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Tagebuch eines Ruheständlers in Pattaya. Ich bereite es vor: in wenigen Monaten wird es starten

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merke das "fertich" übrigens selber fast überhaupt nicht
Du hast das sehr schön ausgeführt was ich mit dem privilegiert meinte. Die bildungsferne Masse und die Populisten werden noch zum Problem. Allerdings nicht mehr meins, ich bin ja weg. Auch nur weil ich mich in einem noch nicht fertigen Land gut aufstellen konnte.

Ich bin gerade in eben diesem Land um alles aufzulösen und mich abzumelden. Ich höre und merke überall wie Systeme wie Gesundheit, Bildung, Finanzen an der Kippe zur Kapitulation stehen. Mir tun alle leid die nicht flüchten können aber ich kann denen nicht helfen und die meisten wollen das auch nicht weil sie die Notwendigkeit noch nicht erkennen.
 

Klimbim

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24 November 2024
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Du hast das sehr schön ausgeführt was ich mit dem privilegiert meinte. Die bildungsferne Masse und die Populisten werden noch zum Problem. Allerdings nicht mehr meins, ich bin ja weg. Auch nur weil ich mich in einem noch nicht fertigen Land gut aufstellen konnte.

Ich bin gerade in eben diesem Land um alles aufzulösen und mich abzumelden. Ich höre und merke überall wie Systeme wie Gesundheit, Bildung, Finanzen an der Kippe zur Kapitulation stehen. Mir tun alle leid die nicht flüchten können aber ich kann denen nicht helfen und die meisten wollen das auch nicht weil sie die Notwendigkeit noch nicht erkennen.


Ich verstehe gut was Du meinst. Was mir an Dir gefällt und was ich sehr vermisse ist diese totale Abwesenheit von Aggression bei allem was Du beschreibst.

Ich glaube die Befähigung den anderen (Demokraten) nicht als Feind zu sehen (Nichtdemokraten, kann ich leider nicht nur als geschätzte Gegner betrachten), ist Grundvoraussetzung das Land moralisch zu sanieren - sofern man das mag.

Ich sehe es im Wesentlichen wie Du: ich habe ein Alter erreicht (noch nicht biblisch aber doch inzwischen so, dass ich keinen Drang mehr verspüre die Dinge zu richten, oder mich gar zu "beweisen" (ist gut beim Rollerfahren...), bei dem ich meine Ruhe haben will und das in Pattaya recht gut hin bekommen werde.

Da bin ich sicher.

Dennoch neige ich noch dazu zu spotten, zu beobachten und manchmal regt sich sogar wieder ein Schub Humanismus in mir... gepaart mit Neugierde.


Hey Bitcoin-Jonny, Du bist schon ganz okay. Bis bald mal ;)


P.S. Bin heute 400 km mit dem Roller gefahren und das mitten in einen tropischen Platzregen in den Bergen... und daraus entwickelte sich, wie sollte es bitte anders bei mir sein, eine wunderbare Geschichte mit einer Thailänderin... aber die kommt morgen!

... mitsamt Beweisfoto. Macht die Sache rund und authentisch. Ich bin ein Glückspilz, soviel bereits jetzt.
 
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Klimbim

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Teil 32: „Klimbim, der Monsun und die Frau unter dem Blechdach oder wie ich lernte, einer thailändischen Mutter mein Leben anzuvertrauen, obwohl ich nicht einmal Google Maps bedienen konnte“



Nach ungefähr anderthalb Stunden Fahrt Richtung Chanthaburi begann die Landschaft langsam unangenehm interessant zu werden.

Das Navi hatte inzwischen nach mehreren Fehlversuchen offenbar beschlossen, mich nicht mehr über normale Straßen zu führen, sondern direkt durch die feuchtesten und einsamsten Stellen Südostthailands.

Autobahn vermeiden.

Motorradtauglich.

Keine Maut.

Schnellste Route.

Irgendwann hatte ich so viele Optionen angeklickt, dass vermutlich selbst Google kurz dachte: „Weißt du was? Fahr einfach irgendwo hin.“

Vor mir erhob sich langsam das Gebirge.

Und darüber…

…eine schwarze Wand.

Nicht einfach Wolken.

Eine richtige Wand.

So dunkel, als hätte jemand vor den Bergen heimlich den Eingang zur Unterwelt eröffnet und vergessen, das Licht wieder auszuschalten.

Ich fuhr direkt darauf zu.

Mit einem Motorrad.

Freiwillig.

Die Luft roch plötzlich unglaublich frisch.

Nach nasser Erde. Nach tropischem Regen. Nach Pflanzen.

Fast ein bisschen wie ein botanischer Garten kurz vor einer mittelschweren Depression.

Die Straße war schon nass.

Überall kleine Wasserflächen.

Aber der eigentliche Regen kam noch nicht.

Das war psychologisch deutlich unangenehmer.

Es fühlte sich an wie diese unnatürliche Ruhe kurz bevor irgendwo etwas sehr Dummes passiert.

Dann kam der Regen.

Nicht langsam.

Nicht vorsichtig.

Sondern sofort mit voller Kraft.

Innerhalb von Sekunden war alles nur noch Wasser.

Diese tropischen Regengüsse haben ungefähr dieselbe Feinfühligkeit wie ein Hochdruckreiniger auf Methamphetamin.

Ich schaffte es gerade noch unter ein kleines Blechdach vor irgendeinem Haus.

Dort stand ich nun.

Komplett durchnässt.

Neben mir das Motorrad. Vor mir Weltuntergang. Über mir ein Blechdach, das klang, als würde jemand Kies mit einer Schaufel aus dem ersten Stock darauf werfen.

Ich begann hektisch meine Regenausrüstung herauszuholen.

7-Eleven-Plastikanorak.

Theoretisch wasserdicht.

Praktisch eher ein philosophisches Konzept.

Schon beim Versuch, das Ding anzuziehen, begann der Wind daran herumzureißen.

Eine Ecke flatterte weg.

Dann die nächste.

Nach wenigen Sekunden sah ich aus wie ein international gesuchter Müllsack.

Ich gab auf.

Gegen solchen Regen diskutiert man nicht.

Den sitzt man einfach aus.

Wie Steuerprüfungen oder Flughafenprojekte.

Irgendwann öffnete sich die Tür hinter mir.

Eine thailändische Dame kam heraus und betrachtete zuerst den Regen, dann mich und schließlich wieder den Regen.

Sie war vielleicht Mitte dreißig, ausgesprochen gepflegt, freundlich und hatte genau diese ruhige thailändische Ausstrahlung, bei der man nie ganz weiß, ob Menschen einfach höflich sind oder bereits beschlossen haben, einen leicht in ihr Leben hineinzusortieren.

„You okay?“

„Perfectly fine“, antwortete ich, während wahrscheinlich ungefähr zwei Liter Wasser langsam aus meinen Schuhen liefen.

Sie nickte höflich.

Dieser typische thailändische Blick, bei dem man nicht genau weiß, ob die Menschen einen freundlich oder leicht besorgt ansehen.

„You ride alone?“

„Yes.“

Kurze Pause.

„Very long way.“

„That becomes increasingly obvious.“

Sie lachte leise.

Nicht laut.

Eher dieses warme höfliche Lachen, das Thai-Frauen oft haben, wenn sie glauben, ein Farang sei gleichzeitig leicht verrückt und irgendwie sympathisch.

„You handsome bike.“

Das war sprachlich nicht ganz eindeutig.

Ich entschied mich vorsichtshalber dafür, das Kompliment ausschließlich auf das Motorrad zu beziehen.

„Thank you. It has emotional problems sometimes, but generally good character.“

Sie lachte wieder.

Dann fragte sie: „You want come inside? Rain very long maybe.“

„No no, thank you very much. Here is perfectly fine.“

Sie blieb trotzdem noch einen Moment stehen.

Nicht aufdringlich.

Eher interessiert.

So als würde sie versuchen herauszufinden, warum ein komplett durchnässter Europäer freiwillig mitten durch einen Monsun Richtung Chanthaburi fährt.

Wahrscheinlich aus demselben Grund, aus dem andere Menschen Jetskis finanzieren oder Kryptowährungen kaufen. Eine Mischung aus Hoffnung und Realitätsverlust.

„You hungry?“

„No thank you.“

„Coffee?“

„No thank you.“

Kurze Pause.

„Beer?“

Ich dachte kurz nach.

„That is a dangerously good idea.“

Diesmal lachte sie deutlich lauter.

Kurz darauf tauchten Kinder auf.

Viele Kinder.

Ich weiß bis heute nicht genau, woher die plötzlich kamen.

Thailand hat manchmal die Eigenschaft, Kinder spontan aus der Landschaft wachsen zu lassen.

Sie standen um das Motorrad herum und betrachteten alles sehr aufmerksam.

Mich.

Das Motorrad.

Meine völlig sinnlose Regenjacke.

Ein Junge zeigte auf das Motorrad.

„Big bike?“

„Emotionally, yes.“

Er nickte ernsthaft.

Wahrscheinlich hielt er das für eine technische Angabe.

Die Dame setzte sich irgendwann ebenfalls unter das Blechdach.

Mit etwas Abstand.

Aber doch nah genug, dass man sich normal unterhalten konnte, ohne den Monsun anschreien zu müssen.

Und dann begann etwas sehr Thailändisches.

Ich sagte fast nichts…

…und bekam trotzdem innerhalb kurzer Zeit ungefähr die komplette Lebensgeschichte erzählt.

Familie. Kinder. Arbeit. Verwandtschaft. Noch mehr Verwandtschaft. Leute, die ich niemals kennenlernen werde, über deren Probleme ich jetzt allerdings erstaunlich gut informiert war.

