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News Der Rentner in Pattaya - eine bissig satirische Abrechnung

Klimbim

Hat nix anderes zu tun
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24 November 2024
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Wenigstens einer, der die Schuldfrage voll durchschaut. Aergere Dich nicht ueber die Noergler, die sind bloss neidisch.

Vergiss bitte die Luftballontrinker nicht. Das ist wichtiges Grundwissen

@thaiguy : richtig!

Wie konnte ich die Ballons nur vergessen, unverzeihlich. Die Gratisbuffet-Feldforscherfraktion...

39 Baht Frühstück, Gratisbuffet und Weltpolitik bei der klassisch gejammert wird.

Mehr braucht der Rentner von heute aus Pattaya in seiner Stammbar offenbar nicht.
 
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leoleone

Gibt sich Mühe
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30 Oktober 2025
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Der Deutsche meckert auf einem sehr hohen Niveau. Was in Deutschland als Untergang empfunden wird, da wären über 80% der Welt nicht nur froh drüber, sondern könnten ihr Glück kaum fassen.
Die Aussage ist schon sehr allgemein. Es wird im Leben immer jemanden geben, der mehr hat. Der BMW-Fahrer beschwert sich, dass er sich keinen Porsche leisten kann, und der Porsche-Fahrer, dass es nicht für einen Ferrari reicht.

Ich habe gelernt, mich eher mit Leuten zu vergleichen, die erfolgreicher sind als ich, und nicht mit denen, die weniger haben. So sollte es Deutschland als Industrieland auch machen. Sollen wir uns jetzt mit Guinea vergleichen?

Die durchschnittliche Rente in Deutschland liegt bei ungefähr ca 1.400 Euro. Ich war eine Zeit lang im Wertpapierforum unterwegs, da wurde über ganz andere Zahlen diskutiert. Mit 2.500 Euro Rente brauchtest du da gar nicht erst anzukommen, das galt dort gefühlt schon als Altersarmut und Leben unter der Brücke.
 

thaiguy

Mister Universe
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25 Dezember 2013
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Die Jungfuechse kennen sich halt nicht aus. Von daher braucht's so ein Thema. Da kannste die Luecken aufarbeiten. Dann noch die nachfuellbaren Flachmaenner in der Jacke nicht vernachlaessigen. Die machen aus jeder ordinaeren Kola ein hochpreisiges Getraenk.

@leoleone Du greifst @Klimbim voraus. Das Investmentthema kommt bestimmt noch. Es gibt unendliche viele Goldgrueben im Seebad. Mit ein paar tausend Gemeinschaftswaehrung auf den Tisch des neuen Freundes und alle Probleme sind geloest.
 
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Reaktionen: NOMAAM und leoleone

leoleone

Gibt sich Mühe
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30 Oktober 2025
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@Klimbim

Es ist ein Klimbim-Thread. In der Überschrift steht doch „eine satirische Abrechnung“. Ist mal etwas anderes.. da muss jetzt nicht jeder Satz umgedreht und kritisiert werden.

Ich lese gerne mit … ich meine, kennt nicht jeder insgeheim einen Manfred, der alle Klischees voll erfüllt?

Ich hoffe, es kommt noch der Dieter, der mit 3.000 Euro Pension meint, dass er in Thailand am Hungertuch nagt und mindestens zehn Versicherungen für alles hat. 😄
 

Klimbim

Hat nix anderes zu tun
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24 November 2024
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@Klimbim

Es ist ein Klimbim-Thread. In der Überschrift steht doch „eine satirische Abrechnung“. Ist mal etwas anderes.. da muss jetzt nicht jeder Satz umgedreht und kritisiert werden.

Ich lese gerne mit … ich meine, kennt nicht jeder insgeheim einen Manfred, der alle Klischees voll erfüllt?

Ich hoffe, es kommt noch der Dieter, der mit 3.000 Euro Pension meint, dass er in Thailand am Hungertuch nagt und mindestens zehn Versicherungen für alles hat. 😄

Natürlich, unser Dieter.

Der Mann lebt also finanziell praktisch von der Hand in den Mund.

Die Hand ist dabei erstaunlicherweise immer am Geldautomaten.

Aber keine Sorge:

Der Dieter kommt.
 

Klimbim

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24 November 2024
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Ich habe gelernt, mich eher mit Leuten zu vergleichen, die erfolgreicher sind als ich, und nicht mit denen, die weniger haben. So sollte es Deutschland als Industrieland auch machen. Sollen wir uns jetzt mit Guinea vergleichen?

Das verstehe ich gut. Nach meinen beiden lebensbedrohlichen Operationen im Juli hat sich meine Prioritätenliste allerdings etwas verkürzt.

Früher: gutes Gehalt, Sparquote, Wein, immer eine Lösung.

Heute:

Gesundheit zurückbekommen. Der Rest darf sich hinten anstellen. Kleine Wohnung, meine Frau, ein Roller und irgendwann mit Bernd am Pool Gin und Kirsch. Reicht völlig.

Und während andere in Pattaya die Bude abreißen, schaue ich mir das Ganze gemütlich an. Ist erstaunlich unterhaltsam.

Vor allem die Herren, die sich in einer Satire exakt wiedererkennen und anschließend empört erklären, dass sie selbstverständlich nicht gemeint sind.

Das ist dann schon fast wieder Satire. „Ich erkenne mich zwar eindeutig, aber die Beschreibung ist trotzdem unfair.“

Herrlich. Unfreiwillig, aber herrlich.
 

Klimbim

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24 November 2024
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Teil 4: Pattaya-Naturkunde: Die Visaagenturen


Alles frei erfunden. Auch die Namen. Falls sich jemand wiedererkennt: Ich war's nicht.

In Pattaya gibt es Visaagenturen. Thailändische und deutsche.

Der Thai sagt: „No problem.“

Der Deutsche: „Wir müssen uns das erst einmal genau anschauen.“

Danach kostet beides Geld.

Nehmen wir Klaus-Uwe.

68, seit vier Jahren Thailand und seit ungefähr drei Jahren der Meinung, dass hier alles immer komplizierter wird.

Er geht zu Franky. Franky heißt eigentlich Ralf. Aber Ralf klingt nicht nach Visa.

Franky nimmt den Pass, schaut rein. Lange. „Problem.“

Klaus-Uwe wird nervös. „Was?“

Franky tippt auf den Pass. „Bank.“

„Was ist mit der Bank?“ „Money.“

Stille und fester Blick in die erschrockenen aufgerissenen Augen des Kunden...

„But we fix.“ Na also.

Dafür ist man ja da.

