Teil 23: Sonnenstrom auf dem Balkon, oder ein Versuch, Physik, Hausverwaltung und geopolitische Realität gleichzeitig ernst zu nehmen
Es begann, wie alle wirklich soliden Projekte beginnen sollten, mit einer gewissen Übermotivation und drei Quadratmetern Balkon. Bei mir: Brüstung aus Hartglas, wunderbar.
Südseite. Tropische Sonne. Ein Kühlschrank mit Weißwein, dessen Temperatur ich als nicht verhandelbar betrachte. Auch Champagner lagere ich dort. Jeder Gang in den Duty Free erweitert mein Angebot, ich trinke eher selten aber gerne
Die Schlussfolgerung lag nahe. Wenn die Sonne ohnehin täglich mit bemerkenswerter Konsequenz erscheint, könnte sie sich zumindest an den Betriebskosten beteiligen.
Was die Sache leicht absurd macht, ist ein kleines Detail.
Ich komme ursprünglich aus der Energiebranche. Allerdings nicht aus der Kategorie „Ich klebe etwas auf mein Fenster und hoffe auf das Beste“, sondern eher aus der Kategorie „Wir planen hier ein Photovoltaikfeld, das man vom Weltall aus erkennt, und kombinieren das vorsichtshalber mit einem Windpark, der den lokalen Vogelbestand nachhaltig beeindruckt“. Jahrzehnte... und ehrlich gesagt recht erfolgreich um ehrlich zu sein.
Ich war immer eine Art "Spezialwaffe" im Konzern. Etwas, mit dem man drohte: "wenn Sie nicht kooperieren, schicken wir Klimbim"... fand ich lustig, war der Running Gag einer meiner Chefs.
Ich habe also gelernt, in Dimensionen zu denken, bei denen man Genehmigungsverfahren nicht in Wochen, sondern in politischen Epochen misst.
Und nun sitze ich hier und versuche ernsthaft, drei Quadratmeter Balkon zu optimieren.
Man muss sich daran gewöhnen. Man stapelt schließlich auch keine zwei Tonnen Marmelade im Wohnzimmer, nur weil sie im Angebot war.
(Diese Metapher kam in meinen Kopf nachdem ich mich an eine Komödie erinnert habe: glaube "Ödipussy" von Loriot... der Typ geht in den Ruhestand und dreht durch... wisst ihr, was ich meine? 5% von mir sind wie der... aber diese 5% haben es in sich...)
Ein kurzer Blick auf die Weltlage (Bem. : keine politische Diskussion in meinem Strang bitte).
Man kann sich dem Thema Energie derzeit nur schwer nähern, ohne gelegentlich über die Nachrichten zu stolpern.
Konflikte hier, Spannungen dort, und plötzlich stellt man fest, dass Strom in Thailand zu einem nicht unerheblichen Teil aus Gas erzeugt wird, dessen Preis sich wiederum erstaunlich gern an internationalen Ereignissen orientiert.
Der jüngste Krieg im Iran hat diese Zusammenhänge nicht gerade vereinfacht.
Man sitzt also auf seinem Balkon, schaut in die Sonne und denkt sich mit der Gelassenheit eines leicht überforderten, aber stilvoll improvisierenden Klimbims-Dirigenten, der sein Orchester aus Toastern, Ventilatoren und einer etwas zu ehrgeizigen Klimaanlage zusammenhalten muss:
Wenn die Welt schon kompliziert wird, könnte ich wenigstens meine Klimaanlage teilweise selbst finanzieren.
Die Theorie und ihre Grenzen
Drei Quadratmeter Solarfolie liefern bei guter Sonneneinstrahlung etwa drei Kilowattstunden am Tag.
Das klingt ordentlich, bis man sich daran erinnert, dass eine Klimaanlage diese Menge eher als freundliche Geste interpretiert.
Der Kühlschrank bleibt hingegen das, was er immer war. Zuverlässig. Anspruchsvoll. Emotional unbeteiligt.
