Genau anders rum.
Tomorrowland will den asiatischen Markt erobern , zusätzlich brauchen sie neue Zielgruppen um die Marke weltweit zu verankern.
Sie brauchen Thailand.
Naja, Tomorrowland hätte sein Festival sicherlich auch in mehreren anderen asiatischen Ländern veranstalten können. Sie haben sich aber bewusst für Thailand entschieden.
Einerseits war dort bereits sehr viel von der benötigten Infrastruktur vorhanden: die Nähe zu internationalen Flughäfen, die große Hotelkapazität im Großraum Pattaya und ein riesiges Festivalgelände, das bereits in der Vergangenheit für kleinere Festivals genutzt wurde.
Andererseits hat sich die thailändische Regierung offenbar extrem um das Festival bemüht, weil sie Thailand langfristig als „Hub“ für Konzerte, Festivals und ähnliche Großveranstaltungen positionieren möchte.
Sie haben Tomorrowland auf Regierungsebene im Grunde ein Komplettpaket geschnürt, damit das Festival möglichst reibungslos stattfinden kann und viele der üblichen Hürden für eine Veranstaltung dieser Größenordnung bereits aus dem Weg geräumt sind.
Das Joint Venture zwischen Tomorrowland und dem thailändischen Partnerunternehmen ist laut BOI ein förderfähiges Unternehmen. Dadurch gibt es beispielsweise Erleichterungen bei der Einfuhr von für die Veranstaltung benötigter Technik sowie bei den Visa und Work Permits für ausländische Fachkräfte, Künstler, DJs usw. Je nach Förderkategorie können für solche Unternehmen auch steuerliche Vergünstigungen hinzukommen.
Zudem hat der Staat für die Laufzeit des Projekts ein Budget von 2 Milliarden THB / 50-55 Mio. €, zur Verfügung gestellt. Damit sollen unter anderem die Voraussetzungen für das Festival geschaffen, Marketing betrieben und das Projekt staatlich unterstützt werden. Gleichzeitig werden rund um das Festivalgelände staatliche Infrastrukturmaßnahmen durchgeführt, unter anderem an Straßen und Verkehrswegen.
Also komplett selbstlos waren die Veranstalter von Tomorrowland bei ihrer Wahl mit Sicherheit nicht. Thailand bietet ihnen im Gegenzug ziemlich attraktive Rahmenbedingungen.
Gleiches gilt dabei übrigens auch für die Thai-Seite.
Das Wisdom Valley gehört einer einflussreichen Unternehmerfamilie mit durchaus interessanten Verbindungen in Regierungskreise.
Die Entwicklerin des Wisdom Valley und Teil der Eigentümerfamilie war beispielsweise einmal stellvertretende Gouverneurin von Bangkok und hatte dort unter anderem die Zuständigkeiten für Tourismus, Kultur und Sport. Ihr Ehemann war später Bildungsminister.
Komischerweise ist auf dem Gelände des Wisdom Valley dann auch die Rugby School Thailand entstanden, deren Aufsichtsrat ebenfalls mit einigen ziemlich prominenten Personen besetzt ist, darunter ein ehemaliger Gouverneur von Bangkok, eine ehemalige Tourismus- und Sportministerin sowie ehemalige hochrangige Beamte aus dem Bildungsministerium und Vertreter großer thailändischer Unternehmen.
Dadurch besteht natürlich zumindest der Verdacht, dass die Familie von Tomorrowland auf ihrem Gelände über mehrere Wege profitieren könnte. Zum einen zahlt Tomorrowland für die Nutzung des Geländes sehr wahrscheinlich Miete. Zum anderen werden im Zusammenhang mit dem Festival offenbar erhebliche öffentliche Mittel in die Infrastruktur rund um das Wisdom Valley gesteckt. Und diese Infrastruktur bleibt nach dem Festival natürlich bestehen und kann damit langfristig auch den Wert und die Vermarktbarkeit des privaten Areals erhöhen.
Ich würde daher nicht von einem Abhängigkeitsverhältnis zwischen Thailand und Tomorrowland sprechen. Eher davon, dass hier die Rahmenbedingungen so geschaffen wurden, dass alle oder zumindest gewisse Parteien davon profitieren.
Thailand bekommt ein internationales Megaevent, zusätzliche Touristen und die gewünschte Positionierung als internationaler Eventstandort. Tomorrowland bekommt einen attraktiven Standort, staatliche Unterstützung und deutlich erleichterte Rahmenbedingungen für den Einstieg in den asiatischen Markt. Und die Eigentümer des Wisdom Valley bekommen einen internationalen Ankermieter, Mieteinnahmen und möglicherweise eine erhebliche Aufwertung ihres riesigen privaten Grundstücks durch die verbesserte Infrastruktur und die internationale Bekanntheit.