Die deutsche Variante heißt Bernd.

Oder Bert.

Oder Björn.

Hab ich vergessen.

Die Firma heißt jedenfalls:

THAILAND EXPAT CONSULTING & RELOCATION SERVICES

Das klingt schon mal nach 3.500 Baht, bevor überhaupt jemand den Pass gesehen hat. Bernd nimmt ihn. Oder Bert? Björn?

„Wann eingereist?“

„November.“

„Welches Jahr?“

„2025.“

Bernd nickt und schreibt 2025 auf. Klaus-Uwe hätte das auch gewusst.

Aber dann wäre es keine Beratung. Dann gibt es die Pakete.

Basic.

Premium.

Premium Plus.

Und natürlich das:

VIP Executive Immigration Concierge.

Bei Basic wird der Antrag gemacht. Bei Premium wird er persönlich abgegeben.

Bei Premium Plus bekommt man zwischendurch eine WhatsApp:

„Wir haben Ihren Vorgang im Blick.“ Sehr beruhigend.

Man möchte schließlich nicht, dass der eigene Vorgang unbeaufsichtigt irgendwo herumliegt.

Beim VIP-Paket muss man nicht einmal mehr selbst mit Immigration sprechen.

49.900 Baht. Zuzüglich Gebühren. Man gönnt sich ja sonst nichts.


Klaus-Uwe schickt sieben Seiten Unterlagen. Bernd schaut sie sich an, oder Bert? Oder Björn?

Drei Minuten später:

„Da fehlen noch Unterlagen.“ „Welche?“

„Das müssten wir im Rahmen einer persönlichen Beratung klären.“ 3.500 Baht.

Klaus-Uwe zahlt. Er weiß jetzt immer noch nicht, was fehlt.

Aber er fühlt sich deutlich besser dabei. Das ist vermutlich der kleine Unterschied.

Der Thai verkauft die Lösung.

Der Deutsche verkauft den Vorgang.

Und irgendwo dazwischen sitzt Klaus-Uwe und bezahlt dafür, dass sich jemand mit seinem Pass beschäftigt.

Irgendwann kommt eine WhatsApp.

Everything finished.

Klaus-Uwe holt seinen Pass.

Stempel drin.

Alles gut.

„Was hat es gekostet?“

42.000 Baht.

„Warum so viel?“

Franky:

„Full service. FULL!"

Mehr muss man dazu eigentlich nicht sagen. Bernd hätte wahrscheinlich „umfassende Betreuung“ gesagt.

Klingt dann gleich nach einer Rechnung. Und genau das ist das Schöne an Visaagenturen.

Der Kunde muss eigentlich gar nicht wissen, was gemacht wurde. Er muss nur seinen Pass zurückbekommen.

Am besten mit Stempel. Und mit dem angenehmen Gefühl, dass ohne diese Hilfe vermutlich alles schiefgegangen wäre.

Obwohl man vorher auch nicht genau wusste, was eigentlich schiefgehen sollte.

Aber das ist nun einmal Vertrauen. Oder Marketing. Je nachdem, auf welcher Seite des Schreibtischs man sitzt.

Der Thai sagt:

„No problem.“

Der Deutsche:

„Wir kümmern uns darum.“

Und Klaus-Uwe sagt:

„Gut, dass ich jemanden kenne.“

Dann ist alles erledigt.

Nur die Rechnung nicht.

Die kommt später.

Meistens per WhatsApp.

Sodann schreibt Klaus-Uwe in einem Forum: "Superagentur, die hat alles für mich gelöst".

Ein Forummitglied fragt neugierig: "was denn genau?"

Klaus-Uwe: "alles!"

Es leben die Agenturen. Echte Spezialisten. Sie können alles. :cool:
 

Klimbim

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24 November 2024
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Teil 5 Pattaya-Naturkunde: Die Sprachschulen

Alles frei erfunden. Auch die Namen. Falls sich jemand wiedererkennt: Bitte langsam sprechen.

In Pattaya gibt es Sprachschulen. Zumindest steht das außen dran.

PATTAYA INTERNATIONAL LANGUAGE & CULTURAL ACADEMY :cool:

Darunter: GERMAN – THAI – ENGLISH – CULTURAL EXCHANGE

Das sieht sehr seriös aus.

Drinnen stehen drei Plastikstühle, ein Schreibtisch aus den Neunzigern und ein Ventilator, der bei jeder Umdrehung ein Geräusch macht, als würde er seine Kündigung vorbereiten.

An der Wand hängt ein Zertifikat. Niemand weiß genau, wofür. Aber es ist laminiert.

Das schafft Vertrauen.

Dienstags um zehn beginnt Deutsch für Thailaydies. Die Teilnehmerinnen heißen meistens irgendwo zwischen Nok, Ploy, May, Fah und Pim.

Heute sind sechs da.

Alle sehen aus, als hätten sie vor Unterrichtsbeginn noch schnell beschlossen, dass Deutsch vielleicht doch eine gute Idee sein könnte.

Die Lehrerin heißt Khun Siriporn. 28 Jahre alt.

Sehr freundlich. Sehr geduldig.

Und mit dieser besonderen Fähigkeit thailändischer Lehrerinnen, selbst einen ausgewachsenen deutschen Grammatikunfall anzusehen, als wäre alles vollkommen in Ordnung.

„Guten Morgen.“

„Guten Mogen.“

„Morgen.“

„Guten Morgen.“

„Guten Mogen.“

Siriporn lächelt.

„Sehr gut.“

Das ist pädagogisch wichtig.

In Thailand gilt: Wenn der Schüler etwas Falsches sagt, aber dabei glücklich aussieht, war es ein Fortschritt.

Heute geht es um den Satz: „Ich liebe dich.“

Warum gerade dieser Satz?

Niemand weiß es.

Aber plötzlich sind alle aufmerksam.

Siriporn schreibt an die Tafel:

Ich liebe dich.

Pim liest: „Ich liebe disch.“

„Sehr gut.“

Nok: „Ich libe dich.“

„Sehr gut.“

May: „Ich liebe Dick.“

Kurze Pause.

Siriporn schaut auf die Tafel.

Dann auf May.

„Dich.“

„Dick.“

„Dich.“

„Dick.“

„Okay.“ Man muss auch einmal wissen, wann eine Lektion abgeschlossen ist.

Im Nebenraum beginnt währenddessen Thai für deutschsprachige Rentner.

Hier sitzen Männer, die in Deutschland jahrzehntelang mit einem Drucker gekämpft haben und jetzt glauben, eine Tonsprache in sechs Wochen zu beherrschen.

