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Tagebuch eines Ruheständlers in Pattaya. Ich bereite es vor: in wenigen Monaten wird es starten

Klimbim

Hat nix anderes zu tun
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24 November 2024
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Teil 25: Tropen-Zyniker oder die leise Kunst, sich im Paradies zu beschweren


Ich saß auf meinem Balkon, blickte auf eine Straße, die sich ruhig vor mir gabelte, trank meinen Kaffee und bereitete mich innerlich auf den Ruhestand vor. Ein Zustand, den ich mir über Jahrzehnte hinweg sorgfältig erarbeitet hatte, nur um dann festzustellen, dass ich ihn nun die Gesellschaft einer ganz eigenen Spezies mit Sicherheit nicht verbringen würde.

Den Pattaya-Tropen-Zynikern. Finder man hier auch im Forum, durchaus.

Man erkennt sie nicht sofort. Anfangs wirken sie wie ganz normale Auswanderer. Etwas gebräunt, etwas entspannter, leicht verwittert, aber im Kern solide. Erst nach wenigen Gesprächen merkt man, dass sie eine Art inneren Kippschalter umgelegt haben. Irgendwann zwischen Ankunft und Daueraufenthalt. Das wirkt dann "weniger gesund", eher instabil ohne explizite Erklärung.

Sie sitzen meist in Gruppen. Strategisch verteilt. Schattenplätze. Ventilator in Reichweite. Bier griffbereit.

Ich setzte mich dazu.

„Neu hier?“, fragte einer.

„So halb“, sagte ich.

Er nickte langsam, als hätte ich gerade zugegeben, dass ich gelegentlich atme.

Neben ihm saß Bitcoin-Bert. Ein Mann, der aussah, als hätte er einmal Geld gehabt und seitdem darüber spricht.

„Also ich sag dir“, begann er ohne Anlass, „dieser Zyklus, der ist anders. Komplett anders.“

„Inwiefern?“, fragte ich.

„Fundamental“, sagte er.

Pause.

„Ich bin praktisch schon durch.“

Ich nickte.
Sein Bier war leer.

„Alles in Krypto?“, fragte jemand.

„Diversifiziert“, sagte Bert. „Bitcoin, bisschen Altcoins, bisschen Strategie.“

„Und?“

„Timing war nicht optimal.“

„Heißt?“

„Langfristig.“

Alle nickten. Langfristig ist hier das Wort für „weg“.

Zwei Plätze weiter saß Bardieter. Er trug ein Hawaiihemd, das aussah, als hätte es mehr erlebt als er selbst.

„Ich geh nur noch kurz raus“, sagte er.

„Wohin?“, fragte jemand.

„Nur schauen.“

„Wo?“

„Bars.“

„Wie lange?“

„Kurz.“

Alle nickten.
Das war gestern auch schon kurz.

Ein anderer, den sie nur den Professor nannten, saß mit verschränkten Armen da und beobachtete die Welt mit dem Gesichtsausdruck eines Mannes, der sie bereits aufgegeben hatte.

„Früher war alles besser“, sagte er.

„Wann?“, fragte ich.

„Früher.“

„Was genau?“

Er sah mich an, als hätte ich eine unangemessene Frage gestellt.

„Alles.“

Neben ihm saß einer, der aussah wie 75 und laut eigener Aussage 52 war.

„Ich trink ja kaum noch“, sagte er und bestellte ein weiteres Bier.

„Was ist kaum?“, fragte ich.

„Unter Kontrolle.“

„Was heißt das?“

„Ich merke mir, wie viele.“

„Und wie viele sind das?“

Er dachte kurz nach.

„Ungefähr alle.“

Im Hintergrund lief ein Fernseher. Nachrichten. Irgendetwas Politisches.

Sofort wurde es lebhaft.

„Alles gesteuert“, sagte einer.

„Von wem?“, fragte ich.

„Na von denen.“

„Wer sind die?“

Er sah mich an, als wäre ich neu auf diesem Planeten.

„Die da oben.“

Alle nickten.
Die da oben sind hier erstaunlich aktiv.

