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Hanoi - Bac Ha

thaiguy

Kein anderes Hobby?
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25 Dezember 2013
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Liebe Gemeinde,

die Vietnamberichterstattung wird nun aus Hanoi, live, fortgesetzt. Sitze gerade im Highlands Coffee am See in der Altstadt und begutachte die weiblichen Gäste. Die Mitarbeiterinnen sehen eh gut aus, wie jeder Kenner es schon lange weiß.

Gestern bin mit dickem Hals zum Bus getrottet und dann ging’s gut 4 Stunden in’s nächste größere Kaff. Dann noch einmal eine Stunde durch das Elend bis zum Flughafentor. Hier setzte mich der 2. Bus ab und ich latschte die 500 Meter zum Gebäude. War angenehm da bereits dunkel und daher nicht zu heiß. Der Flug nach Manila war pünktlich nach lokalen Standards, in DLand nennt man so etwas eine Verspätung von 45 Minuten. War aber egal, weil: ich durfte danach noch einmal etwa 4 Stunden in Manila am Flughafen abhängen. Danach gefällt einem jeder deutsche Bahnhof zur Nachtzeit und eventuell auch noch die Hauptwache in Frankfurt. Ätzend. Der Flug nach Hanoi war auch pünktlich, mit 30 Minuten Verspätung (morgens um 5) sogar noch pünktlicher. Das blöde Gelaber der Fluglinienleute nervte auch noch.

Positiv war, dass die Dame beim check-in mir den nach mir benannten Platz zugewiesen hatte: 1a. Für den Vietnamflug war’s dann immer noch ein Fensterplätzchen, Cebu Pathetic Air hat keine richtigen Sitze. Ich war schnell weg und wachte kurz vor Hanoi auf. Der Flughafen war eine andere Welt als der in Manila. Sauber, gut unterhalten, die Toiletten, davon träumt jedes philippinische 5*chen Hotel. Passkontrolle und Gepäck waren schnell erledigt. Raus aus der Hütte, an den illegalen Taxiaffen vorbei zum Transferbus zum Terminal 1. Hier fährt für 9000 dong, 20 cents, der aircon-Bus nach Long Bien ab. Um 9 Uhr morgens war der Berufsverkehr erledigt und ich hatte das gute Stück beinahe für mich allein, lediglich eine Reihe sehr gut aussehender junger Damen waren noch da. Die hätten in jedem Thainachtclub 50 Inder mit einer Cola in der Mitte begeistert. Die Fahrt ging ganz flugs und war nicht wesentlich lahmer als der Expressbus, der die Autobahn nimmt. Ich schau mir lieber Felder, Kanäle, Kleinstädte und das pralle Leben an.

In Long Bien angekommen erst einmal die Weiterreise in die Berge ausgespäht und die Internetinfos verifiziert. Alles im grünen Bereich. Dann, endlich, die Ladung Pho Bo. Kostete 45 K und war sehr gut. Eine andere Welt als das gleichnamige Zeug in Berlin. Da wir gerade dabei sind: Wer kennt einen guten vietnamesischen Suppenkaspar in Berlin? Muss da bald wieder auf Arbeit hin und will nicht hungern.

Nach der Suppe ist vor der Frühlingsrolle. Also die Hang Ma runter, dann scharf rechts in eine kleine Gasse abbiegen und die Klappe ging runter. Alles modernisiert. Die Holzbänke, die gemauerten Tische usw.: weg. Nun Edelstahltische und -bänke, laminierte Schriftzüge. Im Schockzustand bin ich auch noch am Ziel meiner Sehnsüchte vorbei und musste erst einmal suchen. Normalerweise würde ich den Stand blind und ohne Kopf finden. Naja… 5 Jahre sind eine lange Zeit. Daher von hier aus: Dank an die KPC und ihre Covidpolitik! GFY. Die Frühlingsrollen waren göttlich. Bescheiden, wie immer, doppelte Portion = 4 große. 10K das Stück. In der Nachspielzeit kamen dann noch zwei dabei. Gestärkt brauchte ich nun Bargeld, denn ich hatte, ganz Sparfuchs, nur 10 USD im Flughafen umgetauscht. Also weiter zum Juwelier und Dong besorgen. Der liegt nicht fern von der Bäckerei auf der Hang Bo. Nun ein kritischer Blick auf Plätzchen und anderes haltbares Zeug, denn nächste Woche muss ich für meine Herrin, die mir diese Woche Freigang gewährt hat (d.h. letzteren nicht zu verhindern vermochte), ordentlich bunkern. Eine Woche keinen Mann macht hungrig, wissen wir ja. Mit Croissants und Apfelkuchen beladen (60K) ging’s nun die Hang Bo weiter zur Schneiderin. Die lebte auch noch, von daher waren die wichtigsten Personen alle am Start. Schnell 5 Hemden bestellt. Die gleichen Stoffe, wie vor 5 Jahren. Sollten die Geschäfte mies gewesen sein? Egal, die Knete ist sehr willkommen. Das Ganze dauerte 15 Minuten. Die Frau weiß, dass Männer unnötiges Theater wegen Klamotten hassen. Die Jungfüchse sind sicherlich anders drauf, zählen hier aber nicht. 500 Meter weiter zum Hotel. Der Laden ist sehr gut und lies mich zwei Stunden früher auf’s Zimmer. Ein riesiges Teil mit Kitchenette und Sitzgruppe. Sauber wie bei Oma im Kühlschrank. Erste Sahne. Den Namen verrat ich aber nicht. Preis war unter 15 USD. Unsere 2 Wochen Millionäre drücken für so was schnell 60 USD und mehr ab. Mit Frühstücksbuffet natürlich.

Ausgeruht und geduscht ging’s später wieder zum Bus Büro. Ich bekam einen Bus der nicht mit dem Frühstück kollidierte und mich immer noch rechtzeitig zum Bus in die Berge bringen wird (d.h. soll). Mittlerweile sind meine good looks auch einem Taxigirl aufgefallen und man wollte dem dummen Touri helfen. Blödstellen kann ich unheimlich gut und von nix hab ich eh keine Ahnung. Sie fragte was ich wolle. Ich meine Kaffee und zwar beim Highlands am See. Sie na klar uns ab ging’s. Dann wollte sie mir aber zuvor noch für eine Stunde die Stadt zeigen. Ich meinte, geht nicht. Kaffeepegel muss justiert werden und die Baguettes fehlen auch noch. Hin und her. Also setzt sie mich ab und meinte ich sollte ihr mit dem Sprit helfen (500 Meter waren’s schon). Ich meinte nächste Woche, wenn ich wieder da bin. Die Dame war nicht happy und mir war’s egal, die Treppe hoch und dann kam’s heftig! Highlands Coffee hat nun kleine Schrumpelbaguettes, die tollen Hühnchendinger sind Geschichte. Ich bestellte zwei, wie immer, und bekam zwei Zahnstocher (19K das Teil). Richtig MIST! Kalorienmässig und geschmacklich hat sich der Besuch im Café nicht gelohnt. Das wird auch für die Läden in HCMC und anderswo gelten. Ansonsten wieder cat walk live. Einige Damen fangen nun auch mit Tattoos an. Nicht so toll. Wenn ich nur 30 oder mehr Jahre jünger wäre, ja dann….

Nachher noch eine Suppe auf dem Bürgersteig, ich kenne meinen Suppentopf und dann in die Heia. Ich bin richtig platt. Morgen früh raus, Buffet plündern, dann zum Bus, weiterschlafen und dann kommen die Bergbewohner. Das Leben ist gut. Hanoi hat mir sehr gefehlt. Die Leute sind nett, das Futter (abgesehen von dem Totalausfall im Café) wie immer toll. Ich freue mich auf die neuen Hemden, die sicherlich die üblichen Fragen, wie: Woher haste denn den Kram?, provozieren werden. Eben auf Maß geschneidert. Sehr gutes Material, nichts Besonderes, aber sehr solide und die Dinger bekommt man wirklich nicht an jeder Ecke beim C und A oder GAP (= C&A für die Kleinen).