Thailand ist wirklich das einzige Land, in dem man sich zufällig vor Regen unterstellt und danach emotional ungefähr Cousin dritten Grades einer fremden Großfamilie wird.

Zwischendurch fragte sie plötzlich:

„You married?“

„Yes. Very happily.“

Sie nickte langsam.

„Ahhh.“

Dann schaute sie kurz auf das Motorrad.

Dann wieder zu mir.

„Your wife not worry you ride in rain?“

„I suspect she stopped trying years ago.“

Darüber musste sie erstaunlich lange lachen.

Nicht dieses höfliche Thailand-Lachen.

Richtig lachen.

Kurz darauf rief Achim an.

„Wo bist du?“

Ich schaute hinaus in die grauschwarze Regenwand.

„Schwer zu sagen. Meteorologisch vermutlich bereits kurz vor dem Untergang.“

Im Hintergrund hörte ich wieder Pingpong-Pupu-Pang oder wie auch immer er hieß.

„Rain very bad?!“

„Slightly historic.“

Großes Gelächter am anderen Ende.

Offenbar war meine Situation dort eher Unterhaltung.

Irgendwann fragte mich die Dame: „You know way?“

Ich zeigte ihr mein Handy.

Und damit begann die eigentliche Krise.

Google Maps hatte inzwischen offenbar selbst die Orientierung verloren.

Jedes Mal, wenn ich irgendetwas drückte, erschien plötzlich ein anderes Ziel.

Einmal sollte ich Richtung Rayong.

Dann Richtung Trat.

Zwischendurch hatte ich kurz den Eindruck, die App wolle mich langfristig nach Kambodscha umsiedeln.

Die Dame nahm mir schließlich das Handy aus der Hand.

Und plötzlich funktionierte alles sofort.

Neue Route. Richtige Strecke. Kein Problem.

„Ahhh“, sagte sie freundlich. „You press wrong.“

„That theory has strong evidence.“

Ich stand daneben wie ein leicht verwirrter Europäer, der gerade feststellen musste, dass eine thailändische Mutter unter einem Blechdach technisch deutlich kompetenter war als er selbst.

Dann geschah etwas sehr Merkwürdiges.

Ohne irgendeinen Anlass begann sie plötzlich, mein Motorrad zu putzen.

Einfach so.

Mit Tuch. Mit Wasser. Mit erstaunlichem Ehrgeiz.

„No no please, really no need.“

Sie winkte nur ab.

„Too dirty.“

Das sagte sie mit der Entschlossenheit eines Menschen, der offenbar nicht akzeptieren konnte, dass ein Motorrad in diesem Zustand weiterexistiert.

Inzwischen halfen auch die Kinder.

Eines putzte den Spiegel.

Ein anderes drückte begeistert irgendwelche Knöpfe.

Ich hatte kurz Sorge, dass die Kinder am Ende technisch besser mit meinem Motorrad vertraut wären als ich selbst.

Und dann hörte der Regen plötzlich auf.

Einfach so.

Als hätte jemand oben beschlossen: „Genug.“

Die Sonne kam leicht zurück.

Dampf stieg von der Straße auf.

Fünf Minuten nach dem Weltuntergang sah plötzlich wieder alles vollkommen friedlich aus.

Thailand macht das ständig.

Ich bedankte mich mehrfach.

Die Dame lächelte.

Etwas länger diesmal.

„You come again maybe.“

Nicht ganz Frage.

Nicht ganz Aussage.

Eher eine vorsichtig formulierte Möglichkeit.

Ich setzte den Helm auf.

„Maybe yes. Maybe no. Life mysterious.“

Sie lachte laut.

Die Kinder winkten.

Ich startete das Motorrad und fuhr weiter Richtung Chanthaburi.

Während hinter mir Menschen standen, die ich vorher nie gesehen hatte…

…die mir aber innerhalb einer Stunde mehr geholfen hatten als manches europäische Navigationssystem in seinem gesamten Berufsleben.

Pause.jpg
 

Klimbim

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Teil 33: „Klimbim, die Durian und die Erkenntnis, dass Liebe manchmal riecht wie ein biologischer Zwischenfall“


Nachdem ich den Monsun, die Frau unter dem Blechdach und Google Maps überlebt hatte, wurde die Landschaft irgendwann zunehmend tropisch interessant.

Die Straßen wurden schmaler.

Mehr Dschungel.

Mehr Berge.

Mehr Nebel zwischen den Hügeln.

Und deutlich weniger Anzeichen dafür, dass hier jemals ein deutscher TÜV-Prüfer freiwillig seinen Dienst verrichten würde.

Irgendwann fiel mir auf, dass plötzlich überall riesige Lastwagen unterwegs waren.

Voll beladen mit irgendwelchen stacheligen Früchten.

Hunderte davon.

Tonnenweise.

Diese Laster kamen mir entgegen, überholten mich, standen am Straßenrand oder krochen die Hügel hinauf wie schwer atmende Metallbüffel mit Obstproblem.

Zunächst dachte ich: „Interessant. Thailand hat offenbar sehr aggressive Äpfel.“

Das stellte sich später als Fehleinschätzung heraus.

Es waren Durians.

Natürlich.

Je weiter ich fuhr, desto mehr davon tauchten auf.

Dann sah ich plötzlich ganze Plantagen.

Und erst da begriff ich: Das sind gar keine gewöhnlichen Bäume.

Das sind Durianbäume.

Ich hatte so etwas noch nie gesehen.

In meinem Kopf wachsen Früchte normalerweise in geordneten europäischen Zusammenhängen.

Apfelbaum. Birnenbaum. Vielleicht mal eine Kirsche.

Aber hier hing plötzlich überall dieses tropische Stachelgemüse der emotionalen Eskalation in den Bäumen herum.

Zwischendurch fuhr ich über irgendetwas auf der Straße.

So ein leichtes „wupp“.

Ich schaute kurz in den Spiegel.

Und sah dort eine ziemlich große Schlange.

Sehr große Schlange.

Wirklich unangenehm groß.

Nicht tot.

Zumindest hoffte ich das für sie.

Ich hatte sie erst bemerkt, nachdem ich bereits darüber gefahren war, was vermutlich für beide Seiten die nervenschonendste Lösung war.

Seitdem fuhr ich etwas konzentrierter.

Man entwickelt plötzlich erstaunlichen Respekt vor Straßenrändern, wenn man weiß, dass dort Dinge leben, die aussehen wie schlechte Entscheidungen der Evolution.

Kurz darauf erreichte ich ein Tal mitten im Gebirge.

Und dort befand sich plötzlich…

…Durian.

Überall.

Lagerhallen. Laster. Kisten. Menschen. Stapel. Noch mehr Durian.

Es sah aus, als hätte jemand beschlossen, die komplette Region wirtschaftlich ausschließlich auf Geruch aufzubauen.

Ich hielt an.

Nicht freiwillig.

Also natürlich technisch freiwillig.

Aber emotional eher aus ehelicher Verpflichtung.

Meine Frau liebt Durian.

Wirklich liebt.

Mit einer Begeisterung, die ich persönlich sonst nur von Menschen kenne, die Modelleisenbahnen sammeln oder Bitcoin evangelisieren.

Sie freut sich auf Thailand unter anderem deshalb, weil sie dort endlich wieder unbegrenzt Durian essen kann.

Ich hingegen empfinde den Geruch ungefähr so, als hätte jemand Zwiebeln, Heizöl und leicht beleidigten Camembert mehrere Tage gemeinsam in einen Kofferraum gesperrt.

Aber Liebe bedeutet manchmal eben Opfer.

Oder zumindest kontrollierte Geruchsbelastung.

Also stieg ich ab.

Sofort blickten mich ungefähr zwanzig Arbeiter gleichzeitig an.

Dieser klassische Thailand-Moment.

Man denkt, man beobachtet unauffällig etwas…

…und plötzlich beobachtet ein komplettes Dorf zurück.

Ein älterer Arbeiter grinste sofort breit.

„You like durian?!“

Kurze Pause.

Ich entschied mich für Diplomatie.

„My wife loves durian.“

Großes Gelächter.

Sofort.

Nicht bösartig.

Eher dieses verständnisvolle Lachen von Menschen, die offenbar schon viele ausländische Männer gesehen hatten, die tapfer versuchten, ihre Ehe durch tropisches Obstmanagement stabil zu halten.

„You no like?“

Ich überlegte kurz.

„I respect durian from safe emotional distance.“

Noch mehr Gelächter.

Einer der Männer hob eine besonders große Frucht hoch.

Dieses Ding sah aus, als könnte man damit mittelalterliche Burgtore aufbrechen.

„Very good! Number one!“

Dann hielt er sie mir direkt vors Gesicht.

Und der Geruch…

Nun ja.

Es war, als hätte ein Käsefondue in einer Gastherme persönliche Probleme entwickelt.

Gleichzeitig süß, schwer, gärend und irgendwie beleidigend.

Mein Gehirn reagierte darauf ungefähr wie eine europäische Brandschutzanlage.

Trotzdem lächelte ich höflich.

„Very impressive.“

Maximales Krisenmanagement.

Die Arbeiter lachten inzwischen hervorragend über mich.

Nicht aus Schadenfreude.

Eher freundlich interessiert.

Man merkte sofort: Der Farang bemüht sich ehrlich.

Auch wenn sein Gesichtsausdruck leicht an einen Mann erinnerte, der gerade versehentlich Batteriesäure probiert hat.

Einer der jüngeren Arbeiter fragte: „You send video wife?“

„Exactly.“

Sofort begannen alle begeistert zu posieren.

