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Tagebuch eines Ruheständlers in Pattaya. Ich bereite es vor: in wenigen Monaten wird es starten

Klimbim

Hat nix anderes zu tun
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Thread Starter
24 November 2024
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Ich bin so ein Isaan Fetischist,auch wenn ich nicht den Wachstum des Reises mit dem cm Mass messe,dass macht man nur in Laos.

Im Isaan kann man trotzdem gut leben ,
wenn man Haus mit grossen Garten und liebe Familie hat und man ist weit weg vom Massentourismus,
den es hier im Paterya wohl gibt.

Mich wundert es eigentlich,
das jemand ,der so viel drauf hat wie du ,
nicht schönere Plätze in Thailand ,
wie zum Beispiel Ko Samui, Grabi, oder einer der anderen Inseln ausgesucht hat.
Muss hier aber noch lesen um eine Erklärung zu finden!


Ich bin ein Typ, der abwägt. Berufsbedingt. Dauerndes abwägen. Kho Samui, Phuket und Kho Samet als auch die Wasserfälle 3 h südöstlich von Pattaya kenne ich. Ich werde mir auch Deine Gegend ansehen. Absolut! Ich bin ein Entdecker. ABER: Ich wollte da nicht wohnen und doch... kann die "Isan Irren " komplett respektieren.

Ich hoffe doch sehr, dass mein Spott NIE abwertend hier rüber kommt, denn das mag ich überhaupt nicht.

Ich bin halt ein Spötter. Ich spotte aber auch über mich selber und wenn Du hier anfängst zu lesen, wirst Du es geniessen...


Alles Gute Dir im Isan!
 

AlfredSturm

Kennt noch nicht jeder
    Aktiv
20 Februar 2026
28
105
388
Sehr cool Berichte, am besten gefallen mir im Dialog style und vor allem der mit dem Klimaanalgentechniker. Viel Erfolg weiterhin!
 

DaBaWa

Gibt sich Mühe
   Autor
25 Januar 2025
452
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Teil 13: kurzer Erfahrungsbericht aus der Rubrik „Klimaanlagen-Archäologie in Südostasien“.


Meine Klimaanlage wurde bereits zweimal „gereinigt“.

Das Ergebnis dieser beiden Reinigungen war ungefähr so überzeugend wie ein TÜV-Siegel für einen U-Boot-Fahrradanhänger.

Beide Techniker erklärten mir außerdem, mit der Gelassenheit eines Pathologen nach der Obduktion, dass die Anlage leider komplett kaputt sei und man sie ersetzen müsse.

Dann kam Techniker Nummer drei. :elefant

Er öffnete das Gerät.

Was dann herauskam, sah aus, als hätte dort seit 2014 eine kleine tropische Zivilisation gewohnt. Mit Landwirtschaft, Viehzucht und vermutlich einer funktionierenden Gemeindeverwaltung.

Im Hintergrund steht meine Haushälterin.
Sie sagt nichts.
Sie lächelt nur sehr leicht.

*Klar. Und ich darf gleich wieder alles sauber machen.*

Daraufhin entwickelt sich folgende Unterhaltung.

Technician:
Hello sir. I check aircon already.

Me:
Splendid. And? Is it gravely ill or merely pretending?

Technician:
Aircon not sick, sir. Just… very dirty. And no gas.

Kommentar:

Der Mann sagt das so ruhig, als würde er feststellen, dass die Titanic möglicherweise ein kleines Wasserproblem hatte.

Meine Haushälterin schaut kurz ins Gerät, hebt eine Augenbraue.

*„Sehr dirty“ ist eine interessante diplomatische Umschreibung für das, was ich da sehe.*

Me:
That is interesting. Two previous technicians informed me the machine was essentially dead.

Technician:
Maybe they not check inside.

Me:
Ah. A purely philosophical inspection.

Technician:
Yes sir.

Meine Haushälterin lächelt wieder.

*Ja. Reinigung durch freundliches Anschauen. Neue Methode.*

Kommentar:
Der Techniker holt jetzt seine Geräte heraus.

Eine Mischung aus Hochdruckreiniger, Kompressor, Blasgerät und etwas, das klingt, als würde man damit normalerweise ein Flugzeugtriebwerk starten.

Kurz darauf klingt das Schlafzimmer wie ein kleiner Flughafen.

Meine Haushälterin tritt vorsichtshalber einen halben Schritt zurück.

*Sehr gut. Wenn der Mann so weitermacht, brauche ich gleich auch noch einen Industriestaubsauger.*

Technician:
Coil very dirty. Like jungle.

Me:
That would explain the occasional wildlife atmosphere.

Technician:
Also no gas.

Me:
So the machine was not dead. Merely… dirty and slightly out of breath.

Meine Haushälterin nickt leicht.

*Und zwei Techniker vorher haben dafür Geld bekommen.

Kommentar:
Jetzt beginnt der Mann mit seinen Maschinen zu arbeiten.

Aus der Klimaanlage kommt Schmutz heraus, der aussieht, als hätte man dort jahrelang versucht, Kompost zu züchten.

Ich sehe meine Haushälterin kurz zur Decke schauen.