Die Abendluft ist göttlich, ein leichter Wind, nix mit Schwitzen, gute Aussicht auf die Menge auf der Straße, nicht zu laut. Es lässt sich aushalten. Ich bin die einzige Langnase. Überhaupt vergleichsweise wenige Touris in der Stadt und man hört relativ wenig Piefkes. Völlig fehlen unsere „Rentner der Apokalypse“, die uns in Thailand, und leider auch online, laufend den Weltuntergang vorhersagen. Es ist eben so wie früher bei Walter und Erich – die Szene fehlt oder wurmt im Untergrund. Vielleicht sollte man auch in Thailand ein paar Rote Sterne, Hammer und Sichel und ähnliches Kulturgut aufstellen. Die Dinger wirken auf die Bande wie Knoblauch auf Vampire oder Weihwasser auf Teufel. 😊Wer fragen zum Thema hat kann sich die Fachdokumentation „Renfield“ anschauen. Da wird alles genau erklärt. Russel Crowe hat auch etwas neuerlich beigetragen.

Fotos mache ich übrigens keine. Die Orte sind alle mit google maps und unzähligen Webfotos dokumentiert. Daneben kommt meine Kamera nicht mit dem Forenstandards unserer hauseigenen Profis mit und falls doch, dann knippst immer noch der Verfasser dieser Zeilen und das muss man sich nicht antun.

Geplant sind nun 2 Nächte in den Bergen und ein Besuch auf einem Markt. Ein paar Reisfeldern wird’s wohl auch noch geben und dann eben, wie gesagt, Berge. Richtig tief in die Pampa will ich aber nicht, weil ich habe bloß eine knappe Woche und Stress muss nicht sein. Ha Giang kommt nächstes Mal. Wieder in Hanoi stehen meine Futterkrippen, 2-3 Museen und einfach herumlatschen auf dem Programm. Schließlich noch Einkaufen. Hemden und Plätzchen hatte ich schon erwähnt. Ich brauche noch massig Nudeln. Die letzte Ladung löste großes Erstaunen aus: Wieso bringst Du Nudeln, haben wir doch auch hier? Blöd, wie ich bin, meinte ich nur, probiere‘ mal. Nun bin ich es der fragt: Wo sind die Nudeln…. Ihre Freundinnen kommen nun zum, richtig, Nudelessen. Ich werde einen Teil verstecken, sonst wird dat nix. Wer einen Mord plant, dem seien philippinische Nudeln empfohlen. Wirkt 100%, langsam und qualvoll. Italiener kippen schon beim Anblick um.

So nun aber wirklich Suppenstop und Heia. Ich mag Vietnam und ganz besonders Hanoi. Das pralle Leben und nette Leute. Hätte der Erich Berlin wie Hanoi aufgezogen, dann würden wir heute in Köln mit Ostmark zahlen. Pech gehabt.

Nachtrag: Bo Ga (Nudelsuppe mit Huhn) war lecker. Nicht fett und gross. 35K
 

xxeo

Schreibwütig
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29 Juli 2016
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Pattaya-Jomtien
Mein Hotel war in der Lo-Su-Straße, und die Pho Ga, die ich dort in einem Straßenrestaurant aß, war superlecker. Kann man in Hanoi immer nehmen.
 

Micha L

Ich mag es panasiatisch
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Wenn man zusehen kann, wie das Huhn bzw. das Rindfleisch köchelt und dann die Nudeln im Sieb, dann ist das ein Zeichen für Qualität.
Wenn auf europäische Art aus einer separaten Küche serviert wird, bekommt man heutzutage nicht selten Instantnudeln mit Instantbrühe.
 

thaiguy

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25 Dezember 2013
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Liebe Freunde des Nordens,

nun die Nachrichten über den zweiten Tag im realexistierenden Sozialismus. Das Hotelfrühstück war ok. Es gab frische Hühnersuppe mit Nudeln, Drachenfrüchte, Ananas, Kaffee, Tee, bacon, geschnibbelte Brühwürstchen (nix für mich) und gemischtes Gemüse. Ziemlich gut, wenn man den stolzen Preis für das Zimmer, 14 USD, bedenkt, der auch noch Wässerchen, Instantkaffee und Tee enthielt. Um 7 war allerdings schon richtig was los am Buffet, der Vietnamese als solcher startet früh.

Um 8 Uhr zockelte ich durch die Altstadt in Richtung Bus. In meiner Ecke war auf allen Bürgersteigen Suppentag. Sobald man mehr in’s Zentrum kam war Ruhe. Die Läden waren meistens noch zu. Ein kurzer Blick auf die Uhr und noch Zeit für die Fressgasse, denn nach der Suppe ist vor der Frühlingsrolle. Diesmal zum Mitnehmen, schließlich sollte ich um 8.30 Uhr beim Bus sein. 8.50 ging’s dann mit einem Ford Transit los. Nur 4 Fahrgäste und ab in Richtung Flughafen. Irgendwo in der Nähe am Rande des Autobahn war dann ein halb-offizieller Haltepunkt, wo Passagiere von den verschiedenen Sammelpunkten auf ihre Busse verfrachtet wurden. Meiner war ein Schlafbus, wie üblich in Vietnam. Haison Haivan heißt der Laden. Die Firma bedient vorwiegend Sapa und Lao Cai im Norden mit Fahrten nach Hanoi und Haiphong. Der Bus war aseptisch sauber. Sehr bequem, Klimaanlage konnte ich anpassen. Ich hatte leider die Mittelreihe erwischt. D.h. kein Fenster, sondern beidseitig Vorhänge. Saubere Decke und ein Fläschchen Wasser rundeten die Sache ab. Kostenpunkt 290K. Die Fahrt war sehr angenehm. Verpasst habe ich nichts, denn ich kenne die Strecke von früheren Besuchen. Am KM 117 gab es eine Pause. Der Entsafter kostet 3K, man kann dann mit Kaffee, Tee und anderen Sachen wieder auffüllen.

Das Internet ist vollgemüllt von Dummschwätzern und recht dreisten Lügnern (auf Englisch: influencer). Man kann alles ganz bequem und billig alleine organisieren. Dauert 5 Minuten und man bekommt bestimmt einen sehr guten Bus und keine abgetakelte Kiste, die ihr Schattendasein mit Touris beenden wird. Man hat zudem mehr Auswahl, was Abfahrtzeiten, Abfahrtspunkte usw. angeht. Also: Selbst ist der/die Pattayaforumleser oder -leserin.

13.30 kamen wir am Busbahnhof Lao Cai an. Die anderen Fahrgäste nahmen kostenlose shuttles zu ihren Zielpunkten in der Stadt. Ich lokalisierte durch dummes Fragen den Ford Transit, der direkt vor meiner Nase stand. Lesen hilft ungemein…. Um 15 Uhr ging’s ab nach Bac Ha. Der Busbahnhof am Stadtrand von Lao Cai ist ein wenig zu groß geraten. Klarer Planungsfehler. Einerseits will man die Busse aus der Stadt halten, was sehr sinnvoll ist. Andererseits werden die Passagiere pünktlich von den Stadtbüros zum Bus gebracht. D.h. eigentlich gammeln nur Gestalten, wie ich oller Touri, hier herum. Das riesige Restaurant ist leer und es gibt nur Suppe und Snacks an der Treppe. Kein Pho Bo, sondern Frikadellen mit Reisnudelsuppe. Verdächtigerweise konnte ich keine Hunde in der Gegend entdecken. Frikadellen waren trotzdem gut. 35K. Das könnte eine gute Lösung für die Probleme mit den beiden Kötern vom Nachbarn sein. Reisen bildet und man kommt mit neuen Ideen nach Hause. Leute sind wieder sehr freundlich und hilfsbereit. Kein öffentliches Internet, sehr deutsch. Tische sind aus Holz, was die Abwesenheit unserer Horrorrentner erklärt.

Die Fahrt von Lao Cai nach Bac Hai im Ford Transit (90k) war wie in einem Postbus vergangener Zeiten. Der Mann transportierte fleissig Pakete, Ersatzteile, kleinere Sendungen usw. Die meisten Fahrgäste wollten von Lao Cai in’s Dorf, andere, so wie, ich auf den Berg nach Bac Ha. Die Strecke ist recht malerisch und geht an einen kleinen Fluss entlang. Nur die letzten 20 km geht’s richtig bergauf und man bekommt eine gute Aussicht. Der kluge Touri sitzt auf der linken Seite, schöne Landschaft, rechts gibt’s nur den Hang. Bergab dann andersrum, ist doch klar. Bac Ha selbst ist eine Kleinstadt und hat sogar einen Mediamart! Nicht Mediamarkt, das ‚k‘ fehlt, ansonsten zum Verwechseln ähnlich. Sicherlich alles nur ein Zufall. Das Kaff ist klein. Hotel war schnell gefunden und war Abzocke. „Probleme mit dem Zimmer“ – soll heißen anderweitig verscherbelt und mir die Abstellkammer verpasst. Richtig blöd. War aber zu spät. Bei Agoda beschwert und alles dokumentiert. Mal sehen, was passiert. Jedenfalls werde ich hier nicht bleiben. Die Hotels sind alle voll wegen dem Markt.

