Neben Updates , familiären Dingen und meinem Hobby schweife ich gelegentlich auch gerne mal in rückblickende Gedanken.
Und ich habe mich entschlossen, diese auch mit euch zu teilen
Mein Weg nach Thailand und wie aus einem Urlaub eine zweite Heimat wurde – oder: Der Weg eines Farangs in den Isaan
Wenn ich heute nach Thailand fliege, fühlt es sich nicht wie eine Reise an. Es fühlt sich eher an wie Heimkommen. Das war allerdings nicht immer so.
Das klingt vielleicht etwas seltsam für jemanden, der in Deutschland geboren wurde und dessen erste Begegnung mit Thailand vor vielen Jahren vor allem aus Sonne, Strand, Meer und gelegentlichen Versuchen bestand, die lokale Bierkultur und auch anderes wissenschaftlich zu erforschen ....
Am Anfang war Thailand für mich das, was es für viele ist: Sonne, Meer, Palmen, gutes Essen, neue Gerüche , neue Geschmäcker ... ja ok, auch die der Frauen

, fremde Klänge und eine Reizüberflutung, die manchmal gleichzeitig faszinierend und leicht erschlagend war. Dazu kam die ein oder andere Party, die man als neugieriger Besucher natürlich nicht ausließ und die manchmal zwischen Begeisterung und völliger Orientierungslosigkeit schwankte.
Und mittendrin ich. Ein Farang, der neugierig war, aber von vielem eigentlich keine Ahnung hatte, obwohl hier im Forum schon einige vorab Konsumiert wurde.
Gut, das hat sich bis heute nicht vollständig geändert ... aber einiges doch und auch die Sichtweise.
Ich war schon immer jemand, der gerne Neues entdeckt. Trotzdem verstand ich damals vieles noch nicht. Thailand war spannend, exotisch und anders – aber eben auch ein Land voller Dinge, die sich nicht mit europäischen Maßstäben erklären ließen.
Gerade dieser Mix machte den Reiz aus. Am Anfang bewegte ich mich natürlich in den bekannten Touristengebieten. Dort, wo sich jeden Abend die halbe Welt trifft, um das "echte Thailand" zu entdecken – gemeinsam mit anderen Menschen, die genau dasselbe vorhaben.
Trotzdem mochte ich auch diese Zeit.
Der Mix aus Reisenden und Einheimischen hatte seinen Reiz. Ich lernte Menschen aus allen möglichen Ländern kennen und gleichzeitig erste Thais, die mir zeigten, dass Thailand weit mehr war als die üblichen Reiseführerseiten.
Irgendwann begann das Ganze tiefer zu gehen.
Plötzlich landete ich nicht mehr nur in Restaurants mit englischer Speisekarte und Bildern vom Essen, sondern an Orten, an denen überwiegend / ausschließlich Thais saßen und ich zunächst nicht einmal sicher war, ob ich überhaupt etwas Essbares bestellt hatte. Gerichte deren Namen ich kaum aussprechen konnte und deren Schärfe mich gelegentlich an meiner Lebenserwartung zweifeln ließ.
War es Rückblickend Essbar ?
Die Antwort war meistens ja .... Manchmal scharf .... Sehr scharf.
Mitunter so scharf, dass ich kurzzeitig das Gefühl hatte, sämtliche Sünden meines bisherigen Lebens würden durch die Nase und Poren wieder aus meinem Körper verschwinden und mit 2 bis 5 Singha nachgespült werden musste.
Aber lecker war es.

Das war ja die Hauptsache.
Durch meine Neugier und mein Faible für Fotografie zog es mich ohnehin immer öfter abseits der bekannten Wege. Während andere den hundertsten Sonnenuntergang am selben Strand fotografierten machte ich dies an verschiedenen Stränden

Spaß bei Seite. Ich stand immer öfter irgendwo auf einem Markt, in einer kleinen Gasse oder mitten auf einer Landstraße und fragte mich,
warum genau ich gerade dort war. Sehenswürdigkeiten waren interessant, aber oft waren es die kleinen Momente am Straßenrand, die besagten Märkte, Tempel oder die Menschen selbst, die meine Aufmerksamkeit fesselten. Meistens stellte sich heraus: Genau deshalb war ich dort .
Denn dort begann für mich das interessante Thailand.