*Gut. Gleich wische ich also wieder Wände, Boden und wahrscheinlich auch mich selbst.*

Me:
Very well. Let us attempt something radical.
You repair the machine. If it actually works afterwards, I shall happily pay you.

Technician:
OK sir.

Meine Haushälterin lächelt erneut.

*Sehr mutiges Experiment.*


Kommentar:
Etwa eine Stunde später sieht das Gerät plötzlich aus, als hätte es eine Kur in den Bergen in Nordthailand gemacht.

Meine Haushälterin betrachtet den Boden.

*Die Berge bei Chiang Rai sind schön. Aber da musste danach auch jemand putzen.*

Technician:
Sir, finished already.

Me:
Already? That was suspiciously efficient.

Technician:
Please try.

Ich schalte die Anlage ein.

Innerhalb von dreißig Sekunden fällt die Raumtemperatur so schnell, dass ein norwegischer Fischhändler darin sofort Geschäftsfläche anmieten würde.

Meine Haushälterin hält kurz die Hand in den Luftstrom.

Sie nickt.

*Okay. Wenigstens funktioniert es jetzt.*

Technician:
Cold now?

Me:
Cold? My dear man, the room now resembles the frozen-food aisle of a Scandinavian supermarket.

Technician:
Yes sir. Everything normal now.

Me:
And the indoor waterfall?

Technician:
No more water drop.

Meine Haushälterin schaut zur Decke.

*Sehr gut. Weniger Wasser. Weniger Putzen.*

Kommentar:

Zur Erinnerung:

Die beiden vorherigen Techniker erklärten mir mit großer Ernsthaftigkeit, dass diese Maschine irreparabel sei und sofort ersetzt werden müsse.

Techniker Nummer drei hat sie gerade mit Maschinen, Druckluft und etwas Kältemittel wiederbelebt.

Meine Haushälterin steht daneben und lächelt wieder leicht.

*Also doch nicht kaputt. Nur sehr, sehr schmutzig.*

Me:
Remarkable. Two professionals previously declared the machine beyond salvation.
You, however, appear to have fixed it in under an hour.

Technician:
Just normal cleaning sir.

Me:
Yes. I suspect the previous cleaning was conducted telepathically.

Meine Haushälterin lacht leise.

*Ja. Reinigung per Fernenergie.*

Technician:
Cleaning six hundred baht. Gas six hundred baht.

Me:
Twelve hundred baht to resurrect a dead air conditioner.

Technician:
Yes sir.

Me:
This may be the most financially satisfying moment of my entire residence in Thailand.

Meine Haushälterin nickt.

*Und ich bekomme gleich den Mopp.*

Kommentar:
Ich bezahle.

Die Klimaanlage läuft seitdem so ruhig und kalt, dass man fast erwartet, dass gleich ein Schweizer Uhrmacher aus dem Gerät steigt und fragt, ob alles zu Ihrer Zufriedenheit ist.

Meine Haushälterin schaut sich den Raum an.

*Gut. Jetzt erst mal sauber machen.*

Me:
My friend, from today onward you are my official air-conditioning consultant.

Technician:
No problem sir.

Me:
Excellent. Because judging from recent experience, you appear to be the only man in Pattaya who has ever opened one.

Meine Haushälterin lächelt.

*Und ich bin offenbar die Einzige, die danach wieder aufräumt.*

Und so endete die Sache.

Die Klimaanlage läuft.
Sie tropft nicht.
Sie kühlt.

Und ich habe gelernt, dass man in Thailand offenbar drei Techniker braucht, um jemanden zu finden, der tatsächlich eine Klimaanlage reinigt.

Der erste kommt, um sie zu betrachten.
Der zweite kommt, um sie für tot zu erklären.
Der dritte kommt ...und bringt Werkzeug mit.

Und danach kommt meine Haushälterin.

Der Dritte Techniker ist mein persönlicher Held. Das Honorar war halb so hoch wie bei den anderen beiden Spassvögeln und er ersparte mir wohl sehr viel Folgekosten...:obelix

Anhang anzeigen 2199050

Wie lange läuft die Anlage jetzt seit der Reinigung? Wenn sich das Kältemittel verdünnisiert hat ist die Frage: Wohin? Ist ja ein geschlossenes System. Hast Du ein Bild vom Außenteil?
 

Klimbim

Hat nix anderes zu tun
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Thread Starter
24 November 2024
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Wie lange läuft die Anlage jetzt seit der Reinigung? Wenn sich das Kältemittel verdünnisiert hat ist die Frage: Wohin? Ist ja ein geschlossenes System. Hast Du ein Bild vom Außenteil?


Grüss Dich,

erst einmal bin ich emotional gerührt, dass Du versuchst mich hier zu unterstützen. NICHT IRONISCH GEMEINT, ehrlich.

Das Aussenteil habe ich noch nie gesehen. Ich vermute, dass es auf dem Dach steht. Die Anlage läuft nun bereits seit nahezu einer Woche und es gibt keine Mängel. Ich vermute, dass die Kühlflüssigkeit schlicht seit 2015/16 nie gewechselt wurde.