Plötzlich wurden Durians hochgehoben. Daumen gezeigt. Irgendjemand winkte. Ein anderer schrie etwas völlig Unverständliches in die Kamera.

Innerhalb weniger Sekunden hatte ich unbeabsichtigt offenbar einen kleinen lokalen Werbefilm für die thailändische Durianindustrie produziert.

Dann führte mich einer der Männer durch die Halle.

Und dort lagen sie.

Berge von Durians.

Tonnenweise.

Es sah aus wie ein militärisches Versorgungslager für sehr aggressive Igel.

Die Männer sortierten die Früchte mit einer Ernsthaftigkeit, die ich sonst nur von Herzchirurgen oder deutschen Finanzbeamten kenne.

Draußen rollten währenddessen ständig neue Lastwagen an.

Und plötzlich verstand ich: Diese Region lebt praktisch von Durian.

Hier war die Frucht keine exotische Spezialität.

Hier war sie Religion, Wirtschaftsfaktor und chemische Waffe zugleich.

Zwischendurch telefonierte ich mit Achim.

„Wo bist du?“

„In einer Durianhalle.“

Kurze Pause.

„Ah.“

Als wäre das die normalste Antwort der Welt.

Dann sagte er: „Pass auf wegen Elefanten.“

„Wie bitte?“

„Hier im Dschungel leben wilde Elefanten. Die gehen manchmal an die Durianlager.“

Ich dachte zunächst, er mache Witze.

Aber Achim ist keiner, der Unsinn erzählt.

Zumindest nicht absichtlich.

„Die klauen die Früchte?“

„Nicht direkt. Aber die randalieren manchmal.“

Ich stand mitten zwischen Tonnen von Durians und versuchte mir gerade vorzustellen, wie nachts wilde Elefanten tropische Obstlager überfallen.

Thailand schafft es wirklich regelmäßig, jede europäische Vorstellung von Realität vorsichtig zu nehmen und anschließend in einen Mixer zu werfen.

Während ich dort noch stand, hielt mir plötzlich einer der Arbeiter ein Stück Durian hin.

Einfach so.

Freundlich lächelnd.

Alle schauten erwartungsvoll.

Offensichtlich stand jetzt eine Art diplomatische Prüfung bevor.

Ich nahm ein kleines Stück.

Sehr kleines Stück.

Mikroskopisch klein.

Und probierte.

Die Konsistenz war überraschend cremig.

Fast angenehm.

Der Geschmack allerdings…

Nun.

Es fühlte sich an, als hätte Vanillepudding eine sehr schwierige Kindheit gehabt.

Die Männer beobachteten mich gespannt.

Ich nickte höflich.

„Very interesting.“

Das schien die perfekte Antwort gewesen zu sein.

Großes Gelächter.

Zufriedene Gesichter.

Einer klopfte mir sogar anerkennend auf die Schulter.

Wahrscheinlich hatte ich gerade irgendeine inoffizielle Integrationsprüfung bestanden.

Ich machte noch einige Fotos und einen kleinen Videoclip für meine Frau.

Man sieht darauf: Durian. Laster. Berge. Arbeiter. Und vermutlich auch meinen leicht traumatisierten Gesichtsausdruck hinter der Kamera.

Dann setzte ich den Helm wieder auf und fuhr weiter Richtung Chanthaburi.

Durch Berge.

Durch Nebel.

Durch Dschungel.

Und mit dem beruhigenden Wissen, dass irgendwo dort draußen offenbar wilde Elefanten nachts Durianlager terrorisieren.

Thailand bleibt wirklich ein Land, das sich konsequent weigert, langweilig zu werden.

Duriam.jpg

Duriam 2.jpg
 
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Klimbim

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24 November 2024
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Kauf dir sowas in Vietnam , sind besser und funktionieren

Gut. Ich werde somit extra wegen Deines Vorschlages über Kambodscha weiter nach Vietnam fahren und mir Regenjacken kaufen.

Hohenstein, ich feiere Dich. Du hast mir eben den Vorwand für eine weite weitere Reise geliefert...

Im Ernst: kommt man inzwischen wieder über die Grenze nach Kambodscha? Ich glaube nicht...
 
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Reaktionen: thaigig und NOMAAM

MGiebel

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Teil 32: „Klimbim, der Monsun und die Frau unter dem Blechdach oder wie ich lernte, einer thailändischen Mutter mein Leben anzuvertrauen, obwohl ich nicht einmal Google Maps bedienen konnte“



Nach ungefähr anderthalb Stunden Fahrt Richtung Chanthaburi begann die Landschaft langsam unangenehm interessant zu werden.

Das Navi hatte inzwischen nach mehreren Fehlversuchen offenbar beschlossen, mich nicht mehr über normale Straßen zu führen, sondern direkt durch die feuchtesten und einsamsten Stellen Südostthailands.

Autobahn vermeiden.

Motorradtauglich.

Keine Maut.

Schnellste Route.

Irgendwann hatte ich so viele Optionen angeklickt, dass vermutlich selbst Google kurz dachte: „Weißt du was? Fahr einfach irgendwo hin.“

Vor mir erhob sich langsam das Gebirge.

Und darüber…

…eine schwarze Wand.

Nicht einfach Wolken.

Eine richtige Wand.

So dunkel, als hätte jemand vor den Bergen heimlich den Eingang zur Unterwelt eröffnet und vergessen, das Licht wieder auszuschalten.

Ich fuhr direkt darauf zu.

Mit einem Motorrad.

Freiwillig.

Die Luft roch plötzlich unglaublich frisch.

Nach nasser Erde. Nach tropischem Regen. Nach Pflanzen.

Fast ein bisschen wie ein botanischer Garten kurz vor einer mittelschweren Depression.

Die Straße war schon nass.

Überall kleine Wasserflächen.

Aber der eigentliche Regen kam noch nicht.

Das war psychologisch deutlich unangenehmer.

Es fühlte sich an wie diese unnatürliche Ruhe kurz bevor irgendwo etwas sehr Dummes passiert.

Dann kam der Regen.

Nicht langsam.

Nicht vorsichtig.

Sondern sofort mit voller Kraft.

Innerhalb von Sekunden war alles nur noch Wasser.

Diese tropischen Regengüsse haben ungefähr dieselbe Feinfühligkeit wie ein Hochdruckreiniger auf Methamphetamin.

Ich schaffte es gerade noch unter ein kleines Blechdach vor irgendeinem Haus.

Dort stand ich nun.

Komplett durchnässt.

Neben mir das Motorrad. Vor mir Weltuntergang. Über mir ein Blechdach, das klang, als würde jemand Kies mit einer Schaufel aus dem ersten Stock darauf werfen.

Ich begann hektisch meine Regenausrüstung herauszuholen.

7-Eleven-Plastikanorak.

Theoretisch wasserdicht.

Praktisch eher ein philosophisches Konzept.

Schon beim Versuch, das Ding anzuziehen, begann der Wind daran herumzureißen.

Eine Ecke flatterte weg.

Dann die nächste.

Nach wenigen Sekunden sah ich aus wie ein international gesuchter Müllsack.

Ich gab auf.

Gegen solchen Regen diskutiert man nicht.

Den sitzt man einfach aus.

Wie Steuerprüfungen oder Flughafenprojekte.

Irgendwann öffnete sich die Tür hinter mir.

Eine thailändische Dame kam heraus und betrachtete zuerst den Regen, dann mich und schließlich wieder den Regen.

Sie war vielleicht Mitte dreißig, ausgesprochen gepflegt, freundlich und hatte genau diese ruhige thailändische Ausstrahlung, bei der man nie ganz weiß, ob Menschen einfach höflich sind oder bereits beschlossen haben, einen leicht in ihr Leben hineinzusortieren.

„You okay?“

„Perfectly fine“, antwortete ich, während wahrscheinlich ungefähr zwei Liter Wasser langsam aus meinen Schuhen liefen.

Sie nickte höflich.

Dieser typische thailändische Blick, bei dem man nicht genau weiß, ob die Menschen einen freundlich oder leicht besorgt ansehen.

„You ride alone?“

„Yes.“

Kurze Pause.

„Very long way.“

„That becomes increasingly obvious.“

Sie lachte leise.

Nicht laut.

Eher dieses warme höfliche Lachen, das Thai-Frauen oft haben, wenn sie glauben, ein Farang sei gleichzeitig leicht verrückt und irgendwie sympathisch.

„You handsome bike.“

Das war sprachlich nicht ganz eindeutig.

Ich entschied mich vorsichtshalber dafür, das Kompliment ausschließlich auf das Motorrad zu beziehen.

„Thank you. It has emotional problems sometimes, but generally good character.“

Sie lachte wieder.

Dann fragte sie: „You want come inside? Rain very long maybe.“

„No no, thank you very much. Here is perfectly fine.“

Sie blieb trotzdem noch einen Moment stehen.

Nicht aufdringlich.

Eher interessiert.

So als würde sie versuchen herauszufinden, warum ein komplett durchnässter Europäer freiwillig mitten durch einen Monsun Richtung Chanthaburi fährt.

Wahrscheinlich aus demselben Grund, aus dem andere Menschen Jetskis finanzieren oder Kryptowährungen kaufen. Eine Mischung aus Hoffnung und Realitätsverlust.

„You hungry?“

„No thank you.“

„Coffee?“

„No thank you.“

Kurze Pause.

„Beer?“

Ich dachte kurz nach.

„That is a dangerously good idea.“

Diesmal lachte sie deutlich lauter.

Kurz darauf tauchten Kinder auf.

Viele Kinder.

Ich weiß bis heute nicht genau, woher die plötzlich kamen.

