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Tagebuch eines Ruheständlers in Pattaya. Ich bereite es vor: in wenigen Monaten wird es starten

max_hh

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13 März 2015
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Radovan erinnert mich total an einen jungen Arbeitskollegen von mir der ebenfalls Serbe ist. Nach außen hin eine etwas rauhe Schale aber wenn Du Ihnen mit Respekt und auf Augenhöhe begegnest tun sie alles für Dich.
 

Klimbim

Hat nix anderes zu tun
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24 November 2024
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Klimbim ...

grosser Budda...

...zwischen Stomabeutel und Startbahn: Der derzeitige Stand der Weltlage

Kurzes Lebenszeichen, bevor wieder die wildesten Gerüchte entstehen. Nein, ich bin weder ausgewandert noch in einer Garküche verschwunden.

Die doppelte OP wegen der Divertikulitis war... nennen wir es sportlich.

Mein Darm und ich hatten unterschiedliche Auffassungen von Teamarbeit. Ergebnis: Ich habe momentan ein künstliches Stoma auf Zeit. Man könnte sagen, ich bin derzeit serienmäßig mit externem Zubehör unterwegs.

Ende Oktober gibt's die große TÜV-Abnahme. Dann wird entschieden, wann die Rückverlagerung stattfindet. Falls alles nach Plan läuft: nochmal OP, ein bis zwei Wochen Krankenhaus, danach Erholung, Reha und anschließend die Frage aller Fragen.

Ich: „Herr Doktor, wann darf ich wieder nach Pattaya?“

Arzt: „Mich würde erst interessieren, wann Sie wieder Motorrad fahren, schwimmen und normal heben können.“

Ich: „Ja... das meinte ich ja.“

Ich werde diesmal tatsächlich vernünftig sein. Erst wenn der Arzt sagt: „Sie sind reisefertig“, steige ich ins Flugzeug. Ich habe keine Lust, der erste Tourist zu werden, der beim Immigration Officer zusätzlich seinen Operationsbericht vorzeigt.

Wenn alles halbwegs nach Plan läuft, lande ich irgendwann zwischen Mitte Januar und Ende Februar wieder in Pattaya. Und diesmal nicht für den klassischen „Ich bleib mal drei Wochen“-Urlaub. Mindestens zwei Monate. Ich habe Urlaub ohne Ende zusammengekratzt. Gefühlt hat meine Personalabteilung inzwischen mehr Angst vor meinem Resturlaub als ich vor der nächsten Darmspiegelung.

In der Zeit will ich die große Übersiedlung vorbereiten. Versicherungen prüfen, möglichst eine, die nicht schon beim Wort „Vorerkrankung“ so nervös wird wie ein Farang beim ersten Som Tam „little spicy“. Papierkram erledigen, Kontakte ausbauen und einen kleinen Stammtisch ins Leben rufen.

Gerade hier im Forum laufen erstaunlich viele angenehme Bekloppte herum. Einige ticken komplett anders als ich. Teilweise mit einem Betriebssystem aus den frühen Achtzigern, das sich bis heute erfolgreich jedem Update widersetzt. Aber genau deshalb mag ich sie.

Wenn das klappt, sitzen irgendwann Deutsche, Schweizer, Franzosen, Amerikaner, Israelis, Libanesen, Thais, Thaildeutsche und wer dort sonst noch Wurzeln geschlagen hat, an einem Tisch. Dazwischen die üblichen Verdächtigen.

Dieter, der seit zwölf Jahren „nur noch dieses eine Visum regeln“ muss. Manfred, der jede Geschichte mit „Früher...“ beginnt. Holger, der grundsätzlich alles schon dreißigmal erlebt hat, selbst wenn es gestern erst erfunden wurde. Und nach spätestens zwanzig Minuten erklärt irgendeiner mit ernster Miene, warum Pattaya 2009 seinen absoluten Höhepunkt hatte und seitdem unaufhaltsam bergab geht. Während er selbst nun schon das siebzehnte Jahr dort lebt.

Darauf freue ich mich jetzt schon.

