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Tagebuch eines Ruheständlers in Pattaya. Ich bereite es vor: in wenigen Monaten wird es starten

Klimbim

Hat nix anderes zu tun
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24 November 2024
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P.S.... man bin ich froh, dass mir Bernd damals so richtig den Kopf gewaschen hat... ich wünsche euch allen so einen Freund in Pattaya und überhaupt...

Ein wunderbarer Mensch. Wer aber mal wissen will woher ich den Mann kenne, der möge in meinen Reisebericht schauen... in den letzten Teilen dieses Berichtes.

"Wenn der Winter zu laut wird" - 2011, meine erste Reise nach Pattaya | Pattaya - Thailand - Asien Forum

Solche Freunde muss man sich "verdienen" und die Geschichte wie wir bekannt zueinander wurden, "sie hat es in sich..."
 

Klimbim

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Teil 4 – Wie ich doch noch einmal schwach wurde und das mit Kaffee aus Israel abrunden konnte


Nach dem Arcadia-Debakel hatte ich innerlich bereits die weiße Fahne gehisst. Wohnungskauf in Pattaya erschien mir ungefähr so sinnvoll wie der Versuch, einem Aal Manieren beizubringen.

Am nächsten Morgen saß ich beim Frühstück mit Bernd.

Bernd ist Beamter. Also nicht „arbeitet wie ein Beamter“, sondern: ist Beamter. Mit innerem Dienstsiegel.

Er stand am Mixer und sagte:
„Das Leben ist wie Mango und Kokosnuss. Man muss nur alles klein genug schneiden, dann wird es genießbar.“

Er warf Mangos und Kokosnüsse in den Blender, als würde er einen Verwaltungsakt vollziehen. Ich kochte türkischen Kaffee, den er mit ehrfürchtigem Blick entgegennahm, als sei es ein Formular in dreifacher Ausfertigung.

Wir tranken, aßen und beschlossen, in den Pool zu gehen und danach Spiegeleier mit Speck zu essen. Ordnung muss sein. Das Bernd-Ritual sozusagen. Wer bin ich, da zu widersprechen?

Gerade als ich mich innerlich darauf eingestellt hatte, künftig nur noch Miete und Hoffnung zu besitzen, klingelte das Telefon.

Ein israelischer Agent. Sehr freundlich. Sehr warm. So ein Typ, der nicht verkauft, sondern erstmal zuhört.

Er sagte:

„Du klingst müde. Nicht vom Laufen, sondern vom Entscheiden.“

Das traf es ziemlich genau.

Er sprach nicht von Wohnungen, sondern davon, dass man manchmal einfach jemanden braucht, der einem noch einmal zeigt, dass es auch anders gehen kann. Ohne Druck. Ohne Drama. Ohne das Gefühl, gleich eine Niere verkaufen zu müssen.

Dann sagte er:

„Ich habe da jemanden für dich. Eine deutsch-thailändische junge Frau. Sie versteht, was du suchst. Nicht nur die Quadratmeter.“

Ich dachte:
Na gut. Eine letzte Runde. Nicht aus Hoffnung, eher aus Höflichkeit.

Ich rief sie an.
Sie war Anfang zwanzig, sprach ruhig, freundlich, mit einer Stimme, die nicht nur lächelte, sondern auch ein wenig nach Sonne klang. Kein Verkaufsgerede, kein Tempo, kein Drängen. Nur dieses leichte, unaufdringliche Selbstvertrauen, das nicht laut sein muss und trotzdem sofort Präsenz hatte.

Sie sagte:
„Wir treffen uns in Pratumnak. Kleine Seitenstraße. Schöne Wohnung. Und wenn sie dir nicht gefällt…“

kurze Pause

„…dann trinken wir einfach Kaffee.“

So sagte man das nicht sachlich.
So sagte man das wie jemand, der genau wusste, dass Kaffee manchmal mehr ist als Kaffee.

Das klang nicht nach Termin.
Das klang nach Vormittag. Eigentlich nach Urlaub, wunderbar.

Das Haus lag leicht erhöht. Mein Motorroller bekam eine Garage, die ich sofort mochte.

Ich wohne nicht in Garagen.
Aber mein Motorroller schon.
Und ich habe zu diesem Motorroller inzwischen ein Verhältnis entwickelt, das man nur mit dem Wort „emotional stabil“ beschreiben kann. Denkt von mir was ihr wollt, aber am Rande ein Geständnis: ich habe das Ding gefilmt und nahm mir den Film für die Rückreise mit, um in Deutschland rein zu schauen.

Irgendwie irre, oder? Von mir aus. Ich bin keinem Rechenschaft schuldig meine ich...

Jedenfalls war klar:

Die Garage lag höher als die Straße. Ich wusste sofort:
Hier wird er sicher schlafen. Wenn meine Tochter das liest, wird sie denken man müsse sich Sorgen um mich machen, Mein Sohn wiederum wird es auf Anhieb begreifen und strahlen: Männersache, ganz ehrlich. wir lieben solche Spielzeuge...ihr wisst es auch. Sehr sicher.

Der Pool war ruhig, sauber und hatte einen Blick auf Pratumnak und das Meer. Kein Luxuspalast, aber ein Ort ohne Geburtstagsgesellschaften und Schulausflüge. Wirkte maximal entspannend auf mich. Wunderbar!

Und dann die Straße.

Keine große Straße.
Eine kleine, ruhige Straße, die sich genau vor meinem Balkon gabelte.
Eine Straße, auf der man nichts mehr bauen konnte.
Ein Blick, der nicht verbaut werden würde.
Ein Blick mit Bestandsschutz würde ich Bernd später erzählen und er würde nicken.

Ich stand auf dem Balkon und dachte:
Hier kann man alt werden, ohne von Beton überrascht zu werden.