Ich war recht müde und damit gerade noch in der Lage zum Markt zur Suppe zu latschen. Diesmal kamen die Frühlingsrollen aber zuerst. 4 kleinere für 10K. Da spielten sie Techno. Wer hätte das gedacht, Techno bei Hmong in den Bergen? Recht viele Touris unterwegs, meistens aus Vietnam, und dann ein paar Bleichgesichter wie ich selbst. Interessant war, dass es ein Marktgebäude für Handarbeiten und Kitsch gab. Eigentlich wollte ich mir eine weitere Hmongdecke gönnen, also Augen auf. Die recht dreisten Damen wollten mir dünnste Baumwolle als Hanf (Stoff zu tragen, nicht rauchen) aufschwatzen. Als ich das Teil dann in der Hand auf Gewicht abschätzte war die Stimmung schnell im Keller. Daneben, size matters, die Decken waren in der Regel merkwürdig klein. Es fehlten immer gut 1-2 Meter. Erheitern, für mich, waren dann die Preisverhandlungen. Ein großer Teil des Materials ist beste chinesische Fabrikware. Keine Batik, sondern gedruckte Stoffe. Ist aber auch klar, soviel können die Leute für die Touris nicht produzieren. Allein einige Decken aus den Dorfmanufakturen in Sapa waren recht ok, darunter aber auch sehr viel 2-3 Wahl. Mir gefiel eine Blumen-Hmongdecke, die allerdings nicht ganz billig war. Mal sehen, wie sich der Preis entwickelt.

Nachher geht’s weiter. Ist nämlich schon Sonntagmorgen und ich war bereits um 5.30 Uhr auf der Rolle.
 

thaiguy

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Der aktuelle Wasserstand:

War um 5.30 auf den Beinen und um 6 am Markt. War noch nicht viel los. Die ersten Leute packten aus, andere kamen gerade an. Das online Geschwafel von 4 Uhr usw. ist falsch. Man bekam aber schon sein Süppchen und ziemlich ekliges Zeug, aus dem Innern von Tieren und dann, na Ihr wisst schon. Muss nicht sein. Die verschiedenen angebotenen Köpfe habe ich auch sein lassen (waren alles Viecher). 30K fuer eine grosse Moo Suppe mit Nudeln und viel Grünzeug (das war jetzt Thai). Bin dann wieder in die Klitsche und nach einer Stunde noch einmal los. Es war nun voller und um 7.30 war dann auch voller Betrieb, dachte ich. Jedenfalls ware alle Stände im Einsatz. Es gab auch noch einen weiteren Verkäufer mit Decken, aber die Preise orientierten sich nach meiner Nase, Haarfarbe usw. Ab und durch die Decke, also Danke und Tschüss. Eine ganze Reihe von Frauen lief in ihren Trachten herum. Offensichtlich herausgeputzt fuer den sonntäglichen Marktgang. Die Kunden waren meist Stadtbewohner und keine Angehörigen der Bergstämme. Nervend waren 2-3 Touri mit phallischen Teleobjektiven, die laufend Leute 'abschossen.' Bei mir war fremdschämen angesagt und ich beließ es damit erst einmal.

Der eigentliche Markt war sehr ähnlich gleichnamigen Veranstaltungen in Thailand. Gemüse, zerhackte Viecher, die kleinen Hunde in Käfigen waren nicht für die Kinder, sondern die Küche gedacht. Dann aber unendlich viel Grünzeug. Einer schritt durch die Menge und hielt eine Ginsengpflanze hoch. Überall wurden Wurzeln, Stauden, Blätter und auch daraus gewonnene Produkte angeboten. Für jeden Botaniker und Veganer ein Fest. Ich habe keine Ahnung von den Dingern und war daher relativ unberührt. Jemand mit einem Draht dazu kommt voll auf seine Kosten. Dann gab’s reichlich abgepackte Kräuter, Gewürze, Tee, Kaffee usw. Also insgesamt ein normaler Markt mit einer angehängten Tourisektion. Die Damen in Tracht waren die Stars, die aber das Tourivolk ignorierten.

Um 9 saß ich mit meinem Kram auf einem Plastikhocker mit Tee und wartete auf den Kleinbus nach Lao Cai. Der Typ in der Klitsche war richtig sauer. Gestern war er noch am Lachen, heute hatte er schon die Post von Agoda. Die Sache wird noch viel übler. Abzocker kann ich nicht ab. Wir machen alle Fehler, aber das war ein ganz mieser Wicht.

Die Fahrt nach Lao Cai war wie am Tag davor, nur mehr Wolken zwischen den Bergen und an der Straße. Lao Cai selbst gefiel mir wieder sehr gut. Es gab erneut eine Stadtrundfahrt und am Ende ging’s dann doch noch zum Busbahnhof. Überall Bäume, alles sehr sauber und die Autofahrer benehmen sich. Keine Ahnung wieso, aber alles ganz untypisch für Vietnam. Die Stadt war 1979 von den ideologischen Brüdern aus China vernichtet worden. Man wollte Vietnam für die Beendigung des Völkermordes in Kambodscha bestrafen und wie geht das am Besten? Klar doch, alles zerstören und töten was geht. Nicht umsonst knutschten Pol Pot und seine chinesischen Lover bei ihren Treffen.

Ich habe wieder den gleichen Bus genommen. Diesmal gab’s sogar eine lounge mit ganz anständigem Futter und Getränken, alles für 290K. 1.30 ging’s los und pünktlich um 6 waren wie in Gia Lam Busbahnhof in Long Bien. Das liegt auf der anderen Seite vom Fluss, was nicht so wichtig ist, denn Bus Nr. 1 fährt für 7K zum Teich in der Altstadt. Man kommt also ohne Probleme dorthin und wieder zurück. Die Taxifahrer und Mopedhelden am Busbahnhof läßt man natürlich stehen.

In der Altstadt bin nun in einem kleinen Hotel, dass ich aus alten Tagen noch kenne. Als in Ordnung, keine dummen Überraschungen. 100 Meter zum Suppentopf und dann noch ein wenig weiter zur, nun aufgepasst!, Bui Cong Trung Bäckerei, 20 Hang Bo. Im Interesse der ausgewogenen Berichterstattung habe ich eben kurz folgendes probiert: Opera (ordentlich), Egg Tart (ganz gut), was lokales mit Pudding (nicht schlecht) und was anderes (Details morgen). Die Durchsicht des Angebotes wird morgen fortgesetzt. 4 Teile für 2 Euros. In DACH wäre die Sache anders ausgegangen. Präsentation ist nicht berauschend, aber es geht um den Magen und nicht die Augen.

Der Tag ist geschafft, ich ebenso. Schöne Grüsse aus dem realexistierenden Sozialismus!
 

peda

Nichtauskenner
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8 Februar 2009
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Danke für den interessanten Bericht. Warum du allerdings das den Namen des Hotels in Hanoi verschweigst, erschliesst sich mir aber nicht. Angst beim nächsten mal kein Zimmer mehr zu bekommen? ;)
 
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Reaktionen: kupoa und thaiguy

thaiguy

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25 Dezember 2013
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Peda, ganz genau. Vor Jahren hatte ich in Hanoi einen netten Schuppen, Familienbetrieb, sauber, gutes Fruehstueck etc. Ich Idiot hinterliess eine gute Bewertung. Im naechsten Jahr war der Laden 50% teuerer und das Fruehstueck weg. Am Ende ist es aber auch Glueckssache. Welche Saison, wann gebucht usw. D.h. meine Auskuenfte stimmen fuer den Tag an dem ich da war. Eine Woche spaeter kann es schon wieder anders aussehen. Es geht langsam in die gleiche Richtung, wie bei den Flugpreisen.