Ach ja. Der Kistenheiner natürlich auch.

Den rufe ich an.

Ich: „Kommst du zum Stammtisch?“

Er: „Ja. Ich bring ein paar Kisten mit.“

Ich: „Wofür denn?“

Er: „Weiß ich noch nicht. Braucht man immer.“

Ich bin inzwischen überzeugt, dass der Mann irgendwann in Pattaya beerdigt wird und der Sarg vorsichtshalber auch noch in einer Kiste steckt. Niemand weiß mehr, was ursprünglich überhaupt in diesen Kisten war.

Wahrscheinlich inzwischen andere Kisten.

Genau solche Leute machen den Laden für mich aus. Nicht weil alle gleich ticken. Sondern weil jeder seinen ganz eigenen Dachschaden pflegt und erstaunlicherweise trotzdem alles irgendwie funktioniert.

Der Plan ist momentan, im Laufe des Sommers 2027 endgültig den Stecker im Berufsleben zu ziehen.

Danach heißt es: Thailand, Thai lernen, durch die Gegend fahren und endlich Zeit für Dinge haben, für die bisher nie Zeit war.

@Ajax werde ich irgendwann mal anhauen.

„Sag mal... wie machst du eigentlich diese Drohnenaufnahmen?“

Er wird wahrscheinlich fünf Minuten erklären.

Ich werde anschließend nicken und trotzdem gegen den erstbesten Palmenwedel fliegen.

Aber völlig egal. Es muss nicht perfekt werden. Es soll Spaß machen.

Außerdem stehen Chanthaburi mit guten Freunden, Wasserfälle, kleine Nebenstraßen, Vietnam, Kambodscha und überhaupt alles auf dem Plan, wo man spontan denkt: „Da wollte ich eigentlich schon vor fünf Jahren mal hin.“

Interessanter Nebeneffekt der ganzen Geschichte: Ich habe festgestellt, dass ich Alkohol eigentlich gar nicht brauche.

Jetzt kommt allerdings die gute Nachricht für alle, die schon Kranzspenden gesammelt haben:

Der Arzt hat mir ausdrücklich erlaubt, dass ich meinen geliebten Kirsch irgendwann wieder genießen darf.

Nicht sofort.

Aber irgendwann.

Meine gebunkerten Flaschen müssen also nicht vererbt werden. Sie altern jetzt einfach würdevoll weiter. Im Grunde genommen führen wir beide gerade denselben Lebensstil.

Meine Frau arbeitet parallel daran, ihre Zusatzqualifikation abzuschließen, damit sie später von Thailand aus Patienten auf medizinischen Flügen zwischen Asien und Europa begleiten kann. Auch da geht es Schritt für Schritt voran.

Unterm Strich sieht der Plan also gar nicht schlecht aus.

Vor ein paar Monaten hätte ich nicht gedacht, dass ich einmal ernsthaft den Satz sage:

„Wenn alles gut läuft, freue ich mich auf eine dritte Bauchoperation.“

Das Leben hat wirklich einen eigenartigen Humor.

Ich werde dann irgendwo dazwischen herumlaufen, ein bisschen Thai lernen, gelegentlich gegen einen Palmenwedel fliegen, meinen Kirsch irgendwann feierlich entkorken und ansonsten versuchen, möglichst wenig aufzufallen. Das dürfte mir ungefähr so gut gelingen wie einem Kühlschrank auf einem Moped, aber man sollte sich ja Ziele setzen.

Falls mich irgendwann doch keiner vermisst, ist das auch völlig in Ordnung.

Dann sitze ich wahrscheinlich irgendwo am Wasser, halte die Klappe und genieße einfach, dass ich noch dabei bin.

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Ajax

Luftbildfetischist
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2 Oktober 2018
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@Ajax werde ich irgendwann mal anhauen.

„Sag mal... wie machst du eigentlich diese Drohnenaufnahmen?“

Er wird wahrscheinlich fünf Minuten erklären.