Mit jeder Reise entfernte ich mich ein Stück weiter von den klassischen Touristenregionen. Es ging in den Norden, in kleinere Orte am Meer und in Gegenden, in denen deutlich mehr Thai gesprochen wurde als Englisch.
Und je weiter ich mich vom Tourismus entfernte, desto wohler fühlte ich mich.
Ich wollte nie der Farang werden, der drei Winter am selben Ort verbringt und danach erklärt, er habe Thailand vollständig verstanden und sich anschließend zum Thailand-Experten erklärt
Stattdessen wollte ich verstehen, wie die Menschen lebten. Also aß ich dort, wo Thais aßen, ging dorthin, wo Thais ihre Freizeit verbrachten, und verbrachte immer mehr Zeit unter Einheimischen.
Wer behauptet, Thailand vollständig verstanden zu haben, hat wahrscheinlich schon beim ersten Satz bewiesen, dass er es nicht verstanden hat.
Also versuchte ich lieber zuzuhören.
Zu beobachten.
Zu lernen.
Und langsam fühlte sich Thailand immer weniger wie ein fremdes Land an.
Irgendwann bemerkte ich sogar, dass sich die Flüge nach Thailand wie Heimflüge anfühlten. Während andere von Urlaub sprachen, hatte ich oft das Gefühl, nach Hause zu fliegen.
Ein merkwürdiger Gedanke.
Aber ein ehrlicher.
Einen ersten Anteil daran hatte, neben eigener Entwicklung und Initiative dort meine erste Thaifreundin.
Durch sie lernte ich den Isaan kennen, insbesondere die Provinz Buriram bis hinunter zur kambodschanischen Grenze.
Dort öffnete sich eine völlig neue Welt für mich.
Und eine Welt, die mit den Touristenzentren ungefähr so viel gemeinsam hatte wie ein Wasserbüffel mit einem Jetski.
Zum ersten Mal bekam ich Einblicke in das Familienleben vor Ort, die man als Tourist normalerweise nicht so einfach erhält. Ich erlebte sogar die Geburt eines Kindes – nein, nicht meines eigenen, dies wäre eine ganz andere Geschichte geworden., aber trotzdem einen Moment, den ich nie vergessen werde. Ich lernte den Alltag auf Gummibaumplantagen kennen und verstand nach und nach, wie das Leben fernab der Touristenzentren funktionierte und wie der Alltag vieler Menschen tatsächlich aussieht.
Gleichzeitig wurde mein Interesse an der Sprache immer größer. Erste Anfänge hatte ich bereits zuvor unternommen. Nun wollte ich aber auch lesen lernen
Am Anfang, so zumindest die ersten 3 Aufenthalte .... Nun ja.
"Ernsthaft lernen " war vielleicht Anfangs das falsche Wort ... Nennen wir es mal: interessiert und mutig.
Denn wer als Farang anfängt Thai zu sprechen, produziert zwangsläufig Situationen, die manchmal für die Einheimischen deutlich lustiger sind als für ihn selbst.
Ich erinnere mich noch an manche Gesichter - Diese Mischung aus Überraschung, Verwirrung und stillem Mitgefühl.
Manche dachten vermutlich: "Der spricht Thai." (zumindest die BarDamen .... )
Andere dachten vermutlich: "Der versucht es zumindest."
Und wieder andere: "Der ist doch tingtong."
Vermutlich hatten alle recht.
Mit der Zeit bewegte ich mich immer mehr, überwiegend unter Einheimischen.
Natürlich blieb ich als Farang vielerorts eine Ausnahmeerscheinung. Manchmal fühlte ich mich fast wie die Attraktion eines kleinen Dorffestes, oder das Tier imZoo.
Besonders Kinder beobachteten mich oft mit derselben Neugier, mit der ich vermutlich einen seltenen Vogel beobachten würde. Und ich mochte auch diese Begegnungen.
Noch schöner waren die überraschten Gesichter, wenn ich plötzlich auf Thai antwortete. Diese Momente habe ich immer geliebt.
Nicht weil mein Thai besonders gut war. Sondern weil sie zeigten, dass gegenseitige Neugier etwas Schönes sein kann.
Je tiefer ich eintauchte, desto mehr verstand ich Und gleichzeitig wurde mir klar, dass ich vermutlich niemals alles verstehen würde.
Aber genau darin liegt vielleicht die Magie, das ist doch das Leben. Manches kann man lernen. Manches muss man akzeptieren. Nicht im negativen Sinne, sondern mit Respekt vor einer anderen Kultur.