Einer stand auf, zeigte auf den Bildschirm und sagte:
„Ich sag dir, das geht alles den Bach runter.“

„Was genau?“, fragte ich.

„Alles.“

Ich hatte das Gefühl, dieses Wort hatte hier eine gewisse Beliebtheit.

Zwischendurch kam eine junge Thai-Frau vorbei, stellte Getränke ab, lächelte freundlich.

Alle wurden kurz still.
Dann ging das Gespräch weiter.

„Ich bleib hier“, sagte einer.

„Warum?“, fragte ich.

„Ist besser.“

„Als was?“

„Alles.“

Ich begann zu verstehen, dass hier vieles relativ einfach strukturiert war.

Später am Abend saß ich wieder auf meinem Balkon. Die Straße war ruhig. Die Luft warm. Mein Kaffee inzwischen durch etwas anderes ersetzt.

Ich dachte über diese Männer nach.

Im Grunde waren sie nicht unangenehm. Eher das Gegenteil. Direkt. Ehrlich. Ohne große Umwege. Nur irgendwann falsch abgebogen und dann einfach stehen geblieben.

Ein bisschen wie meine Straße unten.
Die gabelt sich auch.

Der Unterschied ist nur:
Ich hatte noch vor, weiterzugehen.

Und um das der Fairness halber festzuhalten: Ich verurteile diese Spezies keineswegs. Man kann mit ihnen durchaus angenehm Zeit verbringen, solange man nicht versucht, die Welt zu retten oder einen zweiten Espresso zu bestellen.

Ich habe lediglich für mich beschlossen, mich an gewissen Details ihres Lebensentwurfs nicht übermäßig zu orientieren.

Zum Beispiel an jenen abendlichen Monologen, in denen mit bemerkenswerter Ausdauer sehr einfache Antworten auf sehr komplexe Fragen gefunden werden, vorzugsweise in einer Lautstärke, die keinen Widerspruch mehr zulässt.

Oder, um es mit jener britischen Zurückhaltung zu sagen, die in solchen Fällen erstaunlich präzise ist:

I prefer not to.
 

Ajax

Luftbildfetischist
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2 Oktober 2018
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Glaube ich nicht bei absolutem Willen und absoluter Hoffnung, dass Du Recht haben mögest wobei die 40 h Flüge nach Bangkok bereits schon stimmen mit Deinen Preisen, nur: ich werde so nicht fliegen. Die Zeit habe ich nicht und auch nicht die Gesundheit - da drehe ich durch.

Einer der Gründe (nicht der Hauptgrund), weshalb ich selten auf die Philippinen fliege. Nur wenn ich sehr lange in Thailand bin, mache ich zukünftig einen Ausflug. Über 20 h weigere ich mich zu fliegen. Ich flog mal 27 h nach Indonesien mit meiner Tochter... ich dachte ich sterbe...
Heute mal spaßeshalber nach einem Flug im November bei Qatar direkt geschaut (Rückkehr Ende März 27, Flugdauer 15 Stunden): 930 €.
Über Skyscanner Ethihad und Emirates 612 - 666 €; Flugdauer zwischen 13:55 und 14:40.

Daten waren Anfang November - Ende März
 

Klimbim

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Heute mal spaßeshalber nach einem Flug im November bei Qatar direkt geschaut (Rückkehr Ende März 27, Flugdauer 15 Stunden): 930 €.
Über Skyscanner Ethihad und Emirates 612 - 666 €; Flugdauer zwischen 13:55 und 14:40.

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Direktflug? Verstehe grad nicht...
 

Ajax

Luftbildfetischist
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2 Oktober 2018
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Direktflug? Verstehe grad nicht...
Die Meinungen, was ein Direktflug ist, gehen ein wenig auseinander - für mich fliegen Thai und Lufthansa z. Bsp. nicht direkt sondern Nonstop.
Direkt für mich ist ohne große Umwege mit Zwischenlandung. Ethihad, Emirates, Qatar u.a. landen natürlich zwischendurch am Golf, aber teilweise mit
sehr kurzem Zwischenstopp.
 