Der heutige Kurs besteht aus: Horst-Jürgen, 71, früher Bauingenieur.

Willi, 68, ehemaliger Außendienstler.

Hannes, 74, „noch topfit“.

Und Günter, 69, der schon seit drei Jahren sagt: „Ich kann eigentlich ganz gut Thai.“

Er kann tatsächlich ungefähr zwölf Wörter. Davon sind vier Gerichte.

Vorne sitzt die Lehrerin:

Khun Nicha. 31 Jahre, Single Mom. Wissen irgendwie alle. Warum, weiss ich wiederum nicht.

Sehr charmant.

Sehr hübsch.

Sehr freundlich.

Und mittlerweile offensichtlich in einem Stadium beruflicher Gelassenheit, in dem sie nichts mehr überraschen kann.

Sie schreibt:

mai

„Das bedeutet je nach Ton etwas anderes.“

Horst-Jürgen nickt.

Er hat sofort verstanden.

Natürlich.

„Also wie Ma-i?“

Nicha: „Nein.“

„Mai?“

„Nein.“

„Maaai?“

„Nein.“

„Mai?“

„Auch nein.“

Horst-Jürgen lehnt sich zurück. „Ist aber schon ähnlich.“

Nicha lächelt. „Very similar.“

Das ist die thailändische Version von: Du hast wirklich überhaupt nichts verstanden.

Dann kommen die Töne. Nicha spricht ein Wort vor. Die Männer sprechen nach.

Nicha:

„maa.“

Alle:

„maa.“

„mâa.“

Alle:

„maa.“

„máa.“

Alle: „maa.“

Nicha schließt kurz die Augen. Nicht lange.

Nur so lange, wie ein Mensch braucht, um sich daran zu erinnern, dass er eigentlich einen schönen Beruf hat.

Willi ist besonders eifrig.

Er möchte alles richtig machen. „Noch einmal.“

Nicha:„mâa.“

Willi: „mâa.“

„Gut.“

„mâa.“

„Sehr gut.“

„mâa.“

„Yes.“

Willi strahlt.

„Was heißt das jetzt?“

Nicha: „Je nach Ton etwas anderes.“

Willi schaut auf sein Heft. „Welches davon habe ich gerade gesagt?“

Nicha: „Das weiß ich nicht.“

Willi: „Aber Sie haben doch gesagt, sehr gut.“

Nicha: „I am polite.“

Das ist vermutlich die ehrlichste Antwort des gesamten Sprachkurses.

Hannes hat inzwischen sein eigenes System entwickelt. Er spricht Thai einfach so aus, wie er es für richtig hält.

Wenn Nicha sagt: „khâaw“

sagt Manfred: „Kao.“

„khâaw.“

„Kao.“

„khâaw.“

„Kao.“

Nicha gibt auf. „Okay. Kao.“

Manfred strahlt.

Er hat gerade eine Sprache reformiert.

Besonders beliebt ist der Satz: „Ich möchte ein Bier.“

Nicha schreibt: Phom yak dai bia.

Günter liest: „Pom Jacky bei Bier.“

Nicha: „Nein.“

Günter: „Pom Jackie bei Bier?“

„Nein.“

„Pom Jacky dai bia.“

Nicha schaut ihn an. „You want beer?“

„Ja.“

„Then say beer.“

Das ist vielleicht die pragmatischste Unterrichtsmethode, die je entwickelt wurde.

Bei den Thailaydies geht es inzwischen um deutsche Präpositionen.

Siriporn schreibt: Ich bin bei meinem Freund.

Ploy fragt: „Was ist bei?“

„Bei.“

„In?“

„Nein, bei.“

„Mit?“

„Nein.“

„Zu?“

„Nein.“

Ploy schaut lange auf den Satz. „Warum nicht einfach mit?“

Siriporn schweigt. Zum ersten Mal in diesem Unterricht wirkt sie selbst leicht ratlos.

Dann kommt die Königsdisziplin:

der, die, das.

Siriporn: „Tisch.“

„Der Tisch.“

„Lampe.“

„Die Lampe.“

„Auto.“

„Das Auto.“

Pim fragt:

„Warum?“

Siriporn:

„Das ist die deutsche Grammatik.“

Pim:

„Warum?“

Siriporn:

„Because German.“

Das wird akzeptiert.

Schließlich hat Thailand auch Regeln, die niemand erklären kann.

Zur gleichen Zeit hat Horst-Jürgen ein Problem.

Er möchte seiner Freundin auf Thai sagen:

„Du bist sehr hübsch.“

Nicha schreibt den Satz an die Tafel.

Horst-Jürgen spricht nach. „Khun suai maak.“

Nicha: „Sehr gut.“

Horst-Jürgen ist begeistert.

„Kann ich das auch zu Ihnen sagen?“

Nicha: „For practice.“

„Khun suai maak.“

Nicha: „Thank you.“

Horst-Jürgen lächelt.

Willi schaut zu ihm.

„Was heißt das?“

Horst-Jürgen:

„Du bist sehr hübsch.“

Willi nickt.

„Das merk ich mir.“

Nicha hört das.

Natürlich.

Sie ist Lehrerin.

Aber sie ist auch Thailänderin.

Sie weiß genau, was als Nächstes kommt.

Fünf Minuten später sitzen drei deutsche Rentner vor der Tafel und üben gemeinsam:

„Khun suai maak.“

„Khun suai maak.“

„Khun suai maak.“

Nicha: „Okay, next sentence.“

Horst-Jürgen: „Noch einmal.“

Nicha: „No.“

„Warum?“

„Because you know it now.“

„Ja.“

„Then next.“

Sie schreibt: Wo ist die Toilette?

Plötzlich ist es still.

Die Sprachschule selbst gibt sich übrigens größte Mühe, seriös zu wirken.

An der Tür steht:

ACCREDITED INTERNATIONAL LANGUAGE CENTER

Im Prospekt:

„Modern language acquisition through immersive intercultural communication.“

Im Klassenraum hängt ein Whiteboard.

Das Whiteboard funktioniert allerdings nur, wenn man gleichzeitig auf die linke Ecke drückt und das Kabel hinter dem Schreibtisch ein bisschen bewegt.

Dazu gibt es Kaffee. Instant. Ohne Zucker.

Der Zucker steht in einer kleinen Plastikschale, in der früher vermutlich etwas anderes war.

Aber es ist sauber. Mehr kann man von einer Sprachschule eigentlich nicht verlangen.

Am Ende der Stunde verteilt Nicha Hausaufgaben. „Please repeat the words 20 times.“

Günter fragt: „Schreiben oder sprechen?“

„Both.“

„Zwanzigmal?“

„Yes.“

Günter schaut auf die Liste.