Ich werde anschließend nicken und trotzdem gegen den erstbesten Palmenwedel fliegen.
Ist doch ganz einfach: Drohne starten, irgendwohin fliegen und dann aufs Fotoknöpfle drücken :bigsmile

Das mit dem gegen einen Palmwedel fliegen wird eine sehr sehr schwierige Aufgabe für dich werden. Fast alle neueren Drohnen haben ringsum Sensoren, die alle Hindernisse
erkennen. Man kann in den Einstellungen auswählen, ob die Drohne anhält oder das Hindernis umfliegt.;)

Ich wünsche dir eine schnelle Genesung und das alles klappt mit deinem Magen und deinen Plänen. Die Kaffeeeinladung müssen wir wohl verschieben, es sei denn, du bist tatsächlich
Mitte Januar zurück in Pratamnak.
 

Klimbim

Hat nix anderes zu tun
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24 November 2024
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@Ajax :

Januar?

Ich halte es durchaus für möglich. Wobei Mediziner mich seit jeher mit ihrer beeindruckenden Fähigkeit faszinieren, gleichzeitig sehr viel zu wissen und trotzdem erstaunlich wenig konkrete Zeitangaben zu machen.

Wenn meine Berufsgruppe auf Ärzte trifft, entsteht manchmal eine gewisse elektrische Spannung. Man könnte sagen: Es knistert. Nicht gefährlich, aber man sollte vielleicht nicht unbedingt eine Gabel daneben legen.

Mein Arzt meinte jedenfalls: „Mitte Dezember geht es ab nach Thailand.“

Meine Ärztin im Krankenhaus sah das etwas anders:

„Also vor sechs Monaten... nein, nein, nein...“

An diesem Punkt habe ich beschlossen, die Diskussion nicht weiter wissenschaftlich zu vertiefen. Ich wollte schließlich nicht noch eine zusätzliche Behandlung wegen spontan erhöhtem Blutdruck riskieren.

Aber mal sehen, was kommt.

Heute bin ich immerhin am Stück zwei Kilometer unter Schmerzen gelaufen. Das klingt für einen gesunden Menschen ungefähr so aufregend wie ein Spaziergang zum Briefkasten.

Vor zwei Wochen war ich allerdings noch an dem Punkt, an dem eine Minute Stehen bereits als ambitioniertes Sportprogramm durchgegangen wäre.

Von daher: kleine Schritte. Im wahrsten Sinne des Wortes.
 

Klimbim

Hat nix anderes zu tun
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24 November 2024
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Da fällt mir ein, ich trinke keinen Kaffee - nur Cappuccino, oder Tee. Mit viel Zucker - ohne wäre ich wohl schon lange tot:cautious:

@Klimbim : Mitte Dezember wäre super, ich bin wohl dann zurück aus Nordthailand mit dem Motorrad und Ende Januar geht es nach Vietnam.;)

Wenn Du Magier bist, zaubere bitte.

19. Oktober:

„Herr Klimbim, sensationeller Heilungsverlauf. Medizinisch eigentlich nicht erklärbar. Sie können wieder alles machen.“

„Auch nach Pattaya?“

„Vor allem nach Pattaya. Der Dünndarm hat bereits zugestimmt.“

Bis dahin rechne ich vorsichtshalber mit irgendwann zwischen dem 20. Dezember und dem 1. April.

Mit meinem Dünndarm verhandele ich derzeit täglich. Er gilt allerdings als ausgesprochen schwieriger Gesprächspartner.
 

Klimbim

Hat nix anderes zu tun
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24 November 2024
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Der Rumäne-Effekt

Ein kleiner Rückblick ganz an den Anfang meiner Krankenhaus-Odyssee.

Als ich in die Notaufnahme kam, untersuchte mich ein Arzt.

Mitte dreißig.
Dunkle Haare.
Freundliches, rundes Gesicht.

Er fing an, mich zu beruhigen.

Nach ungefähr zwanzig Sekunden sagte ich:

„Sie sind Rumäne.“

Er hielt kurz inne.

„Woher wissen Sie das?“

„Weil ich schon mal so beruhigt wurde.“

Jetzt war er komplett irritiert.