Anyhow, 3 Uhr nachmittags und ich bin im Hotel. Klatschenass. Morgens endlich einmal ausgeschlafen, 8.30, ist ja Urlaub. Das zur Fressgasse und mit Fruehlingsrollen geschwaengerten Magen (6 Stueck) zum benachbarten Dong Xuan Markt um die Lage auszuspaehen. Wer an frische Shrimps in der Suppe glaubt, dem sei geraten den Markt tunlichst zu vermeiden.... Nudelmaessig war nix.
Dann weiter zur alten Zitadelle: Hoang Thanh Thang Long. Ich schleiche vom Norden her an, weil der alte Burggraben war zugeschuettet worden und ist nun eine schoene Allee mit einem alten Baumbestand. Sehr angenehm. Das Museum kostet 30K und lohnt sich. Es gibt 2 Bunker aus dem Vietnamkrieg. Einer diente auch als Kommandozentrale der Luftabwehr. Die Jungs sassen da mueffelnd ueber Tage fest, was nicht weiter schlimm war, denn wie die Fotos zeigen, sahen die Assistentinnen ausgesucht gut aus. Mit denen kann man mich jederzeit laenger weggeschliessen und ruhig auch den Schluessel wegwerfen. Wenn man den Ausgang wieder hochkommt, dann schlagen einen die grossen Fotos mit der zerstoerten Stadt klatschig in's Gesicht. Da war wenig Gutes.

Eine groessere Ausgrabungsstaette mit den Ueberresten mittealterlicher Palaeste gehoert auch dazu. Der Palast war natuerlich aus Holz aber die Fundamente und insbesondere die Kanalisation sind interessant. Es gab reichlich Terracotta, die selbst den Florentiner neidisch werden lassen. Dieser Ort wird jeden echten Koelner ratlos zuruecklassen. Archaeologie gut und schoen, aber warum baut man kein Parkthaus drueber? Die Roemer waelzen sich im Grabe, die ollen Vietnamesen nicht. Da wir in Hanoi sind gibt's ein gutes Cafe und man kann auch draussen sitzen. Rauchen macht man dann heimlich...

Die Uebereste der spaeteren Palastanlagen, das was den Franzosen entkommen ist, und eine Reihe franzoesischer Gebaeude behergen interessante Ausstellungen. Auffaellig ist wie man versucht die alten Koenige in eine nationale Tradition und Linie zu bringen und dabei dann eine progressives und volksnahes Element zu betonen. Selbst Mandarine werden nun mit repraesentativen Qualitaeten gewuerdigt. Die Religion nimmt auch eine positive Rolle ein. Jedem strammen Maoisten oder Stalinisten wuerde die Galle ueberlaufen.
Auf dem Hauptcampus gibt's 3 Cafes. Eins ist wohl die Kantine der Belegschaft. Die Karte ist sehr ueberschaubar. Im Grunde ein Gericht mit entweder Huhn, Schwein oder Fisch in ein paar Variationen. Dazu ein Sueppchen, eingelegtes Gemuese, Gemuese und eine grosse Ladung Reis fuer 45K. Der Kaffee kostet 25. Kann man nicht meckern. Der Laden ist auch sehr sauber und modern. Kein Kantinengefuehl und ich bekam erst mit der Zeit mit, dass die Angestellten hier um Mittagessen kommen. Kein also nicht schlecht sein. Direkt daneben noch 2 weitere Laeden. Getraenke und Eis gibt es auch an mehreren anderen Punkte. Das ganze ist wie ein grosser Park angelegt.
Am Haupteingang liegt das L'Heritage, da kostet der Spass vermutlich ein wenig mehr. Ich bin dann weiter zum Mausoleum, aber dann wurde es nass. Also zurueck zum Hotel, was nicht ganz geklappt hat.
Die Museen in Vietnam erfuellen einen paedagogischen Auftrag, natuerlich im Sinne des Staates, sind dabei aber auch relativ flexibel. Wer sich einigermassen mit dem Historischen Materialismus auskennt wird sehr interessiert sein, wie die Jungs immer noch die Kurve kriegen. Dogmatiker sehen anders aus. Die Preise sind sehr moderat und wenn ich die mit dem Mittelmeer oder der westlichen EU vergleiche, dann kommen einen schon dumme Gefuehle. Die steuerfinanzierten Institutionen nehmen nun Eintrittsgelder, die sehr gesalzen sind und damit einen regen Zugang der Steuerzahler, die weniger haben, verhindern. In gewisser Weise finanziert die Allgemeinheit Laeden, die beinahe ein Privileg einer kleiner werdenden Minderheit sind. In Vietnam steckt der Staat Gelder in die sehr gut ausgestatteten Einrichtungen und stellt sicher, dass der Zugang praktisch allen Interessierten moeglich ist. 15 Euro fuer ein Museum, dann einmal auf eine Familie umgerechnet, selbst mit Rabatt, sind sozial- und kulturpolitisch eine Katastrophe. Da laeuft bei uns etwas richtig schief.

Fuer Ruessel: Du kannst Deine line ruhig hierhin schleppen, denn (!) es gibt einen Kostuemverleih. Man kann dann als oller Mandarin oder Mandarine endlos Fotos machen. Ist sehr beliebt und man wundert sich anfangs schon, woher die Leute kommen.

Vielleicht noch ein kurzes Fazit zu Bac Ha:
Das Kaff an sich ist ganz ok aber nix besonderes. Landschaftlich gibt die Fahrt einiges her. Fairerweise sollte man bedenken, dass ich nicht zur optimalen Jahreszeit unterwegs war. Der Markt selbst ist meiner Ansicht nach ueberbewertet und ich frage mich, wie er an den Wochentagen aussieht. Die Handarbeitsverkaeufer sind jeden Tag offen. Realistischer vom Aufwand her waere der Nachtbus aus Hanoi, der frueh morgens ankommt. Man spart sehr viel Zeit und das umstaendliche Umsteigen in Lao Cai. Man ist auch frueh am Start und hat bis 8 Uhr eigentlich alles gesehen und gegessen. Dann kann eigentlich direkt weiter. Hierdurch vermeidet einmal bloede Ueberraschungen mit den ueberhaupt nicht zimperlichen Hotels und geht auch den Horden aus dem Weg, die so ab 8 Uhr (nach dem Hotelfruehstueck) auf Motivjagd gehen. Andererseits hat jeder seine eigenen Vorlieben und Schmerzgrenzen. Von daher ist dies allein eine moegliche Perspektive.

Weitere Plaene: Morgen zum Revolutionsmuseum und vielleicht frueher noch schnell zum Mausoleum. Das sollte dann passen. Wegen dem Wetter werde ich auch einige Einkaeufe vorziehen. Man soll das mit dem Duschen nicht uebertreiben, besonders nicht auf der Strasse.
 
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thaiguy

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War eben auf der Suche nach einem Nackenkissen. Bislang Fehlanzeige, habe einen Tipp. Das Nackenkissen ist mir eigentlich total egal. Doch ich muss demnaechst aus einem recht entlegenen Kaff nach Wien und den Umstaenden entsprechend passt nur Wizzair. Die sind beim Gepaeck nicht schuechtern. Nun denn, also Nackenkissen her. Inhalt raus und, je nach, groesse 2+ kgs Zeug rein. CMA Wizzair. Das war wieder ein professioneller Reisetipp.
3 Hemden eingesackt, 2 weitere am Mittwoch. Schneiderin ist fleissig und braucht die Knete. Dann wieder beim Baecker: 5 Teile eingesackt, neben dem croissants. Flan, creme irgendwas, 2 Schnitten mit Schoko. Das Creme/Puddingteil faellt unter den Suchtmittelparagraphen. Flan is hoellisch gut, manche wuerden dafuer killen, mille feuille sehr gut. Das zweite Schokiteil, vietnamesischer Name kann mithalten. Also zum Thema Konditor alles im gruenen Bereich. Ich werde morgen weitermachen, bin ja noch nicht durch.

Im Touribereich sind sehr viele Geschaefte, besonders die, die frueher original Northface Kopien verkauft haben, verschwunden. Insgesamt alles noch sehr zahm im Vergleich zu vor der Seuche. Die Besucherzahlen sind im Keller. Ist interessant zu sehen, wie selbst dieser Bereich noch als Stadtviertel funktioniert und nicht zu reinen Tourimeile verkommen ist. Es gibt immer noch Handwerker, normale Laeden, ich kann, wenn ich will, eine gute Pho Bo fuer 40K bekommen, nicht viel weiter davon 3x soviel oder mehr. Die Zahl der teuren Starbuckskopien hat zugenommen, waehrend die billigen Cafelaeden langsam verschwinden, im zentralen Touribereich. Wenn man sich einen Filter vor die Augen spannt, der die Geschaefte, die den Tourismus bedienen, ausblendet, dann kann immer noch sehr schoen die aelteren Strukturen erkennen. Unterhosengasse, die Klempner, chinesische Wundermittel, Spielzeug usw.
Daneben noch der funktionierende OePNV mit sehr vielen Buslinien, die eigentlich alle Ecken der Stadt sehr guenstig verbinden. Eine lebendige Stadt.