„Das schaff ich.“

Nicha nickt. Sie weiß es besser.

Am nächsten Dienstag wird Günter wiederkommen und fragen:

„Wie war noch mal Danke?“

Nicha:

„Khop khun khrap.“

Günter:

„Kop Kun Crap.“

„Almost.“

„Was war falsch?“

„Everything.“

Günter lacht.

Nicha auch.

Und genau deshalb funktionieren diese Sprachschulen vermutlich so gut.

Nicht weil irgendjemand nach acht Wochen plötzlich Thai oder Deutsch kann.

Sondern weil sechs Menschen jeden Dienstag zwei Stunden lang gemeinsam feststellen, dass eine Sprache offenbar doch nicht so einfach ist.

Die Thailaydies lernen: „Ich liebe dich.“

Die deutschen Rentner: „Wo ist die Toilette?“

Und beide Seiten gehen anschließend nach Hause mit dem guten Gefühl: Heute haben wir wieder richtig was gelernt.

Was genau, bleibt offen.

Aber es war immerhin ausgesprochen.
 

Klimbim

Hat nix anderes zu tun
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24 November 2024
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Teil 6: Pattaya-Naturkunde: Olaf, der Bitcoin-König


Alles frei erfunden. Auch Olaf. Falls sich jemand wiedererkennt: Bitte nicht böse sein. Olaf meint es ja auch nicht böse...

Olaf ist Ende 50 und lebt in Pattaya.

Rente bekommt er noch nicht.

Arbeiten möchte er auch nicht unbedingt.

„Wozu?“

Olaf hat nämlich Bitcoin.

Jedenfalls hatte er mal welchen.

Dann wieder mehr.

Dann weniger.

Dann andere.

Dann wieder dieselben.

Olaf handelt.

Seit Jahren. Mit mäßigem Erfolg.

Genauer gesagt: mit keinem. Aber das sagt Olaf natürlich nicht.

„Ich hab dieses Jahr schon zweimal richtig gut verdient.“

„Wie viel?“

„Beim ersten Mal 1.800 Euro.“

„Und beim zweiten?“

„Da hab ich 2.100 verloren.“

„Dann hast du doch 300 Minus.“

Olaf lächelt.

„Ja, aber das sind zwei verschiedene Sachen.“

Natürlich.

Olaf sieht aus, als hätte Pattaya ihn irgendwann adoptiert.

Kurze Hose, ausgewaschenes Chang-Shirt, Badelatschen, Sonnenbrille auf dem Kopf und eine kleine Bauchtasche, in der sich sein gesamtes Finanzsystem befindet.

Handy.

Powerbank.

Zwei Ladekabel.

Ein Zettel mit irgendwelchen Zahlen.

Und ein USB-Stick.

„Was ist da drauf?“

„Mein Vermögen.“

„Und wenn der kaputtgeht?“

„Ist gesichert.“

„Wo?“

Olaf zeigt auf einen zweiten USB-Stick.

Der liegt im Hotelzimmer.

„Und der?“

„Backup.“

„Und das Backup?“

Olaf wird kurz still.

„Das ist im Kopf.“

Das beruhigt niemanden.

Olaf schon.

Sein gesamtes Vermögen steckt in Bitcoin.

„Alles?“

„Alles.“

„Warum?“

„Weil ich an das System glaube.“

„Und wovon lebst du?“

Olaf winkt ab.

„Ich hab meine Zuschüsse.“

Damit meint er Geld aus Deutschland.

Nicht besonders viel.

Aber regelmäßig genug, dass Olaf es für eine Übergangslösung hält.

„Bis Bitcoin richtig läuft.“

Bitcoin läuft.

Nur Olaf nicht.

In der Stammkneipe sitzt er fast jeden Abend.

Vor ihm ein Bier.

Neben ihm sein Handy.

Auf dem Handy ein Chart.

Der Chart ist rot.

Olaf lächelt.

„Das ist gut.“

„Warum?“

„Nachkaufchance.“

Am nächsten Tag ist der Chart grün.

Olaf lächelt wieder.

„Das ist gut.“

„Warum?“

„Bestätigung.“

Am dritten Tag ist er wieder rot.

Olaf:

„Gesunder Rücksetzer.“

Am vierten Tag:

„Manipulation.“

Am fünften:

„Institutionelle Akkumulation.“

Am sechsten:

„Ich hab's euch doch gesagt.“

Rüdiger schaut ihn an.

„Was eigentlich?“

Olaf überlegt.

„Na, dass es so kommt.“

Olaf hat im Laufe der Jahre alles ausprobiert.

Halten.

Verkaufen.

Nachkaufen.

Umschichten.

Gewinne mitnehmen.

Verluste realisieren.

Verluste nicht realisieren.

„Ich hab irgendwann aufgehört, Verluste zu realisieren.“

„Warum?“

„Dann sind es keine Verluste.“

Rüdiger schaut ihn an.

„Was sind sie dann?“

Olaf nimmt einen Schluck.

„Potenzial.“

Das ist Olaf.

Er kann aus fast allem Potenzial machen.

Nur kein Geld.

Einmal hat Olaf tatsächlich einen guten Trade gemacht.

Er erzählt noch heute davon.

„Da hab ich 4.700 Euro gemacht.“

„Echt?“

„Ja.“

„Und was hast du damit gemacht?“

Olaf wird etwas leiser.

„Wieder investiert.“

„Und?“

„Dann ist der Markt gedreht.“

„Wie viel war übrig?“

Olaf schaut auf sein Bier.

„Das ist jetzt nicht der Punkt.“

Natürlich ist es der Punkt.

Aber Olaf hat andere Punkte.

Seine Freunde versuchen manchmal, ihm zu helfen.

„Olaf, warum arbeitest du nicht einfach ein bisschen?“

„Ich arbeite doch.“

„Was machst du?“

„Marktanalyse.“

„Seit wann?“

„2018.“

„Und was hast du damit verdient?“

Olaf überlegt.

„Erfahrung.“

„Kann man davon leben?“

„Noch nicht.“

Dieses noch begleitet Olaf inzwischen länger als manche Ehen.

Neulich kommt einer in die Kneipe und sagt:

„Olaf, ich hab gehört, du brauchst Geld.“

Olaf winkt ab.

„Nur vorübergehend.“

„Wie viel?“

„2.000.“

„Wofür?“

„Liquidität.“

„Du hast doch Bitcoin.“

„Ja.“

„Dann verkauf.“

Olaf schaut ihn entsetzt an.