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Die Meinungen, was ein Direktflug ist, gehen ein wenig auseinander - für mich fliegen Thai und Lufthansa z. Bsp. nicht direkt sondern Nonstop.
Direkt für mich ist ohne große Umwege mit Zwischenlandung. Ethihad, Emirates, Qatar u.a. landen natürlich zwischendurch am Golf, aber teilweise mit
sehr kurzem Zwischenstopp.

An dieser Stelle muss ich dir etwas widersprechen - der Begriff "Direktflug" ist eigentlich recht eindeutig definiert: (Quelle: Google)

Ein Direktflug bezeichnet eine Flugverbindung unter einer einheitlichen Flugnummer vom Start- zum Zielflughafen, die jedoch im Gegensatz zum Nonstop-Flug Zwischenlandungen beinhalten kann. Dabei bleiben Passagiere meist sitzen, während Auftanken, Personalwechsel oder Passagierzu-/ausstieg stattfinden. Typische Beispiele sind Routen mit Tankstopps.

Das bedeutet konkret:
  • Die meisten Umsteigeflüge sind eben keine Direktflüge, da nicht nur das Fluggerät gewechselt wird, sondern es ändert sich auch die Flugnummer.
  • Ein Nonstop-Flug ist immer auch ein Direktflug - umgekehrt gilt das allerdings nicht.
 

Ajax

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Die Erklärung finde ich besser :bigg

Unterschied zwischen Direktflug und Nonstop-Flug​


Viele setzen einen Direktflug mit einem Nonstop-Flug gleich. Das ist falsch, denn es besteht ein großer Unterschied zwischen Direktflügen und Nonstop-Flügen. Nonstop-Flüge bringen euch nämlich wirklich auf direktem Weg zu eurem Zielflughafen. Ihr startet an eurem Abflughafen und landet erst in eurem Zielort. Der Direktflug wird oftmals fälschlicherweise als Nonstop-Flug verstanden. Bucht ihr einen Direktflug, kann eine Zwischenlandung an einem anderen Flughafen auf euch zukommen. Ein Beispiel: Ihr bucht einen Direktflug von Frankfurt nach Las Vegas. Auf dem Weg nach Las Vegas, landet ihr in New York, weil weitere Passagiere zu- oder aussteigen oder das Flugzeug betankt werden muss. Ein Nonstop-Flug startet dagegen in Frankfurt und setzt erst wieder zur Landung in Las Vegas an.
 

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Die Erklärung finde ich besser :bigg

Unterschied zwischen Direktflug und Nonstop-Flug​


Viele setzen einen Direktflug mit einem Nonstop-Flug gleich. Das ist falsch, denn es besteht ein großer Unterschied zwischen Direktflügen und Nonstop-Flügen. Nonstop-Flüge bringen euch nämlich wirklich auf direktem Weg zu eurem Zielflughafen. Ihr startet an eurem Abflughafen und landet erst in eurem Zielort. Der Direktflug wird oftmals fälschlicherweise als Nonstop-Flug verstanden. Bucht ihr einen Direktflug, kann eine Zwischenlandung an einem anderen Flughafen auf euch zukommen. Ein Beispiel: Ihr bucht einen Direktflug von Frankfurt nach Las Vegas. Auf dem Weg nach Las Vegas, landet ihr in New York, weil weitere Passagiere zu- oder aussteigen oder das Flugzeug betankt werden muss. Ein Nonstop-Flug startet dagegen in Frankfurt und setzt erst wieder zur Landung in Las Vegas an.

Okay, deine Definition ist vielleicht etwas verständlicher als meine - aber beide sagen das gleiche aus. ;)

Aber z.B. ein Flug FRA - DXB - BKK (oder FRA - DOH - BKK, etc.) ist definitiv kein Direktflug, da er ein Umsteigen (wenn auch ein, in normalen Zeiten, recht kurzes) beinhaltet und es in einer anderen Maschine mit neuer Flugnummer weitergeht.
 
