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Tagebuch eines Ruheständlers in Pattaya. Ich bereite es vor: in wenigen Monaten wird es starten

Klimbim

Hat nix anderes zu tun
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24 November 2024
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Hier die Antwort aus dem Osten 🤣


Wie meinst Du das? Jeweils oder pro Anlage? Handelt es sich hierbei um zwei identische Anlagen?

Die Anlagen sind identisch aber sie arbeiten nicht so wie sie sollten: wie Geschwister. Eine funktioniert maximal brav und zuverlässig wie ein untergebener Soldat.

Die andere Anlage ist eher eine Art antiautoritär erzogenes Balg der Gen Z. Mal so, mal so.

Disclaimer: der Sohn meiner Frau ist frech, aber der mit mir am besten harmonierende Knirps ever. Auf den lasse ich nichts kommen.

Die unverschämte Klimaanlage indes, sie nervt mich.
 

DaBaWa

Gibt sich Mühe
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25 Januar 2025
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Die Anlagen sind identisch aber sie arbeiten nicht so wie sie sollten: wie Geschwister. Eine funktioniert maximal brav und zuverlässig wie ein untergebener Soldat.

Die andere Anlage ist eher eine Art antiautoritär erzogenes Balg der Gen Z. Mal so, mal so.

Disclaimer: der Sohn meiner Frau ist frech, aber der mit mir am besten harmonierende Knirps ever. Auf den lasse ich nichts kommen.

Die unverschämte Klimaanlage indes, sie nervt mich.
Und Du hast die Frage nicht beantwortet 🫣. Also was die Fernbedienung(en) betrifft...

Außerdem ist Dein Telefon lautlos...

P.S.: Nun doch beantwortet...
 
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Klimbim

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24 November 2024
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Und Du hast die Frage nicht beantwortet 🫣. Also was die Fernbedienung(en) betrifft...

Außerdem ist Dein Telefon lautlos...

P.S.: Nun doch beantwortet...


Gehe essen. Du hast mir super Hinweise gegeben. Das checke ich ab. Schönes Telefonat.

Auf den Osten ist Verlass.
 
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DaBaWa

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25 Januar 2025
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Ja, nur eine FB würde mich nerven, zwecks Einstellungen usw.. Dann ist Feuchtigkeit in der Anlage zu vermuten, ausgehend von Deiner Beschreibung. Ist die Frage warum die nicht abgeführt wird... 😉.

So mal zur Info für die Mitleser.
 
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MGiebel

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27 Januar 2024
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Also du hast 2 identische Klimaanlagen und eine Fernbedienung. Wahrscheinlich arbeitet die Fernbedienung mit Infrarot und muss 'Sichkontakt' haben, wenn du sie benutzt. Wenn jetzt eine Klimaanlage immer perfekt funktioniert und die andere öfter rumzickt, ist mit 99% Wahrscheinlichkeit der Sichtkontakt/Sensor der rumzickenden Klimaanlage beeinträchtigt. Die Fernbedienung scheint zu funktionieren, also einfach mal den Sensor der Klimaanlage überprüfen lassen.
 

Klimbim

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24 November 2024
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Also du hast 2 identische Klimaanlagen und eine Fernbedienung. Wahrscheinlich arbeitet die Fernbedienung mit Infrarot und muss 'Sichkontakt' haben, wenn du sie benutzt. Wenn jetzt eine Klimaanlage immer perfekt funktioniert und die andere öfter rumzickt, ist mit 99% Wahrscheinlichkeit der Sichtkontakt/Sensor der rumzickenden Klimaanlage beeinträchtigt. Die Fernbedienung scheint zu funktionieren, also einfach mal den Sensor der Klimaanlage überprüfen lassen.

Das dachte ich mir inzwischen auch. @DaBaWa hat es mir so am Telefon ebenfalls beschrieben. Merci!
 
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alhash

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9 März 2015
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Bangkok
Die Reichweite von IR-Fernbedienungen hängt von verschiedenen Aspekten ab. Unter guten Voraussetzungen liegt sie bei fünf bis zehn Metern. Allerdings gibt es einige Ursachen, die eine geringere Reichweite nach sich ziehen können:


  • Schwache Empfangsdiode im Empfängergerät
  • Falscher Winkel zur Empfangsdiode: Die besten Ergebnisse lassen sich bei direkter Ausrichtung auf die Empfangsdiode erzielen
  • Zu hohe Umgebungshelligkeit: Starker Sonnenschein kann den Empfang herabsetzen
  • Verschmutzungen der Sende- oder Empfangsdiode: Zum Beispiel durch Ablagerungen oder Fingerabdrücke

Wenn die Reichweite der IR-Fernbedienung nicht ausreichen sollte, gibt es im Handel fertige Verlängerungen zu kaufen. Sie bestehen aus IR-Empfänger, Verbindungsleitung und IR-Sender. Auf diese Weise lassen sich auch größere Distanzen ohne Probleme überbrücken, sodass Reichweiten von 20 bis 30 Metern möglich werden.


Durchdringt Infrarotstrahlung auch Hindernisse?
Wenn Sie schon einmal den Test gemacht und Ihre Infrarot Fernbedienung aus einem ungünstigen Winkel auf den Fernseher gehalten haben, haben Sie sicher bereits festgestellt, dass Sie erst Ihre Position verändern müssen, bis das Signal ankommt.
Denn: Durch Hindernisse und Objekte wie Möbel, Wände und Schränke gelangt die Infrarotstrahlung leider nicht. Sobald ein Tisch oder eine Person im Weg steht, wird das Infrarot-Signal unterbrochen.
Infrarot-Fernbedienung: Kompatibilität, Reichweite, Apps » Infrarot-Guide.de


IR-Extender

Ein IR-Extender (IR-Verlängerer oder IR-Empfänger) ist ein Gerät, das zur Verlängerung der Reichweite von Infrarotsignalen verwendet wird
 
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Klimbim

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24 November 2024
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Teil 36: „Der Mann, der nachts um 03:07 Uhr medizinisch fernüberwacht wurde“



Das Telefon klingelte vor einigen Tagen morgens um exakt 03:07 Uhr.