Die gesamte Wohnungseinrichtung habe ich nach dem Kauf restlos entsorgt und ersetzt: sie sah gebleicht aus wie ein Büffelskelett in der Wüste und taugte nichts. Daraus schliesse ich, dass der Voreigentümer sich keine oder zumindest wenig Gedanken über Wartung und Pflege machte.

Ich habe Vorhänge, ein Klimamanagement während meiner Abwesenheit (Lufttrockner, regelmäßige wöchentliche Lüftungen, Luftreinigung, UV Schutzfolie, gute Vorhänge die Licht nicht durchlassen...), Aufsicht und Wartung.

Ich denke hier liegen die Gründe, weshalb das nun zu Tage tritt: ich muss die Lücken systematisch ausgleichen und die Klimaanlage ist Teil davon. So meine Annahme.

Die Techniker zuvor waren schlicht nicht professionell wobei ich das ihnen gegenüber nicht kommuniziere und einfach den letzten behalten werde.

Ob eine undichte Stelle vorhanden ist im System, werde ich noch erkennen müssen... mindestens war die Anlage auch nach 2 Reinigungen völlig verdreckt, siehe Kurzvideo...


Wenn es zu Folgewartungen kommen wird, werde ich weiteren Stoff zur Belustigung der Forenfreunde haben. Wenn nicht, innere Zufriedenheit.

Mich und meine kleinen Alltagserlebnisse zu verspotten, ist Teil meiner Art mich nervende Dinge zu verdauen.

Jetzt habe ich von der Verwaltung Auftrag erhalten, zum insgesamt 3 mal bereits meine Eigentumsnachweise unterzeichnet zuzusenden... was soll ich da anders machen als mich amüsieren?

Mehr Ineffizienz geht kaum. Mindestens kann ich sagen, dass sie sehr nett zu mir sind und ich mich mit Kritik komplett zurück halte.

Allerdings in mir schüttele ich den Kopf... ohne den Willen, diese liebenswürdigen aber sonderbar ineffizienten Strukturen verändern zu wollen.

Sie bieten mir eine Quelle der Unterhaltung.


Zurück: was sollte ich beachten, was die Klimaanlage betrifft? Habe ich etwas falsch gemacht? Du bist mit Sicherheit hier klüger und erfahrener.

:)
 

Hohenstein

Lady Drink King
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2 November 2024
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Pratumnak
Ich vermute, dass es auf dem Dach steht
Ignoranz scheint auch ein Teil von dir zu sein 😜 wie viele male soll ich dir noch das Bild deiner Ausseneinheit zuschicken ?
diese Wohnungen haben Die AC Einheit direkt und unzugänglich an der Rückwand deines Condos , da brauchst nen Steiger um da ran zu kommen . Alle Anderen sind zugänglich über Balkon oder Fenster .
 
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DaBaWa

Gibt sich Mühe
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25 Januar 2025
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Falsch gemacht? Nichts! Du hast gut beobachtet und nicht aufgegeben und offensichtlich bei dritten Mal den richtigen für den Job gefunden. Ich kenne das auch genau so bzw. ähnlich. Innen wird alles demontiert bis sie quasi nackt ist dann verhüllt und mit Kärcher bzw. Dampf gereinigt. Das Wasser in einen Eimer abgeführt... so kenn ich das. Wenn es gut verhüllt ist, mit geschickt auch wenig Dreck ins Umfeld. Fürs Außenteil eigentlich das selbe nur ohne Hülle... das geht mir bei Deiner Beschreibung ab.

Dann, Kältemittel raus und Drucktest, nur ist der bedingt zuverlässig. Kleinste Undichtigkeiten gehen einen da gerne durch. Nach bestandenen Test Kältemittel rein.

Eine Woche ist nicht lang. Kannst Du nur beobachten, wenn sie jetzt zeitnah nachlässt kannst Du von undicht ausgehen. Da ist das schwächste Glied das Außenteil. Warum sollte jedem klar sein... 10 Jahre Wind und Wetter.

Schade, bin erstmal nur noch eine gute Woche hier und vermutlich erst im August zurück. Beim Italiener wäre ich gern dabei gewesen. Macht Spaß Deine erlebten Geschichten zu lesen... und sicher auch mal Geschichten auszutauschen, hätte da auch schon paar zusammen. Meine Taktik ist glaube ähnlich, bisschen Humor, bisschen Sarkasmus und ganz viel Verständnis 🙄.

Frag mich auch jedesmal wo Deine Bude ist wenn ich zum Catbeach fahre.
 

Klimbim

Hat nix anderes zu tun
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24 November 2024
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Ignoranz scheint auch ein Teil von dir zu sein 😜 wie viele male soll ich dir noch das Bild deiner Ausseneinheit zuschicken ?
diese Wohnungen haben Die AC Einheit direkt und unzugänglich an der Rückwand deines Condos , da brauchst nen Steiger um da ran zu kommen . Alle Anderen sind zugänglich über Balkon oder Fenster .

Das Bild ist winzig klein. Es ist für mich nicht 100% eindeutig, was da was ist. Vermutlich meine Schuld ;)
 
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Klimbim

Hat nix anderes zu tun
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24 November 2024
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TEIL 15: „Der Helm, der größer ist als mein Selbstbewusstsein, ein Berliner Verkäufer namens Ralf und die Frage, wie man mit einem Raumfahrer durch die Sicherheitskontrolle kommt“



Es gibt Menschen, die fahren in Thailand Roller.