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Klimbim

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24 November 2024
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Leser, die respektvoll miteinander "streiten" und mal vom Thema abkommen, sehe ich weniger oder gar nicht problematisch. Schwierig sind eher die, die mit dümmlichen überflüssigen passiv aggressiven Kommentaren nerven.

Ich habe gefühlt hier vielleicht 20 Nutzer geblockt. Diese hier werden wegen eines Nebenthemas nicht dazu gehören.

Mich nervt eher die Sorte "blaue Gedanken" ("die da oben machen eh was sie wollen, nie wieder Deutschland, GEZ ist Zwangsabgabe blabla") kombiniert mit "ich weiss alles, weil ich ein Pattaya Veteran bin und alles gesehen habe also schweig!" (die für mich blödeste Variante... aller denkbaren Asienfreunde...aber in Asien sooo häufig diese verkrachten Existenzen...)

Ein netter Kerl kommt gleich zu mir zum Kaffee. Bin gespannt, ob der ihm schmeckt.

Danach gehe ich an den Militärstrand schwimmen. "Bitcoin Bert" war gestern mit uns essen... dessen lustiger Quark, "gehoodelt", gibt mir wieder haufenweise Stoff für beissenden Spott und er weiss es.

Aber: ein wirklich netter Typ mit Manieren, das zählt.


Schönen Tag euch!
 

DaBaWa

Gibt sich Mühe
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Heute mal spaßeshalber nach einem Flug im November bei Qatar direkt geschaut (Rückkehr Ende März 27, Flugdauer 15 Stunden): 930 €.
Über Skyscanner Ethihad und Emirates 612 - 666 €; Flugdauer zwischen 13:55 und 14:40.

Daten waren Anfang November - Ende März

Direktflug? Verstehe grad nicht...
Sagt doch mal alle ab den beiden Beiträgen fortlaufend... ist Euch nicht aufgefallen das Klimbim sein Hirn da was falsch verarbeitet hat 🤩😘?

Bei Qatar direkt geschaut... ich schau auch gerne mal bei einer Airline direkt was die Flüge dort kosten und nicht beim Broker... ich leg mich wieder hin 😉

Der Rest lässt sich auch ziemlich kurz fassen.

Direkt = Ohne Umsteigen aber unter Umständen mit Halt, zum Ein und Austeigen, früher auch gern zum ⛽️
Nonstop = Ohne jeden Halt zum Ziel...
 
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Klimbim

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Sagt doch mal alle ab den beiden Beiträgen fortlaufend... ist Euch nicht aufgefallen das Klimbim sein Hirn da was falsch verarbeitet hat 🤩😘?

Bei Qatar direkt geschaut... ich schau auch gerne mal bei einer Airline direkt was die Flüge dort kosten und nicht beim Broker... ich leg mich wieder hin 😉

Der Rest lässt sich auch ziemlich kurz fassen.

Direkt = Ohne Umsteigen aber unter Umständen mit Halt, zum Ein und Austeigen, früher auch gern zum ⛽️
Nonstop = Ohne jeden Halt zum Ziel...


Wie wir es nennen, ist mir eher Wurst. Ich sage es so: Flug startet in Deutschland und fliegt durchgängig nach Thailand. Kein Stopp, keine Landung, nichts. Eben DIREKT.

Genau so nennt mein Broker das dann "Direktflug" - aber mir recht.

Nur: Zwischenlandungen in arabischen Golfländernländern lehne ich schon immer strikt ab. Nun erst recht. Danach kosten "Direktflüge" 2000 Euro + momentan...

Liebe Grüße Dir. :)
 

Klimbim

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Teil 26: "Lamm bleibt Lamm und Thailand Thailand" ("same same, but different")

Live aus der Ferienwohnung (damals dort noch keine eigene Wohnung gehabt)



Aus dem Archiv. Letztes Jahr. Meine Frau, philippinischer Herkunft, in Deutschland am Lamm endgültig verdorben worden, erklärt morgens, sie hat die Schnauze voll von asiatischem Essen. Sie möchte „mal wieder was Normales“. Ich habe daraufhin Dinge getan, die man in Pattaya normalerweise nur bereut.


Ich: Essen steht.
Sie: Das sieht aus, als hättest du einen Streit gewonnen. Gegen Lebensmittel.

