Teil 13: kurzer Erfahrungsbericht aus der Rubrik „Klimaanlagen-Archäologie in Südostasien“.
Meine Klimaanlage wurde bereits zweimal „gereinigt“.
Das Ergebnis dieser beiden Reinigungen war ungefähr so überzeugend wie ein TÜV-Siegel für einen U-Boot-Fahrradanhänger.
Beide Techniker erklärten mir außerdem, mit der Gelassenheit eines Pathologen nach der Obduktion, dass die Anlage leider komplett kaputt sei und man sie ersetzen müsse.
Dann kam Techniker Nummer drei.
Er öffnete das Gerät.
Was dann herauskam, sah aus, als hätte dort seit 2014 eine kleine tropische Zivilisation gewohnt. Mit Landwirtschaft, Viehzucht und vermutlich einer funktionierenden Gemeindeverwaltung.
Im Hintergrund steht meine Haushälterin.
Sie sagt nichts.
Sie lächelt nur sehr leicht.
*Klar. Und ich darf gleich wieder alles sauber machen.*
Daraufhin entwickelt sich folgende Unterhaltung.
Technician:
Hello sir. I check aircon already.
Me:
Splendid. And? Is it gravely ill or merely pretending?
Technician:
Aircon not sick, sir. Just… very dirty. And no gas.
Kommentar:
Der Mann sagt das so ruhig, als würde er feststellen, dass die Titanic möglicherweise ein kleines Wasserproblem hatte.
Meine Haushälterin schaut kurz ins Gerät, hebt eine Augenbraue.
*„Sehr dirty“ ist eine interessante diplomatische Umschreibung für das, was ich da sehe.*
Me:
That is interesting. Two previous technicians informed me the machine was essentially dead.
Technician:
Maybe they not check inside.
Me:
Ah. A purely philosophical inspection.
Technician:
Yes sir.
Meine Haushälterin lächelt wieder.
*Ja. Reinigung durch freundliches Anschauen. Neue Methode.*
Kommentar:
Der Techniker holt jetzt seine Geräte heraus.
Eine Mischung aus Hochdruckreiniger, Kompressor, Blasgerät und etwas, das klingt, als würde man damit normalerweise ein Flugzeugtriebwerk starten.
Kurz darauf klingt das Schlafzimmer wie ein kleiner Flughafen.
Meine Haushälterin tritt vorsichtshalber einen halben Schritt zurück.
*Sehr gut. Wenn der Mann so weitermacht, brauche ich gleich auch noch einen Industriestaubsauger.*
Technician:
Coil very dirty. Like jungle.
Me:
That would explain the occasional wildlife atmosphere.
Technician:
Also no gas.
Me:
So the machine was not dead. Merely… dirty and slightly out of breath.
Meine Haushälterin nickt leicht.
*Und zwei Techniker vorher haben dafür Geld bekommen.
Kommentar:
Jetzt beginnt der Mann mit seinen Maschinen zu arbeiten.
Aus der Klimaanlage kommt Schmutz heraus, der aussieht, als hätte man dort jahrelang versucht, Kompost zu züchten.
Ich sehe meine Haushälterin kurz zur Decke schauen.
*Gut. Gleich wische ich also wieder Wände, Boden und wahrscheinlich auch mich selbst.*
Me:
Very well. Let us attempt something radical.
You repair the machine. If it actually works afterwards, I shall happily pay you.
Technician:
OK sir.
Meine Haushälterin lächelt erneut.
*Sehr mutiges Experiment.*
Kommentar:
Etwa eine Stunde später sieht das Gerät plötzlich aus, als hätte es eine Kur in den Bergen in Nordthailand gemacht.
Meine Haushälterin betrachtet den Boden.
*Die Berge bei Chiang Rai sind schön. Aber da musste danach auch jemand putzen.*
Technician:
Sir, finished already.
Me:
Already? That was suspiciously efficient.
Technician:
Please try.
Ich schalte die Anlage ein.
Innerhalb von dreißig Sekunden fällt die Raumtemperatur so schnell, dass ein norwegischer Fischhändler darin sofort Geschäftsfläche anmieten würde.
Meine Haushälterin hält kurz die Hand in den Luftstrom.
Sie nickt.
*Okay. Wenigstens funktioniert es jetzt.*
Technician:
Cold now?
Me:
Cold? My dear man, the room now resembles the frozen-food aisle of a Scandinavian supermarket.
Technician:
Yes sir. Everything normal now.
Me:
And the indoor waterfall?
Technician:
No more water drop.
Meine Haushälterin schaut zur Decke.
*Sehr gut. Weniger Wasser. Weniger Putzen.*
Kommentar:
Zur Erinnerung:
Die beiden vorherigen Techniker erklärten mir mit großer Ernsthaftigkeit, dass diese Maschine irreparabel sei und sofort ersetzt werden müsse.
Techniker Nummer drei hat sie gerade mit Maschinen, Druckluft und etwas Kältemittel wiederbelebt.
Meine Haushälterin steht daneben und lächelt wieder leicht.
*Also doch nicht kaputt. Nur sehr, sehr schmutzig.*
Me:
Remarkable. Two professionals previously declared the machine beyond salvation.
You, however, appear to have fixed it in under an hour.
Technician:
Just normal cleaning sir.
Me:
Yes. I suspect the previous cleaning was conducted telepathically.
Meine Haushälterin lacht leise.
*Ja. Reinigung per Fernenergie.*
Technician:
Cleaning six hundred baht. Gas six hundred baht.
Me:
Twelve hundred baht to resurrect a dead air conditioner.
Technician:
Yes sir.
Me:
This may be the most financially satisfying moment of my entire residence in Thailand.
Meine Haushälterin nickt.
*Und ich bekomme gleich den Mopp.*
Kommentar:
Ich bezahle.
Die Klimaanlage läuft seitdem so ruhig und kalt, dass man fast erwartet, dass gleich ein Schweizer Uhrmacher aus dem Gerät steigt und fragt, ob alles zu Ihrer Zufriedenheit ist.
Meine Haushälterin schaut sich den Raum an.
*Gut. Jetzt erst mal sauber machen.*
Me:
My friend, from today onward you are my official air-conditioning consultant.
Technician:
No problem sir.
Me:
Excellent. Because judging from recent experience, you appear to be the only man in Pattaya who has ever opened one.
Meine Haushälterin lächelt.
*Und ich bin offenbar die Einzige, die danach wieder aufräumt.*
Und so endete die Sache.
Die Klimaanlage läuft.
Sie tropft nicht.
Sie kühlt.
Und ich habe gelernt, dass man in Thailand offenbar drei Techniker braucht, um jemanden zu finden, der tatsächlich eine Klimaanlage reinigt.
Der erste kommt, um sie zu betrachten.
Der zweite kommt, um sie für tot zu erklären.
Der dritte kommt ...und bringt Werkzeug mit.
Und danach kommt meine Haushälterin.
Der Dritte Techniker ist mein persönlicher Held. Das Honorar war halb so hoch wie bei den anderen beiden Spassvögeln und er ersparte mir wohl sehr viel Folgekosten...
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