„Jetzt?“

„Ja.“

„Bei dem Kurs?“

„Du brauchst doch Geld.“

„Genau deshalb kann ich jetzt nicht verkaufen.“

Das ist schwer zu erklären.

Olaf versucht es trotzdem.

Eine halbe Stunde.

Danach weiß niemand mehr, was die Frage war.

Manchmal bekommt Olaf Geld von Freunden.

„Hier, nimm. Aber diesmal mach keinen Blödsinn damit.“

Olaf ist gerührt.

„Natürlich nicht.“

Zwei Wochen später:

„Wo ist das Geld?“

„Im Markt.“

„Welcher Markt?“

„Krypto.“

„Und wo ist es jetzt?“

„Im Prinzip noch da.“

„Olaf.“

„Also theoretisch.“

Das Schöne an Olaf ist allerdings:

Er ist kein Betrüger.

Er ist wirklich überzeugt.

Er glaubt fest daran.

Wenn Bitcoin morgen auf null fällt, wird Olaf wahrscheinlich drei Tage schlecht schlafen und am vierten sagen:

„Jetzt ist wenigstens der Boden drin.“

Wenn Bitcoin auf eine Million steigt, sagt er:

„Ich hab's immer gewusst.“

Und wenn jemand fragt, warum er trotz jahrelanger Trades eigentlich noch immer keinen nennenswerten Gewinn hat, sagt Olaf:

„Weil ich zu früh angefangen habe.“

Das ist eine erstaunliche Erklärung.

Aber sie gefällt ihm.

Neulich sitzt Olaf wieder an seinem Stammplatz.

Rüdiger: „Und?“

„Was?“

„Bitcoin.“

Olaf schaut aufs Handy.

„Steigt.“

„Und du?“

Olaf lächelt.

„Ich bin dabei.“

„Seit Jahren.“

„Eben.“

Kurze Pause.

„Und wenn du irgendwann kein Geld mehr hast?“

Olaf nimmt einen Schluck Bier.

„Dann muss ich halt ein bisschen Bitcoin verkaufen.“

Rüdiger nickt.

„Aha.“

Olaf schaut wieder auf den Chart.

„Aber nur ganz wenig.“

„Warum?“

Olaf lächelt zufrieden.

„Damit ich weiter dabei bin.“

Und da sitzt er nun.

Olaf, Bitcoin-König von Pattaya.

Ohne Rente.

Ohne nennenswertes Vermögen außerhalb von Bitcoin.

Mit Zuschüssen aus Deutschland, einem Handy voller Charts und einer erstaunlichen Anzahl Menschen, die ihm irgendwann einmal Geld gegeben haben und sich bis heute fragen, in welchem Loch es eigentlich verschwunden ist.

Olaf weiß es.

Ganz genau.

Es ist nicht weg.

Es arbeitet.

Nur leider nicht für ihn.


@OnkelToto : viel Spass beim Lesen.

Ich freue mich auf ein Bier mit Dir wenn ich wieder gesund bin.

Ich lade Dich ein, zahle aber dann doch mit unserem wunderbaren echten Geld.

Bis dann. Ich werde mich erholen. Besser als Bitcoin.
 

MGiebel

Gibt sich Mühe
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27 Januar 2024
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Teil 6: Pattaya-Naturkunde: Olaf, der Bitcoin-König


Alles frei erfunden. Auch Olaf. Falls sich jemand wiedererkennt: Bitte nicht böse sein. Olaf meint es ja auch nicht böse...

Olaf ist Ende 50 und lebt in Pattaya.

Rente bekommt er noch nicht.

Arbeiten möchte er auch nicht unbedingt.

„Wozu?“

Olaf hat nämlich Bitcoin.

Jedenfalls hatte er mal welchen.

Dann wieder mehr.

Dann weniger.

Dann andere.

Dann wieder dieselben.

Olaf handelt.

Seit Jahren. Mit mäßigem Erfolg.

Genauer gesagt: mit keinem. Aber das sagt Olaf natürlich nicht.

„Ich hab dieses Jahr schon zweimal richtig gut verdient.“

„Wie viel?“

„Beim ersten Mal 1.800 Euro.“

„Und beim zweiten?“

„Da hab ich 2.100 verloren.“

„Dann hast du doch 300 Minus.“

Olaf lächelt.

„Ja, aber das sind zwei verschiedene Sachen.“

Natürlich.

Olaf sieht aus, als hätte Pattaya ihn irgendwann adoptiert.

Kurze Hose, ausgewaschenes Chang-Shirt, Badelatschen, Sonnenbrille auf dem Kopf und eine kleine Bauchtasche, in der sich sein gesamtes Finanzsystem befindet.

Handy.

Powerbank.

Zwei Ladekabel.

Ein Zettel mit irgendwelchen Zahlen.

Und ein USB-Stick.

„Was ist da drauf?“

„Mein Vermögen.“

„Und wenn der kaputtgeht?“

„Ist gesichert.“

„Wo?“

Olaf zeigt auf einen zweiten USB-Stick.

Der liegt im Hotelzimmer.

„Und der?“

„Backup.“

„Und das Backup?“

Olaf wird kurz still.

„Das ist im Kopf.“

Das beruhigt niemanden.

Olaf schon.

Sein gesamtes Vermögen steckt in Bitcoin.

„Alles?“

„Alles.“

„Warum?“

„Weil ich an das System glaube.“

„Und wovon lebst du?“

Olaf winkt ab.

„Ich hab meine Zuschüsse.“

Damit meint er Geld aus Deutschland.

Nicht besonders viel.

Aber regelmäßig genug, dass Olaf es für eine Übergangslösung hält.

„Bis Bitcoin richtig läuft.“

Bitcoin läuft.

Nur Olaf nicht.

In der Stammkneipe sitzt er fast jeden Abend.

Vor ihm ein Bier.

Neben ihm sein Handy.

Auf dem Handy ein Chart.

Der Chart ist rot.

Olaf lächelt.

„Das ist gut.“

„Warum?“

„Nachkaufchance.“

Am nächsten Tag ist der Chart grün.

Olaf lächelt wieder.

„Das ist gut.“

„Warum?“

„Bestätigung.“

Am dritten Tag ist er wieder rot.

Olaf:

„Gesunder Rücksetzer.“

Am vierten Tag:

„Manipulation.“

Am fünften:

„Institutionelle Akkumulation.“

Am sechsten:

„Ich hab's euch doch gesagt.“

Rüdiger schaut ihn an.

„Was eigentlich?“

Olaf überlegt.