Pratumnak, nahe zur Soi 5, aber nicht drin.

Frühstückslokale zu Fuß erreichbar.

Zu Bernd nicht weit. Er ist für mich meine "sichere Bank". Er wird das ähnlich empfinden, aber es anders ausdrücken. "Klimbim ist wie ein Schirm bei Starkregen, TÜV erprobt. Zuverlässig und anständig. Man weiss, dass er dicht hält, aber die Tropfen hört man immer noch prasseln." Ach Bernd...

Alles war nah und zugleich nicht belastend im Fokus. Eben fussläufig erreichbar. Der Strand ebenfalls. Und trotzdem kein Trubel.

Ein Standort, der sich anfühlte wie ein diplomatischer Kompromiss zwischen Ruhe und Croissant.

Die Wohnung war nicht groß, aber auch kein Hamsterexperiment. Ich hatte Platz. Nicht für einen Elefanten. Aber sicher für einen Freigeist.

Ich stellte mir vor, wie ich nachts durch die Zimmer gehe und nicht in ein Laufrad greifen muss. Vom Schlafzimmer und vom Wohnzimmer direkter Zugang zum Bad. Architektonisch sinnvoll. Psychologisch beruhigend.

Die Farben waren… nun ja. ...

Schwarz.
Dunkel.

Ich stellte mir insgeheim die Frage, warum auch immer diejenigen, die solche Wohnungen bauen, glauben, dass die Bewohner Fledermäuse seien und deshalb regelmäßig Terrarien für Fledermäuse errichten, anstatt sich in die Gedankenwelt eines lebenden Menschen hineinzuversetzen.

Aber ich dachte dann:

Gut. Farbe ist lösbar. Ich bin halt kein Vampir.

Dann kam der nächste Schock:
Der Eigentümer war Russe.

Mein innerer Chor sang sofort:
Cash. Cash. Cash.

Aber meine Agentin blieb ruhig.
Sie sah mich an, als würde sie einen Moment länger überlegen, wie man mir die Sache erklärt, und sagte dann mit dieser gelassenen Art, die gleichzeitig beruhigend und ein wenig verspielt wirkte:

„Nein, wir machen das ordentlich. Überweisung. Vertrag. Alles geregelt.“

Sie sagte das nicht kämpferisch.
Sie sagte es, als wäre Ordnung etwas sehr Natürliches. Anfang 20, aber ausgesprochen souverän. Na Bitte, ich fühlte mich sicher.

Kurz darauf bat mich der Chef der israelischen Agentur in sein Büro, um die technischen Einzelheiten zu besprechen, wie es nun weitergehen sollte.

Er bot mir Kaffee an.

Ich sagte:
„Ich trinke eigentlich nur türkischen Kaffee, aber danke trotzdem.“

Er grinste mich breit an, als hätte ich ihm gerade ein persönliches Geheimnis verraten, und sagte:
„Israelischer Kaffee ist ähnlich. Nur besser.“ (Bild vom Kaffe unten... Originalbox. Sehr zu empfehlen, und wenn ihr israelische Freunde habt, bitten ihn mitzubringen)

Dann verschwand er kurz und kam mit einer großen Dose zurück.

„Die gehört jetzt dir, mein lieber Freund.“

Er machte mir einen Kaffee, stellte ihn vor mich hin und sagte:
„Ich verstehe sehr gut, warum dir Kaffee aus dem Nahen Osten gefällt. Ich bin von dort.“

Ich fand diese Geste überwältigend.
Nicht, weil es eine große Sache war.
Sondern weil sie genau das Richtige in mir weckte: ein Typ, der weiss was ich will. Im Detail, im Ganzen.

Er gab mir jede Zeit der Welt.
Er hatte Verständnis für meine Sorgen wegen der Russen und sagte:
„Ich weiß, wie manche Russen ticken. Manche von diesen Menschen haben ein sehr großes Ego. Aber keine Sorge. Das kriegen wir in den Griff. Wir können auch anders.“

Er trank einen großen Schluck Kaffee, freute sich sichtbar darüber, dass ich mich über den Kaffee freute, klopfte mir auf die Schulter und sagte:
„Das wird jetzt so lange dauern, wie es eben dauert. Wir nehmen uns die Zeit, die wir brauchen. Die Sache beginnt jetzt interessant zu werden.“

Ich hatte innerlich schon entschieden.
Die Räume gefielen mir.
Das Haus war sauber.
Der Preis war vernünftig.
Und vor allem:

Ich konnte renovieren, ohne finanziell in die Kategorie „Straßenmusikant mit Diplom“ zu fallen.

Ich drückte den Preis noch etwas.
Nicht viel.
Ich bin kein Jahrmarkthändler.
Ich bin eher jemand, der sagt:
„Nehmen wir es, bevor ich es mir wieder ausrede.“

Die Agentin rief zurück, zusammen mit einer Partneragentin.
Ihre Stimme klang, als hätte sie gerade etwas sehr Persönliches gewonnen.

„Das wird eingetütet. Mach dir keine Sorgen. Ich kümmere mich um alles.“

Das Wort „eingetütet“ hatte etwas Endgültiges. Wie ein Brief mit Siegel.

Parallel schickte ich alle Unterlagen und Infos an einen befreundeten Rechtsanwalt in Bangkok.
Einen sehr netten Menschen, dem ich einmal in einer deutschen Rechtsfrage geholfen hatte und der mir damals sagte, ich solle mich jederzeit melden, wenn ich selbst etwas brauche.

Er prüfte alles und sagte:
„Sieht gut aus.“

Das war der Moment, in dem der Zug den Bahnhof verließ.
Ich stand innerlich auf dem Bahnsteig und winkte meinem Zweifel hinterher.

Der Kauf sollte stattfinden.

Wie genau das geschah, mit welchen Hürden, Formularen, Wartezeiten und thailändischer Logik, das gehört in den nächsten Teil.