Und es gibt Menschen, die fahren Roller und sehen dabei aus, als würden sie gleich den Mond betreten.

Ich gehöre zur zweiten Kategorie.

Während meines Aufenthalts in Deutschland habe ich mir nämlich etwas gekauft, das man im Fachjargon „Motorradschutzkleidung“ nennt.

Helm.
Handschuhe.
Nierenschutz.

Gesamtpreis: etwa 500 Euro.

Helm: 399.
Handschuhe: 80.
Nierengurt: 10.

Der Helm allein kostet also ungefähr so viel wie 33 thailändische Standardhelme.

Der thailändische Helm, den ich bisher benutzt habe, hat umgerechnet etwa 12 Euro gekostet.

Er hatte zwei Eigenschaften.

Er war rund.
Und er existierte.

Mehr möchte ich dazu nicht sagen.

Das Problem ist mein Kopf.

Er ist nicht übermäßig intelligent.
Aber er ist groß.

Sehr groß.

In Thailand habe ich mehrere Helme probiert.

Das Ergebnis sah ungefähr so aus, als würde man versuchen, eine Wassermelone in eine Espressotasse zu drücken.

Irgendwann sagte ein Verkäufer höflich:

„Maybe European head.“

Ich nickte.

„Yes. Very European.“


Also ging ich in Deutschland in ein Motorradgeschäft.

Dort traf ich Ralf.

Ralf ist deutlich über siebzig und Berliner.

Ein Mann, der so aussieht, als hätte er bereits Motorräder verkauft, als Helme noch aus Aluminium und gutem Zureden bestanden.

Als ich den Laden betrat, sah er mich kurz an.

Dann meinen Kopf.

Dann wieder mich.

Er zog eine Augenbraue hoch.

„Na hör mal… dit wird ja lustig.“

Pause. :cool:

„Für den Kopp brauchste ja ’ne Garage.“ :biggrin::biggrin::biggrin:

Ich wusste sofort:
Ich bin hier richtig.


Ralf bewegte sich ein bisschen vorsichtig.

Ich fragte:
„Alles okay mit dem Bein?“

Er winkte ab.

„Ach, Tür aufjemacht. Tür zurückjemacht. Ick lag plötzlich draußen.“

Pause.

„Die Tür hat jewonnen.“

Dann zuckte er mit den Schultern.

„Passiert.“

Ich betrachtete den Mann.

Ein Verkäufer für Sicherheitsausrüstung, der kürzlich von einer Tür besiegt wurde.

Das überzeugte mich sofort.

:laugh::laugh::laugh:


Ralf nahm meinen Kopf in Augenschein.

Er ging einmal um mich herum.

Dann sagte er:

„Also pass uff. Für so’n Kopp geh’n wa gleich in die große Abteilung.“

Pause.

„Dit hier vorne is eher für normale Menschen.“

Der Helm, den er mir schließlich gab, ist matt schwarz.

Wenn ich ihn aufsetze, sehe ich aus wie eine Mischung aus Raumfahrer, Kampfpilot und schlecht gelauntem Toaster.

Ich habe mich im Spiegel gesehen.

Ein Passant hätte vermutlich erwartet, dass ich gleich in einen Leopard-Panzer steige.

Stattdessen fahre ich eine Honda PCX 160.


Ich fragte vorsichtig:

„Ist der nicht vielleicht ein bisschen… groß?“ :unsure:

Ralf sah mich an.

Dann sah er den Helm an.

Dann wieder mich.

„Der Helm is normal.“

Pause.

„Der Kopp is ambitioniert.“ :ROFLMAO:

Dann grinste er.

„Mit dem Ding siehste aus wie Darth Vader auf Klassenfahrt.“ :alien::alien::alien:


Der Helm wiegt knapp unter einem Kilo.

Was ich sehr angenehm finde.

Ich hatte kurz einen anderen auf.

Der wog gefühlt so viel wie ein thailändischer Reissack.

Ralf nahm ihn mir wieder ab.

„Wenn de damit länger fährst, kippste beim Parken einfach seitlich um.“

Pause.

„Wie so’n umfallender Kühlschrank.“


Dann kamen die Handschuhe.

Sommerhandschuhe.

Gut belüftet.

Mit Knöchelschutz.

Ich fragte:

„Brauche ich das wirklich?“

Ralf sah mich an.

Dann sagte er:

„Wenn de hinfliegst, landest du meistens zuerst mit den Händen.“

Pause.

„Es sei denn, du machst einen sehr kreativen Sturz.“

Ich nahm die Handschuhe.


Dann kam der Nierengurt.

Preis: zehn Euro.

Ich sagte:

„Das ist ja überraschend günstig.“

Ralf nickte.

„Nieren sind empfindlich.“

Pause.

„Fahrtwind is ein Arschloch.“

Ich kaufte auch den Nierengurt.


Am Ende stand ich da.

Helm.
Handschuhe.
Nierenschutz.

Ich sah aus wie jemand, der entweder extrem sicher Roller fährt oder gleich einen kleinen Krieg beginnt.

Ralf betrachtete mich.