So nun ist gut fuer heute. Die Fuesse sind platt, der Bauch voll, ich trockne gerade unter der Klimaanlage und morgen ist wieder voller Einsatz.
 

thaiguy

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25 Dezember 2013
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Nun wieder was fuer the lechzenden Massen:
Gestern war uebel. Morgens puenktlich zu den Fruehlingsrollen und den Durchschnitt gehalten. Dann zum Nationalmuseum. Ich war frueher schon dort, doch dann ging mir im 2. Teil die Zeit aus. Also nun in den 2. Teil zuerst. Hier gibt's vorwiegend Fotos. Am Anfang schildern die Exponate die gesellschaftliche Situation und die Reaktionen der Bevoelkerung, das ganze kulminiert, wer haette es gedacht?, in der Gruendung der KP. Den historischen Gesetzmaessigkeiten war damit Genuege getan. Dann kommt, wie erwartet, der anti-koloniale Kampf gegen die Froesche, gefolgt von peinlichem Schweigen zur Zeit bis 1941 (warum wohl? Nazi-Stalin Buendnis...) Ab 41 geht's wieder richtig los. 45 Unabhaengigkeitserklaerung, dann wieder Aerger mit den Froeschen (und der Waffen-SS, die in Dien Bien Puh ihre letzte Schlacht hatte. Die Uebermenschen wurden als Fremdenlegionaere beerdigt.) Dann Friedensvertag, 2. Indochinakrieg und die wunderbare Neuzeit. Ich schildere das ein wenig ausfuehrlicher, weil das in etwa auch dem HCM-Museum entspricht.
Wie bei jeder geradegebogenen Geschichte gibt es Probleme. Der gute HCM war in den 30ern bestenfalls eine kleinere Nummer. Die damaligen Groessen hatten das Pech, das die meisten so um 1941 (gleiches Datum...) in's Jenseits befoerdert wurden. Kooperation mit Nazis und ihren Schergen kann nicht gut gehen (der Sauerlaender hat keine Ahnung). Ich fand auch die Rolle der Vietnamesen in der Komintern interessant. Ueberhaupt waren anscheinend vor 1946 Frauen in fuehrenden Positionen wichtiger als nachher. Dann durften sie in erster Linie die revolutionaere Waescherei leiten.
Nach der Revo kam dann der 1. Teil des Museums. Hier eine kleine, aber sehr feine, Champa Sammlung. Es gibt eigentlich weltweit 4 nennenswerte Sammlungen zum Champa-Koenigreich. Da Nang ist unumstritten an der Spitze. HCMC wohl 2, dann kommen Hanoi und Paris. Das Museum Guimet ist der reine Wahnsinn. Lustig war, wie chinesische Gaeste durch den Laden geschleust wurden. Ich haette zu gern zugehoert. Die aeltere Geschichte von Jesses bis in spaete 18. Jh. war im wesentlichen entweder den Chinesen oder den Mongolen den Spass mit dem Einmarschieren zu vermiesen. Die zum Teil recht drastischen Darstellungen und nicht zimperlichen Beschriftungen muessen den chinesischen Touristen leicht auf den Magen schlagen. Vermutlich eine etwas andere Perspektive als man sie zu Hause hoert. Die Rolle der Kuomintang nach 45 war auch nicht gut und von 1979/80 schweigt man lieber.

Fuer 40K bekommt man viel geboten und einige Sachen sind einzigartig. Leider hatte der sehr gute Museumsladen seine Pforten geschlossen. Die hatten sehr hochwertige Angebote, nicht billig, doch immer noch preiswert und sonst schwer zu finden. Sehr seltene Keramiken z.B. Nun nicht mehr.

Nach knapp 3 Stunden schlich ich mich mit qualmenden Socken in Richtung Wanton-Suppe auf der Hang Ma, nahe dem alten Stadttor, suedliche Strassenseite. War ganz ordentlich. Ein Besuch im grossen Markt. Beim Trockenfisch habe ich nicht gekotzt, waere aber voellig ok gewesen. Der Geruch war umwerfend. Dann strategischer Rueckzug, hab ich von den Vietcong Fotos abgeschaut, in's Hotel zur Siesta und Regenvermeidung. Danach murrend zum Souvenirshopping. Teddiebaer fuer die Daheimgebliebene, 3 kg gelbe Nudeln von der Nudelfabrik, anschliessend noch zum Baecker. Die Schneiderin war auch schon fertig, also die letzten 2 Hemden eingesackt. Noch ein Bo Ga und ich war erledigt.

Heute morgen, richtig, zur Fruehlingsrolle, Durchschnitt halten. Dann zum Onkel Ho, der war aber gerade zum make-up zum Lenin. Egal, zum HCM Museum. Ein Schuppen aus den 80ern oder 90ern Jahre. Sehr interessantes Konzept und Ausgestaltung. Wieder meist Fotos, z.T. die gleichen wie anderswo.

In den beiden Museen tauchen auch die Thais auf. Einmal die Black Tigers, die von den Amis in Vung Tau angelandet wurden. Elite Einheit, die spaeter nahe Ke Sanh sich beim Einsatz mit den Marines nicht bewaehrt hat. Wird nicht viel drueber geredet, weil es eigentlich keine Ueberlebenden vom Schauplatz gab. Die Amis wussten schon, wo sie ihr Kanonenfutter hinstellten. Dumm gelaufen.
Interessanter waren andere Details. Mein erster Vietnambesuch war vor knapp 20 Jahren in Nakhon Phanom. Kein Witz, is so! Wieso? Ganz einfach, in der auch sonst recht angenehmen Stadt mit guter Kuecher gibt's ein Haus mit Garten. Hier lebte Ende der 20er HCM. In franzoesisch Indochina war er einfach nur unbliebt bei der Kolonialpolizei und er hat sich daher auf der anderen Seite vom Mekong haeuslich eingerichtet. Dieses Haus wurde spaeter der VR Vietnam als Exklave ueberlassen, daher die Rote Fahne mit Gelben Stern am Mast im Stadtviertel. Diskret nennt man das HCM Haus. War aber natuerlich nicht einfach sein Einfamilienhaus, wie man heute behauptet, sondern die Zentrale der KPV. Es gab weitere Stuetzpunkte in Nongkai, Udon, Sakon Nakhon, und Mukdahan. Die KPV hatte eine eigene Abteilung fuer Thailand in der weite Teile der vietnamesischen Bevoelkerung in Thailand organisiert waren. Nach 45, haben die Maedels und Jungs dann logischerweise in der Armee (Vietnam) gedient. Ein Foto einer solchen EInheit findet man in den Museen. Also die Thais waren im Bett mit Adolf, den Japanern und, begrenzt, den Vichy-Faschos, die Vietnamesen machten ihr eigenes Ding.
Nach 2 Stunden war es Zeit fuer Kaffee. Ich Idiot war dann im hauseigenen Cafe. Schwerer Fehler. War nix und am Ausgang gabt's dann ein halbes Dutzend guter Cafes. Also aufgepasst: Hier zum Ausgang und dann Augen auf. Wie an anderen katholischen Wallfahrtsorten wird auch am Ausgang des HCM Museum reichlich Plastikschund und was auch immer verkauft. Sehr viele schwarze Schlappen. Der Museumsshop ist graesslich und total ueberteuert. Bei einigen Teilen 4-5000%. Lieber die Finger davon lassen.
Danach zum Hotel, ich hatte wieder so rund 8 KM auf dem Tacho und das vor der Suppe. Egal, duschen und check-out. Dann schnell ein paar Suppenloeffel gekauft. Auf der Insel gibt's keine wie in THailand oder Vietnam. Anschliessend und OHNE Geld zu meinem Lieblingsladen, der ueberlebt hat. Also die Blumen-Hmongdecken pendelten sich bei 2.5-3.5 Mill dong ein. Blaue Decken aus Sap 1.2 - 1.5. Schwarze Thai und Weisse Thai Decken so um 1.5. Beim naechsten Besuch wird's teuer. Ich haette ohne Problem 500 USD und noch viel mehr in 10 Minuten ausgegeben. Probleme mit dem Schmuggel in's Haus hielten mich ab. Ich hab recht deutliche Anweisungen nicht noch mehr Decken anzuschleppen. Also nur ein paar billige Armbaender, Rache muss sein. Allerdings muss sich gestehen, dass das Angebot sehr gut ist. Diese Auswahl gab's frueher kaum. Preise sind halbwegs zivil. Im Vergleich zu Sapa gut und in Bezug auf Bac Ha auch ok, sobald man die Reisekosten einrechnet sogar gut. Daneben werden keine Faelschungen aus China verkauft, die in Bac Ha leicht 80% des Angebots ausmachen. Die bieten sogar BASF-Seide als Bergstammkunst an... Von daher: Wenn man was nettes in Hanf haben moechte, ist Hanoi unter Umstaenden die beste Adresse. Einfach einmal herumschnueffeln. Billigere Teile sind ab 50 USD zu haben, meine Vorlieben starten bei 140/180 USD und dann geht's ab nach oben.

