Das fällt so unter die Träumerei 'Früher war alles besser'. Hat mal jemand auf den EURUSD von 2011 geschaut? Wenn man verstehen will was seitdem im Finanzsystem passiert ist, sollte man mal auf den Goldpreis vor 15 Jahren und heute schauen.
Zu DM Zeiten (1980) gab es Wechselkurse von 1:10, umgerechnet auf den Euro sollten wir uns heute über alles oberhalb von 1:20 freuen.
Viel wichtiger ist ein Blick auf die Inflation. Ich habe noch einige Preise von vor 5 Jahren aus Deutschland in Erinnerung und muss heute feststellen, dass sie innerhalb von 5 Jahren um mehr als 50% gestiegen sind. Passt nicht zu den offiziellen Zahlen.
Im Nachhinein verklärt man vieles.
Ich denke manchmal an meine Studentenzeit zurück und frage mich, wie wir damals eigentlich Urlaub gemacht haben.
Kreta. Schlafsack. Kieselsteine. Strand. Und ja, heiß war es damals auch schon. Sehr heiß sogar. Das Mittelmeer hatte nicht erst auf mich gewartet, um warm zu werden.
Aber 38 oder 40 Grad waren damals für mich eine Erinnerung an einen besonders heißen Tag. Heute schaut man auf 42 Grad im Juli und denkt sich nicht mehr automatisch: „Was für eine Ausnahme.“
Man denkt eher: „Gut. Dann bleiben wir heute vielleicht drinnen.“
Auch die Bilder aus Südfrankreich sind inzwischen andere. Waldbrände am Mittelmeer gab es natürlich schon früher. Aber wenn ganze Regionen regelmäßig mit extremer Hitze, Trockenheit und Bränden zu kämpfen haben, bekommt das Wort „Sommer“ irgendwann eine etwas andere Bedeutung.
Das ist für mich schon ein Unterschied. Damals konnte man sich einen Schlafsack nehmen, irgendwo draußen hinlegen und sagen: „Wird schon.“
Heute würde ich bei bestimmten Temperaturen und Wetterlagen niemandem mehr empfehlen, einfach irgendwo draußen zu schlafen. Nicht aus übertriebener Vorsicht, sondern weil sich die Bedingungen verändert haben.
Oder vielleicht habe ich mich verändert. Mit 18 fand ich beides ungefähr gleich vernünftig.
Heute finde ich ein Hotelzimmer vernünftiger. Für 80 Euro ein schönes Zimmer mit Pool. Für 120 Euro meinetwegen ein altes Haus in den Bergen, großer Balkon, schöne Aussicht.
Meine Frau soll schließlich nicht denken, ich hätte sie für die Flitterwochen auf einen Campingplatz entführt.
Damals schlief neben mir eine hübsche junge griechische Studentin. Heute ist meine Frau asiatischer Herkunft, immer noch hübsch und wirklich nicht besonders verwöhnt. Ist sie nicht.
Aber es gibt inzwischen gewisse Grenzen dessen, was wir uns gegenseitig zumuten. Kieselsteine gehören inzwischen eher in den Garten.
Schlafen eigentlich auch. Damals gab es Brot, Olivenöl, bei Hochzeiten der Einheimischen etwas gegrilltes Lamm (super lecker), Salat und fertig. Wir waren glücklich. Vegan aßen nur diese Gurus aus Indien. Fand ich damals schon etwas verrückt... diese orange gekleideten Hippies aus den Fachbereichen Soziologie und Politik... aber ich hatte nie was gegen die. Haschisch rauchte ich halt nicht, geschenkt.
Heute gibt es Meeresfrüchte und guten Weißwein. Man wird halt älter.
Oder vernünftiger. Das ist noch nicht abschließend geklärt. Damals ging es ab Salzburg mit dem Hellas Express nach Athen, dann auf die Fähre. Nach Salzburg bin ich getrampt.
Heute fliege ich und nehme mir am Flughafen einen Kleinwagen. Damals war das Abenteuer. Heute wäre es für meinen Rücken ein medizinisches Experiment. Und trotzdem waren beide Urlaube schön.
Ich war damals 18. Heute bin ich 61.
Wenn ich heute morgens um sechs bei 38 Grad auf einem Kieselstein aufwachen würde, wäre mein erster Gedanke vermutlich nicht mehr „Herrlich“.