Ich erzählte ihm von meinem alten Studienfreund.

Rumäne.

Heute ebenfalls Kollege.

Vor dem ersten Staatsexamen war ich ein nervliches Wrack.

Er dagegen grundsätzlich tiefenentspannt.

„Klimbim... immer locker bleiben.“

Genau dieser Ton.

Genau dieses Grinsen.

Nicht ein bisschen Mitleid.

Sondern diese angenehme Gewissheit, dass die Welt schon nicht untergehen wird.

Der Arzt fing an zu lachen.

Ich auch.

„Einen Moment lang habe ich ernsthaft überlegt, ob Sie vielleicht sein Sohn sind.“

War er nicht.

Aber die Ähnlichkeit war schon fast unverschämt.

Nicht nur im Gesicht.

Vor allem in der Art.

Mein Studienfreund hatte übrigens seine ganz eigene Examenstherapie.

Eines Tages legte er Geld auf den Tisch.

„Du brauchst eine Woche Ablenkung.“

Ich fragte lieber nicht nach.

Er erklärte seinen Plan trotzdem.

Sagen wir so:

Seine Therapie hätte dem horizontalen Gewerbe wirtschaftlich sehr gutgetan.

Ich habe dankend verzichtet.

Kurz danach lernte ich eine wunderbare Frau kennen. Sie war meine Rettung damals...und lehrte mich übrigens Türkisch...Nebensache.

Eine orientalische Prinzessin, Studentin. Alewitin, wunderschöne Mandelaugen.

Leider in Jura nicht so motiviert und sie fiel durch, ich bestand... irgendwie noch gerade so vertretbar, aber immerhin.

Die Prinzessin hatte ein anderes Problem...ich löste es.

Ich habe sie durch gute Verhandlungen komplett entschuldet...auch Nebensache.

Rückblickend war das alles aber vermutlich die deutlich nachhaltigere Investition.

Als ich mit der Geschichte fertig war, grinste der Arzt wieder. Ihm gefiel die Story sichtlich...

Geld bot er nicht, aber er beruhigte mich...

Exakt wie damals mein Kommilitone.

In dem Moment dachte ich:

Es muss in Rumänien irgendein geheimes Schulfach geben.

Beruhigen für Fortgeschrittene.

Anders kann ich mir das bis heute nicht erklären.

"immer lockerrrrrr bleieieieibn"...👌😋
 

Klimbim

Hat nix anderes zu tun
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24 November 2024
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Die deutsch-thailändische Freundschaftsehe und die ungeklärte Kleiderfrage


Kurz die Vorgeschichte für alle, die die letzte Folge verpasst haben:

Bernd und ich haben uns völlig zufällig in Pattaya kennengelernt.

Irgendwann standen wir mit einem Gin im Pool und kamen beide zu dem merkwürdigen Gefühl, dass wir uns eigentlich schon kennen müssten.

Ein paar Minuten später wussten wir auch, warum.

Wir hatten tatsächlich bereits 2012 beruflich miteinander zu tun. Zuerst erschraken wir beide kurz. Danach mussten wir herzlich lachen.

Bernd saß damals als Bundesbeamter in einem Referat. Ich war Syndikus in der Compliance und hatte beruflich unter anderem die ehrenvolle Aufgabe, seine Behörde regelmäßig lahmzulegen. Bernd erzählte später grinsend:

„Du warst also der Kerl, wegen dem bei uns ständig alles liegenblieb?“

Ich nickte bescheiden.

„Berufskrankheit.“

Er schaute mich lange an.

„Weißt du, ich hatte mir dich größer vorgestellt.“

„Ich mich auch.“

Seitdem sind wir erstaunlicherweise Freunde geworden.

Bernd hat davon Abstand genommen, mir nachträglich den Schädel einzuschlagen.

Ich wiederum habe großzügig darauf verzichtet, ihm vorzuschlagen, seine Zimmerpflanze zu heiraten. Irgendwo muss ja auch in einer Freundschaft eine Grenze verlaufen.

Neulich im Videotelefonat kamen wir dann auf Thailand zu sprechen.