Ich: Lamm.
Sie: In Pattaya. Klar. Und ich bin die Queen.

Sohn: Was ist das. Sieht aus wie Bossfight.
Tochter: Er hat gekocht. Das ist immer ein bisschen Bossfight.

Ich: Das ist ein ernstzunehmendes Gericht.
Sohn: Das nimmt sich selbst auch ernst, wa.

Sie: Der Parmesan ist… präsent.
Ich: Der beruhigt die Lage.

Tochter: Der deckt Beweise ab.
Sohn: CSI Parmesan.

Ich: Die Sauce hat Tiefe.
Sie: Die hat eine Vergangenheit.

Sohn: Die hat Vorstrafen.
Tochter: Die hat auf jeden Fall eine Meinung.

Ich: Einfach probieren.
Sie: Ich sammle kurz Haltung.

Sohn: Ich sammel meine letzten Worte.
Tochter: Ich film das für später.

Pause. Gabeln. Ein Moment wie vor einer wichtigen Entscheidung, nur mit mehr Käse.

Sie: Das ist wirklich Lamm.
Ich: Ich hab’s geahnt.

Sohn: Ich nicht.
Tochter: Ich auch nicht. Respekt.

Sie: Und es ist gut.
Ich: Also wirklich gut.

Sie: Ja. Wirklich gut.
Ich: Ich bleibe äußerlich bescheiden.

Sohn: "Innen macht er Saltos". (er meint mich)
Tochter: "Innen schreibt er schon ein Kochbuch". (Ihr Kommentar dazu)

Ich: Das Fleisch ist zart.
Sie: Sehr sogar.

Sohn: Hat aufgegeben, wa.
Tochter: Hat sich seinem Schicksal gefügt.

Ich: Die Nudeln sind auf den Punkt.
Sohn: Die leben noch. Stark.

Tochter: Knapp, aber ja.

Sie: Diese Olive hier wirkt verloren.
Ich: Die wollte Abwechslung.

Sohn: Falsche Party erwischt.
Tochter: Klassischer Montag.

Sie: Die Sauce hat sich beruhigt.
Ich: Wir haben ihr Raum gegeben.

Sohn: Die wartet nur.
Tochter: Die plant den zweiten Akt.

Sie: Weißt du was.
Ich: Jetzt kommt’s.

Sie: Ich vermisse heute kein asiatisches Essen.
Ich: Das ist mehr, als ich erwartet habe.

Sohn: Ich brauch das schriftlich.
Tochter: Ich druck das aus und rahm das ein.

Sie: Ich esse weiter.
Ich: Ich auch.

Sohn: Ich auch. Aus wissenschaftlichen Gründen.
Tochter: Ich auch. Aus Höflichkeit.

Sie: Du hast dir Mühe gegeben.
Ich: Ich habe mich bemüht, kompetent zu wirken.

Sohn: Hat funktioniert. Kurz.
Tochter: Für den ersten Eindruck reicht’s immer.

Sie: Morgen gehen wir wieder raus essen.
Ich: Selbstverständlich.

Sohn: Ja bitte. Ich hab Zukunftspläne.
Tochter: Ich auch. Und die beinhalten noch eine Sauce mit Charakter.

Sie: Aber heute war gut.
Ich: Dann hat sich alles gelohnt.

Sohn: Ganz ehrlich. Kannste wieder machen.
Tochter: Aber kündig’s an. Ich lad Leute ein. Das glaubt uns sonst keiner.

Gute Küche.jpg
 

Klimbim

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Und wo findet man das Rezept zum nachkochen :LOL:

Lieber Giebel,


ich ruf Dich an, ich lade noch die nette Agentin (sie mag das auch) dazu und koche das noch einmal. Du bringst mir einen top Rotwein. Nicht diese südafrikanischen oder australischen. NEIN DANKE. Und erst recht keinen amerikanischen... non, merci.

Ich meine mindestens den aus dem zweitbesten der Weinländer, also mindestens einen guten italienischen.

Ich mach das dann klar für Dich. Deal?