„So kannste fahren.“

Pause.

„Oder in den Weltraum.“

Dann klopfte er mir einmal väterlich auf die Schulter.

„Aber pass uff, ja. Straßen sind keine Spielplätze.“

Pause.

„Und du siehst sowieso schon aus wie einer, der gleich ’nen Satelliten repariert.“


Nun muss ich diese Ausrüstung allerdings nach Thailand bringen.

Der Helm passt ungefähr so gut in mein Handgepäck wie ein mittelgroßer Gartengrill.

Es gibt also zwei Möglichkeiten.

Variante eins:
Ich stopfe ihn irgendwie in die Tasche.

Variante zwei:
Ich setze ihn einfach auf und laufe damit durch den Flughafen.

Ich tendiere zu Variante zwei. :tongue:


Ich stelle mir bereits die Szene vor.

Sicherheitskontrolle.

Ein Mann mit einem gigantischen schwarzen Helm auf dem Kopf.

Handschuhe in der Hand.

Nierengurt unter dem Hemd.

Der Sicherheitsbeamte fragt:

„Sir, why helmet?“

Ich werde antworten:

„Safety.“

Pause.

„Even for airport.“


Vielleicht werde ich auch erklären, dass meine Frau Krankenschwester ist und großen Wert auf Sicherheit legt.

Sie sagt manchmal scherzhaft, ich solle den Helm ruhig auch tragen, wenn ich irgendwann im Alter im Rollstuhl unterwegs bin.

Oder wenn ich mich wieder auf so ein kleines Plastikauto setze, auf denen normalerweise fünfjährige Kinder durch den Garten rollen.

Nur damit ich dabei nicht umkippe.

Ich halte das für eine bemerkenswert konsequente Sicherheitsstrategie.


In Pattaya werde ich dann auf meiner Honda PCX sitzen.

Mit diesem Helm.

Mit diesen Handschuhen.

Mit diesem Nierengurt.

Während links und rechts Menschen mit Flip-Flops, Sonnenbrillen und einem Helm fahren, der aussieht wie eine umgedrehte Salatschüssel.

Und irgendwo wird ein Expat auf einem Plastikstuhl sitzen.

Mit einem Teller Pad Krapao.

Er wird mich vorbeifahren sehen.

Und wahrscheinlich denken:

„Der Mann fährt entweder Roller…“

Pause.

„…oder er ist auf dem Weg zur Raumstation.“

Ehrlich gesagt bin ich mit beiden Möglichkeiten sehr zufrieden.

Helm.jpg
 
Tischtennis Pattaya

alhash

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9 März 2015
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Bangkok
Der Helm hat eine gräßliche Farbe.

Ich würde ihn gelb oder rot lackieren.
Dazu ein montierbares Blinklicht, du bist ja so sicherheitsbewusst.

Der Nierengurt? Hoffe du trägst ansprechende Hosen, nicht das der runtertropfende Schweiß dunkle Flecken auf dem Hosenboden hinterlässt
 

Klimbim

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24 November 2024
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Der Helm hat eine gräßliche Farbe.

Ich würde ihn gelb oder rot lackieren.
Dazu ein montierbares Blinklicht, du bist ja so sicherheitsbewusst.

Der Nierengurt? Hoffe du trägst ansprechende Hosen, nicht das der runtertropfende Schweiß dunkle Flecken auf dem Hosenboden hinterlässt


Der Helm hat eine gräßliche Farbe. Stimmt. Matt schwarz. Das ist ungefähr so auffällig wie ein schwarzer Anzug oder ein schwarzes Klavier.

Eine sehr gewagte Entscheidung. Ich überlege ernsthaft, ihn umlackieren zu lassen. Vielleicht in knallgelb mit roten Punkten.

Das Blinklicht ist ebenfalls eine hervorragende Idee.

Beim Nierengurt muss ich allerdings zugeben, dass ich deine Analyse bewundere.

Ich habe ihn gekauft, weil mir jemand sagte, Fahrtwind könne auf Dauer unangenehm werden. Du hast sofort das größere Problem erkannt.

Den möglichen Schweißtropfen. Der heimlich den Weg zum Hosenboden findet. Das ist natürlich ein Szenario, auf das man vorbereitet sein muss. Es ist beruhigend zu wissen, dass im Internet Menschen sitzen, die solche Dinge im Auge behalten. Während andere sich mit völlig nebensächlichen Themen wie Verkehrssicherheit und der eigenen Gesundheit beschäftigen.


Ein echt wertvoller Kommentar von Dir.
 
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Ajax

Luftbildfetischist
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2 Oktober 2018
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Gerade erst am Jomtien Beach entdeckt - war 1 Monat in Nepal unterwegs (3000 km mit Motorrad herumgegurkt) und wenig bis gar keine Zeit fürs Forum.
Dein glänzender Schreibstil @Klimbim begeistert mich wie schon bei deinen früheren Berichten - bin jetzt erst auf der 2. Seite angelangt und freue mich auf die witzigen,
amüsanten weiteren Ausführungen. In einem sind wir uns ja einig: Winter hier in Thailand, Sommer in Europa - für mich auch der Norden mit den fantastischen
Landschaften von Norwegen und Island, wobei es dieses Jahr wohl auch nach Sardinien geht.
 

