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Anhang : FOMO - Die Illusion des endlosen Anfangs
*FOMO ist die englische Abkürzung für „Fear of Missing Out“ und bedeutet auf Deutsch so viel wie die Angst, etwas zu verpassen. Der Begriff beschreibt das psychologische Gefühl, dass andere gerade eine tolle Zeit haben, spannende Dinge erleben oder informiert sind, während man selbst nicht dabei ist oder etwas versäumt.
Kanzler Stocker und die Care-Arbeit: Ein Kind ist kein Business-Case
Bundeskanzler Christian Stocker hat gesagt, was in Österreich kaum noch jemand zu sagen wagte: Kinderbetreuung ist keine Arbeit im Sinne eines Jobs. Eine Familie ist kein Business-Case. Wer sie so betrachtet, hat ein anderes Familienbild als er.
Der Ehemann als Konkurrent
Das Kind eine Doppelbelastung
Die Empörung war sofort da. Man warf ihm vor, die Lebensrealität von Müttern zu ignorieren, die Hauptlast unbezahlter Care-Arbeit kleinzureden und Frauen zu verhöhnen. Doch die Empörung selbst verrät das eigentliche Problem. Sie entspringt einem Denken, das Kinder bereits als Belastung voraussetzt, als etwas, das anerkannt und ausgeglichen werden muss.
Genau dieses Denken ist der Irrtum.
Ein Kind ist keine Belastung.
Es ist kein Karrierehindernis und kein zusätzlicher Posten auf der persönlichen Leistungsbilanz.
Ein Kind ist Teil des Lebens. Wer das nicht mehr sagen darf, ohne sich sofort zu relativieren, hat bereits kapituliert.
Familie ist keine zweite Karriere. Sie lässt sich nicht in Stunden oder Produktivität aufrechnen. Wer Zeit vor allem als Ressource versteht, die möglichst effizient eingesetzt werden soll, wird ein Kind zwangsläufig als Einschränkung empfinden.
Doch das ist ein Denkfehler mit schweren Folgen.
Wegwerfgesellschaft der Beziehungen
Familie kostet Zeit, Kraft und Freiheit. Das ist kein Systemfehler es ist das Leben selbst.
Wir haben uns angewöhnt, Arbeit zum Maßstab des Menschseins zu machen. Arbeit schafft Wohlstand und kann Sinn stiften.
Aber sie ist ein Mittel zum Zweck. Wir arbeiten, um leben zu können, nicht umgekehrt.
Sobald Arbeit zum Selbstzweck wird, beginnt die Verkehrung: Das Leben wird danach beurteilt, wie gut es sich im ökonomischen Wettbewerb schlägt. Dann wird auch die Familie zur Kostenstelle. Dann erscheint jedes Kind als Verzicht auf die nächste bessere Version seiner selbst.
Diese Haltung frisst Beziehungen. Wer in allen Bereichen nach maximaler Rendite und ständiger Optimierung sucht, lernt, auch Menschen preiszugeben, sobald sie anstrengend werden. Aus der Konsumgesellschaft wird so eine Wegwerfgesellschaft der Beziehungen.
FOMO : Neue Partner, neue Jobs, neue Identitäten – alles bleibt möglich, nichts wird endgültig.
Das klingt nach Freiheit. In Wahrheit ist es die Angst, etwas zu verpassen, die jedes echte Ankommen verhindert.
Die Folgen sind sichtbar. Familien werden kleiner, soziale Netze brüchiger und die Einsamkeit wächst.
Soziale Ressourcen
Österreich verzeichnete 2025 nur noch rund 76.000 Geburten – den niedrigsten Stand seit 2001.
Die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau sank auf 1,29. Wer darauf nur mit finanziellen Anreizen antwortet, behandelt Symptome.
Die eigentliche Frage lautet: Welchen Stellenwert hat Familie in unserer Vorstellung vom gelungenen Leben noch? Wenn Elternschaft vor allem als Verlust an Freiheit und beruflichem Fortkommen erscheint, darf man sich nicht wundern, dass immer mehr Menschen davor zurückschrecken.
Soziale Ressourcen sind nicht unendlich. Genau wie Wälder und Böden lassen sie sich auslaugen. Vertrauen, Erziehung und Fürsorge entstehen nicht von selbst. Wenn jeder nur seinen individuellen Vorteil maximiert, zerstören wir das Fundament, von dem wir alle leben. Ein Kind interessiert sich nicht dafür, ob seine Eltern gerade die beste Version ihrer selbst sind. Es braucht sie.
Das ist unbequem, aber es ist zutiefst menschlich.
Laut einer IFES-Erhebung halten 94 Prozent ihre nahen Angehörigen für zentral in ihrem Leben. Die Mehrheit spürt also noch, was zählt. Doch politisch und kulturell behandeln wir Familie oft so, als sei sie ein Problem, das gelöst werden muss.
Der eigentliche Mut bestünde darin, den Blick zu wenden. Nicht nachzujustieren, wie man die Belastung Kind erträglicher macht. Sondern klar zu sagen:
Ein Kind ist kein Business-Case und keine Belastung. Es ist ein Glück und eine Verantwortung, die das Leben größer macht, nicht kleiner. Es ist das Leben.
Eine Gesellschaft, die langfristig bestehen will, muss wieder den Mut haben, bestimmte Dinge für unverrechenbar zu erklären. Familie gehört dazu. Alles andere ist bereits der Anfang vom Ende.
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