Ich sagte:

„Bernd, Thailand ist ein tolerantes Land. Wir könnten eigentlich zusätzlich heiraten. Rein freundschaftlich.“

Er überlegte keine drei Sekunden.

„Einverstanden. Aber Gütertrennung.“

„Selbstverständlich. Versorgungsausgleich schließen wir ebenfalls aus. Man weiß ja nie.“

„Und wer trägt das Kleid?“

„Darüber konnte bisher keine Einigung erzielt werden.“

Kurzes Schweigen.

„Dann brauchen wir wohl einen Notar.“

„Und zwei mutige Ehefrauen.“

„Vor allem die.“

Ich sehe der Sache inzwischen erstaunlich gelassen entgegen. Jetzt muss ich meiner Frau nur noch erklären, dass ich im nächsten Frühjahr möglicherweise eine zweite Ehe eingehe. Ausschließlich aus Gründen der internationalen Freundschaftspflege und selbstverständlich mit einem wasserdichten Ehevertrag.

Wenn das geklärt ist, steht einer wunderbaren Freundschaftsehe mit Bernd eigentlich nichts mehr im Wege.

Es bleiben nur zwei offene Fragen.

Wer trägt das Kleid?

Und wer erklärt das den Ehefrauen.

PS:

Wer Bernd nicht kennt, braucht sich nur den durchschnittlichen deutschen Ruhestandskandidaten vorzustellen.

Glatze. Solide Erscheinung. Das Gesicht eines Mannes, der seit Jahrzehnten zuverlässig Formulare korrekt abheftet und trotzdem jede Feier als Letzter verlässt.

Auf den ersten Blick wirkt er, als würde er sonntags freiwillig die Hecke gerade schneiden.

Auf den zweiten Blick merkt man, dass er genau der Typ ist, der beim Karneval erst Kamelle wirft, anschließend alle umarmt, irgendwann versehentlich die Aktenmappe statt der Kamelle aus dem Fenster befördert und am nächsten Morgen um Punkt acht geschniegelt im Büro sitzt, als sei nie etwas gewesen.

Ein ausgesprochen anständiger Kerl.

Eigentlich genau der Mensch, bei dem man nie auf die Idee käme, wenige Monate später mit ihm ernsthaft über eine Freundschaftsehe einschließlich Gütertrennung und Kleiderfrage zu verhandeln.

Das Leben überrascht eben.
 

elfenversuchung

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Klimbim ...

grosser Budda...

...zwischen Stomabeutel und Startbahn: Der derzeitige Stand der Weltlage

Kurzes Lebenszeichen, bevor wieder die wildesten Gerüchte entstehen. Nein, ich bin weder ausgewandert noch in einer Garküche verschwunden.

Die doppelte OP wegen der Divertikulitis war... nennen wir es sportlich.

Mein Darm und ich hatten unterschiedliche Auffassungen von Teamarbeit. Ergebnis: Ich habe momentan ein künstliches Stoma auf Zeit. Man könnte sagen, ich bin derzeit serienmäßig mit externem Zubehör unterwegs.

Ende Oktober gibt's die große TÜV-Abnahme. Dann wird entschieden, wann die Rückverlagerung stattfindet. Falls alles nach Plan läuft: nochmal OP, ein bis zwei Wochen Krankenhaus, danach Erholung, Reha und anschließend die Frage aller Fragen.

Ich: „Herr Doktor, wann darf ich wieder nach Pattaya?“

Arzt: „Mich würde erst interessieren, wann Sie wieder Motorrad fahren, schwimmen und normal heben können.“

Ich: „Ja... das meinte ich ja.“

Ich werde diesmal tatsächlich vernünftig sein. Erst wenn der Arzt sagt: „Sie sind reisefertig“, steige ich ins Flugzeug. Ich habe keine Lust, der erste Tourist zu werden, der beim Immigration Officer zusätzlich seinen Operationsbericht vorzeigt.