Eine Uhrzeit, zu der normalerweise nur drei Arten von Nachrichten kommen:

Tod. Katastrophe. Oder meine Frau.

Da ich dummerweise vergessen hatte, das Telefon auszuschalten, griff ich in meiner Jetlag-Phase halb bewusstlos danach. Mein Gehirn befand sich zu diesem Zeitpunkt ungefähr zwischen Zeitzonen, Fiebertraum und administrativer Insolvenz.

„Schatz… du bist wach oder schon halb gestorben?“

Eine Frage, die um drei Uhr morgens eine gewisse Direktheit entwickelt.

Ich antwortete mit einem Geräusch, das entfernt an einen sterbenden Staubsauger erinnerte.

Der Hintergrund des Ganzen: Meine Mutter hatte meiner Frau mitgeteilt, dass ich „ziemlich erkältet“ sei.

Diesen Satz hätte man auch direkt an die WHO weiterleiten können. Der Effekt wäre identisch gewesen.

Denn meine Frau ist Krankenschwester.

Und zwar nicht so ein bisschen.

Nein. Mit voller religiöser Überzeugung.

Diese Frau betrachtet meinen Körper wie ein internationales Langzeitprojekt zur Lebenserhaltung.

Sie ist 25 Jahre jünger als ich und verfolgt seit Jahren mit absoluter Unerbittlichkeit genau ein Ziel: mich möglichst lange am Leben zu halten.

Teilweise gegen meinen eigenen Widerstand.

„Hast du Blutdruck gemacht?“

Ich lag zu diesem Zeitpunkt mit Fieber in Unterhose im Bett und war emotional nicht bereit für ein medizinisches Verhör.

„Nein.“

Kurze Stille.

Jene Art von Stille, bei der man innerlich bereits spürt, dass irgendwo digitale Krankenakten geöffnet werden.

„Warum nein?“

„Weil mein Kreislauf um drei Uhr morgens momentan selber nicht genau weiß, ob er teilnehmen möchte.“

Sie ignorierte das vollständig.

„Du gehst morgen Arzt. Nicht diskutieren. Deine Mutter sagt du hustest wie eine kaputte Diesellokomotive.“

Innerhalb von vier Minuten entwickelte sich meine leichte Erkältung zu einer medizinischen Großlage mit wahrscheinlicher Organbeteiligung.

Meine Frau liebt Vorsorgeuntersuchungen.

Nicht normal.

Leidenschaftlich.

In Thailand habe ich inzwischen einen Arzt- und Untersuchungskalender, der aussieht wie die Wartungsplanung eines mittelgroßen Kernkraftwerks.

Blutwerte. Herz. Lunge. Leber. Ultraschall. Irgendwelche Spezialisten, deren Fachgebiet ich nicht einmal verstehe.

Ich gehe manchmal in Kliniken hinein und weiß selber nicht genau, weshalb.

Irgendwo hat meine Frau bereits Termine organisiert, Formulare ausgefüllt und vermutlich heimlich statistische Modelle zu meiner Restlebenserwartung angelegt.

Sie hat mir das Rauchen abgewöhnt. Kontrolliert meinen Alkoholkonsum. Und fragt mit erschreckender Präzision:

„Wie viele Schnäpse hattest du Dienstag genau? Nicht ungefähr. Genau.“

Ich bin inzwischen überzeugt, dass irgendwo Tabellen existieren.

Mit Farben.

Und Verlaufsgrafiken.

Möglicherweise Monatsberichte.

Das alles meint sie allerdings vollkommen liebevoll.

Und genau das macht die Sache so gefährlich.

Denn sie lacht am Ende selbst darüber.

„Ich weiß ich mache bisschen zu viel Sorge. Aber wenn ich dich nicht überwache, lebst Du wie ein verwilderter Hafenarbeiter.“

Was objektiv betrachtet nicht vollständig falsch ist.

Mein Stiefsohn wiederum freut sich bereits massiv auf Juli.

Nicht wegen Thailand.

Nicht wegen Strand.

Nicht einmal wegen der Motorradtouren.

Sondern wegen des temporären Zusammenbruchs sämtlicher Ernährungsvorschriften.

Bei mir gibt es: Spaghetti Carbonara. Fastfood. Lange schlafen. Keine unangekündigten Gesundheitskontrollen morgens um 07:14 Uhr.

Seine Mutter marschiert regelmäßig in sein Zimmer, um zu prüfen, ob er genug schläft, genug Wasser trinkt oder heimlich einen Vitaminmangel entwickelt.

Er ist 13.

Er betrachtet diese Vorgänge mit jener stillen Verzweiflung pubertierender Jungen, die morgens eigentlich nur in Ruhe biologisch existieren möchten.

Meine Tochter wiederum ist inzwischen 19 und unterstützt ihn logistisch beim Verfassen seiner WhatsApp-Nachrichten.

Was dringend nötig ist.

Denn seine Texte klingen teilweise wie Funksprüche aus einem havarierten U-Boot.

Meine Tochter übersetzt das dann in sozial akzeptable Kommunikation.

Während meine Frau daneben sitzt und versucht herauszufinden, ob irgendwo Mädchen beteiligt sind.

„Warum schreibt sie Herzsymbol?“

„Mama, das ist einfach nur ein Emoji.“

„Ja genau. So fängt Katastrophe an.“

Ich versuche regelmäßig zu vermitteln.

Mit mäßigem Erfolg.

„Vielleicht lässt du ihn einfach schlafen.“

„Zu viel schlafen macht Gehirn weich.“

„Er ist dreizehn.“

„Eben. Wachstum. Der Junge braucht Struktur wie eine kleine Bambuspflanze.“

Diskussion beendet.

Und irgendwo muss ich zugeben: Diese Frau ist wahrscheinlich der Hauptgrund, warum ich überhaupt noch halbwegs gesund durch Thailand fahre, regelmäßig untersucht werde und nicht ausschließlich von Kaffee, Nikotin und fragwürdigen Straßennudeln lebe.

Die Termine für Vorsorgeuntersuchungen werden in Thailand übrigens sehr sehr zeitnah vergeben und die Professionalität ist extrem hoch... das gefällt mir sehr! Kenne ich aus Deutschland überhaupt nicht mehr...