Freue mich.

Klimbim :)


P.S. in eine gute Lammsauce musst Du ein kleines Stück Langres mischen. KEINEN Gorgonzola, nein!

Langres! Mittelgereift. Einen Schuss Cognac. Echten frischen Tymnian dazu. Echten Rosmarien. Ach... die Einzelheiten musst Du dann rausschmecken und ich sag Dir, was Du da schmeckst.

Bei den richtigen Zutaten, koche ich besser als Frankies.
 
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Klimbim

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Teil 27: "Thailand, aus dem Ei gepellt"



Es begann, wie große Tragödien beginnen: mit einem weichen Ei.


Man muss dazu wissen, dass ich ein Mensch von Prinzipien bin. Andere sammeln Briefmarken oder Ausreden, ich hingegen halte an Ritualen fest. Eines davon: das Frühstücksei. Weich. Punktgenau. Mit leicht melancholischem Dotter, der sich beim Anklopfen ergibt wie ein schlecht bezahlter Statist.

Nun ist es so, dass man in Thailand vieles bekommt: Sonne, Lächeln, Mango in allen Aggregatzuständen. Was man nicht bekommt, ist ein Eierpicker.

Zumindest nicht, wenn man ihn unter diesem Namen sucht. Ich habe es versucht. Die Verkäufer schauten mich an, als hätte ich nach einem Ersatzteil für einen Toaster aus der chinesischen Kaiserzeit gefragt.

Also versuchte ich es zunächst dennoch vor Ort. Man ist ja lernfähig. Dachte ich.

Ich betrat einen 7-Eleven. Diese Läden gibt es hier häufiger als rationale Entscheidungen. Drinnen: Klimaanlage auf arktisch, Regale voller Dinge, die man nicht gesucht hat, und hinter der Kasse eine junge Frau, vielleicht Anfang zwanzig, mit diesem freundlichen Gesichtsausdruck, der alles gleichzeitig bedeutet und nichts erklärt.

Ich trat an den Tresen.

„Hello“, sagte ich.

„Hellooooo“, sagte sie, mit der Begeisterung eines Menschen, der ahnt, dass gleich etwas Unnötiges passiert.

Ich nickte. „I am looking for…“ – kurze Pause, weil mir in diesem Moment auffiel, dass „Eierpicker“ kein international anschlussfähiger Begriff ist – „…a small tool.“

Sie nickte sofort. „Tool, yes.“

„For egg.“

„Egg, yes.“

Ich war kurz erleichtert. Es lief besser als erwartet.

„You know egg? Breakfast egg. Boiled egg.“

Sie lachte. „Yes yes, egg. I know egg.“

„Good“, sagte ich. „So. Before cooking, you make a small hole.“

Ich machte eine entsprechende Geste. Eine sehr kleine Geste. Eine Geste, die in Deutschland für technische Präzision steht und hier aussah, als würde ich ein unsichtbares Insekt massieren.

Sie beobachtete meine Finger.

Dann nickte sie langsam. „Ahhh… you mean… egg broken?“

„No no“, sagte ich schnell. „Not broken. Prevent broken.“

Sie runzelte die Stirn. „You break… to not break?“

„Exactly“, sagte ich, und merkte selbst, dass das nicht half.

Sie drehte sich zu einer Kollegin um. „He want break egg but not break egg.“

Die Kollegin kam dazu. Beide sahen mich jetzt an, als wäre ich ein pädagogisches Projekt.

„You cook egg?“, fragte die zweite.

„Yes.“

„Then eat.“

„Yes.“

„Why you make hole?“

Ich atmete kurz durch. „Because otherwise it can explode.“

Beide erstarrten.

„Explode?“

„Small explode“, relativierte ich. „Kitchen explode.“

Sie sahen sich an. Dann wieder mich.

„Your egg… angry?“

„No“, sagte ich. „Physics.“

„Ahhh…“ Sie nickten, aber es war das Nicken von Menschen, die beschlossen haben, dass Physik kein Bereich ist, in dem sie heute noch Fortschritte machen wollen.