Wenn alles halbwegs nach Plan läuft, lande ich irgendwann zwischen Mitte Januar und Ende Februar wieder in Pattaya. Und diesmal nicht für den klassischen „Ich bleib mal drei Wochen“-Urlaub. Mindestens zwei Monate. Ich habe Urlaub ohne Ende zusammengekratzt. Gefühlt hat meine Personalabteilung inzwischen mehr Angst vor meinem Resturlaub als ich vor der nächsten Darmspiegelung.

In der Zeit will ich die große Übersiedlung vorbereiten. Versicherungen prüfen, möglichst eine, die nicht schon beim Wort „Vorerkrankung“ so nervös wird wie ein Farang beim ersten Som Tam „little spicy“. Papierkram erledigen, Kontakte ausbauen und einen kleinen Stammtisch ins Leben rufen.

Gerade hier im Forum laufen erstaunlich viele angenehme Bekloppte herum. Einige ticken komplett anders als ich. Teilweise mit einem Betriebssystem aus den frühen Achtzigern, das sich bis heute erfolgreich jedem Update widersetzt. Aber genau deshalb mag ich sie.

Wenn das klappt, sitzen irgendwann Deutsche, Schweizer, Franzosen, Amerikaner, Israelis, Libanesen, Thais, Thaildeutsche und wer dort sonst noch Wurzeln geschlagen hat, an einem Tisch. Dazwischen die üblichen Verdächtigen.

Dieter, der seit zwölf Jahren „nur noch dieses eine Visum regeln“ muss. Manfred, der jede Geschichte mit „Früher...“ beginnt. Holger, der grundsätzlich alles schon dreißigmal erlebt hat, selbst wenn es gestern erst erfunden wurde. Und nach spätestens zwanzig Minuten erklärt irgendeiner mit ernster Miene, warum Pattaya 2009 seinen absoluten Höhepunkt hatte und seitdem unaufhaltsam bergab geht. Während er selbst nun schon das siebzehnte Jahr dort lebt.

Darauf freue ich mich jetzt schon.

Ach ja. Der Kistenheiner natürlich auch.

Den rufe ich an.

Ich: „Kommst du zum Stammtisch?“

Er: „Ja. Ich bring ein paar Kisten mit.“

Ich: „Wofür denn?“

Er: „Weiß ich noch nicht. Braucht man immer.“

Ich bin inzwischen überzeugt, dass der Mann irgendwann in Pattaya beerdigt wird und der Sarg vorsichtshalber auch noch in einer Kiste steckt. Niemand weiß mehr, was ursprünglich überhaupt in diesen Kisten war.

Wahrscheinlich inzwischen andere Kisten.

Genau solche Leute machen den Laden für mich aus. Nicht weil alle gleich ticken. Sondern weil jeder seinen ganz eigenen Dachschaden pflegt und erstaunlicherweise trotzdem alles irgendwie funktioniert.

Der Plan ist momentan, im Laufe des Sommers 2027 endgültig den Stecker im Berufsleben zu ziehen.

Danach heißt es: Thailand, Thai lernen, durch die Gegend fahren und endlich Zeit für Dinge haben, für die bisher nie Zeit war.

@Ajax werde ich irgendwann mal anhauen.

„Sag mal... wie machst du eigentlich diese Drohnenaufnahmen?“

Er wird wahrscheinlich fünf Minuten erklären.

Ich werde anschließend nicken und trotzdem gegen den erstbesten Palmenwedel fliegen.

Aber völlig egal. Es muss nicht perfekt werden. Es soll Spaß machen.

Außerdem stehen Chanthaburi mit guten Freunden, Wasserfälle, kleine Nebenstraßen, Vietnam, Kambodscha und überhaupt alles auf dem Plan, wo man spontan denkt: „Da wollte ich eigentlich schon vor fünf Jahren mal hin.“

Interessanter Nebeneffekt der ganzen Geschichte: Ich habe festgestellt, dass ich Alkohol eigentlich gar nicht brauche.

Jetzt kommt allerdings die gute Nachricht für alle, die schon Kranzspenden gesammelt haben:

Der Arzt hat mir ausdrücklich erlaubt, dass ich meinen geliebten Kirsch irgendwann wieder genießen darf.