Thailand hat manchmal die Eigenschaft, Kinder spontan aus der Landschaft wachsen zu lassen.

Sie standen um das Motorrad herum und betrachteten alles sehr aufmerksam.

Mich.

Das Motorrad.

Meine völlig sinnlose Regenjacke.

Ein Junge zeigte auf das Motorrad.

„Big bike?“

„Emotionally, yes.“

Er nickte ernsthaft.

Wahrscheinlich hielt er das für eine technische Angabe.

Die Dame setzte sich irgendwann ebenfalls unter das Blechdach.

Mit etwas Abstand.

Aber doch nah genug, dass man sich normal unterhalten konnte, ohne den Monsun anschreien zu müssen.

Und dann begann etwas sehr Thailändisches.

Ich sagte fast nichts…

…und bekam trotzdem innerhalb kurzer Zeit ungefähr die komplette Lebensgeschichte erzählt.

Familie. Kinder. Arbeit. Verwandtschaft. Noch mehr Verwandtschaft. Leute, die ich niemals kennenlernen werde, über deren Probleme ich jetzt allerdings erstaunlich gut informiert war.

Thailand ist wirklich das einzige Land, in dem man sich zufällig vor Regen unterstellt und danach emotional ungefähr Cousin dritten Grades einer fremden Großfamilie wird.

Zwischendurch fragte sie plötzlich:

„You married?“

„Yes. Very happily.“

Sie nickte langsam.

„Ahhh.“

Dann schaute sie kurz auf das Motorrad.

Dann wieder zu mir.

„Your wife not worry you ride in rain?“

„I suspect she stopped trying years ago.“

Darüber musste sie erstaunlich lange lachen.

Nicht dieses höfliche Thailand-Lachen.

Richtig lachen.

Kurz darauf rief Achim an.

„Wo bist du?“

Ich schaute hinaus in die grauschwarze Regenwand.

„Schwer zu sagen. Meteorologisch vermutlich bereits kurz vor dem Untergang.“

Im Hintergrund hörte ich wieder Pingpong-Pupu-Pang oder wie auch immer er hieß.

„Rain very bad?!“

„Slightly historic.“

Großes Gelächter am anderen Ende.

Offenbar war meine Situation dort eher Unterhaltung.

Irgendwann fragte mich die Dame: „You know way?“

Ich zeigte ihr mein Handy.

Und damit begann die eigentliche Krise.

Google Maps hatte inzwischen offenbar selbst die Orientierung verloren.

Jedes Mal, wenn ich irgendetwas drückte, erschien plötzlich ein anderes Ziel.

Einmal sollte ich Richtung Rayong.

Dann Richtung Trat.

Zwischendurch hatte ich kurz den Eindruck, die App wolle mich langfristig nach Kambodscha umsiedeln.

Die Dame nahm mir schließlich das Handy aus der Hand.

Und plötzlich funktionierte alles sofort.

Neue Route. Richtige Strecke. Kein Problem.

„Ahhh“, sagte sie freundlich. „You press wrong.“

„That theory has strong evidence.“

Ich stand daneben wie ein leicht verwirrter Europäer, der gerade feststellen musste, dass eine thailändische Mutter unter einem Blechdach technisch deutlich kompetenter war als er selbst.

Dann geschah etwas sehr Merkwürdiges.

Ohne irgendeinen Anlass begann sie plötzlich, mein Motorrad zu putzen.

Einfach so.

Mit Tuch. Mit Wasser. Mit erstaunlichem Ehrgeiz.

„No no please, really no need.“

Sie winkte nur ab.

„Too dirty.“

Das sagte sie mit der Entschlossenheit eines Menschen, der offenbar nicht akzeptieren konnte, dass ein Motorrad in diesem Zustand weiterexistiert.

Inzwischen halfen auch die Kinder.

Eines putzte den Spiegel.

Ein anderes drückte begeistert irgendwelche Knöpfe.

Ich hatte kurz Sorge, dass die Kinder am Ende technisch besser mit meinem Motorrad vertraut wären als ich selbst.

Und dann hörte der Regen plötzlich auf.

Einfach so.

Als hätte jemand oben beschlossen: „Genug.“

Die Sonne kam leicht zurück.

Dampf stieg von der Straße auf.

Fünf Minuten nach dem Weltuntergang sah plötzlich wieder alles vollkommen friedlich aus.

Thailand macht das ständig.

Ich bedankte mich mehrfach.

Die Dame lächelte.

Etwas länger diesmal.

„You come again maybe.“

Nicht ganz Frage.

Nicht ganz Aussage.

Eher eine vorsichtig formulierte Möglichkeit.

Ich setzte den Helm auf.

„Maybe yes. Maybe no. Life mysterious.“

Sie lachte laut.

Die Kinder winkten.

Ich startete das Motorrad und fuhr weiter Richtung Chanthaburi.

Während hinter mir Menschen standen, die ich vorher nie gesehen hatte…

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Für deinen nächsten Trip in der Regenzeit 😀, ich habe auch noch ein Erste Hilfe Set dabei.
 

Klimbim

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Für deinen nächsten Trip in der Regenzeit 😀, ich habe auch noch ein Erste Hilfe Set dabei.


Ich ebenso. In Deutschland gekauft und durch meine Frau hier ergänzt. Die hat für Prüfungen der Intensivmedizin die sie momentan macht sowieso mit mir so oft geübt bzw. ich mit ihr, dass ich kürzlich ein Unfallopfer recht fachmännisch versorgte bis die Ambulanz kam. Das dauerte aber wieder einmal echt ewig.

Diese Unfälle hier sind alarmierend. Sie bewirken massive Demut und Vorsicht meinerseits. Bei starkem Regen fahre ich nicht.
 

Klimbim

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Teil 34: „Klimbim, das Café ohne Gäste und die erstaunliche Stabilität internationaler Sponsorenromantik“



Einige Tage nachdem Nok und ihre Tochter mein Condo besichtigt hatten, beschloss ich, aus reiner Höflichkeit einmal ihr Café in Jomtien aufzusuchen.

Schließlich hatte sie mehrfach betont: „You come my café, yes? Very nice place.“

Das sagte sie mit einer Begeisterung, die zumindest theoretisch darauf schließen ließ, dass dort gelegentlich menschliches Leben stattfand.

Also fuhr ich hin.

Und fand es zunächst einmal nicht.

Das Café befand sich nämlich ganz am Ende eines größeren Parkplatzes, eingerahmt von einer Art improvisierter Containerlandschaft aus kleinen Bars, Garagen-Etablissements und einem Visa-Service, der aussah, als könne man dort gleichzeitig ein Retirement-Visum verlängern und einen defekten Kühlschrank reparieren lassen.

Alles wirkte ein wenig provisorisch.

Aber auf diese typisch thailändische Art provisorisch, die seit acht Jahren exakt unverändert existiert.

Ich fuhr einmal komplett im Kreis.

Dann noch einmal.

Nichts.

Zumindest nichts, das eindeutig nach Café aussah.

Eher nach einer leicht erschöpften Raststätte für Menschen mit schwieriger Lebensplanung.

Also rief ich Nok an.

Sie ging tatsächlich ran.

Im Hintergrund hörte ich Wasserrauschen und irgendwelche Stimmen.

„Hello Klimbim!“

„I believe I am somewhere near your café.“

Kurze Pause.

„You where?“

„That is currently one of the great philosophical questions of our time.“

Sie lachte sofort.

Dann erklärte sie mir den Weg.

Allerdings mit der geografischen Präzision eines betrunkenen Piraten.

„You see bar with blue chair?“

„There are approximately seventeen bars with blue chairs.“

„Noooo, another blue chair.“

„Ah. That narrows it down catastrophically.“

Großes Gelächter.

„You see fat dog sleep?“

Ich blickte mich um.

Tatsächlich lagen dort ungefähr fünf dicke Hunde verteilt wie verstreute Sofakissen.

„That may still leave room for interpretation.“

Noch mehr Gelächter.

Irgendwann stellte sich heraus, dass sie gerade in einer Sauna war.

Warum genau man aus einer Sauna heraus einem leicht verwirrten Europäer versucht zu erklären, wo sich ein nahezu unsichtbares Café auf einem Parkplatz befindet, blieb auch danach ungeklärt.

Jedenfalls fand ich es an diesem Tag nicht mehr.

Am nächsten Tag versuchte ich es erneut.

Diesmal war geöffnet.

Das Café lag tatsächlich ganz hinten in einer Ecke des Parkplatzes.

Klein.

Sehr klein.

Nicht unfreundlich klein.

Eher wirtschaftlich mutig klein.

Drinnen saß exakt ein Gast.

Der Gast war Nok.

Sie winkte sofort begeistert.

„Klimbim! Finally you find!“

„Against all statistical probability, yes.“

Sie lachte sofort wieder dieses leicht erschöpfte Kichern, das Thai-Frauen oft entwickeln, wenn ein Farang beginnt, vollständige englische Sätze zu benutzen.

Ich setzte mich.

Sie brachte mir sofort irgendetwas mit Eis, Zucker und einer Farbe, die in Europa vermutlich eine behördliche Untersuchung ausgelöst hätte.

„Special coffee!“

„It appears medically ambitious.“

„No no, very healthy!“

Ich nahm vorsichtig einen Schluck.

Es schmeckte gleichzeitig nach Kaffee, Kondensmilch und einer nicht näher identifizierbaren Frucht, die vermutlich in mehreren Ländern verboten wäre.

„Remarkably alive“, sagte ich höflich.

Sie nickte begeistert.

„Yesss! Alive coffee!“

Nun gut.

Damit hatte das Getränk jetzt offiziell eine Persönlichkeit entwickelt.

Das Café selbst war erstaunlich ordentlich.