Ich kann nur so viel sagen: Es wurde kompliziert. Es wurde absurd. Und es wurde sehr unterhaltsam.

Fortsetzung folgt.

Kaffee.jpg

Frühstück.jpeg
 
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Teil 5: Die Odyssee des FET


Ich überwies die Anzahlung der Agentur, die damit die Partneragentur des Eigentümers ausstatten konnte, um den Kaufvertrag vorzubereiten. Später würde die Kaufsumme dem Eigentümer bei Erscheinen vor dem Land Office in Form eines Schecks übergeben werden. Die Agentur handelte alles mit beeindruckender Präzision, erklärte mir die Schritte, verhandelte den Anzahlungspreis leicht nach unten, um mein Risiko zu reduzieren, und machte in sehr deutlicher, aber höflicher Art klar, dass alles in Ordnung ablaufen müsse. Kleinere Missverständnisse waren möglich, aber alles wirkte gut durchdacht.

Das Problem war das FET. Meine deutsche Bank, die Sparkasse, hatte keine Geschäftsbeziehung zur Bangkok Bank. Deshalb musste das Geld über eine Bank in Bangkok laufen, die als Relaisbank zwischen meiner Bank und der Bangkok Bank fungierte. Ich hätte eigentlich nach Bangkok fahren müssen, Pass vorzeigen, Formulare ausfüllen, Wochen warten, bis das FET ausgestellt und dann an die Bangkok Bank geschickt worden wäre.

Viel zu kompliziert, zu teuer, zu langwierig. Meine Agentin sagte zur Filialleiterin der Bangkok Bank: „Wir machen es anders. Wir regeln alles vor Ort hier. Die Bank in Bangkok wird das FET direkt an die Bangkok Bank senden, und wir holen es bei Ihnen ab.“ Die Filialleiterin, eine sehr seriöse Dame, nickte zustimmend, alles wirkte korrekt, sachlich und professionell. Sicherlich nicht ohne kleine Stolpersteine, aber für uns ausreichend.

Wir betraten die Bangkok Bank und ich fühlte mich wie in einer Live-Sendung, in die ich zufällig hineingeraten war. Die Expat-Veteranen saßen dort in der Eingangshalle, zwischen siebzig und achtzig, begleitet von deutlich jüngeren Frauen. Die Herren trugen grellbunte Hawaii-Hemden, Shorts, Sandalen und teilweise viel zu große Sonnenbrillen.

Eine Dame achtete sorgsam darauf, dass ihr Mann nicht vom Stuhl kippte, der ständig leicht ungehalten auf die Uhr schaute. Ein anderer schnaufte, weil er schon seit zwei Stunden wartete, seine Frau legte ihm beruhigend die Hand auf den Arm, während er sich ungeduldig umsah.

Wieder ein anderer rief plötzlich etwas in einer Sprache, die niemand verstand, mitten in den Raum, immer lauter, bis die gesamte Halle ihn anstarrte, um dann alle schulterzuckend wieder wegzusehen. Manche hatten Notizbücher, manche ein Tablet, aber alle waren irgendwie festgefahren zwischen Langeweile und Unruhe.

Und dann passierte es.

Zwei Rentner sprangen zeitgleich wie von der Tarantel gestochen auf.

Der eine brüllte quer durch den Raum:

„My bank account is frozen! It's frozen! I want you to open now, immediately! I'm fed up! I don't have no money! I'm finished! I want to leave Thailand! The world is exploding!“ Der andere konterte gleichzeitig: „Ja, ja, genau! Es reicht! Ich habe die Schnauze voll!“

Die Ehefrauen versuchten hektisch, ihre Männer zu beruhigen, die Gesichtszüge verzogen sich düster, Hände flatterten in alle Richtungen.

Andere Kunden kicherten, lachten heimlich oder stießen sich an den Ellenbogen. Aufgrund dieser Szene führte mich die Filialleiterin sofort ins Nebenzimmer, vorbei an dem ganzen Chaos, sodass ich den Ausbruch gar nicht weiter miterleben musste. Was ein wunderbares Spektakel, das wollte ich in meinem Gedächtnis abheften um es für euch eines Tages zu verfassen... gedacht, getan...

Ich wurde ohne Umschweife im Nebenzimmer untergebracht, konnte alles mit meiner Agentin direkt klären. „Also, alles wird laufen, wie wir es besprochen haben. Keine Sorge, ich habe schon alles bei der Filialleiterin erklärt“, sagte sie, während sie die Unterlagen auf den Tisch legte. Es wirkte alles gut organisiert, aber es hätte immer noch kleine Verzögerungen geben können.

„Und ich zeige dir jetzt noch, wie wir das FET bekommen, ohne dass du nach Bangkok fahren musst“, fügte sie hinzu, während sie die einzelnen Schritte erklärte. Ich nickte, während im Hintergrund der israelische Agenturleiter, der alles überwachte, lächelnd kommentierte: „Meine Mitarbeiterin hat wirklich alles im Griff, sehr solide.“ Nicht perfekt, aber zuverlässig genug.

Die Überweisung vom deutschen Konto war abgeschlossen. Zwei Tage später war das Geld auf dem thailändischen Konto eingetroffen. Ich überwies es der Agentur, die die Partneragentur des Eigentümers damit ausstattete. Später, bei der Eigentumsübertragung, würde der Eigentümer einen Scheck erhalten.

An diesem Tag fuhren wir auch zum Land Office, weil ich der Agentin eine Vollmacht ausstellen musste, damit sie am Tag der Eigentumsübertragung für mich zeichnen konnte. Dies war nötig, weil der Russe erst irgendwann aus Sibirien erscheinen würde. Kommt er, kommt er nicht? Irgendwann wird er hoffentlich erscheinen, aber solange musste ich die Vollmacht im Land Office an sie übergeben, sonst könnte er kommen, wann immer es ihm passt, und es nützt nichts.