„Na, dass es so kommt.“

Olaf hat im Laufe der Jahre alles ausprobiert.

Halten.

Verkaufen.

Nachkaufen.

Umschichten.

Gewinne mitnehmen.

Verluste realisieren.

Verluste nicht realisieren.

„Ich hab irgendwann aufgehört, Verluste zu realisieren.“

„Warum?“

„Dann sind es keine Verluste.“

Rüdiger schaut ihn an.

„Was sind sie dann?“

Olaf nimmt einen Schluck.

„Potenzial.“

Das ist Olaf.

Er kann aus fast allem Potenzial machen.

Nur kein Geld.

Einmal hat Olaf tatsächlich einen guten Trade gemacht.

Er erzählt noch heute davon.

„Da hab ich 4.700 Euro gemacht.“

„Echt?“

„Ja.“

„Und was hast du damit gemacht?“

Olaf wird etwas leiser.

„Wieder investiert.“

„Und?“

„Dann ist der Markt gedreht.“

„Wie viel war übrig?“

Olaf schaut auf sein Bier.

„Das ist jetzt nicht der Punkt.“

Natürlich ist es der Punkt.

Aber Olaf hat andere Punkte.

Seine Freunde versuchen manchmal, ihm zu helfen.

„Olaf, warum arbeitest du nicht einfach ein bisschen?“

„Ich arbeite doch.“

„Was machst du?“

„Marktanalyse.“

„Seit wann?“

„2018.“

„Und was hast du damit verdient?“

Olaf überlegt.

„Erfahrung.“

„Kann man davon leben?“

„Noch nicht.“

Dieses noch begleitet Olaf inzwischen länger als manche Ehen.

Neulich kommt einer in die Kneipe und sagt:

„Olaf, ich hab gehört, du brauchst Geld.“

Olaf winkt ab.

„Nur vorübergehend.“

„Wie viel?“

„2.000.“

„Wofür?“

„Liquidität.“

„Du hast doch Bitcoin.“

„Ja.“

„Dann verkauf.“

Olaf schaut ihn entsetzt an.

„Jetzt?“

„Ja.“

„Bei dem Kurs?“

„Du brauchst doch Geld.“

„Genau deshalb kann ich jetzt nicht verkaufen.“

Das ist schwer zu erklären.

Olaf versucht es trotzdem.

Eine halbe Stunde.

Danach weiß niemand mehr, was die Frage war.

Manchmal bekommt Olaf Geld von Freunden.

„Hier, nimm. Aber diesmal mach keinen Blödsinn damit.“

Olaf ist gerührt.

„Natürlich nicht.“

Zwei Wochen später:

„Wo ist das Geld?“

„Im Markt.“

„Welcher Markt?“

„Krypto.“

„Und wo ist es jetzt?“

„Im Prinzip noch da.“

„Olaf.“

„Also theoretisch.“

Das Schöne an Olaf ist allerdings:

Er ist kein Betrüger.

Er ist wirklich überzeugt.

Er glaubt fest daran.

Wenn Bitcoin morgen auf null fällt, wird Olaf wahrscheinlich drei Tage schlecht schlafen und am vierten sagen:

„Jetzt ist wenigstens der Boden drin.“

Wenn Bitcoin auf eine Million steigt, sagt er:

„Ich hab's immer gewusst.“

Und wenn jemand fragt, warum er trotz jahrelanger Trades eigentlich noch immer keinen nennenswerten Gewinn hat, sagt Olaf:

„Weil ich zu früh angefangen habe.“

Das ist eine erstaunliche Erklärung.

Aber sie gefällt ihm.

Neulich sitzt Olaf wieder an seinem Stammplatz.

Rüdiger: „Und?“

„Was?“

„Bitcoin.“

Olaf schaut aufs Handy.

„Steigt.“

„Und du?“

Olaf lächelt.

„Ich bin dabei.“

„Seit Jahren.“

„Eben.“

Kurze Pause.

„Und wenn du irgendwann kein Geld mehr hast?“

Olaf nimmt einen Schluck Bier.

„Dann muss ich halt ein bisschen Bitcoin verkaufen.“

Rüdiger nickt.

„Aha.“

Olaf schaut wieder auf den Chart.

„Aber nur ganz wenig.“

„Warum?“

Olaf lächelt zufrieden.

„Damit ich weiter dabei bin.“

Und da sitzt er nun.

Olaf, Bitcoin-König von Pattaya.

Ohne Rente.

Ohne nennenswertes Vermögen außerhalb von Bitcoin.

Mit Zuschüssen aus Deutschland, einem Handy voller Charts und einer erstaunlichen Anzahl Menschen, die ihm irgendwann einmal Geld gegeben haben und sich bis heute fragen, in welchem Loch es eigentlich verschwunden ist.

Olaf weiß es.

Ganz genau.

Es ist nicht weg.

Es arbeitet.

Nur leider nicht für ihn.


@OnkelToto : viel Spass beim Lesen.

Ich freue mich auf ein Bier mit Dir wenn ich wieder gesund bin.

Ich lade Dich ein, zahle aber dann doch mit unserem wunderbaren echten Geld.

Bis dann. Ich werde mich erholen. Besser als Bitcoin.
Wenigstens bei Bitcoin kann ich dir 100% zustimmen.

Für alle anderen hat sich eine neue Chance ergeben wieder dabei zu sein 555
 
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Klimbim

Hat nix anderes zu tun
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Wenigstens bei Bitcoin kann ich dir 100% zustimmen.

Für alle anderen hat sich eine neue Chance ergeben wieder dabei zu sein 555


Na bitte, na bitte...


Wobei meine liebe Dachlatte:

Das ist Satire. Ich persönlich, also rein persönlich halte nichts von Schneeballsystemen, bei denen sich in einem Steckerzug ein gesamtes Vermögen in nichts auflösen könnte...

"Zzzzzt" und weg.

Aber ich respektiere unsere Bitcoinjünger irgendwie. Sie gehören für mich als anerkannte bunte lustige Spezies dazu, mit dazu zum Zoo in Pattaya.
 

Klimbim

Hat nix anderes zu tun
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Teil 7: Pattaya-Naturkunde: Der Pattaya-Experte

Alles frei erfunden. Namen und Figuren ebenfalls. Wer sich trotzdem wiedererkennt, hat vermutlich einfach zu viel Fantasie.

Es gibt in Pattaya eine ganz besondere Spezies.

Den Pattaya-Experten.

Nicht den, der wirklich schon lange hier lebt und tatsächlich weiß, wie der Laden funktioniert. Das wäre ja fast langweilig.

Ich meine den anderen.

