Ein weiterer Grund, wieso ich mich im Moment nicht zu 100% auf Thailand einlassen kann und will, ist die Tatsache, dass man als Ausländer kein Mitspracherecht und auch kaum Handhabe bei Problemen hat.
Häufig läuft es auf "Friss oder stirb" oder das übliche Totschlagargument der Thailand-Ultras "Wenn es dir nicht passt, dann geh halt wieder zurück nach Deutschland" hinaus.
Ich wohne zur Zeit in Ost-Pattaya, ca. 15km von der Stadt entfernt und schon etwas ländlicher. 95% der Nachbarn sind Thais.
Diese Nachbarn verbrennen mehrmals pro Woche ihren Grünschnitt und Haushaltsmüll in ihren Gärten.
Der Nachbar, dem das Grundstück direkt neben uns gehört, hat nicht weit entfernt von unserem Haus mehrere Haufen mit Grünschnitt, Plastik und anderem Müll gemacht, die er alle paar Tage abfackelt.
An einem Abend war ich im Garten, als er mal wieder Benzin über das Zeug gekippt hat. Er hat mich natürlich gesehen. Genauso hat er gesehen, dass unsere Fenster überall geöffnet waren und wir unsere Wäsche zum Trocknen aufgehängt haben.
Anstatt uns zu sagen, dass wir die Fenster zumachen und die Wäsche reinstellen sollen, hat er gewartet, bis ich weg war, um seinen Müll "heimlich" anzuzünden.
Die Mischung aus trockenen Palmwendeln, feuchten Palmstämmen und Plastik stinkt abartig. Und das stundenlang, weil es anstatt zu brennen nur kokelt.
Anhang anzeigen 2166965
Anhang anzeigen 2166964
Anhang anzeigen 2166963
Die anderen Nachbarn wohnen etwas weiter weg, aber auch hier wird ohne Rücksicht auf andere Personen gezündelt.
Was soll man dagegen schon tun?
Als Farang wird man nicht wirklich ernstgenommen.
Man bleibt Gast und hat eigentlich kaum eine Chance, vollwertiges und respektiertes Mitglied der Gesellschaft zu werden. Das verhindert allein schon die Gesetzeslage (Visum, Grundbesitz, usw.).
Meine Freundin meinte auch, dass Beschwerden oder direkte Konfrontation nichts bringen, weil es in Thailand genug "Assis" (in den USA würde man Rednecks sagen) gibt, die es einem dann erst recht reindrücken wollen.
Gibt ja etliche Berichte von blutigen oder tödlichen Nachbarschaftsstreitigkeiten wegen absoluten Nichtigkeiten im Thai-TV.
Ähnlich sieht es mit dem Müll entlang der Straßen aus. Hier mal ein paar aktuelle Beispiele aus meiner Nachbarschaft:
Anhang anzeigen 2166959
Anhang anzeigen 2166962
Anhang anzeigen 2166961
Anhang anzeigen 2166960
Das sind Sachen, die so einfach zu lösen wären, wenn viele der Einheimischen nicht so gleichgültig wären.
Aber auch hier dasselbe Problem. Als Ausländer hat man nichts zu melden. Einmischung ausdrücklich unerwünscht.
Deshalb frage ich mich schon, ob ich hier wirklich dauerhaft leben und / oder eine nicht unerhebliche Summe in Wohn"eigentum" investieren soll, wenn ich absolut gar nichts beitragen darf und kann.
Ein anderes Beispiel sind die extrem lauten und dreckigen Motorbikes und Pick-Ups.
Ich esse fast jeden Tag in kleineren Restaurants entlang der Hauptstraße, die durch unser "Dorf" führt.
Es fahren quasi im Minutentakt Fahrzeuge mit der gefühlten Lautstärke von startenden Flugzeugen vorbei.
Wenn ich mich dann umschaue, sehe ich bei den Thais überwiegend genervte und stirnrunzelnde Gesichtsausdrücke.
So gut wie jeder ist entnervt und würde sich wahrscheinlich wünschen, dass es anders wäre. Trotzdem wird sich nie etwas ändern, weil die Leute anscheinend resigniert haben.
Dann noch dieses "Gesicht wahren" oder in anderen Worten: niemand ist für irgendwas verantwortlich, keiner kann zur Rechenschaft gezogen werden, es gibt für alles eine Ausrede, direkte Kritik sollte man besser nicht äußern oder der Gegenüber ist beleidigt wie ein 5-jähriges Kind...
Bitte nicht falsch verstehen, ich übertreibe hier bewusst. Will aber trotzdem verdeutlichen, dass es Punkte in Thailand und Eigenschaften der Einheimischen gibt, die mir erst im Laufe der Jahre so richtig bewusst geworden sind.
Natürlich ist Thailand ein schönes Land, wenn man einfach mit dem Strom schwimmt und sich mit den Gegebenheiten abfindet. Wahrscheinlich ist Thailand sogar eines der besten Länder, wenn man einfach sein Ding durchziehen will.
Solange man sich an die grundlegenden Regeln hält, wird man in Ruhe gelassen (die Thais erwarten nichts von einem und gleichzeitig darf man von Thailand nicht viel erwarten) und kann neben den Thais in seiner "Auswanderer-Blase" ganz entspannt co-existieren.
So würde ich auch als Überwinterer leben. Da wären mir viele der oben genannten Punkte relativ egal, weil ich wüsste, dass ich mich nicht dauerhaft damit auseinandersetzen muss.
Wenn es aber zum Alltag gehört, hinterfrage ich manche Sachen schon etwas intensiver.
Vielleicht liegt es auch an meinem Alter. Mit Ende 30 bin ich noch nicht im "Verwaltermodus". Als Renter könnte meine Sichtweise natürlich ganz anders aussehen.
Wie gesagt, sind das meine persönlichen Empfindungen und natürlich nur ein Teil, der für oder gegen eine Auswanderung spricht.
Zudem heißt es nicht, dass ich Thailand oder die Thais schlecht finde, sondern nur, dass die strukturellen Rahmenbedingungen eventuell nicht so gut zu meinen Anforderungen für ein dauerhaftes Leben in Thailand passen.