Thailand war für mich nie ein Projekt, das man irgendwann abschließt. Es war immer eine Reise und die dauert bis heute an. Wie man so sagt, der Weg ist das Ziel.
Später lernte ich durch meine heutige Lebensgefährtin weitere Regionen des Isaan kennen.
Rückblickend hatte ich über den Isaan vorher viel gehört.
Die Pampa - Das Ende der Welt - Der Ort, an dem der Hund begraben liegt.
Wo der Hahn morgens viel zu früh kräht.
Wo angeblich selbst der Wasserbüffel vor Langeweile einschläft und ausgerechnet dann krank wird, wenn die Tochter in einer Touristenstadt Geld von einem Farang benötigt.
Nun ja. Wasserbüffel gab es tatsächlich.
Viele sogar.
Für mich waren sie allerdings fantastische Fotomotive und deutlich entspanntere Zeitgenossen als manche Touristen am Hotelpool.
Ob dort der Hund begraben liegt? Schwer zu sagen. Bei der Anzahl an herumstreunenden Hunden in manchen Gegenden wohl eher das Gegenteil.
Was ich stattdessen fand, waren wunderschöne Landschaften, Lotusseen, Tempel, freundliche Menschen und eine Ruhe, die ich vorher kaum kannte. Vor allem aber fand ich dort etwas, das man in vielen Urlaubskatalogen nicht buchen kann.
Nicht die künstliche Ruhe eines Luxusresorts, sondern eine echte, natürliche Gelassenheit
Der Isaan wurde für mich mehr und mehr zu einem Gefühl.
Außerhalb der Stadt - Mitten zwischen Feldern.
Dort, wo manche Menschen sagen würden: "Hier ist ja gar nichts."
Und genau das ist oft das Schöne daran.
Morgens sitze ich mit meinem Kaffee draußen, keine hupenden Autos, keine Menschenmassen kein Großstadtlärm.
Nur Natur, Vögel ... Schlangen zum Glück eher selten bist jetzt ... Wind.
Und gelegentlich ein Hahn, der offenbar der Meinung ist, dass Schlaf grundsätzlich überbewertet wird, aber ich habe BoomBox.
Aber durchaus mit Anbindung zurück zum Lärm
Willkommen im Land des Lotus, könnte man sagen. Und damit meine ich ausnahmsweise nicht die Damen mancher Städte, Clubs und Bars ... Aber Städte gibt es im Isaan durchaus auch – man höre und staune.
Inzwischen habe ich dieses Gefühl auch in der Gegend von Udon Thani gefunden.
Durch meine derzeitig Lebensgefährtin entstand schließlich etwas, womit ich nie gerechnet hätte:
Eine zweite Heimat, ein zweites zu Hause
Wie beschrieben ,der Isaan wurde weniger nur ein Ort als vielmehr ein Gefühl..
Heute bin ich auch in der Gegend von Udon Thani zu Hause, außerhalb der Stadt, mitten zwischen Feldern und Natur.
Manche würden sagen: absolute Pampa.
Ich sage: ein guter Ort für den ersten Kaffee am Morgen.
Während andere den Verkehr hören, höre ich Vögel, Insekten und den Wind in den Feldern.
Die nächste Bar / Party befindet sich nicht zwei Straßen weiter, aber das nächste goße Tawandaeng 10 min mit dem Auto

Dafür das nächste Dorf nur wenige Minuten entfernt, quasi um die Ecke.
Und ja, wir haben sogar Nachbarn. Nur eben nicht hunderte übereinander gestapelt in einem Hochhaus.
Und erstaunlicherweise sogar funktionierendes Leben.
Manche Großstädter würden vermutlich überrascht feststellen, dass Menschen tatsächlich glücklich sein können, obwohl kein Einkaufszentrum in Sichtweite ist, ok ist auch nicht ewig weit weg mit dem Auto.
Und wer doch einmal etwas mehr Trubel möchte: Das nächste Tawandaeng ist ja nicht weit entfernt, genaugenommen sogar 2.
Denn eines habe ich gelernt: Sanuk funktioniert im Isaan genauso gut wie überall sonst in Thailand. Manchmal sogar besser und ich mag es so halt lieber als Touri parties.