Trotzdem schalte ich nachts inzwischen meistens mein Telefon aus.

Man muss schließlich auch an seinen Blutdruck denken.

Dienst.jpg
 
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Klimbim

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24 November 2024
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P.S. ich will das dazu dennoch klarstellen: meine Frau ist wirklich das Beste, was mir passieren konnte. Dass sie aber ihren kleinen Sohn mit in die Ehe brachte (ich meine kleine Tochter), ist für mich die Rettung, der Ausgleich, der einzig wirklich Gleichgesinnte im Familiengefüge.

...die letzte Hoffnung...

Meine Mutter.... meine Tochter... dann meine Frau, wie beschrieben...

Selbst die bekloppte Katze, die uns davon gelaufen ist war ein Weibchen und ständig hatte / hat eines der Expemplare irgendwie "ihre Tage" und ich musste das aushalten.

Der Knirps war und ist dabei meine letzte Hoffnung und er sieht das absolut identisch.

Im Sommer wird es wunderbar. Die ganzen Mütter, Ehefrauen und Töchter sollen sich feiern. Wir feiern uns.

Das muss einfach mal sein.

Im Herbst / Winter kommen dann "die Frauen" und danach die Sinnflut...

Als der Junge damals mit in mein Leben kam, dachte ich zunächst:

Das wird kompliziert.


Pubertät.
13 Jahre.
Männliches Wesen.
Neue Familiensituation.
Eifersucht vermutlich.
Ablehnung eventuell.
Innere Spannungen.
Diese klassischen Dinge eben, die man sich vorher so ausmalt.

Ich hatte mich innerlich bereits auf mehrere Jahre diplomatischer Vermittlungsarbeit eingestellt.

So eine Art emotionales UN-Friedensmandat mit WLAN-Problemen.

Exakt das Gegenteil ist eingetreten.

Der Junge sah mich ungefähr drei Tage lang an, analysierte vermutlich die Gesamtsituation im Haushalt und begriff schneller als ich selbst, was hier eigentlich los war.

Nämlich:
zwei Männer.
Mehrere Frauen.
Dauerhafte Überwachung.

Seitdem herrscht zwischen uns eine Form stiller Solidarität, die man schwer erklären kann.

Er musste nur einmal erleben, wie seine Mutter mich fragte:

„Warum trinkst du Kaffee um 21 Uhr? Dann schläfst du wieder schlecht.“

Und direkt fünf Minuten später ihm erklärte:

„Nicht so viel Handy. Augen werden viereckig.“

Da trafen sich unsere Blicke kurz.

Dieser Moment reichte.


Seitdem existiert eine wortlose Achse des Verständnisses.

Wir sprechen gar nicht viel darüber. Das ist auch nicht nötig.

Manchmal sitzt er einfach neben mir, isst Fastfood, schaut zufrieden ins Leere und genießt zum ersten Mal seit Monaten den Zustand, nicht unmittelbar ernährungsphysiologisch bewertet zu werden.

Dann nickt man sich kurz zu.

Männerkommunikation.

Sehr effizient.

Ich hatte wirklich gedacht, er würde mich vielleicht als Konkurrenz betrachten.

Tatsächlich scheint er mich eher als eine Art zusätzlichen Verbündeten wahrzunehmen.

Einen Erwachsenen, der grundsätzlich freundlich ist, aber gleichzeitig bereit, gewisse Regeln des zivilisierten Lebens deutlich großzügiger auszulegen.

Zum Beispiel Frühstück.

Meine Frau betrachtet Frühstück ungefähr als medizinische Maßnahme.

Der Junge und ich dagegen vertreten eher die Auffassung, dass kalte Pizza um 11 Uhr ebenfalls eine kulturell völlig legitime Lösung darstellt.

Natürlich streng wissenschaftlich betrachtet.

Volltreffer...
 
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Klimbim

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24 November 2024
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Teil 37: „Die Weltanschauungsrunde mit Dieter, Hans-Jürgen und einem Mann, der nur ein Bier wollte“

Dieter saß wie immer da.

Gleiches Shirt. Gleicher Blick. Gleiche Position.

Als hätte ihn jemand vor Jahren an diesen Tisch gestellt und danach vergessen, dass Menschen eigentlich gelegentlich aufstehen.

Hans-Jürgen kam dazu.

Setzte sich.

Nickte.

„Moin.“

Dieter: „Alles hier ist durch.“

Hans-Jürgen: „Schon lange.“

Ich: „Durch im Sinne von technisch, moralisch oder wetterbedingt?“

Dieter: „Ja.“

Kurze Stille.

Das war bei den beiden so etwas wie eine vollständige Argumentation.

Dieter: „Frauen hier… kompliziert.“

Hans-Jürgen: „Immer gewesen.“

Ich: „Oder ist vielleicht einfach jede Interaktion kompliziert, sobald man sie mehrfach in Bierlänge misst?“

Hans-Jürgen schaut mich an. Lang.

„Du bist optimistisch.“

Ich: „Ich würde es eher als nicht dauerhaft entmutigt beschreiben.“

Dieter nickt. Als hätte ich gerade aus Versehen seine These bestätigt.

Dieter: „Du wirst schon sehen.“

Ich: „Das ist erstaunlich oft der Schluss von Gesprächen, die keine Beweise enthalten.“

Hans-Jürgen: „Früher war das hier anders.“

Ich: „Früher wann genau? Vor der Elektrizität oder vor der Erinnerung?“

Hans-Jürgen: „Früher halt.“

Dieter: „Da konnte man noch normal leben.“

Ich: „Also ohne WLAN und mit mehr Gewissheit?“

Dieter: „Genau.“

Kurze Pause.

Ich nehme einen Schluck Bier.

Ich versuche eine letzte strukturierende Frage.

„Ist es möglich, dass eure Definition von ‚normal‘ stark von der Tatsache beeinflusst ist, dass ihr sehr konsequent hier sitzt?“

Dieter: „Du verstehst das nicht.“

Ich: „Das stimmt vermutlich.“

Hans-Jürgen: „Der versteht das irgendwann.“

Ich: „Ich hoffe ehrlich gesagt, ich verstehe es nie vollständig.“

Dieter: „Warum?“

Ich: „Weil vollständiges Verständnis in eurem Modell offenbar mit leicht depressiver Endgültigkeit korreliert.“

Kurze Stille.