Sauber.

Mit Liebe eingerichtet.

Pflanzen. Kleine Lampen. Deko. Kissen. Diese typischen motivational quotes auf Englisch, die grammatikalisch leicht angeschlagen sind, aber emotional sehr bemüht wirken.

An einer Wand stand: “Dream Big Success Happy Smile Forever.”

Man wusste nicht genau, ob es Motivation oder ein medizinischer Zwischenfall war.

Nur Kundschaft fehlte.

Komplett.

Vor dem Laden fuhr alle paar Minuten ein Motorrad vorbei.

Sonst nichts.

Es hatte die wirtschaftliche Dynamik eines Außenpostens in der Antarktis.

Nok setzte sich irgendwann zu mir.

„You like my café?“

Ich schaute mich vorsichtig um.

„It certainly possesses tranquility.“

Sie nickte stolz.

„Very peaceful!“

Das war technisch korrekt.

Ein buddhistisches Kloster während einer Stromsperre hätte kaum stiller wirken können.

Ich fragte irgendwann vorsichtig: „So… how much did all this cost?“

Sie überlegte kurz.

„Maybe two hundred thousand… maybe three hundred thousand.“

Sie sagte das mit der Gelassenheit eines Menschen, der gerade über den Preis eines Toasters spricht.

Ich nickte langsam.

Für Thailand ist das durchaus Geld.

Vor allem für ein Café, dessen Hauptkundschaft aktuell offenbar aus einem einzelnen durstigen Europäer bestand, der sich aus anthropologischem Interesse dort eingefunden hatte.

Also fragte ich: „Did you save the money before?“

Sie lachte sofort.

„Nooooo.“

Längeres Kichern.

„Sponsor.“

Ah.

Natürlich.

Das erklärte einiges.

Nicht alles.

Aber einiges.

„British man.“

Wieder dieses Kichern.

„Very kind man.“

Nun muss man wissen: Wenn eine Thai-Frau in diesem Tonfall „very kind man“ sagt, bedeutet das meistens nicht, dass der Herr ihr einmal beim Tragen von Einkaufstüten geholfen hat.

Ich nickte höflich.

„I see.“

„He pay café.“

„That is certainly generous.“

„He love me too much.“

„A condition not entirely unknown in this country.“

Sie verstand nur ungefähr die Hälfte davon, lachte aber trotzdem begeistert.

Dann kam die eigentliche Pointe.

„He married.“

„Ah.“

„Wife not know.“

Natürlich nicht.

Sie grinste mich an.

Ich grinste höflich zurück.

Dieses sehr kontrollierte europäische Grinsen, das übersetzt ungefähr bedeutet: „Ich verstehe exakt, was hier gerade passiert, werde mich aber diplomatisch verhalten, bis wir beide so tun können, als wäre nie etwas geschehen.“

Offenbar hatte meine wiederholte Erklärung, glücklich verheiratet zu sein, auf Nok ungefähr denselben Effekt wie ein „Bitte nicht füttern“-Schild im Streichelzoo.

Eher unverbindlichen Charakter.

„You handsome man,“ sagte sie irgendwann beiläufig.

„That is exceptionally charitable of you.“

„You have very good skin.“

„Years of disappointment preserve a man surprisingly well.“

Sie starrte mich kurz an.

Dann lachte sie derart laut, dass draußen sogar einer der Hunde kurz den Kopf hob.

„You funny man, Klimbim.“

„That allegation has been made before.“

Sie schüttelte lachend den Kopf.

Dann fragte sie plötzlich: „You have sponsor?“

„Only taxes.“

Sie verstand das offensichtlich nicht vollständig, fand aber den Klang der Antwort ausgezeichnet.

„You come café more often.“

„Possibly.“

Das Wort „possibly“ ist übrigens eine wunderbare Erfindung.

Es klingt freundlich.

Offen.

Fast interessiert.

Kann aber emotional denselben Effekt haben wie eine verschlossene Brandschutztür.

Nok schien das allerdings zunächst nicht weiter zu beeindrucken.

In den folgenden Tagen erhielt ich Nachrichten.

Viele Nachrichten.

Morgens. Mittags. Abends.

„You eat already?“ „You ride bike now?“ „You lonely?“ „You come coffee maybe?“ „I make special cake.“ „You think me little bit?“

Irgendwann hatte ich täglich ungefähr fünf Nachrichten auf dem Handy und begann langsam zu verstehen, warum manche Farangs hier innerhalb von drei Monaten plötzlich ungefragt Mitbesitzer eines Nagelstudios werden.

Dann schrieb ich irgendwann erneut sehr freundlich zurück, dass ich wirklich ausgesprochen glücklich verheiratet sei.

Wirklich glücklich.

Nicht Pattaya-glücklich.

Richtig glücklich.

Mit echter Ehe.

Emotionen. Vertrauen. Gemeinsamer Zukunft. Und ohne geheim finanziertes Caféprojekt.

Die Veränderung danach war bemerkenswert.

Nicht dramatisch.

Sehr thailändisch subtil.

Aber bemerkenswert.

Plötzlich deutlich weniger Nachrichten.

Dann nur noch gelegentlich.

Dann fast gar nichts mehr.

Es war ein wenig so, als hätte jemand langsam den Strom einer sehr höflichen romantischen Werbekampagne heruntergeregelt.

Und ich muss zugeben: Das Ganze hatte schon etwas unfreiwillig Komisches.

Denn einerseits bestätigen solche Situationen natürlich sämtliche Pattaya-Klischees mit der Feinfühligkeit eines Presslufthammers.

Andererseits wäre es unfair, daraus allgemeine Wahrheiten ableiten zu wollen.

Thailand ist komplizierter.

Menschen auch.

Aber ich begann durchaus zu verstehen, warum hier so viele wirtschaftlich vollkommen absurde Projekte entstehen.

Denn wenn das eingesetzte Kapital nicht aus eigener harter Arbeit stammt, verändert sich vermutlich auch der Blick auf Risiko.

Wenn ein europäischer Sponsor aus emotionaler Großwetterlage heraus plötzlich 300.000 Baht für ein Café bereitstellt, stellt offenbar niemand mehr die eigentlich interessante Frage: „Kommt hier überhaupt jemals jemand vorbei?“

Die Antwort lautete in diesem Fall: eher selten.

Möglicherweise entsteht so überhaupt erst diese faszinierende Parallelwirtschaft Pattayas.

Cafés ohne Gäste. Bars ohne Umsatz. Restaurants ohne Besucher. Nagelstudios mit exakt zwei Kundinnen pro Woche.

Und irgendwo dahinter sitzt vermutlich ein leicht verschwitzter Europäer in Wolverhampton, Castrop-Rauxel oder Malmö und glaubt weiterhin, er investiere strategisch in die Zukunft.

Während in Wirklichkeit lediglich sehr freundlich dekorierter Leerlauf finanziert wird.

Ich trank meinen bunten Zuckerkaffee aus.

Bedankte mich höflich.

Und verabschiedete mich.

Nok lächelte weiterhin freundlich.

Aber mit deutlich reduzierter strategischer Wärme.

„You come again maybe tomorrow?“

„One should never exclude future diplomatic relations entirely.“

Sie blinzelte kurz.

„…Yes.“

Ich fuhr anschließend zurück nach Pratumnak und dachte unterwegs:

Thailand ist vermutlich das einzige Land der Welt, in dem romantische Missverständnisse regelmäßig komplette Kleinunternehmen finanzieren.

Eis.jpg
 

Klimbim

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24 November 2024
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TEIL 35: DIE SACHE MIT DER AUTOMATISCHEN STROMZAHLUNG, ODER WARUM GELD HIER LIEBER PERSÖNLICH VERABSCHIEDET WIRD



Ich hatte mir das Ganze eigentlich ziemlich harmlos vorgestellt.

Ich wollte nur eine Einzugsermächtigung für meine Stromrechnung. Also dieses Prinzip, bei dem Geld einmal freundlich zustimmt, sich regelmäßig selbst zu verabschieden, ohne dass ich jeden Monat als emotional leicht angeschlagener Buchhalter daneben stehen muss.

Strom nutzen, Rechnung entsteht, Geld verschwindet automatisch. Eine zivilisierte kleine Vereinbarung zwischen Mensch und Versorgung.

In meiner Vorstellung ein Häkchen im Formular. In der Realität eher ein mehrstufiges Ritual, bei dem Vertrauen erst nach mehrfacher Stempelprüfung als theoretisch akzeptabel eingestuft wird.

Ich gehe in die Bangkok Bank - zuvor PEA.

Und ich merke sofort: Das hier ist kein Ort für schnelle Entscheidungen. Das ist ein Ort, an dem Entscheidungen erst lernen müssen, langsam zu werden.

Drinnen sitzt diese vertraute Mischung aus thailändischen Bankangestellten mit der ruhigen Professionalität von Menschen, die seit Jahrzehnten wissen, dass alles lösbar ist, solange man es in mindestens drei Kopien einreicht.

Und die Rentner.

Eine eigene Spezies. Kurzhosig, sonnenverbrannt, Hawaii-Hemden in Farben, die eigentlich nur in Warnhinweisen vorkommen sollten. Sandalen mit weißen Socken. Gesichtsausdruck: leicht verwirrt, aber stabil genug, um seit Jahren jeden Monat denselben Prozess neu zu entdecken.

Dazu ihre Ehefrauen. Ruhig. Präzise. Emotional längst in einem Zustand angekommen, der irgendwo zwischen „ich habe es akzeptiert“ und „ich dokumentiere nur noch still“ liegt.

Ich setze mich.