Wir haben hier auch den Vorteil , dass es einen Flughafen gibt
Und falls mich plötzlich die Sehnsucht nach Verkehrschaos packt, kann ich jederzeit nach Bangkok fliegen. Dann schnappe ich mir einen Wingman oder meine Winwoman und ab geht's.
Komischerweise passiert das deutlich seltener, als ich früher gedacht hätte.
Auch wenn ich das Meer nach wie vor liebe, vermisse ich es nicht ständig.
Der Mekong hat seinen ganz eigenen Zauber, schlägt seine ganz eigenen Wellen.
Mal ruhig, mal lebhaft, teils voller Geschichten und manchmal Nachts mysteriöses Gewusel ... es bleit spannend
Und falls mich dort doch die Sehnsucht nach dem Ozean packt: Thailand ist groß, aber vieles bleibt erstaunlich erreichbar.
Während in Deutschland manchmal politischer Nebel aufzieht, fahre ich lieber nach Loei oder Phetchabun in die Berge. Dort gibt es wenigstens echten Nebel – und meist die schönere Aussicht.
Inzwischen (oder eigentlich schon lange) bin ich angekommen.
Nicht nur geografisch, sondern auch innerlich.
Nicht nur im Isaan. Sondern auch in einer Familie. In einem Alltag -In einem Gefühl.
Natürlich ist nicht alles perfekt, Thailand ist nicht nur das Paradies, der Isaan auch nicht.
Lotusblumen mögen schön rosa sein, aber deshalb betrachte ich die Welt nicht automatisch durch eine rosarote Brille, die Realität besteht überall aus Licht und Schatten.
Viele Farangs verwechseln Thailand sicherlich manchmal mit einer Dauerurlaubskulisse, entdecken Thailand in Bars und Nachtclubs , was nicht heißen soll, dass ich nie in einer Bar war ...
Ich habe mein Thailand an vielen verschiedenen Orten gefunden.
Es sind vor allem die Menschen, die Begegnungen.
Auch die Märkte, Feste sowie Gespräche und die kleinen Momente.
Ein Kaffee in Ruhe am Morgen eine spontane Einladung zum Essen, ein Abend am Mekong am Meer oder in den Bergen, ganz egal.
Oder ein Rocket Festival, bei dem man zeitweise das Gefühl bekommt, die Dorfbevölkerung hätte beschlossen, ein eigenes Raumfahrtprogramm zu starten.

Und wer es erlebt hat, weiß, dass dort gelegentlich mehr Energie in den Himmel geschossen wird als in mancher europäischen Silvesternacht, oh, lass das nicht Grünen hören ... ganz überl CO2 Abdruck ....
Der Isaan kann entschleunigen, wenn man möchte.
Er kann aber genauso feiern, wenn man möchte.
Vielleicht ist genau das sein Geheimnis.
Am Ende ist es genau dieses Gefühl, das für mich zählt und ich habe überall in Thailand etwas Positives gefunden.
Egal ob von Loei über Bueng Kan bis Buriram, von Chiang Rai nach Bangkok, von Koh Chang bis Hua Hin oder weiter in den Süden.
Überall gab es Menschen, Orte und Erlebnisse, die geblieben sind, die etwas Positives hinterlassen haben.
Und genau deshalb fühlt sich Thailand für mich heute nicht mehr fremd an, bzw fühlte es ich sehr früh schon nicht mehr.
Weil Heimat manchmal nicht dort entsteht, wo man geboren wird, Sondern dort, wo man immer wieder gern zurückkehrt, dass man manchmal an einem Ort ankommt, den man ursprünglich nur besuchen wollte.
Zu wissen, dass es einen Ort gibt, zu dem ich immer wieder zurückkehren kann, einen Ort, der sich vertraut anfühlt.
Vielleicht ist genau das Thailand für mich, Nicht nur ein Land , Nicht nur ein Reiseziel.
Sondern ein Gefühl aus Erinnerungen, Begegnungen, Neugier, Gelassenheit und dem Wissen,
Und irgendwann stellt man fest , dass man längst ein großes Stück seines Herzens dort gelassen hat.
Selbst wenn man dort bis heute gelegentlich Thai spricht und anschließend die Einheimischen freundlich lächeln, weil sie nicht ganz sicher sind, was man eigentlich sagen wollte.

Ich hätte noch viel viel mehr schreiben können ... aber das meiste meines Jahresurlaubs ist schon verplant ...
in diesem Sinne, bis denne