Klimbim

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24 November 2024
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Gerade erst am Jomtien Beach entdeckt - war 1 Monat in Nepal unterwegs (3000 km mit Motorrad herumgegurkt) und wenig bis gar keine Zeit fürs Forum.
Dein glänzender Schreibstil @Klimbim begeistert mich wie schon bei deinen früheren Berichten - bin jetzt erst auf der 2. Seite angelangt und freue mich auf die witzigen,
amüsanten weiteren Ausführungen. In einem sind wir uns ja einig: Winter hier in Thailand, Sommer in Europa - für mich auch der Norden mit den fantastischen
Landschaften von Norwegen und Island, wobei es dieses Jahr wohl auch nach Sardinien geht.


Ahhh... ich wünschte, ich könnte wie du mit Aufnahmedrohnen umgehen. Das würde meine Berichte 100% verbessern, mindestens!

Irgendwann musst du mich da mal beraten. Das wird mein Hobby in Thailand.


Liebe Grüße ! Freue mich.
 

Klimbim

Hat nix anderes zu tun
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24 November 2024
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In einem sind wir uns ja einig: Winter hier in Thailand, Sommer in Europa - für mich auch der Norden mit den fantastischen
Landschaften von Norwegen und Island, wobei es dieses Jahr wohl auch nach Sardinien geht.

Ich empfehle Korsika und Kreta im Sommer. So 50 km südlich von Calvi auf Korsika, Sougia auf Kreta.

4 Monate etwa, am besten im Hochsommer nach Korsika, im Frühherbst nach Kreta und dann von Oktober bis Juni nach Thailand.

Auch kulinarisch top. Ohne Lammfleisch auf Dauer werde ich misslaunig. Gegrillt mit Auberginensalat. Meine Frau macht den besser als jeder Grieche und zudem perfekten deutschen badischen Kartoffelsalat mit Südtiroler Speck...

Was ich aber in Pattaya so geil finde ist: man bekommt dort den zweitbesten Kartoffelsalat der Welt (wenn meine Frau mal halt nicht da ist).

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Klimbim

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24 November 2024
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Teil 16: „Ein ganz normaler Traum, in dem ich dem Tod erkläre, dass er bitte einen Termin braucht“

Das Folgende entspricht meinem gestrigen Traum. Ich habe ihn exakt so erlebt. Zumindest gefühlt. Und Gefühle sind bekanntlich Fakten mit Fantasieanteil.

Der Tod klopfte neulich bei mir an. Nicht laut. Nicht dramatisch. Eher so dieses leise, selbstverständliche „Ich bin dann mal da“-Klopfen.

Ich machte auf.

Er stand da. Dunkel. Ruhig. Mit diesem Gesichtsausdruck von jemandem, der Termine hat.

„Klimbim“, sagte er, „es ist soweit.“ Ich schaute ihn an. Dann schaute ich an ihm vorbei.

Dann wieder ihn. „Nein“, sagte ich. Er war irritiert. Das passiert ihm selten.

„Wie bitte?“

„Ich sehe das überhaupt nicht ein.“

Pause.

Er blätterte in seinem unsichtbaren Kalender. „Aber… es ist Zeit.“ Ich verschränkte die Arme.

„Falsch. Gerade jetzt geht es mir außergewöhnlich gut.“

Er wirkte beleidigt. „Das sagen sie immer.“

„Nein“, sagte ich. „Ich habe eine neue Wohnung in Pattaya. Das ist kein Zeitpunkt zum Sterben. Das ist ein Einweihungszeitpunkt.“

Er seufzte. Ich fuhr fort. „Außerdem ist meine Frau gerade in einer Phase der brillanten Entwicklung. Das Timing wäre völlig unhöflich.“

Der Tod nickte langsam. „Ich komme sonst selten ungelegen.“

„Heute schon“, sagte ich.

Er sah sich um. „Und das hier ist also dein neues Leben?“

„Ja.“

„Mit Familie?“

„Sehr sogar.“

Er machte eine kleine Notiz.

„Glückliche Ehe?“

„Extrem.“

„Humorvolle Stiefsohn-Situation?“

„Ja. Wir haben denselben Humor. Das ist selten. Und gefährlich für dich.“

Er hob eine Augenbraue.

„Tochter?“

„Die sagt immer: Papa, für dich gibt es immer eine Lösung.“

Der Tod runzelte die Stirn.

„Das klingt nach Widerstand.“

„Das ist Widerstand“, sagte ich.

Er versuchte es anders.

„Aber Angst vor dem Tod ist normal.“

Ich nickte.

„Natürlich. Ich habe auch Angst.“

Er lehnte sich leicht vor.

„Aha.“

„Nicht vor dir“, sagte ich schnell. „Eher davor, dass ich all das hier verpasse.“

Pause.

„Meine Frau., sogar meine Mutter, die ich problemlos überallhin mitnehmen kann, ohne dass sie mich nervt...

Was statistisch betrachtet eine seltene Kombination ist. Und Reisen mit ihr sind erstaunlich angenehm. Das sollte man nicht abbrechen.“

Der Tod wirkte leicht irritiert. „Mütter sind sonst… komplex.“

„Nicht meine“, sagte ich. „Ich habe da Glück.“ Er notierte etwas.