Zur Zeit sitze ich im Highlands bei einem kalten Kaffee. Gleich noch frische Nudeln abholen, dann der Baecker und schliesslich langsam in Richtung Bus zum Flughafen. Dann zum Hotel und morgen frueh raus. Ich hasse Fluege am Morgen. Lieber nachts, weniger Aufwand und der Tag ist nicht voellig verdorben.

Die Nudeln, direkt von der Chefin, gibt's hier: Vietnam

Die gelben Nudeln sollen sich im Kuehlschrank 1 Monat halten. Die trockenen 1 Jahr. Mit Verfallsdaten habe ich leider keine Probleme.

Insgesamt war Hanoi mehr als angenehm. Es war geradezu therapeutisch. Vor 3 Jahren fiel mein Besuch wegen der Seuche in's Wasser. Es war schoen bekannte Gesichter wiederzusehen und es ging den Leuten einigermassen gut. Gelitten haben sie sicherlich alle. Futter war gut, wie immer zuvor, und die Stadt mit ihren Baeumen, vielen kleinen Ecken, Museen, einfach alles zusammen waren wieder ein gelungener Urlaube vom Alltag. Bac Ha war ok, abgesehen von dem miesen Hotel. Die Nachfragen von Agoda zeigen mir, dass die richtig sauer sind, weil der Kerl sie um die Kommission bescheissen wollte. Die Fotos auf dem Internet sind aeusserst selektiv und damit irrefuehrend. Also Erwartungen herunterschrauben. Es gibt ein paar nette Decken, wenn man ein kleines wenig aufpasst, aber wer sich fuer diese interessiert, ist vielleicht in Hanoi besser aufgehoben. Nervend war der Verlust der geliebten Highlands Baguettes. Ich kann pate nicht ab, von daher war ich auf die Huehnchenbaguettes angewiesen. Pecht gehabt.
Hotelpreise sind z.Z. eher am unteren Rand der Vorcovidpreisspanne angesiedelt. Es sind gefuehlt z.Z. 10-20% der sonst ueblichen Tourizahlen. In der Fressgasse laufe ich nun immer vor 9 auf. Der Vorteil ist das mittags die Einwohner hungrig sind und am spaeteren Vormittag die food-tourists in Gruppen die Ecke verseuchen. Ueberall fotografieren, kommentieren und fragen. So ne Art Voelkerkundler mit white man's burden attitude. Aetzend. Die Qualitaet in der Gasse hat die Modernisierung ueberlebt, ist aber auch klar, weil die Einwohner, die die Hauptkundschaft bilden, sich keinen Mist vorsetzen lassen.

Insgesamt war die Reise eine runde Sache. Nun noch der Abschluss und dann auf die Insel. In 4 Wochen steht Ho Chi Minh City auf dem Programm. :)
 

thaiguy

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25 Dezember 2013
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Jein, die haben diesen Wochenendstrassenmarkt. Ansonsten war alles recht harmlos. Im Kerngebiet der Altstadt passieren Mopedleute sehr gut auf. Die Tourizahlen sind noch immer schwer im Keller von daher sind wir wertvolle Wesen. ;)
Eigentlich der richtige Zeitpunkt sich Hanoi anzusehen. Alles sehr gelassen.
 

Micha L

Ich mag es panasiatisch
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Diese Wochenendmärkte gibt es schon länger.
Ansonsten extremer Motorrad- und Autolärm, gerade in der Trang-Tien-Straße (die kurze zwischen dem Schwertsee und dem Opernhaus) mit dem Kaufhaus, den Buch- und Kunstläden, dem landesweit berühmten Eisladen, einer Kaffeerösterei der Sonderklasse usw.
Dort z. B. böte sich eine Fußgängerzone an.
 

thaiguy

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25 Dezember 2013
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Liebe Fans, werte Gemeinde,
ich bin wieder in Hanoi. Der Flug von Jakarta ueber KUL war ok. Leider dauerte der Bustransfer 2 Stunden, obwohl ich mir den teuren Express 86 vom Flughafen zum Bahnhof gegoennt habe (45K Dong). Der angenehme Bus 17 Domestic nach Long Bien Busbahnhof waere nicht langsamer gewesen und wesentlich angenehmer. Ich sass eingequetscht in einer Touri-Horde, ueberall Gepaeck und staendig diese Telefone vor der Nase. Bus 17 ist ganz vietnamesisch. In den verirrt sich kein Hippster und man sieht viel von den laendlichen Vororten der Stadt, dort wo arbeitende Leute leben.

Die Luft ist zum kotzen. Aus dem Flugzeug konnte man eine braeunliche Atmosphaere beobachten, die noch ueber der Wolkendecke hing. Eigentlich eher Nebel, denn es rappelte ueberhaupt als der Flieger nach unten ging. Unter dieser Nebeldecke hat man eine wunderbare Kostprobe a la Ruhrgebiet 1980er. Mal sehen, was sich ergibt.
Morgen fresse ich mich erst einmal durch die ueblichen Laeden. 7 Monate Entzug. Mein heutiges Hotel ist eher ein Notbehelf und ein wenig entfernt von den ueblichen Troegen. Daher nur eine knapp befriedigende Supper (Rind) und 4 mickrige Fruehlingsrollen. Aber morgen wird es dann ernst. Interessant war, dass die Ecke nahe des Literaturtempels der Eisenbahntrasse/cafes eine rapide Gentrifizierung durchmacht. Es gibt auf der Fressmeile noch einige vietnamesische Laeden, die von den zahlreichen Bleichgesichtern sauber gemieden werden. Fuer die Langnasen gibt's reichlich Auswahl an Cafes, Kneipen usw., welche allerdings ueberall auf der Welt stehen koennten, nur eben mit teilweise vietnamesische Kueche. Ein Gutes hat die Sache - die alten Haeuser werden rausgeputzt, dann man moechte es ja modern urban haben.
 

thaiguy

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25 Dezember 2013
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Nun mal weiter im Text:
Im Moment tanzt in Hanoi der Baer. Kein Vergleich mit dem August. In jeder kleinen Gasse, auch ausserhalb des Kernbereichs der Altstadt, sehe ich mehr westliche Touris, wie ich es bin, als in Indonesien insgesamt in 4 Wochen. Z.T. ist das ganz lustig, wenn ein aelterer Herr mit aelterer Dame morgens aus dem 4-Sterne Hotel kommt, angezogen als ob er im Dschungel, wie Rambo seinerzeit, den Vietcong besiegen will.

Im Markt stand eine riesen Gruppe um einen Gemuesestand herum, bekam alles vom Reisefuehrer erklaert, man fotografierte und diskutierte, gekauft wurde nichts. Die gute Frau war dann ganz erleichtert, dass ich Langnase tatsaechlich ein paar Gurken wollte. Nicht weit davon gab's Mandarinen, 20K, nicht so billig und als ich der Frau dann den blauen 20K-Schein geben wollte, meinte sie, das waere die falsche Banknote, die 200K waere die richtige. Ich gab ihr dann sofort ihre Mandarinen, sie konnte auf einmal sehr gut Englisch und war mit sorry und so weiter dran. Ich machte eine entsprechende Handbewegung, so dass alle anderen aufmerksam wurden. Also vorsichtig sein im Markt, einige der Frauen sind abgezockt.
Dann gab's, wie immer, die Grosswildjaeger auf Jagd. Ausgestattet mit Jacken und Hosen, wie man sie von Kriegsberichterstattern kennt. Allein der Helm und die schusssichere Weste fehlen. Anstatt der Elefantenbuechse schleppte man, dem Finger am Abzug, ein riesen Tele mit Kamera hintendran herum. Elefanten gab's keine, daher wurden dann eben Zweibeiner abgeschossen. Die Marktfrauen sind mittlerweile Amateur-Top-Models.
Ich habe mich mit Tomaten, Gurken, Fruehlingszwiebeln, Orangen und (!) Petersilie eingedeckt. Gleich mal einen Salat machen :) Petersilie gab's schon lange nicht mehr auf Mindanao, der Duerre sei Dank.

