@Indian1961 @anderl1962
Erst einmal vielen Dank euch beiden für eure Antworten. Und ja, der Hinweis, dass man sich selbst nicht zu wichtig nehmen sollte, ist durchaus angekommen. Ich bin mir völlig bewusst, dass mein Schreibtisch nicht in schwarze Tücher gehüllt wird, wenn ich nicht mehr auftauche. Nach drei Wochen sitzt dort jemand anderes, nach vier Wochen fragt vielleicht noch einer, wie ich eigentlich hieß. So ist das Leben. Ich rechne auch nicht damit, dass man mir irgendwann eine Büste in der Kantine aufstellt.
Was mir allerdings wichtig ist: Ich möchte nicht einfach verschwinden und den Kollegen einen Container voller zusätzlicher Arbeit vor die Tür kippen. Einige von ihnen haben sich während meiner Krankheit wirklich anständig und kollegial verhalten. Denen möchte ich ungern zum Abschied noch einen kleinen betrieblichen Flächenbrand hinterlassen.
Und dann wäre da noch mein neuer Vorgesetzter, Herr von Befehl. Mit ihm hatte ich kürzlich ein telefonisches Vorgespräch, offiziell, um sich nach meinem Befinden zu erkundigen. Es entwickelte sich allerdings rasch zu einer Art militärischer Lagebesprechung, bei der offenbar nur einer die Lage kannte und der andere gefälligst zu salutieren hatte.
Herr von Befehl: „Herr Klimbim, ich möchte wissen, wann Sie wieder einsatzfähig sind. Kurz und knapp bitte. Wer etwas Wichtiges zu sagen hat, fasst sich kurz und kommt zur Sache.“
Klimbim: „Ich erhole mich gerade von einer lebensgefährlichen Erkrankung und drei Operationen. Die Ärzte haben mir geraten, mich noch etwas zu schonen.“
Herr von Befehl: „Zu lang. Wann können Sie wieder arbeiten?“
Klimbim: „Das lässt sich leider nicht auf einen Dienstag festlegen.“
Herr von Befehl: „Ich brauche klare Aussagen!“
Klimbim: „Die hätte ich auch gern. Am liebsten hätte ich sogar wieder einen funktionierenden Darm. Aber wir müssen offenbar beide mit der gegenwärtigen Lage arbeiten.“
Herr von Befehl: „Sie müssen lernen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren!“
Klimbim: „Das tue ich. Meine Gesundheit ist momentan das Wesentliche.“
Herr von Befehl: „Ich bin noch nicht fertig!“
Klimbim: „Das habe ich inzwischen bemerkt.“
An dieser Stelle musste ich das Gespräch leider beenden, weil mir von der ganzen Veranstaltung ziemlich übel wurde. Ich legte also auf. Kein Türenschlagen, keine Meuterei, keine Fahnenflucht. Ich hatte lediglich ein Telefongespräch beendet.
Später erzählte mir ein Kollege, Herr von Befehl sei darüber außerordentlich aufgebracht gewesen. Offenbar hatte ich nicht einfach aufgelegt, sondern war in seiner Wahrnehmung mit der Regimentskasse, zwei Pferden und einem halben Bataillon nach Pattaya desertiert.
Ich selbst hatte das Ganze etwas weniger dramatisch in Erinnerung.
Was meinen eigenen weiteren Lebensplan angeht, hat mich die Krankheit ziemlich geerdet. Ich hatte früher gedacht, ich arbeite noch zwei, drei Jahre weiter, damit ich mir in Thailand ein möglichst luxuriöses Leben leisten kann. Inzwischen erscheint mir ein bescheidenes, ordentliches Leben für zwanzig Jahre deutlich attraktiver als zwei Jahre Champagner mit anschließendem Zapfenstreich.
Was mich dort reizt, ist ohnehin viel einfacher: Menschen beobachten, gelegentlich liebevoll auf die Schippe nehmen, Geschichten daraus machen, im Meer schwimmen und einen kalten Thai-Tee in Jomtien trinken. Dafür brauche ich weder eine Präsidentensuite noch Dom Pérignon.
Vielleicht muss man erst einmal ordentlich aus dem Verkehr gezogen werden, um zu merken, dass das Leben kein Projekt ist, das man bis zur nächsten Gehaltserhöhung vertagen sollte.
Und falls Herr von Befehl das liest: Ich bin nicht desertiert. Ich bin nur gerade nicht auf dem Appellplatz.
@MGiebel
Natürlich bin ich ersetzbar. Aber ein Dackel mit Aktenkoffer müsste sich vermutlich erst einarbeiten.
Schau Dir die meisten Konzerndackel mal an...
Die meisten haben einen Dachschaden.
Wo genau hast Du gearbeitet
?