Deshalb also diese Fahrt, mit dem Gedanken, dass alles irgendwie zusammenlaufen sollte, sobald der Russe auftauchte.

Die Fahrt zum Land Office war ein Abenteuer. Sintflutartige Regenfälle überschwemmten die Straßen. Wir mussten alle zweihundert Meter anhalten, Wasser spritzte auf das Motorrad, ich hatte das Gefühl, als würde ein kleiner See die Straße entlangfließen. Wir lachten viel, schrien uns gegenseitig über das Dröhnen des Regens zu. Nach endlosen Minuten erreichten wir das Land Office. Die Agentin koordinierte alles, handelte geschickt und machte deutlich, dass sie die Kontrolle hatte, während ich nur staunen konnte. Natürlich lief nicht alles absolut perfekt, aber am Ende passte es.

Zurück fuhren wir zu Frankies Inn, durch die immer noch stehenden Fluten. Endlich angekommen, setzten wir uns, hungrig, erschöpft und durchnässt, zu einem späten Mittagessen.

Ich konnte kaum glauben, wie gut die Agentin die gesamte Organisation, von der Filialleiterin der Bangkok Bank über die Bank in Bangkok bis zur Partneragentur, gehandhabt hatte. Alles lief solide, korrekt und ohne größere Probleme, wenn auch nicht ganz ohne kleine Unwegsamkeiten.

Am Abend saßen Bernd und ich wieder im Pool, Gin in der Hand. Er stakkatoartig: „Bank, Check. Agentin, Check. Regen, Check. FET, erledigt. Geldtransfer, sicher. Du? Alles entspannt?“

„Zumindest so entspannt wie man sein kann, wenn man in Pattaya durch halbe Seen fährt und trotzdem alles einigermaßen funktioniert“, antwortete ich.

„Siehste. Alles machbar, wenn man ein bisschen Geduld hat und die richtigen Leute kennt“, konterte er.

Wir lachten. Es war einer dieser Tage, die man nie vergisst. Chaotisch, absurd, aber am Ende gut gelaufen.
 

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Klimbim

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P.S. der Wutausbruch der beiden Greise mit Sandalen, Stock und Hawaiihemden, konnte ich euch leider nicht aufnehmen.

Kam zu spontan. So schnell bin ich nicht.

Aber das war echt ein Affenspektakel, absolut episch... ich weiss nicht, wie deren Thai-Ehefrauen oder Freundinnen das wegstecken... und ich bete, dass ich niemals so werden würde...ach, eigentlich kaum. Bernd wird mich davor bewahren mit seiner coolen Art...
 

Lunatic

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27 April 2023
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@Klimbim vielen dank fürs Berichten, sehr gute Schreibe. (y) Durfte schon einigemale schmunzeln und es zuckte in den Finger .... aber ich will hier nichts zumüllen.

:danke

Gemäss Video: Bike and passenger water approved, including smartphone.
 

Klimbim

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@Klimbim vielen dank fürs Berichten, sehr gute Schreibe. (y) Durfte schon einigemale schmunzeln und es zuckte in den Finger .... aber ich will hier nichts zumüllen.

:danke

Gemäss Video: Bike and passenger water approved, including smartphone.

Mein amerikanischer Pattaya-Youtuber Freund Tom (eine Art ausgestopfter Teddybär der amerikanisch spricht, die Liebenswürdigkeit in Person) meinte zu mir:

"Du solltest besser nicht durch diese Strassen bei diesem Wetter fahren. Kommt Wasser anders herum in Deinen Motor, war es das gewesen".

Ich werde es beachten und bin noch glücklicher, dass mein Roller nun in Pratumnak Hill sehr hoch gelegen unter gebracht ist...
 

peda

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8 Februar 2009
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Ebenfalls danke fuer den Bericht. Nur zur Klarstellung: Bei Kafka handelt es sich um einen Kaefer, nicht um einen Hamster. :weg Hatte dieses Buch bei meiner Deutschmatura auf der Leseliste.;)
 
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Klimbim

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Ebenfalls danke fuer den Bericht. Nur zur Klarstellung: Bei Kafka handelt es sich um einen Kaefer, nicht um einen Hamster. :weg Hatte dieses Buch bei meiner Deutschmatura auf der Leseliste.;)

Das weiss ich, danke. Kam 1 zu 1 so gestern von Bernd. ich habe hier nur Analogien bemüht aber es ist richtig: "Gregor Samsa sah sich in ein Ungeziefer verwandelt".

Aber mir passt der Hamster.
 

Klimbim

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Teil 6: Zwischen leerem Akku und großen Träumen: Warum eine Werkstatt in Pattaya pädagogisch wertvoller sein kann als jede Schule.


Auf die Renovierung der Wohnung werde ich noch ausführlich zurückkommen. Die hat nämlich genügend Stoff für ein eigenes Kapitel zwischen Baumarkt, Farbkübeln und philosophischen Fragen wie: Warum glauben manche Bauherren, Menschen seien Fledermäuse.

Aber bevor ich mich wieder in Wandfarben und Fliesen verliere, möchte ich eine andere Geschichte einschieben, die mindestens genauso lehrreich war. Sie handelt von meinem Motorroller.

Den hatte ich bereits im März organisiert, bei meiner Frühjahrsreise. Eine rote Honda 160er PXC, rot-metallic, geschniegelt wie ein frisch polierter Apfel.

Damals nahm ich vorab im Honda-Laden Kontakt zu einer Verkäuferin auf. Wir tauschten Line-Telefonnummern für Nachrichten und den ganzen Papierkram aus. Kurz bevor mein deutsches Konto im Oktober vorübergehend eingefroren wurde, überwies ich den Kaufpreis. Vorsorglich. Ich wollte, dass alles erledigt ist, bevor irgendeine irre Bank auf die Idee kommt, mein Geld in Quarantäne zu schicken.