Beide schauen mich an.

Dieter grinst kurz.

Hans-Jürgen versteht es nicht ganz, stimmt aber trotzdem zu.

Dieter: „Du wirst schon noch realistisch.“

Ich: „Ich bin realistisch genug, um zu wissen, dass jede Diskussion, die mit ‚du wirst schon noch‘ beginnt, statistisch selten gut ausgeht.“

Hans-Jürgen: „Der ist schwierig.“

Ich: „Ich bin eher selektiv sozial kompatibel.“

Dieter: „Egal.“

Hans-Jürgen: „Eben.“

Ich stelle das Glas ab.

Kurze Stille.

Ich sehe beide an.

„Jungs.“

„Ja?“ (beide gleichzeitig)

„Ich glaube, ich steige hier aus.“

Dieter: „Wieso?“

Ich: „Ich glaube, ich habe unbeabsichtigt an einer fortlaufenden Weltanschauungs-Dauerschleife teilgenommen.“

Hans-Jürgen: „Du wirst schon wiederkommen.“

Ich: „Das ist genau die Art von Prognose, die ihr sonst als Beweis für den Verfall der Welt benutzt.“

Dieter grinst kurz.

Hans-Jürgen nickt.

Ich stehe auf.

„Ich wünsche euch einen schönen Tag.“

Dieter: „Pass auf“

Ich: „Ich versuche es. Aber ohne daraus eine Vollzeitbeschäftigung zu machen.“

Hans-Jürgen: „Du wirst schon sehen.“

Ich nicke.

„Ja. Möglich. Oder eben nicht. Beides erstaunlich praktikabel.“

Dann gehe ich.

Hinter mir:

Dieter: „Der checkt das noch.“

Hans-Jürgen: „Spätestens wenn er mal richtig lange hier ist.“

Ich bleibe kurz stehen, ohne mich umzudrehen.

Dann sage ich nur noch:

„Wenn ‚richtig lange hier sein‘ Voraussetzung für Klarheit ist, würde ich vorschlagen, ich bleibe bewusst unvollständig informiert.“

Pause.

Ich gehe weiter.

Und während ich durch die Straße gehe, merke ich, dass ich ziemlich gut gelaunt bin.

Ich pfeife innerlich fast ein bisschen vor mich hin, so dieses leichte, unaufgeregte Gefühl, dass die Welt insgesamt kein Problem ist, das sofort gelöst werden muss.

Eher so ein Ort, den man durchquert, während man sich über die Absurditäten am Wegesrand amüsiert.

Und irgendwo zwischen den Bars, Mopeds und Gesprächen denke ich daran, dass meine Frau wahrscheinlich später wieder anrufen wird.

Vielleicht nachts.

Vielleicht völlig überflüssig aus meiner Perspektive.

„Wie geht es dir? Hast du genug gegessen? Hast du Fieber?“

Diese im Kern wirklich zutiefst liebevolle asiatische Fürsorge. Oh mein Gott...

Meine Frau hängt an mir. Sehr. Sie war versklavt. In Saudi Arabien. Meine Reaktion darauf das damals gesehen zu haben, sie dort wirklich heraus zu holen (sie wollte mit Reinigungsmittel einst Suizid begehen, furchbar...jedes Jahr springen Filippina dort aus Verzweiflung aus den Fenstern...)... sie ist extrem nachhaltig....

... das alles hat eine starke Bindung geschaffen. Sie hat in Jahren konsequent dann alle Türen geöffnet und genutzt, die ich ihr in Deutschland gezeigt habe.

"Deutschland hat mir alles gegeben, alle Chancen und ich habe sie ergriffen. Ich bin sehr sehr dankbar".

Sie hat absolut null Verständnis, wirklich null für all die momentanen Schwarzseher. Aus ihrer Sicht eine sehr gut nachvollziehbare Haltung.

Meine Frau ist glücklich und das auch besonders, weil sie mich glücklich macht...diese ganzen Annahmen über negative Szenarien - was soll ich dazu nur sagen...was?

Und ich weiß schon jetzt, dass ich müde sein werde, vermutlich sehr müde, wenn sie mich wieder um 3.07 h anruft... so ist sie halt.

Aber auch, dass ich dieses leise, konsequent liebevolle Nachfragen von ihr irgendwie erstaunlich beruhigend finde.

Vielleicht sogar der eleganteste Gegenbeweis zu allem, was Dieter und Hans-Jürgen so sicher behaupten.

Diese Mischung aus Fürsorge, Kontrolle und echtem Interesse an meinem Zustand ist, wenn man ehrlich ist, ziemlich schwer als „Desinteresse der Welt“ zu interpretieren.

Eher das Gegenteil.

Ich schmunzle.

Und gehe weiter, ein bisschen langsamer, ein bisschen leichter.

So wie jemand, der sich nicht entscheiden muss, ob die Welt gut oder schlecht ist.

Sondern einfach nur drin lebt.

Und das reicht meistens völlig aus.

Es geht mir selber ausgezeichnet. Eine Konstante in meinem Leben. Sunnyboy. Trotz zickiger Klimaanlage...


Sonne P.jpg
 
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Klimbim

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24 November 2024
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TEIL 38 – „DER MANN, DER IM DOMS (THE DOM, von einem Franzosen betrieben, den ich mag) ZUR SOI 5 AUS VERSEHEN EINE INTERNATIONALE UNTERTITEL-ABTEILUNG BETRIEB“


Vorab: ja, ich beherrsche muttersprachlich Deutsch und Französisch, sehr gut Englisch und auch recht manierlich Türkisch. Das ist so.

Wichtig, wenn man die Geschichte liest und verstehen will. 3 nette Menschen, die ich zusammen geführt habe. Die Namen indes habe ich verfremdet... aus Diskretion.



Ort: DOMS, Soi 5, Pattaya, Pratumnak. Abend. Lautstärke irgendwo zwischen „Urlaub“ und „Missverständnis in Echtzeit“.