„Und deine Frau?“ „Die liebe ich unendlich“, sagte ich. „Gemeinsam mit ihrem Sohn. Wir lieben sie beide sehr.“

Der Tod nickte langsam. „Und sie nervt euch manchmal?“

Ich grinste: „Natürlich. Das gehört dazu. Deshalb verreisen wir im Sommer auch mal ohne sie.“

Er sah mich an. „Sehr erwachsen.“

„Ich weiß.“

Er wurde ungeduldig: „Also komm jetzt.“

Ich stand auf.

„Nein.“

Er wartete.

Ich zeigte zur Tür.

„Du kannst gehen.“

Stille.

Er schaute beleidigt aus.

„Du schmeißt mich raus?“

„Ja.“

„Das hat noch niemand gemacht.“

„Ich bin eben früh dran.“

Er versuchte es ein letztes Mal.

„Aber ich bin unvermeidlich.“

Ich nickte freundlich.

„Mag sein. Aber nicht heute.“

„Warum nicht?“

Ich setzte mich wieder hin.

„Weil ich gerade erst angekommen bin. Neue Wohnung. Neue Pläne. Prüfungen. Zukunft. Humortraining mit meinem Ziehsohn. Reisen mit meiner Mutter. Sommer ohne Drama. Meine Frau auf ihrem Weg zur Spezialisierung, damit sie künftig Flugbegleitungen für Versicherungen machen kann. Das ist ein Projekt. Und Projekte beendet man nicht mitten im Satz.“

Der Tod schwieg.

Er sah tatsächlich ein bisschen enttäuscht aus.

„Du hast Angst“, sagte er leiser.

Ich dachte kurz nach.

„Ja“, sagte ich ehrlich.

„Wovor genau?“

Ich lächelte.

„Nicht vor dir. Sondern davor, dass ich noch mehr solcher Momente verpasse.“

Pause.

„Und ich habe noch einiges vor.“

Er betrachtete mich lange.

Dann sagte er:

„Du bist ungewöhnlich trotzig.“

„Danke“, sagte ich.

Er stand auf.

„Ich komme wieder.“

„Natürlich“, sagte ich.

„Und dann?“

Ich grinste.

„Dann rede ich wieder mit dir.“

Er war kurz irritiert.

„Du redest mit mir?“

„Klar. Aber heute nicht. Heute habe ich Termine.“

Er verschwand nicht dramatisch.

Er ging einfach.

Etwas gekränkt.

Und hier kommt der Teil, den der Tod vermutlich noch nicht bedacht hat.

Ich habe ihm nämlich erklärt, dass er sich gut überlegen sollte, was passieren würde, wenn er mich jetzt holt.

Wenn ich mitkomme, müsste er danach auch meine Frau holen.
Und dann meine Tochter.
Und dann meinen Ziehsohn.
Und dann meine Mutter.

Und irgendwann gäbe es niemanden mehr, der überhaupt noch stirbt.

Das wäre organisatorisch ziemlich unpraktisch.

Sterben würde dann wie eine geschlossene Gesellschaft wirken.

Der Tod müsste dann anfangen, Absagen zu verschicken.

Sehr unangenehm.

Er würde im Wartezimmer sitzen wie ein Beamter ohne Formular.

Und wenn er wirklich konsequent wäre, hätte er am Ende gar nichts mehr zu tun.

Keine Termine.
Keine Kunden.
Keine Arbeit.

Das käme ihm vermutlich sehr ungelegen.

Ich stelle mir vor, wie er irgendwann die Geduld verliert.

Er klopft wieder an.

Ich öffne.

Er seufzt.

Ich lächle.

Er sagt nichts mehr.

Er dreht sich um.

Und ich lache mich kaputt.

Nicht über ihn.

Sondern darüber, dass er dachte, ich hätte heute Zeit.

Und solange ich lachen kann,
solange ich liebe, solange ich Pläne mache, solange meine Familie lebt, liebt und diskutiert,
solange ich neue Wohnungen kaufe und alte Sorgen nicht einziehen,

solange darf der Tod gern noch draußen warten.

Mit Termin.

Und am besten mit Geduld.

Denn die brauche ich gerade mehr als er. Und das ist, wie ich finde, eine ausgesprochen faire Ausgangslage.

Ich bin 60. Mit Hilfe meiner Frau werde ich vermutlich mindestens 100.

Dem Tod sei gesagt, dass es absehbar erstmal sinnlos ist, sich mit mir zu befassen. Ich habe das beschlossen. Und in meinem Leben habe ich mich auf meine Art immer wieder durchgesetzt. Das hier ist keine Verhandlung. Das ist eine langfristige Beziehung mit der Zeit.

Und falls er trotzdem nochmal klingelt, werde ich ihm freundlich sagen, dass er bitte einen Kaffee trinken soll, draußen warten darf und sich in der Zwischenzeit überlegen kann, wie er überhaupt ohne mich klarkommen will.

Denn wenn er mich jetzt mitnimmt, muss er sich ernsthaft fragen, wer dann noch in Pattaya sitzt, lacht, lebt, liebt und ihm erklärt, dass er heute wieder zu früh dran ist.