Der ist meistens noch nicht so lange da, aber dafür weiß er schon erstaunlich viel.

Sechs Monate reichen völlig.

Neun sind eigentlich schon fast Berufserfahrung.

Und wenn er ein Jahr voll hat, kann man ihn kaum noch zurückhalten.

Dann erklärt er Pattaya.

Man erkennt ihn übrigens nicht nur an dem, was er sagt.

Man erkennt ihn schon von weitem.

Er sitzt da wie ein exotischer Vogel, der versehentlich aus einem ornithologischen Fachbuch für Südostasien gefallen ist.

Vor allem wegen seines Hemdes.

Dieses Hemd.

Es ist ein Hawaii-Hemd von einer Qualität, bei der man nicht mehr sicher ist, ob es als Kleidungsstück oder als Warnsignal gedacht war.

Grundfarbe: schwer zu bestimmen.

Irgendwo zwischen Türkis, Lila und dem Blau einer Swimmingpoolbeleuchtung um halb drei nachts.

Darauf Palmen.

Aber nicht einfach Palmen.

Palmen mit Sonnenuntergang.

Dazwischen Hibiskusblüten in Rot, Gelb und einem Rosa, das vermutlich in der Natur gar nicht vorkommt.

Dann kleine Ananas.

Ein paar Flamingos.

Zwei Papageien.

Eine Cocktailkarte.

Und irgendwo zwischen den Mustern, völlig ohne erkennbaren Grund, ein Segelboot.

Das Hemd hat so viele Farben, dass man beim längeren Hinsehen den Eindruck bekommt, es bewegt sich.

Er liebt dieses Hemd.

Man sieht es ihm an.

Er trägt es nicht.

Er präsentiert es.

Wenn jemand sagt:

„Schönes Hemd.“

Dann kommt sofort:

„Ja, das hab ich in Bangkok gefunden.“

Als wäre es ein seltener Fund aus einer archäologischen Ausgrabung.

Er erzählt auch gern, dass es ein echtes Original sei.

„Nicht so ein billiges Ding.“

Natürlich nicht.

Das Hemd hat schließlich fast 700 Baht gekostet.

Das darf man nicht vergessen.

Darunter sitzt der Experte.

Die Sonne steht über Pattaya und erledigt ihren Teil der Arbeit.

Seine Glatze glänzt bereits so kräftig, dass sich darin theoretisch ein kleines Verkehrssignal spiegeln könnte.

Um die Glatze herum zieht sich ein schmaler Haarkranz.

Nicht mehr ganz geschlossen.

Eher eine Art botanischer Versuch.

Vorne sehr übersichtlich, hinten noch ein bisschen Hoffnung.

Die einzelnen Haare stehen in unterschiedliche Richtungen, als hätten sie sich irgendwann intern geeinigt, künftig jeweils ihr eigenes Leben zu führen.

Er lässt sie.

Er ist ein toleranter Mann.

Auf der Nase sitzt eine große Sonnenbrille.

Schwarz.

Spiegelnd.

So eine, durch die man niemals genau weiß, ob er einen anschaut oder gerade versucht, hinter einem die nächste Informationsquelle zu entdecken.

Er sitzt da.

Lehnt sich zurück.

Hemd offen bis ungefähr zum dritten Knopf.

Sonnenbrille auf.

Glatze glänzt.

Und er sammelt Erfahrung.

Das ist wichtig.

Er sammelt Erfahrung.

Manchmal besteht diese Erfahrung darin, 45 Minuten lang anderen zuzuhören.

Manchmal darin, einen Facebook-Beitrag zu lesen.

Und manchmal darin, herauszufinden, ob das Bier heute 70 oder 80 Baht kostet.

Alles zählt.

„Also ich erklär euch das mal.“

Natürlich.

Der Vogel breitet die Flügel aus.

Na gut.

Nicht wirklich.

Aber das Hemd macht es fast von selbst.

Man erkennt ihn ziemlich schnell.

Er sitzt irgendwo in einer Bar, hat das Handy vor sich liegen und schaut darauf, als würde er gerade die thailändische Verfassung neu schreiben.

„Also ich erklär euch das mal.“

Dann lehnt man sich besser zurück.

Das kann dauern.


Natürlich hat er auch einen YouTube-Kanal.

„Wie heißt dein Kanal?“

„Pattaya Insider.“

„Wie viele Abonnenten?“

„Im Moment 87.“

„Ah.“

„Aber die Zahl sagt nichts aus.“

Das stimmt. Vor allem bei 87.

Seine Videos beginnen meistens mit:

„So Leute, heute mal ein ganz wichtiges Thema.“

Dann sieht man erst einmal Pattaya.

Palmen.

Straße.

Roller.

Eine Bar.

Irgendwo läuft ein Hund durchs Bild.

Dann kommt er selbst.

„Also, ich bin jetzt schon einige Zeit hier.“

Einige Zeit heißt sechs Monate.

Danach erklärt er, warum Pattaya früher ganz anders war.

Das ist immer wieder interessant, weil er früher gar nicht hier war.

Aber vermutlich hat er davon gehört.

Im Forum gibt es diese Sorte natürlich ebenfalls reichlich.

Das Schöne daran ist, dass man dort nicht einmal irgendwo hingehen muss.

Man setzt sich einfach hin, liest ein bisschen und wartet.

Irgendwann kommt er.

„Also ich lebe jetzt seit acht Monaten in Thailand und kann euch dazu mal was sagen.“

Das ist ungefähr der Moment, in dem die alten Hasen ihr Bier abstellen.

Nicht weil sie gespannt sind.

Eher aus Sicherheitsgründen.

Der Pattaya-Experte hat natürlich Quellen.

„Woher hast du das?“

„Telegram.“

„Von wem?“

„Von einem Bekannten.“

„Was macht der?“

„Der kennt jemanden bei Immigration.“

„Ach so.“

„Und dessen Schwager arbeitet bei der Polizei.“

„In Pattaya?“

„Weiß ich nicht.“

Aber die Information ist zuverlässig.

Sie wurde schließlich schon fünfmal weitergeleitet.

Überhaupt weiß der Experte ziemlich genau, wie die Thais ticken.

„Die Thais sind da ganz anders.“

Rüdiger fragt:

„Welche Thais?“

„Na, die Thais.“

„Alle?“

„Im Prinzip.“

Damit ist die Sache eigentlich geklärt.

70 Millionen Menschen, einmal sauber zusammengefasst.

Das spart Zeit.

Nach ungefähr acht Monaten kommt der Satz:

„Man muss Thailand verstehen.“

Das ist meistens ein Warnsignal.