Drei Auswanderer am Tisch, die sich ohne mich (zunächst) vermutlich nur mit Gestik, Bier und Resignation verständigen würden:

– Jerry (USA), überzeugt von Klarheit
– Monsieur Dubois (Frankreich), überzeugt von Stil
– Mehmet (Türkei), überzeugt davon, dass alles eigentlich einfach ist

Und ich (Klimbim), offenbar spontan eingesetzter Sprach-Patch für ein System, das nie dafür gebaut wurde.


Ich setze mich eigentlich nur hin.

Das ist der ursprüngliche Plan.

Er hält exakt so lange, bis jemand etwas sagt.


JERRY:
“So what are you doing here long term?”

Ich:
„Er fragt, was Sie langfristig hier machen.“

DUBOIS:
„Survivre avec élégance.“
(„Mit Eleganz überleben.“)

Ich:
„He says: survive with elegance.“

MEHMET:
“Yaşamak işte.”
(„Einfach leben.“)

Ich:
„He says: just living.“

Jerry schaut mich an.

JERRY:
“That sounds vague.”

Ich:
„Er sagt, das klingt vage.“

DUBOIS:
„La précision est une illusion pour touristes.“
(„Präzision ist eine Illusion für Touristen.“)

Ich:
„He says precision is an illusion for tourists.“

Mehmet lacht kurz.

MEHMET:
“Burada plan yok.”
(„Hier gibt es keinen Plan.“)

Ich:
„He says there is no plan here.“

Jerry:
“That’s not sustainable.”

Ich:
„Er sagt, das sei nicht nachhaltig.“

DUBOIS:
„La durabilité est une invention administrative.“
(„Nachhaltigkeit ist eine administrative Erfindung.“)

Ich:
„He says sustainability is an administrative invention.“


Ich merke langsam:
Ich bin nicht mehr Teil des Gesprächs.

Ich bin Infrastruktur.

JERRY:

“So how do you make decisions?”

Ich:

„Er fragt, wie Sie Entscheidungen treffen.“

MEHMET:
“Kalp.”
(„Das Herz.“)

Ich:
„He says: heart.“

DUBOIS:
„Et un peu de fatigue.“
(„Und ein bisschen Müdigkeit.“)

Ich: „And a bit of exhaustion.“

Jerry:
“That explains a lot.”


Dann passiert etwas Ungewöhnliches.

Die drei beginnen gleichzeitig zu sprechen, aber in drei verschiedenen logischen Systemen:

JERRY:
“This is inefficient.”

DUBOIS:
„C’est charmant.“
(„Das ist charmant.“)

MEHMET:
“Normal.”
(„Normal.“)


Ich versuche zu synchronisieren.

Ich zu Jerry: „He says it is inefficient.“

Ich zu Dubois: „He says it is charming.“

Ich zu Mehmet: „He says it is normal.“


Alle drei schauen mich kurz an.

JERRY: “You’re translating philosophy now.”

Ich: „Er sagt, ich übersetze jetzt Philosophie.“


DUBOIS:

„Il ne traduit pas. Il orchestre.“
(„Er übersetzt nicht. Er orchestriert.“)

Ich:
„He says I am orchestrating, not translating.“

MEHMET nickt:
“Doğru.”
(„Stimmt.“)


Ich nehme einen Schluck Bier.

Es wird wärmer.
Nicht im Getränk.
Im System.

JERRY:
“So what do you do, exactly?”

Ich:
„Er fragt, was ich genau mache.“

Ich überlege kurz.

Dann passiert der Moment, der alles verändert:

Ich fange an, sie gegenseitig zu übersetzen, ohne gefragt worden zu sein.

Ich zu Dubois: „He says what exactly do you do.“

DUBOIS:
„Je vis entre les erreurs.“
(„Ich lebe zwischen den Fehlern.“)

Ich: „He says he lives between errors.“


Ich zu Mehmet: “Hatalar arasında yaşıyorum.” (genau das Gleiche, ins Türkische übersetzt von mir)

MEHMET: “Güzel.”
(„Schön.“)


Ich zu Jerry: „He says he lives between errors.“

Jerry: “That’s not a job.”


Ich: „Er sagt, das ist kein Beruf.“

DUBOIS: „C’est une condition.“
(„Es ist ein Zustand.“)

Ich: „He says it is a condition.“

MEHMET: “Hayat.”
(„Leben.“)


Jetzt lachen alle drei kurz.

Nicht synchron. Aber gleichzeitig genug, dass es als Erfolg durchgeht.


Dann kommt der Moment, der typisch Pattaya ist:

Alle drei beginnen, sich direkt miteinander zu verstehen ...ohne mich.

Aber in drei verschiedenen Sprachen, die plötzlich irgendwie zusammenpassen.


JERRY: “We should plan something.”

DUBOIS: „Jamais.“
(„Niemals.“)

MEHMET: “Belki.”
(„Vielleicht.“)


Ich sitze da.

Ich übersetze nicht mehr.

Ich beobachte nur noch, wie ein Gespräch sich selbst organisiert.


JERRY: “This is actually kind of good.”

DUBOIS: „Oui. Mais ne le dites à personne.“
(„Ja. Aber sagen Sie es niemandem.“)

MEHMET: “Tamam.”
(„Okay.“)


Ich stelle mein Bier ab.

Noch halb voll.

Das ist hier meistens der richtige Zeitpunkt.

Ich stehe auf.

Ich zu allen drei:
„Gentlemen, you seem to have achieved functional communication.“

Ich übersetze für die Sicherheit:

Ich zu Jerry:
„Er sagt, ihr könnt jetzt kommunizieren.“

Ich zu Dubois: „Il dit que vous pouvez communiquer.“

Ich zu Mehmet: “Artık konuşabiliyorsunuz.”
(„Ihr könnt jetzt reden.“)


JERRY: “…we could before?”

DUBOIS: „Je pense que non.“
(„Ich glaube nicht.“)

MEHMET: “Bence de.”
(„Ich auch nicht.“)


Ich nicke freundlich.

„That is usually how it starts.“


Ich gehe ein paar Schritte zurück.

Und merke: Das Gespräch läuft jetzt besser ohne mich.