Und ganz ehrlich:

Wenn der Tod eines Tages merkt, dass ich ihm die Tür nicht öffne, weil ich gerade mit meiner Frau im Sommerurlaub bin, meiner Mutter den Sonnenhut reiche und mit meinem Ziehsohn über Witze diskutiere, dann wird selbst er verstehen, dass es im Moment einfach keinen freien Termin gibt.

Er kann gern wiederkommen. Aber bitte erst nach meinem 100. Geburtstag.

Und selbst dann nur, wenn er vorher anruft. Meine Thainummer bekommt er nicht und die deutsche und schweizerische, werde ich blocken.

Und wenn er glaubt, er könne mich hetzen, dann hat er noch nie gesehen, wie stur ein Expat mit neuem Helm, neuer Wohnung und neuem Lebensplan sein kann.

Ich bin nämlich terminlich hervorragend ausgebucht.

Und das bleibt auch so.


beatles ( when i'm sixty four)

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Klimbim

Hat nix anderes zu tun
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24 November 2024
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Teil 16. Die Angst des Todes


Der Tod klopfte ein paar Tage später noch einmal an.

Nicht wegen eines Termins.

Eher… aus Neugier.

Ich öffnete.

Er stand wieder da.

Etwas weniger souverän als beim letzten Mal.

„Keine Sorge“, sagte ich. „Heute habe ich auch keine Zeit zu sterben.“

„Darum geht es nicht“, sagte er.

„Gut“, sagte ich. „Dann komm kurz rein. Aber nur kurz. Ich habe nachher noch mein Leben.“

Er trat vorsichtig über die Schwelle, als hätte er Angst, etwas Lebendiges zu berühren.

Wir setzten uns.

Ich sah ihn an.

„Du wirkst nervös.“

„Unsinn“, sagte er.

„Du bist der Tod.“

„Eben.“

„Sag mal“, fragte ich schließlich.

„Wovor hast du eigentlich Angst?“

Er sah mich an, als hätte ich gerade vorgeschlagen, Gravitation abzuschaffen.

„Ich habe keine Angst.“

„Natürlich hast du die“, sagte ich.

„Jeder hat Angst.“

„Nicht ich.“

„Doch.“

„Wovor denn bitte?“

Ich lehnte mich zurück.

„Vor dem Leben.“

Er lachte trocken.

„Das ist absurd.“

„Ist es nicht“, sagte ich ruhig.

„Du holst jeden. Aber dich holt irgendwann auch etwas.“

Er verzog das Gesicht.

„Unmöglich.“

„Alles ist endlich“, sagte ich. „Damit auch du.“

Stille.

Er sah plötzlich ein wenig nachdenklich aus.

„Und was soll mich bitte holen?“

Ich zuckte mit den Schultern.

„Das neue Leben.“

Er starrte mich an.

„Das ergibt keinen Sinn.“

„Doch“, sagte ich. „Wenn irgendwann alles stirbt, bist du arbeitslos.“

„Ich werde nie arbeitslos.“

„Doch“, sagte ich freundlich. „Irgendwann ist alles erledigt. Keine Termine. Keine Kunden. Kein Papierkram.“

Er runzelte die Stirn.

„Und dann?“

Ich grinste.

„Dann kommt das Leben.“

„Woher denn?“

„Keine Ahnung“, sagte ich. „Das macht es ja so gut.“

Der Tod trommelte mit den Fingern auf den Tisch.

„Und was soll ich dann tun?“

„Dasselbe wie wir alle.“

„Und was wäre das?“

„Leben.“

Er sah mich an, als hätte ich ihm gerade vorgeschlagen, barfuß über eine Wiese zu laufen.

„Das klingt… chaotisch.“

„Ist es auch.“

„Unplanbar.“

„Extrem.“

„Und gefährlich.“

„Sehr.“

Er dachte lange nach.

Dann fragte er leise:

„Und… ist es gut?“

Ich musste lachen.

„Gut?“

„Ja.“

Ich beugte mich vor.

„Es ist großartig.“

Er sah skeptisch aus.

„Du sagst das nur, weil du noch lebst.“

„Natürlich“, sagte ich.

„Aber genau deshalb weiß ich es.“

Stille.

Dann fragte er vorsichtig:

„Und wenn mich das Leben wirklich holt?“

Ich lächelte.

„Dann brauchst du keine Angst zu haben.“

„Warum nicht?“

„Weil es wunderbar ist.“

Der Tod saß lange still.

Dann stand er auf.

„Ich… werde darüber nachdenken."

„Mach das“, sagte ich.

Er ging zur Tür.

Drehte sich noch einmal um.

„Du bist ein merkwürdiger Mensch.“

Ich nickte.

„Ich weiß.“

Er ging hinaus.

Und ich bin ziemlich sicher, dass er zum ersten Mal in seiner gesamten Existenz darüber nachdachte, wie es wohl wäre, wenn eines Tages jemand bei ihm klopft.

Ganz leise.

Und sagt: „Hier ist das Leben. Hier ist Klimbim. Tod, jetzt bist du dran. Keine Sorge. Es ist nur das Leben."

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