Die erste griff schließlich unter den Tresen und holte etwas hervor. Ein Plastikding.

„Maybe this?“

Es war irgendwas... eine Art Kochlöffel oder Löffel zum Auskratzen von Suppe, keine Ahnung...

Ich schüttelte den Kopf.

Sie überlegte. Dann hellte sich ihr Gesicht auf.

„You want real needle!“

„Yes!“, sagte ich erleichtert. „Needle!“

Sie strahlte, als hätte sie das Rätsel des Universums gelöst, griff wieder unter den Tresen und legte mir eine Packung Nähnadeln hin.

Ich sah sie an. Sie sah mich an.

Wir beide wussten, dass wir uns jetzt an einem Punkt befanden, an dem weitere Kommunikation keinen zusätzlichen Erkenntnisgewinn bringen würde.

Ich nahm die Nadeln in die Hand, drehte sie kurz, legte sie wieder hin.

„Not exactly“, sagte ich.

Sie nickte sofort. „Not exactly.“

Kurze Pause.

„You want I make hole for you?“, fragte sie dann.

Ich überlegte einen Moment. Es war der vernünftigste Vorschlag, den ich an diesem Tag gehört hatte.

„Every morning?“, fragte ich.

Sie grinste. „Up to you.“

Ich nickte respektvoll.

„I think“, sagte ich schließlich, „I will solve this in Germany.“

Sie nickte, sichtlich erleichtert, dass dieses Kapitel ihres Lebens ein Ende fand.

„Germany good“, sagte sie.

„Yes“, sagte ich. „For egg.“

Ich verließ den Laden mit dem Gefühl, dass wir beide unser Bestes gegeben hatten. Manchmal reicht das nicht. Aber manchmal reicht es genau dafür, eine Geschichte zu haben.

Also wartete ich geduldig, bis ich wieder deutschen Boden betrat. Berlin. Die Stadt, in der alles möglich ist, außer vielleicht ein Eierpicker, wie sich herausstellen sollte.

Mein erster Anlauf führte mich in einen Laden, der alles hat, was man nicht braucht, und nichts von dem, was man sucht. Ich trat an die Kasse. Dort stand eine junge Verkäuferin, freundlich, geschniegelt, irgendwo zwischen TikTok und Teilzeitvertrag.

„Entschuldigen Sie“, begann ich, „ich suche einen Eierpicker.“

Sie blinzelte. „Einen… was?“

„Eierpicker.“

„Ist das… also… ist das ein Gerät oder irgend so ein Spezialding?“

„Es ist ein Gerät mit sehr konkretem Auftrag.“

„Und was macht man damit?“

„Man pikst ein Ei.“

Kurze Pause. Sie tippte etwas auf dem Kassendisplay, vermutlich „Eier… Picker… Hilfe“.

„Ist das sowas wie ein Eieröffner?“

„Nein. Das wäre ja zu einfach. Es ist ein Instrument der Prävention. Man verhindert, dass das Ei beim Kochen platzt. Eine Art Sicherheitsnadel für das Huhn, posthum.“

Sie nickte langsam, als würde sie überlegen, ob ich ärztliche Betreuung brauche.

„Haben Sie… Probleme?“, fragte sie dann vorsichtig.

„Ja“, sagte ich. „Ohne Eierpicker explodieren mir die Eier. Das ist kein Zustand, den ich langfristig akzeptieren kann.“

Zwei Jungs, so etwa im Alter meines Ziehsohns die etwas abseits standen, fingen laut an zu lachen. Ich verstand sofort und lachte mit... dann kam die Wende:

Hinter mir räusperte sich jemand. Dann noch jemand. Schließlich drei.

Ich drehte mich um und sah sie: drei Damen, geschniegelt im Geiste, zerknittert im Gesicht, aber mit dieser unerschütterlichen Berliner Herzlichkeit, die klingt wie eine Beleidigung und sich anfühlt wie eine Umarmung.