Erstes Gespräch mit einem Fachmann (Videocall, vermittelt über einen Bauleiter... die Kisten hatten Pause).
Ich kontaktierte einen Techniker in Pattaya. Ein Mann mit einer bemerkenswerten Ruhe, die vermuten ließ, dass ich nicht der erste war, der versuchte, die Sonne in ein Geschäftsmodell zu verwandeln.
Klimbim: “I was hoping three square metres might cover a meaningful portion of my daytime consumption.”
Technician:“Yes yes, can cover. Not all, but… how to say… before bill punch you, now only poke.”
Ich ließ das kurz sacken.
Klimbim: “I beg your pardon, did you say my electricity bill punches me?”
Technician: “Yes. Big punch before. Now small poke. You feel, but not cry.”
Ich musste zugeben, dass diese Beschreibung eine gewisse Präzision hatte.
Die Batterie, ein sehr teurer Traum
Natürlich kam irgendwann die Idee auf, eine Batterie zu installieren. Ein System, das tagsüber speichert und nachts liefert. Elegant. Unabhängig. Fast schon aristokratisch.
Mein berufliches Ich flüsterte mir zu: „Natürlich brauchst du Speicher. Ohne Speicher ist das System unvollständig.“
Mein realistisches Ich antwortete: „Du betreibst keinen Nationalstaat.“
Dann kamen die Zahlen.
Klimbim: “If I add a battery, would I become fully independent?”
Technician: “Yes yes. You independent. Like… small country.”
Klimbim: “That sounds rather appealing.”
Technician: “But small country need big budget.”
Eine Pause.
Technician: “And after ten year, revolution. Need new battery.”
Ich stellte mir kurz vor, wie mein Balkonstaat nach zehn Jahren in eine energetische Krise stürzt, und entschied mich, dieses Szenario zu vermeiden.
Die Hausverwaltung, ein leises Hindernis
Der nächste Schritt war die Hausverwaltung.
Ich schlug vor, klassische Solarpanels außen anzubringen. Effizient, langlebig, technisch überzeugend.
Ein Teil von mir wollte bereits mit Genehmigungsunterlagen, Visualisierungen und einer Präsentation in 42 Folien antreten.
Dann erinnerte ich mich daran, dass ich nicht mehr in einem Infrastrukturprojekt bin, sondern auf einem Balkon.
Die Antwort war entsprechend kurz.
Nein.
In Deutschland würde ich sagen: "gut, dann gehen wir vor Gericht und lassen es klären. Viel Spass wünsche ich Ihnen, ich pflege zu gewinnen".
In Thailand denke ich, dass das keine gute Idee ist. Gar keine. Ich passe mich an. Okay
Also wechselte ich die Strategie. Solarfolie. Außen. Auf meiner eigenen Balkonbrüstung. Meine Zimmerfenster hatte ich ja bereits mit Anti UV Folie versehen, siehe meine Berichte zuvor...die werden nicht verändert. Aber die Glasbrüstung, diese 3m2, die wollte ich nutzen...
Plötzlich wurde aus einem komplexen Genehmigungsverfahren ein Stück Klebearbeit. Ein erstaunlicher Fortschritt.
Die Expansion der Idee
Drei Quadratmeter fühlten sich bald etwas bescheiden an. Ich kenne nur Parks ab so 40 ha Mindestfläche...
Fünf wären besser. Sechs ideal. Wenn man Fenster einbezieht, wird es plötzlich ambitioniert.
Man entwickelt ein erstaunliches Talent dafür, Flächen zu entdecken, sobald man beginnt, sie in Energie umzurechnen.
Mein altes Denken meldete sich erneut. „Wenn schon, denn schon. Warum nicht gleich maximal ausbauen.“
Ich musste mich aktiv bremsen.
Dies ist kein Solarpark. Dies ist ein Balkon.
Und erneut der Gedanke mit der Marmelade.