Und werde sofort Teil eines Systems, das nicht wartet, sondern sich selbst beobachtet beim Warten.

Ein Deutscher neben mir hält seine Nummer hoch.

„I swear, I was before him.“

Seine Frau schaut kurz auf.

„You are always before reality in your head.“

Er murmelt:

„This is not normal queue.“

Sie:

„No. It is Thai queue.“

Das Gespräch endet, wie so viele hier: nicht mit Lösung, sondern mit einer Art stiller interner Kapitulation.

Zwei Plätze weiter ein anderer Farang, hochrot im Gesicht, sagt zu seiner Frau:

„They skipped me. 100 percent.“

Sie antwortet ohne jede emotionale Beteiligung:

„Nobody skip you. You just not move in time dimension.“

Er:

„That makes no sense.“

Sie:

„Correct.“

Pause.

Er sagt nichts mehr. Das war wahrscheinlich sein Moment der Erkenntnis.

Ein weiterer Deutscher versucht es mit Logik:

„Maybe system error. I go ask.“

Seine Frau, trocken:

„Yes. You go ask. Like every time. Like tradition.“

Ich sitze da und denke mir: Ich wollte eigentlich nur Strom automatisch bezahlen lassen. Nicht Teil einer kulturellen Langzeitstudie werden.

Dann passiert es.

Die Filialleiterin kommt.

Sie schaut kurz in den Raum.

Ein Blick. Ein Blinzeln. Sehr gezielt.

Kein Name. Kein Aufruf. Nur dieses leise Signal: „Du.“

Ich stehe auf.

Sofort.

Hinter mir entsteht ein kleines soziales Beben.

Ein älterer Deutscher dreht sich um.

„Wait. He didn’t get called.“

Seine Frau:

„He got called. Just not loudly like your life expectations.“

Ein anderer Farang, sichtbar beleidigt:

„This is unfair system.“

Seine Frau:

„No. This is system you don’t understand yet.“

Ein dritter murmelt:

„He just walked out like VIP.“

Seine Frau:

„He walked because he was invited. You still sitting because you waiting for announcement of invitation.“

Ich folge der Filialleiterin durch den Raum.

Sie bewegt sich mit dieser ruhigen Selbstverständlichkeit, die sagt: Hier wird nicht diskutiert. Hier wird nur umgesetzt.

Ich gehe hinter ihr her und spüre die Blicke im Rücken wie kleine kulturelle Fragezeichen.

Ein Deutscher hinter mir, laut genug für alle:

„I was number before him!“

Seine Frau, ohne aufzusehen:

„Yes. But you still sitting after him.“

Ein anderer:

„This system is joke.“

Seine Frau:

„No. You just punchline.“

Kurz danach noch ein Gespräch, das sich besonders einprägt:

„I don’t understand why he goes first.“

„Because he stands up.“

„That’s not rule.“

„In Thailand it is rule.“

„What rule?“

„Movement rule.“

Er schweigt. Das war der Moment, in dem Theorie auf Realität trifft.

Ich werde in ein Büro geführt.

Und alles, was ich eigentlich erwartet hatte, nämlich Wartezeit, Chaos und Papierkampf, fällt einfach weg, als hätte jemand beschlossen, dass mein persönlicher Prozess heute keine Lust auf Drama hat.

Unterschrift. Kopie. Blick. Nicken. Fertig.

Dann dieser Satz, der immer klingt wie eine höfliche Verschiebung in die Zukunft:

„Process done. Activation maybe next cycle.“

Sie schickte mich wieder zur PEA zurück... hatte was...meinte aber, es könne dauern dort...

Immerhin. Ich hatte den Stempel, Donnerwetter! Aber dieses "may be"...

Das Wort „maybe“ hängt dabei immer irgendwie in der Luft wie ein rechtlich abgesicherter Zustand.

Draußen denke ich darüber nach, dass ich eigentlich nur wollte, dass mein Geld automatisch verschwindet, ohne dass ich jeden Monat als stiller Beobachter daneben stehen muss.

Stattdessen habe ich gelernt, dass hier nicht Prozesse wichtig sind, sondern Bewegung. Wer sich bewegt, kommt weiter. Wer wartet, wird Teil der Einrichtung.

Und irgendwo hinter mir sitzen weiterhin Menschen, die überzeugt sind, dass sie eigentlich gleich dran gewesen wären, während ihre Ehefrauen längst verstanden haben, dass Zeit hier keine Linie ist, sondern ein flexibles Konzept mit gelegentlicher Laune.

Mein Antrag ist angenommen.

Ob er funktioniert, wird sich zeigen.

Vielleicht bald.

Vielleicht irgendwann.

Vielleicht genau dann, wenn ich längst aufgehört habe, danach zu fragen.

Und das, so scheint es mir, ist hier der eigentliche Service:
Man bekommt nicht nur eine Einzugsermächtigung.

Man bekommt eine geduldige Beziehung zur Ungewissheit.

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Klimbim

Hat nix anderes zu tun
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24 November 2024
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Herrlich, super Schreibstil. (y)

:danke

Manchmal ist Geduld und lächeln im Vorteil, ich korrigiere mich, in Thailand meistens.


Sponsorenromantik, merke ich mir :bigsmile

Ja... aber ich bin ja gnädig dankbar für all diesen wunderbaren Stoff, den mir Thailand so bietet.

Es sind die Nichtigkeiten, die mich animieren trocken belustigt zu kommentieren. Nichts Spektakuläres aber es ist wirklich oft für meinen kleinen Verstand sehr amüsant und bringt mich dazu, mich bestens unterhalten zu fühlen...

Ich bin indes ein diskreter Typ. Ich nenne also keine genau nachverfolgbare Bezugsdaten. Nur: ich wette drauf, ich wette wirklich drauf, dass zig Pattayaveteranen diese Geschichten zig mal selber so oder sehr ähnlich mitverfolgen konnten.

Sie kommen ja nicht exakt identisch daher aber bestimmte Aspekte sind wirklich "same same but different"...
 

Lunatic

Hat nix anderes zu tun
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27 April 2023
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Nur: ich wette drauf, ich wette wirklich drauf, dass zig Pattayaveteranen diese Geschichten zig mal selber so oder sehr ähnlich mitverfolgen konnten.
Da müsste man jemanden finden der dagegen wettet, wird schwierig, denk ich mir.
Ich gehe konform, alles selbst in dieser Art erlebt.
Leider bring ich es so nicht auf Papier ...... ich übe mal in einer ruhigen Minute.
 

Klimbim

Hat nix anderes zu tun
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24 November 2024
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Da müsste man jemanden finden der dagegen wettet, wird schwierig, denk ich mir.
Ich gehe konform, alles selbst in dieser Art erlebt.
Leider bring ich es so nicht auf Papier ...... ich übe mal in einer ruhigen Minute.

Naja was soll ich sagen… ich fasse das einmal freundlich zusammen:

In den letzten sechs Wochen hatte ich exakt drei dieser Begegnungen, jeweils leicht unterschiedlich verpackt, aber in der Grundstruktur erstaunlich zuverlässig.

Eine Agentin mit Immobilieninteresse, Nok mit einem Café, das wirtschaftlich sehr tapfer wirkt, und eine Dame unter einem Blechdach im Starkregen, die mein Leben mit einer Intensität analysiert hat, für die ich mich kurz gefragt habe, ob ich versehentlich ein öffentliches Beratungsbüro eröffnet habe.

Gemeinsam war allen drei Fällen ein ziemlich klarer Bauplan: Anfang bis Mitte dreißig, freundlich, durchaus attraktiv, Kinder im passenden Schulalter, und eine Lebenssituation, die man wohl am besten als „Single Mom mit flexibler Beziehungsgeschichte“ beschreiben kann.

Dazu kam eine bemerkenswert konstante Grundannahme: dass ein europäischer Ehemann sich offenbar in einem Zustand befindet, in dem seine Ehe eher als eine Art Hintergrundrauschen existiert. Vorhanden, aber nicht unbedingt aktiv störend.

Ich muss zugeben, die Regelmäßigkeit hat etwas Beruhigendes. Es ist ein bisschen wie ein sehr einfacher Glücksspielautomat, bei dem sich die Symbole minimal ändern, aber das Ergebnis jedes Mal freundlich nickt und fragt, ob man nicht vielleicht „tomorrow again“ kommt.

Ich vermute eine Art stille Symbiose: ein paar Farangs, die aus Gründen, die sie vermutlich selbst nicht vollständig erklären können, sehr schnell „ja, mal schauen“ sagen, und ein Umfeld, das diese Antwort erstaunlich effizient weiterverarbeitet.

Ich selbst stehe da eher am Rand, mit der etwas unglücklichen Rolle desjenigen, der meistens nur zufällig vorbeikommt, höflich grüßt und sich dann wieder verabschiedet, bevor irgendjemand auf die Idee kommt, aus der Situation ein Konzept zu machen.

Und jedes Mal, wenn ich denke, jetzt habe ich das Muster verstanden, kommt beim nächsten Regen offenbar wieder eine leicht andere Version derselben Grundform vorbei...

...mit der freundlichen Konsequenz, dass ich mich weiterhin primär als Beobachter eines Systems betrachte, das ich nicht erfunden habe und auch nicht besonders gut erkläre.

Ich kann nur sagen: Gott sei Dank bin ich 60 und nicht 25 denn ansonsten würde ich die Angebote reihenweise abräumen und mich selbst damit wohl in massive Schwierigkeiten bringen...

Ich mag also den Prozess des Älterwerdens an mir. Er schützt mich vor völligem Blödsinn.
 