Sehr viel besser.

Hinter mir:

– ein Amerikaner, der Effizienz sucht
– ein Franzose, der Eleganz verteidigt
– ein Türke, der Einfachheit behauptet

und ein Tisch, der gerade beschlossen hat, dass Verständigung eigentlich nur eine Frage des Chaos-Managements ist.

Ich verlasse das DOM. Und habe den leisen Verdacht, dass ich gerade nicht geholfen habe.

Sondern nur den Übersetzungs-Overhead kurz stabilisiert habe.

Und genau das scheint hier manchmal völlig ausreichend zu sein.

Doms.jpg
 

Klimbim

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24 November 2024
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Teil 39: „Wie viel Geld braucht man in Thailand zum Überleben? Oder: Warum ein Sonnenuntergang erstaunlicherweise nur sehr selten Krankenhausrechnungen bezahlt“


Diese Frage wird im Internet ungefähr alle sieben Minuten gestellt.


Auf YouTube.
In Foren.
In Facebook-Gruppen.
In Bars.
In Kommentarsektionen.
An Poolanlagen.
An Immigration-Schaltern.
Vermutlich sogar heimlich in Apotheken.

„Wie viel braucht man wirklich zum Leben in Thailand?“

Und jedes Mal sitzt irgendwo ein Typ mit Sonnenbrand, Elefantenhose und halb leerem Leo-Bier da und antwortet mit der Ruhe eines buddhistischen Gebrauchtwagenhändlers:

„Depends on lifestyle.“

Was gleichzeitig vollkommen richtig und vollkommen nutzlos ist.

Klaus-Dieter: „Also ich kenne einen Engländer, der lebt hier seit acht Jahren von 480 Euro.“

Klimbim: „Ja. Und ich kenne einen Goldfisch, der drei Tage ohne Erinnerung lebt.
Beides sind keine belastbaren Langzeitkonzepte.“

Denn zunächst muss man definieren, was „leben“ überhaupt bedeutet.

Essenziell braucht man:
Nahrung.
Wasser.
Ein Dach.
Eine medizinische Versorgung.
Und idealerweise einen Ort, an dem nachts nicht gleichzeitig drei Geckos, zwei Moskitoschwärme und ein emotional instabiler Hahn wohnen.

Alles andere ist bereits Feintuning.

Manche Menschen leben in Thailand wie tropische Feldhamster.
Reis.
Ventilator.
Plastikstuhl.
Fertig.

Andere wiederum bewegen sich durch Pattaya wie leicht verwirrte Kreuzfahrtdirektoren mit Kreditkarte.

Und beide behaupten anschließend im Internet, sie hätten „das System verstanden“.

Klaus-Dieter: „Minimalismus macht frei.“

Klimbim: „Ja. Aber Skorbut eher nicht.“

Dann beginnt die Mobilitätsfrage.

Der Erste fährt Roller und wirkt dabei wie ein zen-buddhistischer Kurierfahrer ohne Zeitgefühl.

Der Zweite benutzt ausschließlich Bolt-Taxis, weil er seit einem Sturz 2017 überzeugt ist, dass jede Kreuzung in Thailand aktiv versucht, ihn zu töten.

Der Dritte fährt Bus aus Leidenschaft.
Nicht aus Armut.
Leidenschaft.

Er sitzt dort mit stiller Würde am Fenster, betrachtet Palmen und fühlt sich wie ein ethnologischer Feldforscher auf Klassenfahrt.

Der Vierte bewegt sich überhaupt nicht mehr.

Er lebt seit acht Monaten zwischen Bett, Pool und Kühlschrank und nennt das: „Minimalismus.“

Klaus-Dieter: „Ich verlasse mein Condo kaum noch.“

Klimbim: „Du lebst inzwischen wie eine sehr gut klimatisierte Zimmerpflanze.“

Dann das Essen.

Auch hier beginnt sofort religiöse Spaltung.

Die einen essen ausschließlich Streetfood mit der biologischen Risikobereitschaft sowjetischer Testpiloten.

Andere wiederum betreten Restaurants nur, wenn die Speisekarte aussieht, als hätte ein depressiver Grafikdesigner sie auf Büttenpapier gedruckt.

Dann existieren die Nachtmarkt-Mystiker.

Diese Männer laufen stundenlang durch Garküchenlandschaften wie Trüffelschweine mit Kreditwürdigkeit.

Sie suchen nicht Nahrung. Sie suchen „dieses eine kleine Curry hinten links neben dem Ventilator“.

Und wenn sie es finden, reden sie drei Tage darüber.

Klaus-Dieter: „Die beste Suppe meines Lebens gab’s neben einem Abwasserkanal.“

Klimbim: „Das glaube ich sofort. Der Kanal hatte vermutlich mehr Tiefgang.“

Dann kommt der Isan-Typ.

Jeder kennt mindestens einen.

Er sitzt irgendwo in einer Holzhütte neben einem Sumpfgebiet, in dem die Mücken so dicht fliegen, dass man glaubt, die Luft hätte plötzlich Fell bekommen.

Er trinkt warmes Bier, beobachtet Wasserbüffel und schreibt im Forum: „Here I finally found the real Thailand.“

Was meistens bedeutet:
keine Klimaanlage,
kein vernünftiger Kaffee
und medizinische Versorgung in ungefähr acht Motorradstunden Entfernung.

Aber er wirkt glücklich.

Oder zumindest entschlossen.

Klaus-Dieter: „Dort draußen findest du noch echtes Leben.“

Klimbim: „Ja. Und vermutlich auch Malaria mit Charakterentwicklung.“

Dann wiederum Pattaya.

Dort existieren eigene Unterarten.

Die Soi-7-Strategen.
Die Soi-6-Romantiker.
Die Walking-Street-Archäologen.

Männer, die nachts durch Neonlichtlandschaften wandern wie Tiefseetaucher mit Kreditkartenproblem.

Und jeder behauptet: „Ich kenne mich aus.“

Was meistens bedeutet: sie kennen exakt drei Bars, zwei Massagesalons und einen Deutschen namens Rüdiger, der seit 14 Jahren „nur noch dieses Jahr“ zurück nach Europa fliegen will.