„Na, det is doch klar“, sagte die Erste und winkte mich heran, als hätte sie mich vor Jahren verloren und gerade wiedergefunden. „Eierpicker. Kenn ick. Jibt’s hier nich.“

„Die jungen Leute“, ergänzte die Zweite und sah die Verkäuferin an, „die wissen ja nich mal mehr, wat’n ordentlichet Ei is.“

„Kommense mal mit“, sagte die Dritte und packte mich sanft am Ärmel. „Ick adoptier Sie jetzt kurz.“

Ich wurde abgeführt. Es war die angenehmste Entführung meines Lebens.

„Sehn Se“, erklärte mir die Erste auf dem Weg, „so’n Eierpicker, det is Kultur. Det is Zivilisation. Ohne det sind wa doch Tiere.“

„Oder Leute, die ihr Ei dem Zufall überlassen“, warf die Zweite ein.

„Dit kommt aufs Selbe raus“, sagte die Dritte. „Beides endet unordentlich.“

Wir überquerten die Straße zu einem kleinen Haushaltsladen, der aussah, als hätte er den Mauerfall aus Prinzip ignoriert. Drinnen roch es nach Metall, Staub und Kompetenz.

Hinter dem Tresen stand eine Frau, die das Wort „Eierpicker“ wahrscheinlich schon kannte, bevor ich geboren wurde.

„Na?“, sagte sie.

„Ick brauch’n Eierpicker“, sagte ich.

Sie nickte, als hätte ich endlich etwas Vernünftiges gesagt.

„Ham wa noch einen“, meinte sie und verschwand kurz. „Den letzten.“

Die drei Damen hinter mir hielten kollektiv den Atem an, als ginge es um eine Organtransplantation.

Dann kam sie zurück, mit ihm.

Er hing da, klein, unscheinbar, ein bisschen wie ein Werkzeug, das weiß, dass es unterschätzt wird. Ein Eierpicker. Der letzte seiner Art. Offenbar hatte er auf mich gewartet. Oder ich auf ihn. In solchen Momenten verschwimmen die Grenzen.

„Der will zu Ihnen“, sagte die Verkäuferin trocken.

„Det seh ick ooch so“, sagte die Erste Dame.

„Nehmen Se den“, sagte die Zweite. „Bevor so’n Influencer kommt und det als Retro entdeckt.“

Ich nahm ihn. Vorsichtig. Fast ehrfürchtig.

„Wat kostet der?“, fragte ich.

Die Verkäuferin nannte einen Betrag, der so vernünftig war, dass ich kurz misstrauisch wurde.

Ich bezahlte.

„Und nu?“, fragte die Dritte Dame.

„Nu geh ick nach Thailand“, sagte ich, „und esse jeden Morgen ein weiches Ei.“

Sie nickten.

„So muss det“, sagte die Erste.

„Anpassung is wichtig“, sagte die Zweite, „aber man muss ja nich alles mitmachen.“

„Reis zum Frühstück“, murmelte die Dritte. „Mit Fischsoße. Ick bitte Ihnen.“

Ich schüttelte den Kopf. „Da dreht sich mir der Magen um.“

„Sehn Se“, sagte die Erste zufrieden. „Noch einer von uns.“

Wir verabschiedeten uns, als hätten wir gemeinsam etwas Bedeutendes geleistet. Vielleicht hatten wir das auch.

Jetzt sitze ich also in Thailand. Die Sonne scheint. Die Welt ist bunt und freundlich. Und jeden Morgen koche ich mein Ei. Weich. Punktgenau. Ich nehme meinen Eierpicker, setze ihn an, drücke, ein kleines, präzises Geräusch, fast wie ein Versprechen.

Der Dotter bleibt ruhig. Nichts explodiert. Die Ordnung ist wiederhergestellt.

Was mir noch fehlt, sind gute Brötchen und ein ordentlicher Schwarzwälder Schinken. Aber ich bin zuversichtlich. Irgendwo wird es ihn geben. Und wenn nicht, dann finde ich vielleicht drei Damen, die mich dorthin führen.

Man muss nur wissen, wen man fragt. Und wie man „Eierpicker“ ausspricht.

Versucht das mal in einem thailändischen Wörterbuch zu finden. Nur so...

Eierpieker.jpg
 
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