Eher: „Warum?“
Und wenn es 42 Grad hätte, würde ich wahrscheinlich nicht einmal mehr den Schlafsack ausrollen.
Man kann seine Jugend schließlich nicht zweimal testen.
Ich habe damals jahrelang einfach gelebt. Wenig Geld, viel Spaß, wenig Gedanken an Vorsorge. Die Einsicht, dass man vielleicht irgendwann auch Geld für später brauchen könnte, kam bei mir ungefähr mit 28, 30.
Vorher hatte ich andere Probleme. Zum Beispiel, wo wir heute Abend hingehen. Dann habe ich finanziell aufgeholt. Etwas spät, dafür mit Nachdruck.
Und natürlich waren die jungen Studentinnen wunderbar.
Die aus Griechenland. Die aus Italien im Nachtzug über die Alpen. Die Französinnen, die mich beim Trampen im 2CV mitgenommen haben.
Sogar die Mücken in der Camargue waren damals kein großes Thema. Die haben mich nachts auf einer Wiese zerlegt.
Ich fand es romantisch. Heute würde ich wahrscheinlich morgens die Rezeption anrufen und fragen, ob es auch Zimmer ohne Natur gibt.
Nein, früher war nicht alles besser. Früher war ich jünger. Das ist ein ziemlich wesentlicher Unterschied.
Und natürlich war damals nicht plötzlich das Wetter harmlos. Hitze gab es. Waldbrände gab es. Dürre gab es.
Nur muss man schon sehr nostalgisch sein, um daraus zu machen, dass 42 Grad im Juli heute einfach dieselbe Nummer sind wie ein heißer Urlaubstag vor vierzig Jahren. Mit 18 schläft man auf Kieselsteinen und findet das großartig.
Mit 61 sucht man morgens erst einmal den Rücken und dann ein Hotel mit vernünftiger Matratze.
Beides war schön. Nur sollte man die Schönheit der eigenen Jugend nicht mit den damaligen Preisen oder den damaligen Bedingungen verwechseln.
Wir konnten uns vieles nicht leisten. Wir haben es nur nicht vermisst. Und vielleicht ist das der eigentliche Trick bei diesem ganzen „Früher war alles besser“.
Man erinnert sich an die hübsche Griechin, den Wein, den Zug, das Meer und die Freiheit. Man erinnert sich eher selten an den Kieselstein.
Der war aber die ganze Nacht da.
Gründe so herzzerreißend über schlimmste Qualen in Deutschland, in Europa zu klagen ... für mich ist das eine Art Folklore einer bestimmten Menschengruppe und damit dann auch irgendwie ein super Anlass zur ätzenden Satire - ohne diesen klagenden Menschen nicht auch etwas Lebensfreude wünschen zu wollen.
So bissig bin ich nicht und möchte es auch nicht werden. Spöttisch auf manche Eigenheiten hinzuweisen aber, ist halt dann doch mitunter recht unterhaltsam.
"Manfred wie er leibt und lebt" schrieb hier einer. Ganz genau ^^
Unser Manfred. Und wenn es mir zu viel wird, dann gehe ich halt - die Freiheit haben wir doch durchaus. Dann wird Manfred ignoriert und kann mit Dieter weiter behaupten, dass "frieher alles besser war" ... Frieher...
Wann war das nochmal genau? 1970? Wo? An der Ostsee? Auf Korsika? Ahhh in Pattaya, natüüüürlich ...
Für einen Teil unseres Landes, war politisch übrigens in Ungarn und Bulgarien Schluss (mal eine höfliche Erinnerung an die wahren Umstände damals), für einen Teil unserer Gesellschaft indes wirtschaftlich in Südeuropa, maximal. Freiheit hat einen Preis.
Man nennt ihn Eigenverantwortung.
Pattaya? Asien?
Also ich konnte mir solche Flüge früher NIE leisten um ehrlich zu sein. Undenkbar. Wer also heute über "zu hohe Flugkosten" klagt, klagt hier m.E. beispielhaft auf einem sehr sehr hohen Niveau... und das finde ich persönlich maximal ulkig. Anlass zur Gegnerschaft auf Leben und Tod, gibt es allerdings für mich nicht...