Erst einmal vielen Dank euch beiden für eure Antworten. Und ja, der Hinweis, dass man sich selbst nicht zu wichtig nehmen sollte, ist durchaus angekommen. Ich bin mir völlig bewusst, dass mein Schreibtisch nicht in schwarze Tücher gehüllt wird, wenn ich nicht mehr auftauche. Nach drei Wochen sitzt dort jemand anderes, nach vier Wochen fragt vielleicht noch einer, wie ich eigentlich hieß. So ist das Leben. Ich rechne auch nicht damit, dass man mir irgendwann eine Büste in der Kantine aufstellt.
Was mir allerdings wichtig ist: Ich möchte nicht einfach verschwinden und den Kollegen einen Container voller zusätzlicher Arbeit vor die Tür kippen. Einige von ihnen haben sich während meiner Krankheit wirklich anständig und kollegial verhalten. Denen möchte ich ungern zum Abschied noch einen kleinen betrieblichen Flächenbrand hinterlassen.
Und dann wäre da noch mein neuer Vorgesetzter, Herr von Befehl. Mit ihm hatte ich kürzlich ein telefonisches Vorgespräch, offiziell, um sich nach meinem Befinden zu erkundigen. Es entwickelte sich allerdings rasch zu einer Art militärischer Lagebesprechung, bei der offenbar nur einer die Lage kannte und der andere gefälligst zu salutieren hatte.
Herr von Befehl: „Herr Klimbim, ich möchte wissen, wann Sie wieder einsatzfähig sind. Kurz und knapp bitte. Wer etwas Wichtiges zu sagen hat, fasst sich kurz und kommt zur Sache.“
Klimbim: „Ich erhole mich gerade von einer lebensgefährlichen Erkrankung und drei Operationen. Die Ärzte haben mir geraten, mich noch etwas zu schonen.“
Herr von Befehl: „Zu lang. Wann können Sie wieder arbeiten?“
Klimbim: „Das lässt sich leider nicht auf einen Dienstag festlegen.“
Herr von Befehl: „Ich brauche klare Aussagen!“
Klimbim: „Die hätte ich auch gern. Am liebsten hätte ich sogar wieder einen funktionierenden Darm. Aber wir müssen offenbar beide mit der gegenwärtigen Lage arbeiten.“
Herr von Befehl: „Sie müssen lernen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren!“
Klimbim: „Das tue ich. Meine Gesundheit ist momentan das Wesentliche.“
Herr von Befehl: „Ich bin noch nicht fertig!“
Klimbim: „Das habe ich inzwischen bemerkt.“
An dieser Stelle musste ich das Gespräch leider beenden, weil mir von der ganzen Veranstaltung ziemlich übel wurde. Ich legte also auf. Kein Türenschlagen, keine Meuterei, keine Fahnenflucht. Ich hatte lediglich ein Telefongespräch beendet.
Später erzählte mir ein Kollege, Herr von Befehl sei darüber außerordentlich aufgebracht gewesen. Offenbar hatte ich nicht einfach aufgelegt, sondern war in seiner Wahrnehmung mit der Regimentskasse, zwei Pferden und einem halben Bataillon nach Pattaya desertiert.
Ich selbst hatte das Ganze etwas weniger dramatisch in Erinnerung.
Was meinen eigenen weiteren Lebensplan angeht, hat mich die Krankheit ziemlich geerdet. Ich hatte früher gedacht, ich arbeite noch zwei, drei Jahre weiter, damit ich mir in Thailand ein möglichst luxuriöses Leben leisten kann. Inzwischen erscheint mir ein bescheidenes, ordentliches Leben für zwanzig Jahre deutlich attraktiver als zwei Jahre Champagner mit anschließendem Zapfenstreich.
Was mich dort reizt, ist ohnehin viel einfacher: Menschen beobachten, gelegentlich liebevoll auf die Schippe nehmen, Geschichten daraus machen, im Meer schwimmen und einen kalten Thai-Tee in Jomtien trinken. Dafür brauche ich weder eine Präsidentensuite noch Dom Pérignon.
Vielleicht muss man erst einmal ordentlich aus dem Verkehr gezogen werden, um zu merken, dass das Leben kein Projekt ist, das man bis zur nächsten Gehaltserhöhung vertagen sollte.
Und falls Herr von Befehl das liest: Ich bin nicht desertiert. Ich bin nur gerade nicht auf dem Appellplatz.
@MGiebel
Natürlich bin ich ersetzbar. Aber ein Dackel mit Aktenkoffer müsste sich vermutlich erst einarbeiten.
Schau Dir die meisten Konzerndackel mal an...
Die meisten haben einen Dachschaden.
Wo genau hast Du gearbeitet