Die Fruehlingsrollengoettin war gestern nicht am Start, was mir einen Tag mit Sorgen um ihre Gesundheit und die meines Magens bereitete. Heute morgen war alles wieder beim alten. Sie wusste sofort die genaue Anzahl und ich brauchte nichts zu erklaeren. Ein eingespieltes Team. Wie immer, alle erste Klasse. 40K fuer 4 Stueck.
Beim Baecker hatte ich gestern 3 Besuche erfolgreich bewaeltigt. Heute morgen wieder Croissants, 7k, auf Vorrat und auch Broetchen, 5k! Die suessen Sachen kommen nachher dann dran. Baguettes schlagen mit 15K zu Buche.

Die Huehnersuppe gestern abend war auch wieder 1a, 35k. Riesenschuessel, alles ganz frisch und nicht in einer Fettlache ertraenkt.

Mein momentanes Hotel erwies sich als wesentlich besser als vor 6-7 Jahren. Bin unterm Dach (5 Etagen hoch) in einem sehr grossen und hellen Zimmer untergebracht. Kann die Daecher der Nachbarhaeuser begutachten und geniesse das kuehle Klima. Ein Genuss nach dem Bratofen in Indonesien.
Ansonsten beobachte ich die fein saeuberliche Trennung an den Futtertroegen. Der gemeine Touri bevozugt das ordinaere und auf alt-getrimmte Restaurant. Man erspart ihm den Anblick der in der Kueche frittierten und tiefgefrorenen Fruehlingsrollen. Das Pack hockt dagegen auf Plastikstuehlchen auf dem Gehweg und bekommt alles frisch auf den Teller, alles oeffentlich. Kaffee geniesst der Touri im Starbucks. Daheim unterwegs....

Nach 7 Monaten ohne Baecker und viele andere Dinge geht's mir hier richtig gut. Die Franzosen haben Croissants, Baguettes und vieles andere eingefuehrt, die Hollaender haben in Indonesien kulinarisch wenig hinterlassen, nicht mal Gouda gab's. :))

Gleich mal eine Zusammenfassung fuer Indo schreiben. Ich bin einfach nur faul :)
 
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thaiguy

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25 Dezember 2013
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Ich war heute einmal nicht faul und bin zum Ethnologischen Museum. Auf dem Netz und in Reisefuehrern wird ziemlich viel ueber den muehsamen Trip nach West-Hanoi gejammert - ist alles dummes Zeug. Einfach zum Busbahnhof Long Bien, Bus Nr. 14, der faehrt etwas alle 15 Minuten, und gut ist. Die passende Haltestelle auf google rausgesucht und dann noch ein wenig latschen. Auch keine 45 Minuten, vielleicht 30. Vor der Museum einige Taxis, die auf ihre Kundschaft warten, denn es ist ja beinahe unmoeglich, von dort wegzukommen. Alles Quatsch. Gleiche Tour zurueck. Kosten: 7K pro Fahrt.
Das Museum kostet 40k Eintritt.
Der Laden ist etwa 25 Jahre alt und war vermutlich ein Prestigeobjekt. Jedenfalls kann man an den Fotos und deren Datum erkennen, dass man in der Zeit kurz vor der Eroeffnung sehr viel in den Bergen unterwegs war. Die Informationsfuelle ist einerseits erdrueckend, andererseits ein wenig duenn. Das scheint ein Widerspruch zu sein, doch erklaert sich der recht leicht. In gewisser Weise ist die Sammlung an Katalog, wo jede Volksgruppe erwaehnt wird und nach einem Schema abgehandelt wird. Das ist mehr statistisch als analytisch. Man bekommt einen guten Einblick in die Alltagsgegenstaende, den Zensus von 2019 (die Daten sind also erst kuerzlich ueberarbeitet worden), und einiges mehr. Ich haette mehr allerdings einige weitergehende Erklaerungen gewuenscht. D.h. eine Verbindung von Geographie, Klima, Landwirtschaft/Jaeger- und Sammlerwirtschaft, Dorftstrukturen usw.
Fuer jene, die sich bereits ein wenig fuer die Themen interessiert haben, ist die Sammlung hervorragend und man kann sehr viel im Kopf miteinander verknuepfen.
Insgesamt gewinnt man den Eindruck, dass die Ethnologen in letzter Minute noch sehr viel gerettet haben. Heute sieht's in den Bergen schliesslich ein wenig anders aus.
Das Herzstueck ist das alte Hauptgebaeude, dass auf zwei Etagen Region fuer Region abhandelt. Besonders ansprechend fand ich die kleine Abteilung mit Informationen, Fotos und ein paar Ausstellungsstuecken zu den Elefanten im Zentralen Hochland. Diese neue Abteilung zeigt dann auch die Entwicklung des Museums, weil man hier schon viel weiter ist als bei anderen Abteilungen.
Ein weiterer Hoehepunkt sind die Dorfhaeuser im Museumspark. Einige wurden von Handwerkern aus den Regionen nach traditionellen Methoden und Vorgaben gebaut. Andere wurden aus der Doerfern in's Museum gebracht. Man bekommt hier einen sehr guten Einblick in die eigentlich doch sehr beengten Wohnverhaeltnisse und wie die Leute sich mit einfachsten Mitteln mit dem Klima und anderen Faktoren, wie z.B. Holzwuermern, arrangierten bzw. die Insekten loswurden.
Der Neubau fuer Kulturen aus der weiteren Region und anderen Kontinenten ist ein moderner aber voellig ineffizienter Prachtbau. Die Haelfte das Gebaeudes wird fuer das "Treppenhaus" vergeudet und der Eingang ist auch wenig praktisch. Moderne Architektur, die dem Zweck nicht entspricht. Bauhaus waere hier passender gewesen.
Die internationale Sektion hat einiges zu Indonesien, was ich ganz spannend fand. Der Saal mit amerikanischen, afrikanischen, australischen (Papua) Exponanten plus das weitere Asien war mir allerdings zu sehr Kraut und Rueben. Die Exponate selbst waren sehenswert. Nur die Spruenge waren schon heftig, selbst innerhalb einer Vitrine und Erklaerungen daher auch recht duerftig. Allerdings sind diese Stuecke vermutlich eine der wenigen Gelegenheiten fuer Vietnamesen derartige Exponate ueberhaupt einmal zu sehen. Hier wird also sehr viel auf relativ engem Raum geboten, waehrend man das halbe Gebaeude fuer einen Aufgang vergeudet hat. Man kann's kaum glauben.
Ich war gut 3 Stunden in dem Museum und anschliessend taten mit die Fuesse schon weh. Es war aber ueberaus lohnend und ich kann es nur empfehlen. Vietnam war vor 25 Jahren kein reiches Land. Das die Regierung sich diesen Luxus leistete ist bemerkenswert und ein Gewinn fuer das ganze Land und eben fuer alle Leute, die sich fuer die Themen interessieren.

Ansonsten hatte ich eine sehr nette Begegnung am Morgen bei der Fruehlingsrolle. Ein aelteres vietnamesisches Paar setzte sich hinzu und wir kamen in's Gespraech. Beide waren als Fluechtlinge, boat people, 1975 nach Deutschland gekommen. Die Frau wuchs dann in meiner Heimatstadt auf. Spaeter sind beide nach Australien und hatten einen sehr interessanten Blick auf Deutschland und die Entwicklungen bei uns. Zu dem Anstieg rechtsradikaler Stroemungen hatten die beide einiges zu sagen. In Australien wurden die beiden Hochqualifizierten natuerlich mit offenen Armen aufgenommen. Man sieht, das Geschrei der Dumpfbacken wird international wahrgenommen. Auch weniger toll war, dass ich diesmal, wieder einmal, Pech hatte. Die Food Tour kam vorbei und man inspiziert, auch mit Kamera, was ich auf dem Teller hatte. Der Typ haette beinahe meine chop sticks gefressen. Nervendes Pack.