Ein Gespräch über Transparenz mit unerwarteten Bildern
Klimbim: “I would prefer a fully transparent film. I do rather enjoy being able to see outside.”
Technician: “Yes yes, transparent very nice. You see everything. Very hi-so.”
Klimbim: “And the efficiency?”
Der Techniker überlegte kurz.
Technician: “Efficiency… like skinny chicken.”


Ich war mir nicht ganz sicher, ob ich ihn richtig verstanden hatte.
Klimbim: “I’m sorry, a skinny chicken?”
Technician: “Yes. Chicken still chicken. Can eat. But not much meat.”
Ich musste lachen.
Klimbim: “So I would be installing something nutritionally disappointing.”
Technician: “Yes. Good look, not big power.”
Ich begann langsam, das Prinzip zu verstehen.
Panels oder Folie
Die Alternativen wurden klarer.
Solarfolie ist elegant, leicht, unauffällig. Sie arbeitet im Hintergrund und liefert einen Beitrag, ohne sich aufzudrängen.
Klassische Panels sind effizient, robust und optisch etwa so subtil wie ein Möbelstück, das beschlossen hat, dauerhaft außen zu wohnen.
Klimbim: “So panels are the more powerful option.”
Technician: “Yes. Panel strong. Like buffalo.”
Klimbim: “And the film?”
Technician: “Film more like… cat.”
Kurze Pause.
Technician: “Cat sometimes help. Sometimes just sleep.”
Ich musste erneut lachen.
Klimbim: “So I would be investing in a slightly unpredictable assistant.”
Technician: “Yes. Solar cat. But good cat.”
Wirtschaftlichkeit mit einem gewissen Realismus
Die Zahlen sind nicht spektakulär.
Die Investition ist vorhanden.
Die Einsparung moderat.
Die Amortisation eher ein langfristiges Konzept.
Und dennoch gibt es Faktoren, die sich nicht so leicht berechnen lassen.
Energiepreise steigen selten aus Rücksichtnahme.
Versorgungssicherheit ist keine Selbstverständlichkeit.
Ein Stromausfall während eines wichtigen Gesprächs ist in etwa so hilfreich wie Regen bei einer Gartenparty.
In einer Welt, in der selbst Großprojekte nicht mehr völlig immun gegen geopolitische Überraschungen sind, wirkt ein kleiner Beitrag zur eigenen Versorgung plötzlich weniger wie Spielerei und mehr wie eine leise Form von Vernunft.
Was dieses System tatsächlich leistet
Es ersetzt den Netzstrom nicht. Es reduziert ihn. Genau dann, wenn die Sonne scheint und der Verbrauch am höchsten ist. Man könnte sagen, es ist kein vollständiges System, sondern ein sehr disziplinierter Assistent, der ausschließlich bei guten Lichtverhältnissen arbeitet.
Abschließendes Gespräch
Klimbim: “So, would you say this is a sensible decision?”
Technician: “Sensible yes. Make rich no.”
Klimbim: “I suspected as much.”
Technician: “But you feel better. Less bill, less worry, little bit control. Good for heart.”
Klimbim: “I do appreciate a calm heart.”
Technician: “Yes. And good for chicken also.”
Ich beschloss, diese letzte Bemerkung nicht weiter zu hinterfragen.
Und nu?
Große Systeme mit Batterie sind technisch beeindruckend, aber in dieser Situation schwer zu rechtfertigen.
Kleinere Lösungen mit Solarfolie sind weniger effizient, dafür realistisch umsetzbar und erstaunlich sinnvoll im Alltag.
Die größte Herausforderung bleibt nicht die Technik, sondern das Umfeld.
Und so steht man schließlich auf seinem Balkon, blickt durch eine nahezu unsichtbare Folie in die Sonne und weiß, dass zumindest ein kleiner Teil des eigenen Stroms von dort kommt.