Nicht sofort.

Aber irgendwann.

Meine gebunkerten Flaschen müssen also nicht vererbt werden. Sie altern jetzt einfach würdevoll weiter. Im Grunde genommen führen wir beide gerade denselben Lebensstil.

Meine Frau arbeitet parallel daran, ihre Zusatzqualifikation abzuschließen, damit sie später von Thailand aus Patienten auf medizinischen Flügen zwischen Asien und Europa begleiten kann. Auch da geht es Schritt für Schritt voran.

Unterm Strich sieht der Plan also gar nicht schlecht aus.

Vor ein paar Monaten hätte ich nicht gedacht, dass ich einmal ernsthaft den Satz sage:

„Wenn alles gut läuft, freue ich mich auf eine dritte Bauchoperation.“

Das Leben hat wirklich einen eigenartigen Humor.

Ich werde dann irgendwo dazwischen herumlaufen, ein bisschen Thai lernen, gelegentlich gegen einen Palmenwedel fliegen, meinen Kirsch irgendwann feierlich entkorken und ansonsten versuchen, möglichst wenig aufzufallen. Das dürfte mir ungefähr so gut gelingen wie einem Kühlschrank auf einem Moped, aber man sollte sich ja Ziele setzen.

Falls mich irgendwann doch keiner vermisst, ist das auch völlig in Ordnung.

Dann sitze ich wahrscheinlich irgendwo am Wasser, halte die Klappe und genieße einfach, dass ich noch dabei bin.

Anhang anzeigen 2238637

Anhang anzeigen 2238638
Divertikulitis - deswegen lag ich auch im Krankenhaus. - Ja, wir werden alle älter ...

nach der Krankheit ist es sehr sinnvoll, viel Gemüse und andere ballaststoffreiche Lebensmittel zu essen, dabei aber auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten und die Ernährung langsam anzupassen. Das unterstützt die Darmgesundheit und kann helfen, weitere Entzündungen zu verhindern.

mehr als 2 alkoholische Getränke pro Tag, was etwa 30 g Alkohol entspricht ist mit einem erhöhten Risiko für erneute Entzündungen (Rezidive) verbunden

Das bedeutet, nichts in Thailand scharf essen und die tollen Alkoholbilder sollten der Vergangenheit angehören. Nur noch Wasser. Und Ladydrinks. Und viel Gymnastik im Bett
 
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Klimbim

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24 November 2024
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Divertikulitis - deswegen lag ich auch im Krankenhaus. - Ja, wir werden alle älter ...

nach der Krankheit ist es sehr sinnvoll, viel Gemüse und andere ballaststoffreiche Lebensmittel zu essen, dabei aber auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten und die Ernährung langsam anzupassen. Das unterstützt die Darmgesundheit und kann helfen, weitere Entzündungen zu verhindern.

mehr als 2 alkoholische Getränke pro Tag, was etwa 30 g Alkohol entspricht ist mit einem erhöhten Risiko für erneute Entzündungen (Rezidive) verbunden

Das bedeutet, nichts in Thailand scharf essen und die tollen Alkoholbilder sollten der Vergangenheit angehören. Nur noch Wasser. Und Ladydrinks. Und viel Gymnastik im Bett
Danke. Das stimmt wohl.

Nur gehöre ich irgendwie nicht zur üblichen Risikogruppe.

Nichtraucher. Fast nie Alkohol. Kein Fastfood. Kein Schweinefleisch. Wenig Zucker. Viel Gemüse, Hähnchen, Lamm. Bewegung. Gute Ehe. Liebevolle Frau.

Mein Dünndarm würdigt das allerdings bis heute mit bemerkenswerter Gleichgültigkeit.

Ich hatte ungefähr folgende Unterhaltung mit ihm:

„Kannst du dich bitte zusammenreißen?“

„Nein.“

„Aber ich mache doch fast alles richtig.“

„Ist mir egal.“

„Wenig Alkohol.“

„Interessiert mich nicht.“

„Viel Bewegung.“

„Auch egal.“

„Glückliche Ehe.“

„Schön für euch.“

Damit war die Diskussion beendet.