Klaus-Dieter: „Rüdiger hat jetzt übrigens ein neues Businessmodell.“

Klimbim: „Natürlich. Welche Woche haben wir denn?“

Dann die große Beziehungsfrage.

Hat man eine echte Partnerin?
Glaubt man, eine echte Partnerin zu haben?
Oder finanziert man bereits unbemerkt die Wasserversorgung eines halben Dorfes?

Auch das verändert das Budget leicht.

Klaus-Dieter: „Ihre Familie ist sehr traditionell.“

Klimbim: „Ja. Besonders die traditionelle monatliche Überweisung.“

In meinem Fall ist das alles deutlich einfacher.

Ich habe eine solide Krankenversicherung.
Nicht wegen Panik.
Sondern weil ich keine Lust habe, bei ernsthaften Krankheiten plötzlich finanzielle Feldversuche zu veranstalten.

Ich habe ein eigenes Condo.

Das bedeutet:
keine Miete,
aber dafür die tiefe deutsche Befriedigung, zu wissen, dass die Klimaanlage exakt dort hängt, wo man sie selbst haben wollte. Sie zickt, aber sie läuft...

Ich fahre überwiegend Roller.

Nicht weil ich Abenteuer suche.

Sondern weil ein Roller in Thailand ungefähr die eleganteste Form organisierter Beweglichkeit darstellt, die je erfunden wurde.

Taxen benutze ich nur, wenn Alkohol ins Spiel kommt.

Was meine Frau offiziell missbilligt.

Inoffiziell weiß sie vermutlich längst alles und beobachtet das Ganze mit der Gelassenheit medizinischer Fachkräfte, die schon deutlich schlimmere Patienten erlebt haben.

Klaus-Dieter: „Du planst das alles viel zu deutsch.“

Klimbim: „Natürlich. Deshalb sitze ich nachts ruhig auf dem Balkon statt hysterisch vor Excel-Tabellen zu beten.“

Ansonsten brauche ich erstaunlich wenig.

Ich entdecke gerne neue Orte.
Strände kosten meistens nichts.
Spaziergänge ebenfalls nicht.
Gute Gespräche auch nicht.

Und die ehrlich schönsten Nachmittage entstehen oft aus Dingen, die keinerlei Prestige besitzen:
ein guter Tee,
ein ruhiger Balkon,
eine angenehme Brise,
ein interessantes Gespräch,
eine funktionierende Klimaanlage.

Ich esse gerne gut.
Sehr gut sogar.

Nicht ständig teuer.
Aber wenn teuer, dann bitte richtig.

Mein Magen ist keine Verhandlungsmasse des Rentensystems.

Streetfood esse ich selektiv.
Mein Verdauungssystem führt inzwischen Sicherheitsprüfungen durch wie ein misstrauischer Grenzbeamter kurz vor Schichtende.

Massagen wiederum liebe ich.

Kopf.
Füße.
Ruhe.
Schlaf.

200 Baht für eine Stunde geistige Systemwartung halte ich nicht für übertrieben.

Eher für eine der vernünftigsten Investitionen Südostasiens.

Klaus-Dieter: „Vier Massagen die Woche? Luxus!“

Klimbim: „Nein. Wartungsvertrag für das Nervensystem.“

Alkohol?

Lieber selten und hervorragend.

Ich trinke lieber einen exzellenten Obstbrand in Ruhe, als mich mit billigem Whisky geistig in eine schlecht isolierte Gartenhütte zurückzuentwickeln.

Aber das ist individuell.

Und an dieser Stelle kommt allerdings der Teil, wo mein deutscher Innenbeamter kurz die Lesebrille aufsetzt und leise räuspert.

Denn es gibt durchaus eine Untergrenze dessen, was man realistischerweise stemmen sollte.

Ein Dach über dem Kopf.
Vernünftiges Essen.
Eine Krankenversicherung, die diesen Namen auch verdient.
Und genug finanzielle Reserven, damit man nicht bei jedem kleineren Zwischenfall plötzlich aussieht wie ein Hamster kurz vor einem wirtschaftlichen Nervenzusammenbruch.

Denn manche Modelle, die man online so sieht, wirken finanziell ungefähr so stabil wie ein Gartenstuhl aus geschmolzenem Käse.

„Bro, I live here on 400 dollars.“

Ja. Im Moment vielleicht.

Bis die Realität plötzlich mit einem Motorrad, einer Blinddarmentzündung oder einem Herzproblem um die Ecke biegt und freundlich fragt:
„Good evening, Sir. How exactly was this supposed to work long term?“

Klaus-Dieter: „Man darf halt nicht so deutsch denken.“

Klimbim: „Und Intensivstationen darf man offenbar auch nicht so ernst nehmen.“

Besonders unerquicklich wird es nämlich, wenn andere Menschen am Ende die Rechnung übernehmen sollen.

Zum Beispiel thailändische Krankenhäuser, deren Personal teilweise selbst deutlich weniger verdient als manche westlichen Daueroptimisten aus Pattaya.

Oder Verwandte in Deutschland, die plötzlich nachts Anrufe erhalten wie Geiselnahme-Verhandlungen der globalisierten Mittelklasse:

„Hallo. Also… entweder Onkel Dieter wird jetzt entlassen und stirbt möglicherweise irgendwo zwischen Pharmacy und Family Mart…
oder ihr überweist relativ kurzfristig ungefähr den Gegenwert eines gebrauchten Kleinwagens.“

Das halte ich persönlich nicht für ein tragfähiges Auswanderungsmodell.

Thailand ist wunderbar.

Aber Thailand ist kein magischer Ort, an dem Mathematik aufhört zu existieren.

Auch Palmen ersetzen keine Intensivstation. Und ein Sonnenuntergang bezahlt erstaunlicherweise nur sehr selten Krankenhausrechnungen.

Und genau deshalb halte ich übrigens auch die Möglichkeit, langfristig mit einem O-Non-Retirement-Visum komplett ohne Krankenversicherung in Thailand leben zu können, für keine besonders geniale Konstruktion. Ich finde sie genauer Gesagt eine Unverschämtheit, da bin ich ehrlich.

Nicht das Visum an sich.