Für jemanden, der einmal Windparks geplant hat, ist das vielleicht eine ungewohnt kleine Lösung.
Aber überraschend genug ist sie groß genug, um einen Unterschied zu machen.
Bauleiter im Isan und sein Senf dazu
Nach alledem wollte ich mit meinem lieben Freund noch kurz die ganze Sache besprechen, also rief ich ihn an.
Klimbim: "Hallo, Bauleiter! Wie geht es dir im Isan? Springst du immer noch zwischen den Lastern herum und stapelst Kisten?"
Bauleiter: "Ah, Klimbim, ja, ja… die Kisten stapeln sich unaufhörlich. Ich sehe dich nicht wirklich, Junge, und das Benzin ist fast alle. Die Krise ist überall.
Deine Berechnungen… hmmm… sie erinnern mich an ein Kind, das versucht, alle Wasserflaschen gleichzeitig in einen einzigen Eimer zu schütten. Ich verstehe nicht alles, aber ich habe Respekt."
Klimbim: "Danke. Ich wollte nur kurz über die Balkon-Solarfolie sprechen. Drei Quadratmeter, halbtransparent, direkt in die Steckdose. Kein Drama, keine Batterie. Die Kosten belaufen sich auf ungefähr 1.000 Euro."
Bauleiter: "Hahaha, drei Quadratmeter für tausend Euro… also du jonglierst den Strom, als würdest du versuchen, alle Brunnen in einem ganzen Dorf gleichzeitig zu füllen. Tagsüber Sonne, direkte Steckdose, kein Chaos. Fast verständlich. ... los, los, Kisten stapeln… und ach ja, deine Folie."
Klimbim: "Ganz genau. Tagsüber liefert die Sonne Strom, der Kühlschrank läuft wie geschmiert, und Tee trinken kann man auch in Ruhe."
Bauleiter: "Hmmm… clever, clever. Ich renne zwischen den Lastern herum. Deine Folie… ich sehe sie vor mir.
Es ist wie ein Thailand-Auswanderer, ein Veteran, der versucht, den perfekten Brunnen zu bauen, während er gleichzeitig die Wasserhähne zählt. Merkwürdig, aber es funktioniert."
Klimbim: "Exakt. Manchmal muss man die riesigen Großprojekte vergessen. Drei Quadratmeter Folie, ein wenig Tee trinken, Sonnenstrom fangen. Das reicht völlig."
Bauleiter: "Hahaha. Du rechnest, als würdest du versuchen, Sonnenlicht durch ein Schlüsselloch zu pressen. Ich verstehe nicht alles, aber irgendwie… du hast Stil... los, los, Kisten stapeln… aber deine Idee ist sehr clever. Wird sich hier nie rechnen, hier ist der Strompreis niedrig und nicht "Grün-gesteuerter Blödsinn", aber okay... Du bist in Ordnung, Ausnahme"...
Ich blinzele kurz, übergehe das mal innerlich eine Sekunde lang... der Mann ist ein lieber Kerl. Wer bin ich, ihn zu sehr zu verwirren...
Klimbim: "Siehst du, manchmal ist weniger mehr. Kein Riesendach, kein Umspannwerk, einfach eine kleine Fläche und direkte Einspeisung."
Bauleiter: "Hahaha. Ja, ja. Ein bisschen genial, Klimbim…"
...er rennt weiter, stapelt Kisten auf Laster, ruft (und feuert) seine Jungs an, freut sich über jeden kleinen Fortschritt, lobt einen neu gebauten Brunnen am Straßenrand, Benzin fast alle, alles chaotisch, aber er denkt immer wieder über die Folie nach... der Arme...
Klimbim: "Alles klar. Prost auf die Sonne, auf den Strom und auf intelligente, kleine Lösungen."
Bauleiter: "Prost, Klimbim. Die Sonne bedankt sich, und ich auch. Jetzt wirklich, ich muss weiterrennen!"
https://assets.rbl.ms/25584928/origin.jpg