Karl M. dachte, er habe alles richtig gemacht. 800.000 Baht lagen seit Monaten unangetastet auf seinem thailändischen Konto. Genau so, wie es die Vorschriften für die Verlängerung seines Altersvisums verlangen. Doch im klimatisierten Büro der Immigration in Chiang Mai folgte die Überraschung: Der Beamte schüttelte den Kopf. Auf Karls Sparbuch fehlte ein unscheinbarer Vermerk — ein Code, der nachweisen sollte, dass das Geld
aus dem Ausland überwiesen wurde.
Das Problem: Die 800.000 Baht stammten aus dem Verkauf seiner Eigentumswohnung in Thailand. Jahre zuvor dort eingezahlt, später nie angerührt.
Für Karl war klar: Das Geld gehört ihm, es ist vorhanden, und es erfüllt die Betragsvorgabe. Für die Beamten war klar: Ohne Herkunftsnachweis aus dem Ausland kein Visum.
Experten raten daher, vor größeren Überweisungen bei der Empfängerbank nachzufragen, ob der FTT-Code garantiert wird. Manche Anbieter stellen auch Bestätigungsschreiben aus, die den internationalen Charakter der Transaktion belegen.
Die Rolle der thailändischen Banken
Thailändische Banken spielen eine zentrale Rolle im Visumsprozess. Sie müssen nicht nur das Konto führen, sondern auch offizielle Bestätigungsschreiben ausstellen.
Dieses Dokument, oft als Bank Letter bezeichnet, bescheinigt das Guthaben und die Kontenbewegungen der letzten Monate. Ohne diesen Brief akzeptiert die Immigration keine Verlängerung.
Die Ausstellung kostet meist zwischen 100 und 200 Baht und muss am Tag der Antragstellung erfolgen. Das Schreiben darf nicht älter als 24 Stunden sein.
Viele Ausländer organisieren daher ihre Visumsverlängerung wie einen militärischen Einsatz: Morgens zur Bank, mittags zur Immigration. Verzögerungen können bedeuten, dass das ganze Prozedere am nächsten Tag wiederholt werden muss.
Konten eröffnen als Tourist wird schwieriger
Wer neu nach Thailand kommt, steht oft vor einem Henne-Ei-Problem: Ohne Visum kein Bankkonto, ohne Bankkonto kein Visum. Zwar lassen sich mit touristischem Status noch Konten eröffnen, doch die Hürden steigen.
Viele Banken verlangen mittlerweile eine Arbeitserlaubnis oder ein langfristiges Visum als Voraussetzung.
Eine gängige Strategie: Zuerst mit einem visumfreien Aufenthalt oder Touristenvisum einreisen, dann vor Ort ein 90-Tage-Non-O-Visum beantragen. Mit diesem Visum fällt die Kontoeröffnung deutlich leichter.
Nach 60 bis 75 Tagen können die 800.000 Baht eingezahlt werden, um nach Ablauf der Seasoning-Zeit die Jahresverlängerung zu beantragen. Dieser Weg erfordert präzise Planung und mehrere Monate Geduld.
Bargeldeinzahlungen werden kritisch beäugt
Wer größere Bargeldbeträge auf sein thailändisches Konto einzahlt, weckt schnell Misstrauen. Zwar ist das nicht illegal, doch die Immigration akzeptiert solche Einzahlungen oft nicht als Nachweis.
Der Grund: Bargeld kann aus lokalen Quellen stammen oder geliehen sein. Der internationale Charakter der Mittel lässt sich nicht nachweisen.
Besonders problematisch wird es, wenn das Geld in mehreren kleinen Raten eingezahlt wird. Die Behörden vermuten dann, dass jemand versucht, die Kontrollen zu umgehen.
Wer tatsächlich Bargeld nach Thailand bringt, sollte dies bei der Einreise deklarieren und entsprechende Zollformulare aufbewahren. Diese Dokumente können später als Nachweis dienen, ersetzen aber nicht den FTT-Code.
Rechtliche Grauzone und fehlende Klarheit
Das grundlegende Problem liegt in der rechtlichen Unschärfe. Das thailändische Immigrationsgesetz schreibt die 800.000 Baht vor, sagt aber nichts über deren Herkunft.
Die Forderung nach internationalem Transfer ist eine inoffizielle Praxis, die sich durch mündliche Anweisungen zwischen Beamten verbreitet. Schriftlich fixiert ist sie nirgendwo.
Diese Intransparenz macht Planung schwierig. Was heute in einer Stadt funktioniert, kann morgen in einer anderen abgelehnt werden.
Rechtsanwälte für Immigrationsrecht raten daher zu maximaler Vorsicht: Lieber mehr dokumentieren als nötig, lieber den offiziellen Weg wählen als kreative Lösungen. Ein abgelehnter Visumsantrag bedeutet die Ausreise innerhalb von Tagen.
Was man bei Ablehnung tun kann
Wird die Visumsverlängerung abgelehnt, bleibt meist wenig Zeit zum Handeln. Die Immigration gewährt typischerweise sieben Tage Aufschub, um das Land zu verlassen oder die Situation zu korrigieren.
Manche Büros erlauben eine Nachbesserung der Unterlagen, andere nicht. Wer rechtzeitig reagiert, kann manchmal durch ein zusätzliches Bestätigungsschreiben der Bank oder durch Vorlage alter Überweisungsbelege die Situation retten.
Eine andere Option ist der Wechsel zu einem anderen Immigrationsbüro. Da die Auslegungen unterschiedlich sind, akzeptiert möglicherweise eine andere Behörde die gleichen Dokumente.
Allerdings setzt das voraus, dass man seinen Wohnsitz offiziell ändert und die TM30-Meldung entsprechend aktualisiert. Dieser Aufwand lohnt sich nur in Ausnahmefällen.
Die TM30-Meldepflicht als zusätzliche Hürde
Jeder Ausländer in Thailand muss innerhalb von 24 Stunden nach Ankunft an einer neuen Adresse bei der Immigration gemeldet werden.
Diese TM30-Regelung gilt auch für Hotelaufenthalte und Umzüge innerhalb des Landes. Vermieter oder Hotels sind eigentlich verpflichtet, die Meldung vorzunehmen, doch viele vernachlässigen dies.
Bei der Visumsverlängerung wird die TM30-Bestätigung zwingend verlangt. Fehlt sie, gibt es keine Verlängerung.
Manche Ausländer erfahren erst am Schalter von dieser Anforderung und müssen zurück zu ihrer Unterkunft, um die Meldung nachzuholen. Das kann den gesamten Prozess um Tage verzögern und veraltete Bankbestätigungen unbrauchbar machen.
Kosten und Gebühren im Überblick
Die reine Visumsverlängerung kostet 1.900 Baht, umgerechnet etwa 51 Euro. Hinzu kommen Kosten für Bankschreiben, Passfotos, Kopien und eventuell Übersetzungen.
Viele Ausländer nutzen Visa-Agenturen, die das gesamte Prozedere gegen Gebühr übernehmen. Diese Dienstleister verlangen zwischen 10.000 und 20.000 Baht, je nach Komplexität des Falls.
Visum Thailand: Banken verschärfen Kontrollen - Wochenblitz