Aber diese Möglichkeit.

Denn die Realität interessiert sich erschütternd wenig für Freiheitsromantik.

Klaus-Dieter: „Ich brauche keine Versicherung. Mir passiert nichts.“

Klimbim: „Das sagen Männer erstaunlich oft kurz bevor sie rückwärts von einer nassen Treppe fallen.“

Natürlich kann jahrelang alles gutgehen.

Bis plötzlich ein Motorradfahrer, ein Schlaganfall, ein Herzproblem oder eine Treppe mit philosophischer Agenda auftaucht.

Und dann beginnt internationales Krisenmanagement mit WhatsApp-Anrufen und völlig entgleisten Gesichtsausdrücken.

Denn wenn jemand dauerhaft in Thailand lebt, keinerlei echte Absicherung besitzt und dann finanziell kollabiert, belastet das fast immer andere Menschen.

Krankenhäuser.
Freunde.
Familien.
Oder irgendwelche Verwandten in Europa, die plötzlich Rechnungen sehen, bei denen selbst stabile Erwachsene anfangen, minutenlang schweigend auf Tapetenmuster zu starren.

Ich persönlich halte das nicht für Freiheit.

Ich halte das für ein sehr optimistisches Experiment mit schlechter Ausfallplanung.

Klaus-Dieter: „Du denkst zu negativ.“

Klimbim: „Nein. Ich denke nur bis zum Ende des Satzes.“

Deshalb bin ich der Meinung:
Wenn man auswandert, sollte man wenigstens halbwegs solide organisiert sein.

Nicht luxuriös.
Nicht millionenschwer.
Aber stabil genug, dass man nicht bei jedem medizinischen Zwischenfall plötzlich aussieht wie ein kollabierendes Start-up mit Sonnenhut.

Denn echte Freiheit entsteht nicht daraus, dass man völlig planlos alles riskiert.

Sondern daraus, dass man ruhig schlafen kann, obwohl man tausend Kilometer entfernt unter Palmen sitzt.

... beim Weizenbier für mich und dem Chang für Klaus - Dieter, wird das Thema dann noch in eine Abschlussdiskussion münden...


Klaus-Dieter: „Deutschland ist sowieso fertig.
Alles kaputt.
Nur noch Vorschriften, Fahrradwege und Hafermilch.“

Klimbim: „Interessant. Und trotzdem lässt du dir jeden Monat deine Rente exakt aus diesem völlig untergegangenen Land überweisen.“

Klaus-Dieter: „Hier in Thailand ist man wenigstens noch frei.“

Klimbim: „Ja. Vor allem frei von funktionierenden Bürgersteigen.“

Klaus-Dieter: „Die Deutschen da drüben verstehen das Leben einfach nicht mehr.“

Klimbim: „Sagt der Mann, der seit drei Stunden in Sandalen vor einem Ventilator sitzt und ein Bier anstarrt wie ein pensionierter Wikinger.“

Klaus-Dieter: „In Europa darf man bald gar nichts mehr sagen.“

Klimbim: „Du redest seit acht Jahren ununterbrochen den gleichen Quark nehme ich an, oder? Die Lage scheint überschaubar dramatisch zu sein.“

Klaus-Dieter: „Früher war alles besser.“

Klimbim: „Vor allem die Bandscheiben und die Cholesterinwerte.“

Klaus-Dieter: „Hier braucht man diesen ganzen deutschen Sicherheitswahn nicht.“

Klimbim: „Korrekt. Bis plötzlich ein Motorroller physikalische Grundprinzipien in deinen Oberschenkel einführt.“

Klaus-Dieter: „Die Menschen hier sind wenigstens noch natürlich.“

Klimbim: „Ja. Moskitos ebenfalls. Trotzdem schlafe ich lieber mit Klimaanlage.“

Klaus-Dieter: „Die ganze Welt wird weich.“

Klimbim: „Du weichst seit zwölf Jahren jedem Steuerbescheid aus wie ein vietnamesischer Rollerfahrer einem Schlagloch.“

Klaus-Dieter: „Du wirst irgendwann noch verstehen, was Freiheit wirklich bedeutet.“

Klimbim: „Ich vermute stark: nicht nachts um zwei panisch Cousins in Nordrhein-Westfalen anzurufen wegen Krankenhausrechnungen.“

Klaus-Dieter: „Du denkst einfach zu viel.“

Klimbim: „Und du überraschend selten bis zum Ende einer Konsequenz.“

Klaus-Dieter: „Thailand macht gelassen.“

Klimbim: „Nein. Thailand macht Hitze.

Die Gelassenheit entsteht erst nach der dritten funktionierenden Versicherung.“

Ach Klaus-Dieter... jaja... ich weiss, das Leben ist hart...

Mein Bett hingegen wunderbar weich und es ist das beste, das ich je besaß. Mit 60 finde ich es angemessen. Ich will nicht mehr auf einer Luftmatratze schlafen, nur weil ich in den Tropen unterwegs bin...

Das kann man durchaus verstehen denke ich... aber auch Klaus-Dieter, wünsche ich alles Gute :)

Bett.jpg
 
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Klimbim

Hat nix anderes zu tun
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24 November 2024
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Warum gibt es in Thailand eigentlich recht viele "Klaus-Dieters"? Diese Sorte meine ich...

Es gibt sehr verschiedene Menschen. Aber die Anhäufung dieser Spezies, lässt mich grübeln.

Vom Namen her wiederum heissen die meisten gefühlt: "Stefan / (Steffen, wenn aus den neuen Bundesländern), Michael, Martin und Manfred".

Finde ich auch kurios. Ich werde jetzt dazu eine Strichliste beginnen. :biggrin:

Sollte ein Leser so heissen: ich bitte um Vergebung. Ich bin ein spottender Typ, will aber niemanden ! herabwürdigen. Alles Satire!

Beim Namen "Siggi", zähle ich aber nur den "Siggi unter den Siggis" - den echten Mantafahrer aus Bottrop. Ahhh neee... heute fahren die Stadtpanzer, einen völlig idiotischen SUV... ich weiss, ich weiss...

SUV-Kritik Ich bremse nicht für.jpg
 
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