Die Verkäuferin war ausgesprochen angenehm im Umgang. Eine von diesen Menschen, die nicht verkaufen, sondern erklären.
“You don’t need bigger engine. This one is very good for you.”

Ich fühlte mich plötzlich wie ein älterer Herr, dem man beibringt, dass er keinen Ferrari braucht, um zum Bäcker zu fahren.

Im Oktober holte ich den Roller ab, fuhr damit herum, war glücklich und tat so, als wäre ich schon immer Motorradfahrer gewesen. Dann reiste ich wieder ab, ließ den Roller bei Bernd stehen und ahnte nicht, dass man eine Batterie besser abklemmt, wenn man monatelang nicht da ist.

Im Dezember kam ich zurück und wollte den Roller in meine neue Garage bringen lassen. Dafür kontaktierte ich einen jungen Mechaniker aus der Werkstatt, der zuvor schon den ersten Service bei tausend Kilometern gemacht hatte. Den Schlüssel ließ ich bei der Agentin, die viele Dinge in meiner Abwesenheit regelte. Er sollte ihn dort abholen.

Unsere Kommunikation Tage vor meiner Ankunft lief per Videocall. Ich saß in meiner Unterkunft, er in der Werkstatt, zwischen uns ein Smartphone und eine Übersetzungssoftware, die tapfer versuchte, technische Begriffe in zwischenmenschliche Verständigung zu verwandeln.

Als ich ihn sah, traf mich etwas völlig Unerwartetes. Er erinnerte mich an den Sohn meiner Frau. Nicht nur vom Aussehen, sondern von seiner Art. Ruhig, höflich, konzentriert, dieser leichte Ernst eines jungen Menschen, der weiß, dass er noch viel lernen will.

Ich kommuniziere in solchen Fällen über mein bewährtes System. Ich tippe einen Roman in Deutsch, jage ihn durch den Übersetzer und reiche ihm dann eine poetisch leicht schiefe Thai-Version davon.

Ich sagte ihm:
“Du erinnerst mich an jemanden, der mir sehr wichtig ist.”

Er schaute auf sein Handy, las, nickte und antwortete:
“Who is that?”

Ich erzählte ihm vom Sohn meiner Frau, der 2021 nach Berlin kam, kein Wort Deutsch konnte und jetzt davon träumt, Ingenieur für Autos und Motorräder zu werden. Dass ich ihn im Sommer nach Pattaya holen will, um mit ihm auf Männerweise die Welt zu entdecken, während meine Frau Prüfungen schreibt und sich zur Krankenschwester für Krankentransporte weiterbildet.

Er las alles aufmerksam. Dann schrieb er:
“He want to build best motorcycle in the world. Very good dream.”

Ich dachte, besser kann man es nicht zusammenfassen.

Als er den Roller abholen wollte, stellte er fest, dass nicht nur die Batterie tot war, sondern auch irgendetwas in der Bordelektronik beleidigt reagiert hatte.

Er sagte:
“Shop full. No time. Sorry.”

Ich antwortete ehrlich:
“That makes me sad. I would like my motorbike alive.”

Er sah mich an, dachte kurz nach und schrieb dann:
“Sunday I come. I fix for you.”

Ich fragte:
“Sunday? Your free day.”

Er nickte:
“It’s okay.”

Am Sonntag verbrachte er fast den ganzen Tag mit meinem Roller. Ich bekam Videos geschickt. Kabel hier, Stecker dort, Display blinkte wie ein Raumschiff. Zwischendurch Daumen hoch. Dann wieder Stirnrunzeln. Schließlich ein Video mit laufendem Motor. Klang wie Musik.

Später schrieb er mir noch etwas, das mich völlig überraschte:
“When your boy come in summer, bring him to me. I show him workshop. Cars. Motorbikes. How repair.”

Ich las das zweimal.

Ich schrieb zurück:
“Really?”

Er: “Yes. He can see everything. I teach him.”

Das saß tiefer als jede Reparaturrechnung.

Als ich wieder bei ihm in der Werkstatt stand, machte ich einen Videocall mit dem Sohn meiner Frau. Ich hielt das Handy so, dass er den Mechaniker, den Roller und die ganze Werkstatt sehen konnte.

Der Junge schaute mit großen Augen auf den Bildschirm und sagte auf Berlinerisch:
“Ey, dit is ja wie bei YouTube, bloß in echt.”

Ich erklärte ihm, dass dieser Mann ihm im Sommer alles zeigen will. Wie man Motorräder auseinanderbaut und wieder zusammensetzt.

Er grinste und sagte:
“Na siehste, wa. Det is ja mal’n Typ. Der zeigt mir die Karren und ick reparier ihm die ganze Werkstatt auseinander.”

Dann fragte er:
“Versteht der eigentlich Bisaya?” (Bisaya ist eine Regionalsprache aus den Südphilippinen)

Ich sagte:
“Nein, Thai ist was völlig anderes.”

Er verzog das Gesicht und meinte:
“Na toll. Denn lern ick halt och noch Thai. Kann ja nich schaden, wa.”

Seitdem plant er Thailand wie ein Ingenieurspraktikum.

Als ich zurückkam und den Roller sah, stand er geschniegelt in der Garage, als hätte er nie etwas anderes getan, als auf mich zu warten.

Ich sagte zu dem Mechaniker, dass ich mich erkenntlich zeigen möchte. Man arbeitet nicht umsonst. Das ist eine Frage der Würde.

Er antwortete sofort:
“No money.”

Ich schrieb:
“Please. It is important for me.”

Er sah mich an und sagte:
“You could be my father. I don’t take money from my father.”