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Klimbim

Hat nix anderes zu tun
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24 November 2024
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In einem anderen Strang fragt ein Neuling mit Kindern im Wechselmodell (hatte ich früher auch, nun lebt Tochter bei uns), ob ein paar Tage Pattaya sich lohnen... las ich gerade.

Hab ich auch schon gemacht... ich gestehe es...

Kurztrip nach Pattaya | Pattaya - Thailand - Asien Forum

@Scholli120

Ich will seinen / Deinen Strang nicht versauen, aber mir kommen dazu ein paar Gedanken, ganz generell... die ich mit meiner nahen eigenen Zukunft des Reisens mal verknüpfe... wenn ich es hier mache, stört es ihn weniger...

Das Problem bei solchen Mini-Reisen ist bei mir weniger Thailand als mein eigener Organismus. Ich lande zwar körperlich in Bangkok, aber geistig oft erst drei bis fünf Tage später. Jetlag ist bei mir kein bisschen Müdigkeit mehr, sondern eher eine zeitweise Außerdienststellung mit eingeschränkter Denkfähigkeit und dem Charme eines schlecht programmierten Faxgeräts.

Wenn Du dort wirklich etwas erleben willst, das entfernt mit Erholung zu tun hat ...also Koh Samet, Wasserfälle, bisschen Hinterland, gutes Essen, entspannte Abende, Pool, einfach mal nicht ständig dieses rastlose Herumrennen ... dann wird das unter zwölf Tagen aus meiner Sicht schwierig.

Bei einer Woche bist Du im Grunde nur beschäftigt mit:
ankommen,
schwitzen,
nicht schlafen,
Geld ziehen,
Dich wundern warum plötzlich alles nach Grillhähnchen, Abgasen und Waschmittel riecht,
und dann sitzt Du praktisch schon wieder im Rückflug und versuchst im Flugzeug zu begreifen, welcher Wochentag eigentlich gerade ist.

Ich würde die Kinder entweder mal drei oder vier Wochen bei der Mutter lassen oder vorher komplett selber übernehmen. Alles andere endet wahrscheinlich damit, dass Du in Pattaya am Pool sitzt und innerlich trotzdem gerade einen deutschen Familienkalender organisierst.

Ich weiß natürlich nicht, was genau Du dort machen willst. Geht mich auch nichts an. Ich bin kein Moralapostel.

Mein Stiefsohn kommt mich im Juli vier Wochen besuchen. Das wird herrlich. Der fährt diese Autorennen mit diesen kleinen echten Rennwagen, deren Namen ich jedes Mal wieder vergesse, obwohl er sie mir vermutlich schon zwölfmal erklärt hat.

Wir machen Motorradtouren, hängen am Pool herum, die Wohnung darf auch mal aussehen wie eine leicht gescheiterte Jugendherberge, weil die Haushälterin das später ohnehin wieder regelt, und ernährungstechnisch wird es wahrscheinlich auf Spaghetti Carbonara und vollständige Vitaminverweigerung hinauslaufen.

Meine Frau sieht das Ganze übrigens mit einer Mischung aus Liebe, Skepsis und strategischer Überwachung. Sie spricht perfektes Deutsch, kommt aber ursprünglich aus Asien und vertritt beim Thema junge Männer in Thailand eine bemerkenswert klare außenpolitische Linie.

„Ich weiß, wie die sind.“

Womit allerdings völlig unklar bleibt, wen genau sie meint. Die Frauen. Die Männer. Ganz Thailand. Vermutlich alles zusammen.

Mein Stiefsohn nickt dann immer sehr ernst, als würde er an einer wichtigen Sicherheitsbesprechung teilnehmen, während meine Tochter mit 19 daneben sitzt und ihm hilft, seine WhatsApp-Nachrichten grammatikalisch in eine Form zu bringen, die nicht klingt wie ein Erpresserschreiben nach drei Dosen Energydrink.

Das Familienmodell funktioniert erstaunlich gut.

Meine Tochter analysiert die Nachrichten.
Meine Frau überwacht die geopolitische Lage.
Und ich sitze daneben und tue so, als hätte ich mit alldem organisatorisch nichts zu tun.

Besonders wichtig ist meinem Stiefsohn übrigens der Umstand, dass seine Mutter nicht alle sieben Minuten „Pass auf“ sagt. Ich halte das in seinem Alter für biologisch vollkommen normal.

Aber möglicherweise ist das komplett nicht das, was Du suchst.

Wenn schon, dann nimm wenigstens einen Nonstopflug ab München, Zürich oder Frankfurt und flieg nachts. Alles andere ist erfahrungsgemäß ungefähr so erholsam wie ein Kater mit Sonnenbrand.

Ich wünsche Dir eine gute Reise ;)
 
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DaBaWa

Gibt sich Mühe
   Autor
25 Januar 2025
490
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Teil 34: „Klimbim, das Café ohne Gäste und die erstaunliche Stabilität internationaler Sponsorenromantik“



Einige Tage nachdem Nok und ihre Tochter mein Condo besichtigt hatten, beschloss ich, aus reiner Höflichkeit einmal ihr Café in Jomtien aufzusuchen.

Schließlich hatte sie mehrfach betont: „You come my café, yes? Very nice place.“

Das sagte sie mit einer Begeisterung, die zumindest theoretisch darauf schließen ließ, dass dort gelegentlich menschliches Leben stattfand.

Also fuhr ich hin.

Und fand es zunächst einmal nicht.

Das Café befand sich nämlich ganz am Ende eines größeren Parkplatzes, eingerahmt von einer Art improvisierter Containerlandschaft aus kleinen Bars, Garagen-Etablissements und einem Visa-Service, der aussah, als könne man dort gleichzeitig ein Retirement-Visum verlängern und einen defekten Kühlschrank reparieren lassen.

Alles wirkte ein wenig provisorisch.

Aber auf diese typisch thailändische Art provisorisch, die seit acht Jahren exakt unverändert existiert.

Ich fuhr einmal komplett im Kreis.

Dann noch einmal.

Nichts.

Zumindest nichts, das eindeutig nach Café aussah.

Eher nach einer leicht erschöpften Raststätte für Menschen mit schwieriger Lebensplanung.

Also rief ich Nok an.

Sie ging tatsächlich ran.

Im Hintergrund hörte ich Wasserrauschen und irgendwelche Stimmen.

„Hello Klimbim!“

„I believe I am somewhere near your café.“

Kurze Pause.

„You where?“

„That is currently one of the great philosophical questions of our time.“

Sie lachte sofort.

Dann erklärte sie mir den Weg.

Allerdings mit der geografischen Präzision eines betrunkenen Piraten.

„You see bar with blue chair?“

„There are approximately seventeen bars with blue chairs.“

„Noooo, another blue chair.“

„Ah. That narrows it down catastrophically.“

Großes Gelächter.

„You see fat dog sleep?“

Ich blickte mich um.

Tatsächlich lagen dort ungefähr fünf dicke Hunde verteilt wie verstreute Sofakissen.

„That may still leave room for interpretation.“

Noch mehr Gelächter.

Irgendwann stellte sich heraus, dass sie gerade in einer Sauna war.

Warum genau man aus einer Sauna heraus einem leicht verwirrten Europäer versucht zu erklären, wo sich ein nahezu unsichtbares Café auf einem Parkplatz befindet, blieb auch danach ungeklärt.

Jedenfalls fand ich es an diesem Tag nicht mehr.

Am nächsten Tag versuchte ich es erneut.

Diesmal war geöffnet.

Das Café lag tatsächlich ganz hinten in einer Ecke des Parkplatzes.

Klein.

Sehr klein.

Nicht unfreundlich klein.

Eher wirtschaftlich mutig klein.

Drinnen saß exakt ein Gast.

Der Gast war Nok.

Sie winkte sofort begeistert.

„Klimbim! Finally you find!“

„Against all statistical probability, yes.“

Sie lachte sofort wieder dieses leicht erschöpfte Kichern, das Thai-Frauen oft entwickeln, wenn ein Farang beginnt, vollständige englische Sätze zu benutzen.

Ich setzte mich.

Sie brachte mir sofort irgendetwas mit Eis, Zucker und einer Farbe, die in Europa vermutlich eine behördliche Untersuchung ausgelöst hätte.

„Special coffee!“

„It appears medically ambitious.“

„No no, very healthy!“

Ich nahm vorsichtig einen Schluck.

Es schmeckte gleichzeitig nach Kaffee, Kondensmilch und einer nicht näher identifizierbaren Frucht, die vermutlich in mehreren Ländern verboten wäre.

„Remarkably alive“, sagte ich höflich.

Sie nickte begeistert.

„Yesss! Alive coffee!“

Nun gut.

Damit hatte das Getränk jetzt offiziell eine Persönlichkeit entwickelt.

Das Café selbst war erstaunlich ordentlich.

Sauber.

Mit Liebe eingerichtet.

Pflanzen. Kleine Lampen. Deko. Kissen. Diese typischen motivational quotes auf Englisch, die grammatikalisch leicht angeschlagen sind, aber emotional sehr bemüht wirken.

An einer Wand stand: “Dream Big Success Happy Smile Forever.”

Man wusste nicht genau, ob es Motivation oder ein medizinischer Zwischenfall war.

Nur Kundschaft fehlte.

Komplett.

Vor dem Laden fuhr alle paar Minuten ein Motorrad vorbei.

Sonst nichts.

Es hatte die wirtschaftliche Dynamik eines Außenpostens in der Antarktis.

Nok setzte sich irgendwann zu mir.

„You like my café?“

Ich schaute mich vorsichtig um.

„It certainly possesses tranquility.“

Sie nickte stolz.

„Very peaceful!“

Das war technisch korrekt.

Ein buddhistisches Kloster während einer Stromsperre hätte kaum stiller wirken können.