„Seit wann verstehst du Thailand?“

„Das kommt mit der Zeit.“

„Wie viel Zeit?“

„Bei mir ging das ziemlich schnell.“

Natürlich.

Andere brauchen Jahrzehnte.

Er hat offenbar eine Abkürzung gefunden.

Besonders interessant wird es beim Thema Frauen.

Da weiß er plötzlich wirklich alles.

„Ich weiß inzwischen genau, worauf die hier aus sind.“

Rüdiger schaut ihn an.

„Worauf?“

„Geld.“

„Aha.“

„Und Sicherheit.“

„Auch.“

„Und Status.“

Rüdiger nickt.

„Klingt jetzt nicht völlig exotisch.“

Der Experte schaut ihn etwas enttäuscht an.

„Du musst die Mentalität verstehen.“

Da ist sie wieder.

Die Mentalität.

Mit ihr kann man wirklich jede Diskussion beenden.

Natürlich hat er auch eine Freundin.

Seit drei Wochen.

„Sie ist anders.“

„Was ist anders?“

„Die will überhaupt nichts von mir.“

„Das ist doch schön.“

„Ja.“

„Was macht sie denn?“

„Sie hat gefragt, ob ich ihr beim Handy helfen kann.“

„Okay.“

„Und ob ich ihr 8.000 Baht leihen kann.“

Rüdiger trinkt sein Bier aus.

„Dann scheint sie wirklich anders zu sein.“

Der Experte nickt zufrieden.

„Siehst du.“

Sein Kanal wächst derweil.

87 Abonnenten.

Dann 93.

Großer Tag.

„Ich glaube, ich habe da einen Nerv getroffen.“

„Welchen?“

„Pattaya.“

„Pattaya ist kein Nerv.“

„Du denkst zu klein.“

Das ist ein Satz, den der Experte gern sagt.

Er denkt grundsätzlich größer.

Nur seine Wohnung nicht.

Die ist 18 Quadratmeter groß und liegt über einer Wäscherei.

(Meine übrigens auch, obschon etwas grösser. Ist eigentlich praktisch. Ich bügel ungerne)

Trotzdem macht er natürlich Videos über die besten Gegenden zum Wohnen.

„Ich würde euch empfehlen, etwas außerhalb zu wohnen.“

„Warum?“

„Mehr Ruhe.“

„Wo wohnst du?“

„Jomtien.“

„Das ist doch nicht gerade außerhalb.“

„Kommt drauf an.“

„Worauf?“

„Wie man es sieht.“

Das ist eine weitere Stärke des Experten.

Wenn eine Antwort fehlt, hat er eine Perspektive.

Am lustigsten wird es, wenn ein alter Pattaya-Hase etwas erzählt.

Einer, der seit zehn, fünfzehn Jahren hier lebt.

Der kennt die Gegend, die Behörden, die üblichen Geschichten und meistens auch seine eigenen Fehler.

Der Experte hört ihm fünf Minuten zu.

Dann:

„Also da muss ich dir widersprechen.“

Das ist der Moment, in dem am Tisch Ruhe einkehrt.

Man weiß jetzt:

Es kommt Internetwissen.

„Ich hab da ein Video gesehen.“

Der alte Hase nickt. Ich denke indes an Kistenheiner. Egal.

Der Veteran: „Natürlich.“

„Von einem Deutschen, der seit 20 Jahren hier lebt.“

„Aha.“

„Der sagt genau das Gegenteil.“

„Dann wird er wahrscheinlich recht haben.“

Der Experte überlegt.

„Nein.“

„Warum?“

„Der ist wahrscheinlich schon zu lange hier.“

Da kann man eigentlich nichts mehr hinzufügen.

Natürlich hat er inzwischen auch einen Newsletter.

Pattaya Insider Weekly.

Sonntags.

Darin stehen irgendwelche Nachrichten, die er aus Facebook hat, ein Foto vom Frühstück und eine Warnung vor einem neuen Betrug.

Zum Schluss:

„Wenn euch meine Arbeit gefällt, lasst gern ein Like da.“

Es ist keine richtige Arbeit.

Aber irgendwo muss man anfangen.

Und fairerweise muss man sagen:

Der Mann meint es nicht böse.

Das unterscheidet ihn von manchen anderen.

Er möchte wirklich helfen.

Er möchte nur verhindern, dass andere dieselben Fehler machen wie er.

Das Problem ist lediglich, dass er die Fehler noch nicht ganz fertig gemacht hat.

Er arbeitet daran.

Neulich fragt ihn einer:

„Du weißt doch immer alles.“

„Ja.“

„Wie läuft das eigentlich mit der Visa-Verlängerung?“

Der Experte wird ernst.

„Also.“

Er nimmt sein Handy.

Öffnet Telegram.

Scrollt.

„Moment.“

Scrollt weiter.

„Das ist jetzt ein bisschen kompliziert.“

„Du hast doch gerade gesagt, du weißt es.“

„Grundsätzlich weiß ich es.“

„Und konkret?“

„Konkret müsste ich noch mal nachschauen.“

Rüdiger grinst.

„Mach ein Video.“

Der Experte schaut ihn an.

„Das ist gar nicht schlecht.“

Am nächsten Morgen steht auf YouTube:


VISA 2026: DAS MÜSST IHR JETZT WISSEN!


27 Minuten.

Nach 23 Minuten weiß man ungefähr so viel wie vorher.

Aber inzwischen gibt es 106 Abonnenten.

Und das ist ja auch schon mal was.

Pattaya ist voller Experten.

Manche wissen tatsächlich eine Menge.

Andere wissen vor allem, dass sie eine Menge wissen.

Und dann gibt es noch die, die im Forum sitzen und den anderen erklären, wie Pattaya funktioniert, obwohl sie selbst erst seit acht Monaten hier sind.

Falls sich beim Lesen jetzt jemand ganz kurz ertappt gefühlt hat:

Keine Sorge.

Das war bestimmt jemand anderes.

Der schreibt nämlich auch gerade einen Beitrag darüber, warum die Leute hier alle keine Ahnung haben.

Und irgendwo sitzt unser Mann immer noch in seinem Hawaii-Hemd.

Die Sonne steht inzwischen etwas tiefer.

Die Glatze glänzt immer noch.

Die Sonnenbrille sitzt unverändert auf der Nase.

Er schaut auf sein Handy.

Er hat gerade einen neuen Beitrag gelesen.

„Interessant“, sagt er.

„Da hab ich wieder was gelernt.“

Kurze Pause.

„Das muss ich den anderen unbedingt erklären.“
 

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