenddessen ruft Achim an:
„Wo bist du?“

Und ich antworte: „Schwer zu sagen. Ich glaube inzwischen eher im maritimen Bereich.“

Trotzdem freue ich mich auf morgen.

Denn Achim und Pingpong-Pupu-PimPam sind wirklich ausgesprochen herzliche Menschen.

Das letzte Mal wurde ich dort empfangen, als hätte ich versehentlich irgendeinen diplomatischen Rang.

Es gab Essen für ungefähr vierzehn Personen.

Obwohl wir zu dritt waren.

Und jedes Mal, wenn mein Glas leer wurde, erschien sofort wieder jemand mit Nachschub, als würde im Hintergrund ein unsichtbares thailändisches Hospitality-Kommando arbeiten.

Achim fragte am Telefon: „Willst du vielleicht lieber mit dem Auto kommen?“

Ich antwortete: „Nein. Motorradfahren gehört irgendwie dazu. Man erlebt Thailand anders.“

Kurze Pause.

Dann Achim: „Du klingst wie jemand kurz vor einer sehr schlechten Entscheidung.“

„Das ist nicht ausgeschlossen.“

Im Hintergrund wieder Pingpong-Pupu:

„Bring raincoat!“

„Ja.“

„BIG raincoat!“

„Ja.“

„VERY BIG.“

„Ich verstehe das Prinzip von Regenkleidung.“

Kurze Pause.

Dann sagte Achim trocken: „Er glaubt nicht, dass du geistig ausreichend auf thailändischen Regen vorbereitet bist.“

Und möglicherweise hat er damit sogar recht.

Denn während normale Menschen vor einem Ausflug vermutlich schlafen würden, liege ich jetzt im Bett und stelle mir dreizehn verschiedene Versionen meines eigenen Untergangs auf der Sukhumvit Road vor.

Von: „leicht feucht“

bis: „international vermisster Motorradfahrer vermutlich im Golf von Thailand gesichtet.“

Aber genau das ist vermutlich der Grund, warum man solche Fahrten trotzdem macht.

Weil Thailand einen ständig in Situationen bringt, bei denen man gleichzeitig denkt:

„Das könnte wunderschön werden.“

und:

„Das endet eventuell mit einem medizinischen Zwischenfall und einer sehr teuren Grab-Fahrt.“

Und erstaunlicherweise gehört genau diese Mischung inzwischen irgendwie zum Alltag.

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Klimbim

Hat nix anderes zu tun
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24 November 2024
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Kann man völlig unpolitisch so feststellen. Europa im Allgemeinen, Deutschland im Besonderen. Wer privilegiert genug ist merkt das noch nicht so.


Das Problem liegt bei den Deutschen ein Stück an anderer Stelle. Ich erlaube mir das als auch zur Hälfte Nichtdeutscher zu sagen und ich begreife das somit etwas anders, aus einem anderen Blickwinkel.

Jede Nation hat Bezugspunkte ihrer Identität in verschieden starker Gewichtung. Ich gebe mal Beispiele:

Polen in seinem Katholizismus

Viele Araber im Islam.

Die Türkei in seiner Modernisierungsgeschichte unter Atatürk.

Brasilien im Fussball (deshalb die nationale Katastrophe beim 7:1 2014 - ich habe das gesehen... es war schlimm).

Frankreich in seiner Sprache und auch seinem Genuss (ich bin ja zur Hälfte durchaus auch so geprägt. Wenn man den Franzosen die Sprache nimmt, reagieren sie irritiert - genau deshalb, ja genau deshalb haben sie oft Probleme mit Amerikanern, die sie mit ihrem Beharren auf Englisch manchmal als unangenehm empfinden, was Du in der Diskussion letzten Monat nicht wusstest. Wirtschaft hat da noch nie wirklich funktioniert....

Die Briten haben es in ihrer Kolonialvergangenheit. Manchmal habe ich den Eindruck, sie feiern deshalb immer noch "the Battle of Britain" aus dem Jahr 1940, was soll's.

Bei den Deutschen ist es nach 2 verlorenen Kriegen die Wirtschaft und die Aufbauleistung. Die D-Mark ist weg. Nun haben wir Umbrüche, Veränderungen. Andere Länder streben auf und bei etlichen (manchmal eher in der Identität auf Tunnel gestrickten Deutschen), geht dann psychisch das Licht aus.

Das kann ich verstehen, aber es ist sehr einseitig im Selbstbewusstsein. Dass Deutschland einen Artikel 1 in der Verfassung hat, kann all das irgendwie bei den meisten nicht ersetzen. Eigentlich merkwürdig, aber so ist es.

Dass bildungsfernere Schichten dann schneller psychisch kippen, wenn sie wirtschaftlich auch noch selbst negativ betroffen sind (was ich bedaure) und sich gerne reflexartig noch schwächere Gruppen suchen, die angeblich schuldig sind, ist klassisch und das hatten wir oft als Muster.

Das wiederum verachte ich - ganz allgemein und nicht politisch gemeint.

Die Deutschen könnten vielleicht neue Bezugspunkte entwickeln und mal weg kommen aus diesem Wirtschaftswunderambiente. Das ist nämlich eben nicht so wichtig.

Gesundheit, gute Freunde, Familie, Anstand... diese Dinge sind werthaltiger und am Ende schlicht auch verbindend.


P.S. wenn ich mir ansehe aus welchem Land meine Frau kommt und wie es dort zugeht, muss ich sagen, dass wir alle in Deutschland extrem privilegiert sind und merken würden, wie gut es uns geht würde man uns in Badehose in den Philippinen ohne einen Euro in der Tasche in einem Slum aussetzen.

"Wer privilegiert genug ist merkt das noch nicht so."

Manchen der Motzer, würde das vielleicht gar nicht schlecht bekommen. Sie würden dann rasch Dinge wieder zurecht gerückt sehen...

Ich merke das "fertich" übrigens selber fast überhaupt nicht. Es ist Deutschland, welches mir meinen Ruhestand in Thailand geschenkt hat...

Und ich bin dankbar. Wirtschaftlich dann doch trotzdem eine ganz ganz kleine Nummer - typische Mittelschicht.

Fahre jetzt los. Drück mir mal die Daumen, dass es nicht gewittert in Chantaburi...
 
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