Ich fragte irgendwann vorsichtig: „So… how much did all this cost?“

Sie überlegte kurz.

„Maybe two hundred thousand… maybe three hundred thousand.“

Sie sagte das mit der Gelassenheit eines Menschen, der gerade über den Preis eines Toasters spricht.

Ich nickte langsam.

Für Thailand ist das durchaus Geld.

Vor allem für ein Café, dessen Hauptkundschaft aktuell offenbar aus einem einzelnen durstigen Europäer bestand, der sich aus anthropologischem Interesse dort eingefunden hatte.

Also fragte ich: „Did you save the money before?“

Sie lachte sofort.

„Nooooo.“

Längeres Kichern.

„Sponsor.“

Ah.

Natürlich.

Das erklärte einiges.

Nicht alles.

Aber einiges.

„British man.“

Wieder dieses Kichern.

„Very kind man.“

Nun muss man wissen: Wenn eine Thai-Frau in diesem Tonfall „very kind man“ sagt, bedeutet das meistens nicht, dass der Herr ihr einmal beim Tragen von Einkaufstüten geholfen hat.

Ich nickte höflich.

„I see.“

„He pay café.“

„That is certainly generous.“

„He love me too much.“

„A condition not entirely unknown in this country.“

Sie verstand nur ungefähr die Hälfte davon, lachte aber trotzdem begeistert.

Dann kam die eigentliche Pointe.

„He married.“

„Ah.“

„Wife not know.“

Natürlich nicht.

Sie grinste mich an.

Ich grinste höflich zurück.

Dieses sehr kontrollierte europäische Grinsen, das übersetzt ungefähr bedeutet: „Ich verstehe exakt, was hier gerade passiert, werde mich aber diplomatisch verhalten, bis wir beide so tun können, als wäre nie etwas geschehen.“

Offenbar hatte meine wiederholte Erklärung, glücklich verheiratet zu sein, auf Nok ungefähr denselben Effekt wie ein „Bitte nicht füttern“-Schild im Streichelzoo.

Eher unverbindlichen Charakter.

„You handsome man,“ sagte sie irgendwann beiläufig.

„That is exceptionally charitable of you.“

„You have very good skin.“

„Years of disappointment preserve a man surprisingly well.“

Sie starrte mich kurz an.

Dann lachte sie derart laut, dass draußen sogar einer der Hunde kurz den Kopf hob.

„You funny man, Klimbim.“

„That allegation has been made before.“

Sie schüttelte lachend den Kopf.

Dann fragte sie plötzlich: „You have sponsor?“

„Only taxes.“

Sie verstand das offensichtlich nicht vollständig, fand aber den Klang der Antwort ausgezeichnet.

„You come café more often.“

„Possibly.“

Das Wort „possibly“ ist übrigens eine wunderbare Erfindung.

Es klingt freundlich.

Offen.

Fast interessiert.

Kann aber emotional denselben Effekt haben wie eine verschlossene Brandschutztür.

Nok schien das allerdings zunächst nicht weiter zu beeindrucken.

In den folgenden Tagen erhielt ich Nachrichten.

Viele Nachrichten.

Morgens. Mittags. Abends.

„You eat already?“ „You ride bike now?“ „You lonely?“ „You come coffee maybe?“ „I make special cake.“ „You think me little bit?“

Irgendwann hatte ich täglich ungefähr fünf Nachrichten auf dem Handy und begann langsam zu verstehen, warum manche Farangs hier innerhalb von drei Monaten plötzlich ungefragt Mitbesitzer eines Nagelstudios werden.

Dann schrieb ich irgendwann erneut sehr freundlich zurück, dass ich wirklich ausgesprochen glücklich verheiratet sei.

Wirklich glücklich.

Nicht Pattaya-glücklich.

Richtig glücklich.

Mit echter Ehe.

Emotionen. Vertrauen. Gemeinsamer Zukunft. Und ohne geheim finanziertes Caféprojekt.

Die Veränderung danach war bemerkenswert.

Nicht dramatisch.

Sehr thailändisch subtil.

Aber bemerkenswert.

Plötzlich deutlich weniger Nachrichten.

Dann nur noch gelegentlich.

Dann fast gar nichts mehr.

Es war ein wenig so, als hätte jemand langsam den Strom einer sehr höflichen romantischen Werbekampagne heruntergeregelt.

Und ich muss zugeben: Das Ganze hatte schon etwas unfreiwillig Komisches.

Denn einerseits bestätigen solche Situationen natürlich sämtliche Pattaya-Klischees mit der Feinfühligkeit eines Presslufthammers.

Andererseits wäre es unfair, daraus allgemeine Wahrheiten ableiten zu wollen.

Thailand ist komplizierter.

Menschen auch.

Aber ich begann durchaus zu verstehen, warum hier so viele wirtschaftlich vollkommen absurde Projekte entstehen.

Denn wenn das eingesetzte Kapital nicht aus eigener harter Arbeit stammt, verändert sich vermutlich auch der Blick auf Risiko.

Wenn ein europäischer Sponsor aus emotionaler Großwetterlage heraus plötzlich 300.000 Baht für ein Café bereitstellt, stellt offenbar niemand mehr die eigentlich interessante Frage: „Kommt hier überhaupt jemals jemand vorbei?“

Die Antwort lautete in diesem Fall: eher selten.

Möglicherweise entsteht so überhaupt erst diese faszinierende Parallelwirtschaft Pattayas.

Cafés ohne Gäste. Bars ohne Umsatz. Restaurants ohne Besucher. Nagelstudios mit exakt zwei Kundinnen pro Woche.

Und irgendwo dahinter sitzt vermutlich ein leicht verschwitzter Europäer in Wolverhampton, Castrop-Rauxel oder Malmö und glaubt weiterhin, er investiere strategisch in die Zukunft.

Während in Wirklichkeit lediglich sehr freundlich dekorierter Leerlauf finanziert wird.

Ich trank meinen bunten Zuckerkaffee aus.

Bedankte mich höflich.

Und verabschiedete mich.

Nok lächelte weiterhin freundlich.

Aber mit deutlich reduzierter strategischer Wärme.

„You come again maybe tomorrow?“

„One should never exclude future diplomatic relations entirely.“

Sie blinzelte kurz.

„…Yes.“

Ich fuhr anschließend zurück nach Pratumnak und dachte unterwegs:

Thailand ist vermutlich das einzige Land der Welt, in dem romantische Missverständnisse regelmäßig komplette Kleinunternehmen finanzieren.

Anhang anzeigen 2218585
Es ist schon herrlich wie so ein paar Zeilen so vieles nebenbei erklären können...

Und ein verheirateter Mann ist in Pattaya für viele Ladies, die diesem System folgen, definitiv kein Hindernis eher eine Einladung oder ein Geschenk 😉. Der geht Dir nämlich in der Regel deutlich weniger auf den Sack wenn er in Europa ist. Das eröffnet Spielraum für weiteres...
 

Klimbim

Hat nix anderes zu tun
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24 November 2024
1.247
6.287
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Anderes Thema, betrifft wieder den "Honk" in mir:


Schwarmwissen gefragt. Echte Experten. Also jene Menschen, die nachts freiwillig YouTube-Videos über Drehmomentschlüssel anschauen und aus einem alten Toshiba-Drucker vermutlich eine funktionierende Marsrakete bauen könnten.

Folgendes Problem:

Ich besitze zwei Klimaanlagen. Also zwei dieser weißen Kästen, die zuverlässig kalte Luft erzeugen und dabei klingen wie ein kleiner startender Regionalflughafen.

Eine in jedem Raum.

Dazu exakt eine Fernbedienung.

Im ersten Raum funktioniert alles sofort.

An.
Aus.
An.
Aus.

Wie bei einem gut erzogenen deutschen Beamtenapparat der frühen achtziger Jahre.

Im zweiten Raum hingegen entwickelt sich regelmäßig ein diplomatischer Zwischenfall.

Ich drücke:
nichts.

Nochmal:
nichts.

Dann halte ich die Fernbedienung höher.
Dann schräg.
Dann leicht seitlich wie eine Wünschelrute für Elektriker.

Irgendwann, meist nach drei bis fünf Versuchen, erbarmt sich die Anlage und springt an. Immer. Aber erst nach einer gewissen Phase gegenseitiger Verachtung.

Ich habe inzwischen sämtliche Lösungsansätze ausprobiert:

näher rangehen,
weiter weggehen,
Batterien wechseln,
nicht direkt darunter stehen,
direkt darunter stehen,
leicht aggressiv schauen,
freundlich schauen,
kurz innerlich aufgeben.

Keine klare Systematik erkennbar.

Hier im Forum wimmelt es doch von technischen Freaks. Also jener Sorte Mensch, die einen Golf II zerlegen kann, weil irgendwo ein Geräusch auftritt, das normale Menschen gar nicht hören, und drei Stunden später steht plötzlich ein funktionierendes Blockheizkraftwerk im Hof.

Ein echter Fachmann möge mir bitte erklären:

Warum funktioniert die eine Anlage wie ein Schweizer Uhrwerk, während die andere behandelt werden möchte wie ein emotional erschöpfter Faxautomat kurz vor der Frühverrentung?

Und vor allem:
Was muss ich tun, damit beide Geräte denselben zivilisatorischen Entwicklungsstand erreichen?

Ich habe übrigens gewisse Vorurteile entwickelt:
Die besten Antworten kommen erfahrungsgemäß entweder aus dem Osten oder von Schwaben.

Die einen reparieren Dinge aus Prinzip.
Die anderen aus finanzieller Überzeugung.

Ich bitte vorsorglich um Verzeihung.
 

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