Auf dem Rueckweg vom Museum bin ich quer durch die Altstadt gekommen, denn der Bus Nr. 14 laesst einen gut 500 Meter suedlich vom Long Bien Busbahnhof am Rande der Altstadt heraus. Der Heimweg war mehr eine Flucht, denn die Menschenmassen waren chaotisch. Im August hatte ich die Gegend beinahe fuer mich alleine, nun ist Pattaya Walking Street der passende Vergleich. Chinesen, gewoehnlich fusskrank, werden in Golfplatzwagen herumgefahren. Oft 5-6 hintereinander, weil man ja in einer Gruppe unterwegs ist. Die saufende Hippsterzunft ist tonangebend und sehr raumintensiv. Turnschuhe, weisse Socken, weite shorts, wife beater, Bart und baseball Huetchen sind die Tracht des Stammes. Ein duck tape quer ueber den Schnabel fehlt leider.
Ich bin nun sehr im Zweifel, ob ich nach Ninh Binh soll. Eine Suche auf google maps ergab im Restaurantbereich, dass man bereits vegan kocht, indische Laeden sind auch vorhanden und einiges mehr. Ha Giang hat schoenstes Regenwetter fuer die ganze naechste Woche angesagt. Sapa wird wie Hanoi sein. Alles nicht so einfach. Mal sehen.

Wegen dem eigentlichen Hanoi. Yup, sobald man die Altstadt und den Korridor von der Altstadt zur Bahngasse und weiter zum Literaturtempel hinter sich laesst ist Ruhe. Hinzu kommt noch der Platz um's Mausoleum und die anliegenden Museen. Der Weg von und zum Bus war dann ganz angenehm und die Leute sehr freundlich. Im Bus war ich natuerlich die einzige Langnase. Bei der Fruehlingsrolle auch immer, wenn nicht gerade die Tour vorbeikommt. Von 7-8.30 ist die Altstadt ein Busbahnhof, weil die "Luxus/VIP/Premium"-Busse die Kundschaft fuer die Halong Bucht einsacken. Ich werde nun mal schauen, wie ich mit dem OePNV oder einem 'normalen' Bus abhauen kann. Erst aber muss ein Ziel her.
 
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Ich sitze gerade im Giap Bat Busbahnhof im Sueden von Hanoi. Bus dorthin 7K und 45 Minuten. Nette Fahrt durch die Stadt und man bekommt wiederum einen interessanten Eindruck vom Leben im Dorf. Nachher geht's ueber Nacht nach Da Nang. 1-2 Naechte dort und dann vermutlich Quy Nhon, wo eine Bande Cham Tempel auf mich wartet. Die stehen schon lange auf der Liste.
Futa Bus (Phuong Thrang) ist eine ganz gute Gesellschaft. Sie ist in HCM Stadt beheimatet und hat nur 2 Busse pro Tag in den Sueden. Sie geniesst in Sachen SIcherheit einen soliden Ruf und meine bisherigen Erfahrungen mit dem Laden war immer gut. Vielleicht das Beste: Null Hippster, denn die Agenturen in der Altstadt machen keine Geschaefte mit Futa.
[Nachtrag: Futa hat einen sehr grossen Wartesaal mit aircon, Ventilator, Wasser und Wifi am Busbahnhof. Der Busbahnhof ist SEHR sauber und gut organisiert. Nur Passagiere mit Fahrkarten kommen an den Bussteig. Es gibt zwei einfache Buffets mit Kaffee. Pho Bo und anderes 100 Meter weiter ausserhalb des Anlage. Die Lage des Busbahnhofs im Sueden der Stadt bedeutet u.a., dass man sich den elenden Berufsverkehr am spaeten Nachmittag weitgehend spart - die Touribusse in der Innenstadt stecken dann fest. Wie immer - Vietnam ist sehr gut organisiert und die oeffentlich Infrastruktur ist gut in Schuss, besser als in Thailand, vor allem wesentlich sauberer.)
Eigentlich wollte ich noch nach Ninh Bin, doch bilden Hanoi, Ha Long und Ninb Bin ein Todesdreieck, wo jeder hinfaehrt. Eine kurzer Blick auf Trip Advisor zeigt, was da abgeht. Zudem hat gerade ein deutscher Manager einer Hotelgruppe, zu der auch 'Kreuzfahrten' in der Bucht gehoeren, sich sehr warnend geaeussert. Anscheinend gibts mittlerweile so viele Boote, dass die sich auf dem Wasser stauen. Da ich meinen Bedarf an Menschenmassen und Hippstershausen gedeckt habe, wollte ich es ein wenig mehr vietnamesisch. Die Berge sind immer noch recht nass und von daher nun Tempel, See und vielleicht die Berge im Zentrum. Danach kann ich mich neu orientieren.

Die letzten Tage in Hanoi waren sehr angenehm. Am See in der Altstadt konnte ich heute beobachten, dass der Mut der alten Volksarmee noch heute in den Adern der Jugend brennt. Ein junger Vietnamese betaetigte sich als Privatfuehrer einer ebenso jungen Amerikanerin, die vom Umfang her ihn um gut das Dreifache uebertraf. Er hatte sich also unerschrocken sehr viel vorgenommen. Ob er ebenso wie sein Grossvater 'on top' aus dem Zusammentreffen der Kraefte hervorgehen wird ist allerdings zweifelhaft. Die sehr laute Dame, daher bin so eingehend informiert, hatte ihr Objekt der Begierde fest im Griff und wird die Beute nicht lebend entkommen lassen. Die Erinnerung an einen aehnlichen Fehler vor Jahren liess Mitgefuehl fuer den Ahnungslosen aufkommen.

Ansonsten was ich ein fauler Sack, schlich durch die erweiterte Altstadt, sammelte meine taeglichen Rationen bei der Fruehlingsrolle, beim Baecker usw. ein. Nach dem Wegfall meines alten Pho Bo Ladens war eine Luecke entstanden, die ich nun nach eingehendem Studium erfolgreich schliessen konnte. Der Laden bestand wiederholte Ueberpruefungen und ist nun fest auf der Tagesordnung. 50K, grosse Schuessel und sehr gut. Ein Familienbetrieb mit gerade einmal 5 Angeboten auf der Karte an der Wand. Kein Englisch und die Damen der drei Generationen fuehren ein strenges Regiment. Als Wiederholungstaeter werde ich nun auch mit einem Nicken begruesst. Verheiratet moechte allerdings mit keiner der Damen sein. Bei denen darf man seinen Mund nicht aufmachen.

In ein paar Tagen mache ich vermutlich ein Thema zu Zentralvietnam oder allein Quy Nhon auf und begluecke die unwissenden Massen mit Bildern zur Cham Kultur.
 
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thaiguy

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Kurzer Nachtrag aus dem Bus: Es gibt ein Restaurant im Busbahnhof. Man muss durch den Ausgang fuer Fahrgaeste, rechts im Gebaeude. Dort gibt's ein, zwei saubere Suppenkuechen fuer hungrige Seelen. Diese sehen besser aus als die kleinen Laeden entlang der Strasse. Fiel erst auf, als ich einstieg. Daneben werden im Busbahnhof und davor nur kleine Wasserflaschen verscherbelt. Der 7/11 oder was auch immer der Betreiber war ist leider nicht mehr offen und steht leer.
Internet im Bus ist sehr gut, man kann sogar Filme glotzen.

Nun also Abschied von Hanoi und ich werde die Stadt und ihre Leute, mit wenigen Ausnahmen in der Altstadt, vermissen.
 
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thaiguy

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25 Dezember 2013
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So schnell noch einen Nachtrag zur Busfahrt. Preis war 460K online bei Futa gebucht. Bus fuhr puenktlich, wir sind schliesslich in Vietnam, um 17.30 ab und kam eine Stunde frueher als geplant um 7. 30 Uhr an. Die Fahrer hatten anscheinend keine Lust laenger auf ihr Bett zu warten. Unterwegs gab's einen Suppenhalt, Pho Bo 35K (=15% billiger als Hanoi, aber auch nicht so gut). Im Vergleich mit solchen Laeden in Thailand siegt Vietnam um Laengen. Es gab insgesamt noch 3 stops am Strassenrand, wo man die Pflanzen bewaessern konnte. Der Bus war nur zu 25% voll. Die Fahrt an sich nicht so toll, was an der ruppeligen Strecke lag. Das Gelaber mit ueber die schrecklich gefaehrlichen Nachtbusse sollte man mit den Gefahren einer Strassenueberquerung in der Hanoier Altstadt in Beziehung setzen. Die Mopedfahrer dort haben oft kognitive Probleme oder sind mit dem Handy beschaeftigt. HCMC ist da wesentlich zivilisierter.

Ich werde dann spaeter ein paar Bemerkungen zu Da Nang separat einstellen, schliesslich bin ich im Love Hotel abgestiegen, was natuerlich den Markenkern des Forums direkt betrifft. Info inkl. Kondompreise.
 

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