Die erste Verwarnung kam schon 2016/17. Diesmal gab es gleich die Not-OP. Inzwischen liege ich bei Operation Nummer zwei und warte darauf, dass die Rückverlegung des Stomas irgendwann zwischen Dezember und Februar stattfindet. Mein Darm arbeitet nach einem Kalender, den ausschließlich er kennt.

Danach ist Schluss mit Arbeiten.

Spätestens Sommer 2027 bin ich raus.

Dann Pattaya.

Mein einziger Verhandlungspartner bleibt bis auf Weiteres der Dünndarm.

Und der ist nachweislich der Sturere von uns beiden.
 

Klimbim

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24 November 2024
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Die große Expedition zum ADAC

Mein Dünndarm und ich befinden uns seit einiger Zeit in einer etwas angespannten Beziehung.

Er hat mir schließlich einen Flug nach Thailand mit meinem Sohn ruiniert, der mehrere tausend Euro gekostet hatte. Seitdem fällt es mir schwer, ihm völlig vorurteilsfrei zu begegnen.

Unser letzter Dialog verlief ungefähr so:

„Das war eine sehr schöne Reise.“

„Welche?“

„Genau.“

Damit war das Thema beendet.

Zum Glück hatte ich eine Familien-Reiserücktrittsversicherung abgeschlossen. Also beschloss ich heute, meinen ersten etwas längeren Ausflug zu wagen und den Restschaden beim ADAC geltend zu machen.

Ein paar U-Bahn-Stationen.

Objektiv.

Subjektiv fühlte es sich eher an, als würde ich zu Fuß bis Pattaya gehen und den Golf von Thailand vorsichtshalber noch durchschwimmen.

Irgendwie kam ich an.

Der freundliche Mitarbeiter drückte mir zunächst ein Formular in die Hand. Es hatte ungefähr die Ausdehnung eines Beipackzettels für ein Medikament, das man besser gar nicht erst einnimmt.

Name. Anschrift. Beruf. Postleitzahl. Versicherungsnummer. Bankverbindung. Wahrscheinlich noch Blutgruppe, Lieblingsgemüse und die Schuhgröße meiner Grundschullehrerin. (So kam es mir jedenfalls vor.)

Nun hatte das Formular allerdings einen entscheidenden Gegner.

Meine Brille.

Die war natürlich nicht auffindbar.

Ich fragte freundlich, ob mir jemand die Fragen kurz vorlesen könne.

Ein Mitarbeiter meinte sinngemäß, ich müsse mich eben irgendwo hinsetzen und das selbst erledigen.

Ich schaute ihn an.

Er schaute zurück.

Wir beschlossen beide, dieses Gespräch nicht weiter zu vertiefen.

In diesem Moment winkte mich der Herr an der Rezeption unauffällig zu sich.

„Kommen Sie mal rüber. Das machen wir zusammen.“

Und genau das taten wir.

Er las vor. Ich antwortete. Er schrieb alles sauber ein, drückte mir zum Schluss noch einen Getränkegutschein in die Hand und wünschte gute Besserung.

Mein Dünndarm meldete sich kurz:

„Getränk ist eine ausgezeichnete Idee.“

„Ach. Jetzt auf einmal.“

Der Rückweg verlief ähnlich spektakulär wie der Hinweg.

Zu Hause angekommen hatte ich das Gefühl, eine Himalaya-Expedition erfolgreich beendet zu haben.

Unterwegs fand ich noch zufällig ein paar kleine Röschen. Genau die Sorte, die mein Vater meiner Mutter früher zum Hochzeitstag schenkte.

Ich nahm sie mit.

Als ich sie ihr gab, freute sie sich ehrlich.

Manchmal besteht ein guter Tag aus einer geglückten Schadensmeldung, einem freundlichen Menschen an der Rezeption und einem kleinen Blumenstrauß.

Und manchmal lernt sogar der Dünndarm, für ein paar Minuten die Klappe zu halten.

Fast.
 

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