Ich versuchte es noch einmal:
“But I am not your father.”

Er lachte und schrieb:
“Still no money.”

Ich sagte, ich wolle es ihm direkt geben, nicht seinem Chef. Das sei mir wichtig.
Er schüttelte den Kopf, als hätte ich vorgeschlagen, ihm meine Wohnung zu schenken.

Wir standen da eine Weile wie zwei Diplomaten ohne gemeinsame Amtssprache. Am Ende einigten wir uns darauf, dass ich ihm etwas gebe, das nicht “Bezahlung” heißt, sondern “Dank”.

Abends saß ich bei Bernd im Pool und erzählte die Geschichte.

Bernd sagte:
“Joa. Das ist doch schön. Das sind die Sachen, die passieren, wenn man sich normal benimmt.”

Ich fragte:
“Was meinst du?”

Bernd nahm einen Schluck Gin und sagte:
“Du hast nix bestellt, du hast was erlebt. Und der Junge hat gemerkt, dass du ihn ernst nimmst. Mehr braucht es doch nicht.”

Ich sagte:
“Er wollte kein Geld.”

Bernd nickte langsam.
“Ja. Manche Sachen regelt man nicht mit Quittung. Das bleibt so hängen.”

Ich fragte:
“Und was bedeutet das praktisch?”

Bernd überlegte kurz.

“Das bedeutet, dein Roller läuft jetzt und dein Stiefsohn wird vielleicht irgendwann später Ingenieur.
Wenn das kein gutes Geschäft ist, weiß ich auch nicht.”

Ich sagte:
“Das ist eine große Aufgabe.”

Bernd winkte ab.
“Jung, das Leben ist voller Aufgaben. Manche sind halt schöner als andere.”

Seitdem weiß ich, dass mein Motorroller nicht nur ein Fahrzeug ist. Er ist ein kleines Bindeglied zwischen Berlin, Pattaya, einem jungen Mechaniker und einem Jungen, der irgendwann die besten Motorräder der Welt bauen will.

Und manchmal, wenn ich ihn starte, denke ich, dass manche Reparaturen mehr mit Menschen zu tun haben als mit Technik.

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Klimbim

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Anmerkung: wenn ich das freche putzige asiatische Gesicht meines Ziehsohns hier neben dem des Mechanikers reinstellen würde, würdet ihr lachen: Sieht aus wie er, nur 10 Jahre älter.

Mechaniker Anfang 20.

Ich stelle aber keine Kinderphotos in so ein Forum, was ihr sicher versteht. Allerdings es hätte was... hammerlustig. Filipino und Thais sind sich äußerlich manchmal sehr ähnlich.

Zum Glück verstehe ich mich exzellent mit dem Knirps. Würde er laut schreien, wenn ich mit ihm in Thailand wäre, würden mich die Thais vermutlich für einen Kindesentführer halten und lynchen...
 

Klimbim

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Aufgeschrieben und verfasst im Dezember 2025




Teil 7 Vom Nachttisch und Kisten


Bevor wir ins eigentliche Chaos des Nachttisches eintauchen, noch ein kurzer Hinweis. Eigentlich geschah das alles nach der Renovierung. Die Wohnung war bereits gestrichen, gefliest, gestriegelt und poliert, die letzten Möbelteile warteten nur noch darauf, ihr Dasein neben Schreibtisch, Bett und Kleiderschrank zu fristen.

Aber ich habe beschlossen, die Geschichte anders zu erzählen. Nicht chronologisch von Anfang an, sondern quasi von der Decke hängend, rückwärts oder seitwärts, wie man will. Kam mir beim Gedanken an die vermuteten Fledermäuse, die vor mir in der Wohnung gewohnt haben könnten...

Vom Abschluss der Renovierung, vom Kauf des letzten Möbelstücks, bis zurück zum Anfang, zurück zu der simplen Idee eines Nachttisches.

Warum? Weil die Realität oft absurder ist, wenn man sie in verkehrter Reihenfolge betrachtet, und der Humor sich dann gleich von selbst einstellt. Man erkennt die Absurditäten besser, wenn man vom Ziel her denkt und die Ereignisse rückwärts aufrollt. Genau so wollen wir das hier machen.


Geschichte zu meinem Wohnungseinzug auf dem Pratumnak Hill.

Es ist die Geschichte eines besonderen Geschenks. Man nennt es Satire.

Ich freue mich ja immer, wenn mir das Leben selbst so zuverlässig Material liefert, das man nur noch leicht ordnen und veröffentlichen muss.
Setzen wir uns bitte kurz. Es geht um einen Nachttisch.

Nicht um Auswanderung, nicht um Pattaya, nicht um Sinnfragen. Um einen Nachttisch. Klein. Still. Für neben das Bett. Seine Aufgabe wäre überschaubar gewesen.

Ich sitze zum Zeitpunkt des Geschehens noch in Deutschland. Meine Wohnung ist auf dem Pratumnak Hill. IKEA ist in Thailand. Ich nicht. Ein netter Bekannter aus Chiang Mai organisiert für mich die Bestellung. Wirklich ein großartiger Mensch. Freundlich, hilfsbereit, geduldig. Noch.

Liefertermin: 13.12.

Am 12.12. schreibt mir IKEA:
„We are very sorry. Item out of stock. Refund by cheque or Prompt Pay possible.“

Ich antworte:
„Vielen Dank. Ich möchte kein Geld. Ich möchte einen Nachttisch.“

IKEA entschuldigt sich ausführlich und versteht mich insofern, dass man mir denselben Nachttisch in einer anderen Farbe anbietet. Weiß oder Dunkelbraun. Weiß gibt es nicht mehr. Dunkelbraun schon.

Ich: „Dann bitte Dunkelbraun.“
IKEA: „Please confirm photo.“

Ich bestätige das Foto. Es ist eindeutig ein Nachttisch.
Ich frage nach dem Liefertermin. Man bittet mich, bis 15 Uhr Thailand Zeit zu antworten. Ich antworte um 13 Uhr und fühle mich kurz wie ein strukturierter Mensch.

Dann schreibt IKEA:
„We are very sorry. Delivery not possible. Delivery on 20.12. possible. Please confirm.“
Ich bestätige zehn Minuten später. Ab hier beginnt die Realität.

Denn auf dem Pratumnak Hill muss jemand die Lieferung annehmen.
Der Bauleiter ist vor Ort. Ich schreibe ihm:

„Am 20. kommt IKEA. Kannst du das annehmen?“
„Geht nicht.“
„Warum?“
„Ich packe Kisten.“
„Wann bist du fertig?“
„Weiß ich nicht.“
„Was ist in den Kisten?“
„Alles.“

Dieses Thema kehrt regelmäßig zurück. Egal wann ich frage, er packt Kisten. Unter der Woche. Am Wochenende. Wahrscheinlich auch nachts. Irgendwann organisiert er eine Wäscherei, die den Nachttisch annehmen soll. Eine Wäscherei.

Parallel schreibe ich IKEA mehrere höfliche Mails, um sicherzugehen, dass am 20. wirklich geliefert wird. Keine Antwort. IKEA schweigt professionell.
Mein netter Bekannter aus Chiang Mai ruft bei IKEA an.

IKEA: „Item delivered.“
Er: „Where?“
IKEA: „It shows delivered.“
Er: „It is not there.“
Kurze Pause.
IKEA: „Ah. Then not delivered.“
„When?“
„On 20.12. For sure.“
Am 20.12. passiert nichts.
Beim nächsten Anruf heißt es:
„Oh. Then 22.12.“
„For sure?“
„Yes. Very sure.“

Zwischendurch frage ich den Bauleiter wegen der Abschlussreinigung, die eigentlich im Preis enthalten war.

„Gibt es die Reinigung noch?“
„Nein.“
„Warum?“
„Keine Zeit.“
„Wegen der Kisten?“
„Ja.“
„Und deine Frau?“
„Die sollte.“
„Und jetzt?“
„Sie ist nicht da.“
„Wo ist sie?“
„Weiß ich nicht.“
Ich frage nicht weiter.

Zum Glück gibt es Plan C. Eine sehr nette Bekannte vor Ort. (die Agentin, die mir die Wohnung verkaufte)

„Kannst du Reinigung organisieren?“
„Ja.“
„Auch wenn vielleicht kein Nachttisch da ist?“
„Dann putzen wir ohne Nachttisch.“

Ich sitze noch in Deutschland, aber nicht mehr lange. In wenigen Tagen bin ich selbst auf dem Pratumnak Hill.

Ich bin gespannt, ob die Reinigungskräfte neben meinem Bett einen dunkelbraunen Nachttisch vorfinden werden. Falls ja, dürfen sie ihn gern abwischen. Falls nicht, wird niemand überrascht sein.

Und irgendwo packt jemand weiter Kisten.


DAS IST PATTAYA, DAS IST THAILAND!

Nachtisch.png
 
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Klimbim

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... ich will übrigens mitteilen, dass mein Nachttisch angekommen ist.



Sehr wichtig für mich ;-)

Rechts hinten neben dem Bett...

Fazit: er steht jetzt rechts hinten. Alles andere bleibt Chaos. Kisten, E-Mails, IKEA aber ich lache trotzdem.

Angekommen.jpg
 

Klimbim

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Ich habe dem Bauleiter meine Nachttischsatire geschickt. Über Whatsapp. Er hörte für einen kurzen Moment auf, Kisten zu packen, und las sie.

Das allein war schon bemerkenswert. Sein Kommentar kam prompt:

„Ich kann ja vieles. Aber 5000 LPS (was ist das überhaupt?), 2000 CDs und hunderte von Büchern einpacken, einen 3-Achser beladen und dann alles auf der Farm (vermutlich im Isaan, wo sonst, 555) wieder ausladen, das ist schon ein Kraftakt.“

Aha.

Zur Einordnung: Während ich über einen Nachttisch philosophiere, führt dieser Mann logistisch eine mittelgroße Bibliothek durch halb Thailand.

Mein Stiefsohn, Teenager, las das ebenfalls und fasste die Lage fachlich korrekt zusammen: „Sammle für ihn. Stabil der Bro. Endboss.“

Damit war alles gesagt.

Der Bauleiter: Pattaya-Veteran seit Jahrzehnten. Ich: gescheitert an einem Möbelstück mit Schublade. Der Nachttisch: stiller Zeuge eines logistischen Weltkriegs.

Ein netter Typ, wirklich. Aber seine Kisten werde ich nie vergessen. Jedes Mal, wenn ich den Nachttisch sehe, denke ich nicht an IKEA. Ich denke an 5000 LPS, 2000 CDs, einen 3-Achser und einen Mann, der irgendwo im Isaan gerade wieder „alles“ auspackt.
 

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Mann, in deinem Alter müsste man doch noch wissen, was LP's sind = Langspielplatten, also die großen Schallplatten aus der Zeit vor den CD's. Dazu benötigte man einen Schallplattenspieler, neudeutsch TURNTABLES :p
 

Klimbim

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Mann, in deinem Alter müsste man doch noch wissen, was LP's sind = Langspielplatten, also die großen Schallplatten aus der Zeit vor den CD's. Dazu benötigte man einen Schallplattenspieler, neudeutsch TURNTABLES :p


ahhh okay.

Keine Demenz bei mir. Kannte nur die Abkürzung nicht und mein Stiefsohn, wusste natürlich auch nicht was das ist...

Merci
 

Klimbim

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Teil 8: Rückblende mit Scheinwerfer

Nachdem ich euch nun vom Nachttisch berichtet habe, drehe ich den Film ein Stück zurück. Dramaturgisch falsch, aber menschlich richtig. Wir gehen vom letzten Möbelstück zurück zum Ursprung allen Übels: der Renovierung.

Die Wohnung musste komplett gemacht werden. Bad neu gefliest. Küche neu gefliest. Bodenfugen gereinigt und weiß gezogen, damit diese schwarzen Konturen verschwinden, die aussehen, als hätte jemand die Wohnung mit Filzstift eingerahmt.

Türen schwarz gestrichen.
Balken schwarz gestrichen.

Kurz gesagt: optisch irgendwo zwischen Designer-Loft und Fledermaushauptquartier.

Ich betrachtete Fotos und dachte:

Wenn ich hier morgens aufwache, fange ich irgendwann an zu fiepen. In einer Sinnkrise könnte ich mich versucht sehen, kopfüber von der Decke zu hängen und Käfer zu jagen. Nicht aus Hunger. Aus Prinzip.

Ich hatte deshalb schon im Oktober eine systematische Erkundungsreise zu HomePro unternommen. Ich fotografierte alles, was mir gefiel.
Lampen. Fliesen. Waschbecken. Armaturen. Dinge, von denen man nicht wusste, dass es sie braucht, bis man sie sieht.

Dabei baute ich Kontakt zu einer Verkäuferin auf, die mir sofort sympathisch war. Sie hatte diese Mischung aus Professionalität und stiller Geduld, die man nur entwickelt, wenn man täglich mit Männern spricht, die vor Duschköpfen existenzielle Entscheidungen treffen müssen.

Der Höhepunkt war der Matratzentest.

Man ließ mich auf gefühlt hundert Matratzen probeliegen. Ich legte mich hin. Zehn Verkäuferinnen standen um mich herum und schauten zu.
Nicht aus Neugier. Aus Dienstleistung.

Ich dachte: So muss sich ein Panda im Zoo fühlen.

Nach der zwanzigsten Matratze sagte ich: „Diese.“

Alle nickten. Erleichterung auf asiatisch.

Mit genau dieser Verkäuferin hielt ich Kontakt. Sie organisierte später, dass Bett und Matratze geliefert und aufgebaut wurden, bevor ich im Dezember überhaupt ankam. Eine Frau, die Dinge einfach erledigt.

Parallel dazu gingen die Handwerker mit dem Bauleiter zu HomePro und kauften exakt das, was ich ihnen im Oktober fotografiert hatte. Das System war simpel und vollkommen absurd.

Ich lag in Deutschland im Bett. Es war drei Uhr morgens. In meiner linken Hand WhatsApp. In meiner rechten Hand Line. Vor mir zwei Handys.

Ich sah Fliesen. Ich sah Männer mit Werkzeug. Ich sah den Bauleiter, der kurz ins Bild trat und sofort wieder verschwand, um weiter Kisten zu packen.

Ich schrieb: „Bitte diese Fliesen ins Bad.“

Antwort:

„OK.“

Zehn Minuten später ein Foto. Fliesen auf dem Balkon.

Ich schrieb:

„Nicht Balkon. Bad.“

Antwort:

„Ah. Bad.“

Nächstes Foto. Fliesen neben der Dusche.

Ich schrieb:

„Nicht neben. In die Dusche.“

Antwort:

Daumen hoch.

In meinem Kopf entstanden Alternativszenarien: Das Bett in der Dusche. Die Toilette auf dem Balkon. Die Küche im Schlafzimmer.

Und irgendwo dazwischen ich, der versucht zu erklären, dass das alles so nicht gemeint war.

Die Verständigung war ein Kunstprojekt.

Ich übersetzte alles. Schickte es. Bekam Fotos zurück. Korrigierte. Schickte wieder.

Meine Frau wachte irgendwann auf und sah mich aufrecht im Bett sitzen, mit zwei Handys, in Kommunikation mit Thailand.

Sie sagte:

„Mit wem redest du um drei Uhr morgens?“

Ich sagte:

„Mit meinem Badezimmer.“

Sie sah mich lange an. Dann sagte sie:

„Andere Männer haben Affären. Du hast Fliesen.“

Ein anderes Mal fragte sie:

„Warum sprichst du mit einem Bauarbeiter über ein Waschbecken?“

Ich sagte:

„Weil sonst das Waschbecken vielleicht im Wohnzimmer landet.“

Sie schüttelte den Kopf und sagte:

„Das ist keine Auswanderung. Das ist Comédie. Naja, bei Dir Standard. Kenne ich nicht anders, gute Nacht - ich schlafe weiter.“

Zwischendurch tauchte immer wieder der Bauleiter auf. Er kam ins Bild.

Sah alles. Nickte. Sagte nichts. Verschwand wieder.

Wahrscheinlich, um weiter Kisten zu packen.

Die Teams waren freundlich. Unglaublich freundlich. Immer lächelnd. Immer bemüht. Man verstand sich nicht wirklich, aber man war sich einig, dass man sich verstehen wollte.

Ein Handwerker zeigte mir einen Wasserhahn und sagte etwas auf Thai.

Ich schrieb zurück:

„Beautiful.“

Er grinste.

Zeigte mir noch einen. Ich schrieb wieder:

„Beautiful.“

So entstand Design.

Nach sechs Wochen war alles fertig. Bad. Küche. Böden. Bett. Matratze. Und eine Wohnung, die nicht mehr wie ein Fledermaus-Terrarien-Projekt aussah, sondern wie ein Ort, an dem Menschen leben könnten, ohne Insekten zu jagen.

Und genau danach kam der Nachttisch.

Aber das ist, wie ihr wisst, eine andere Geschichte.

Hompro 1.jpg

Hompro 2.jpg
 

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