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Michl

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Niederösterreich / Udon Thani
Schade, war auch dort dabei und viel über Land und Leute erfahren. Hätt gern den Grillenzüchter Ossi kennengelernt, werde ihn aber schon irgendwann treffen....
Hab zum Schluss hin nix interessantes mehr im Forum gefunden....
 

Paul

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Waren dort nicht auch die Geschichten von Gad abgelegt?
Ja auch. Als Dr Gad Labuda noch Chefredakteur der Suedostasienzeitung war, habe ich bei dem immer die alten Exemplare dieser Zeitung zum Sonderpreis gekauft ( wegen der Fortsetzungsgeschichte, die er da als Viktor Schluff schrieb). Die Redaktion dieser Zeitung lag nur ein paar Meter von der Markthalle weg.
Er ist im Jahre 2005 verstorben und ich habe alle Buecher von ihm, die er in Prosa schrieb, die gibt es heute noch in den diversen Buchhandlungen.
 
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Paul

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22 Oktober 2008
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Hier ein Auszug aus einem seiner Werke, der mir besonders gut gefaellt, da ich besagten Chris auch persoenlich kenne. Der ist uebrigens immer noch nicht verheiratet und hatte Ende 2011 Mitschuld, dass ich noch lebe. :dancing
Sonnyboy Chris genießt Pattaya’s Leben

- Zwei mal fünf Seiten - von 'Victor Schluff' in 'Begegnungen in Thailand' -

- Man kann in Pattaya problemlos und zufrieden leben, wenn man nur nicht allzuviel Gefühl in die ersehnten Bekanntschaften investiert. Viele Urlauber übersehen, daß eine Urlaubsbekanntschaft eine nette Unterhaltung sein kann, wenn man die entsprechende Frau weder als die ,Angebetete’, noch als ,Hure’, sondern einfach als einen Menschen ansieht und behandelt und nicht glaubt, besser zu sein, sie erziehen, ihr eine andere Kultur beibringen oder helfen zu müssen. -

Zunächst muß wohl erklärt werden, was hier unter einem Sonnyboy verstanden wird: Ein Mensch mit einem sonnigen Gemüt, im Gegensatz zu einem sogenannten Gefühlsknubbel, auch Seelenmensch genannt. Ein Sonnyboy hat keine sehr tiefgehenden Gefühle, weder im Positiven, noch im Negativen, was allerdings nicht heißt, daß er keine oder zu wenige hat und es gibt hier auch kein verbindliches Maß über die Menge an Gefühlen, die ein Mensch zu haben hat. Auf jeden Fall nehmen die Gefühle in seinem Leben nicht überhand und deshalb begreift er sein Leben und seine Umwelt weitgehend logisch. So meistert er auch sein Leben und nimmt dabei wenig Rücksicht auf Konventionen, Traditionen, den gesunden Menschenverstand, den erwarteten Anstand und das, ‘was man tut’ weil man das tut, sofern dies nicht logisch verständlich ist, was nur gar selten zutrifft. So sind auch seine Bindungen vorwiegend logisch, was bedeutet, daß sie kaum jemals sehr tief, dafür aber auch nicht illusorisch sind. Ein solches Gemüt hat sicher Vorteile, als auch Nachteile, doch der Sonnyboy hat es nun einmal und kommt damit in den meisten Fällen besser zurecht, als die gefühlsbetonten Leute, ganz besonders in Pattaya.

Chris ist jung und hat viel Energie. Er hat viel gearbeitet und viel verdient. Nun ist er mit viel Geld nach Pattaya gekommen, um sein Leben zu genießen und sich zu vergnügen. Er sucht besonders hübsche, junge Mädchen zu seinem oder einem gemeinsamen Vergnügen, so ab achtzehn, neunzehn Jahren. Das tut man nicht, ich weiß, aber Chris tut das und er fühlt sich dabei erstaunlich wohl.

„Suchst Du eine Frau?“, wird er an der ersten Bar gefragt, an der er landet. Leicht verwundert sieht er auf und sagt: „Nein, ich suche Sex.“ Mißmutig sagt eine Frau hinter der Theke, die wohl die Kassierin ist und genau weiß, woran die Mädchen als auch sie selbst am besten verdienen: „Solche Männer mögen die Mädchen nicht. Sie suchen einen Mann, der sie umwirbt, der ihnen den Hof macht, der sie versteht und ihnen hilft, der sie liebt und ernährt.“ Chris zeigt sich verständnisvoll: „Schön, das versteh’ ich, die brauchen dann nicht mit mir mitzugehen. Ich will nur Sex und dafür bezahle ich. Ich bin gekommen, um mich zu vergnügen und nicht, weil ich Frauen verstehen, lieben und ernähren will. Eine Frau, die mit mir mitgeht, weil sie Spaß am Sex hat, ist mir viel lieber, als eine Frau, die versorgt und geheiratet werden will.“ Die Mama Sang findet das gar nicht gut, denn einen Gast, der besonders hübsche Mädchen sucht, sieht sie vielleicht zwei- oder dreimal. Einen Gast, der sich in eines der Mädchen verliebt und vielleicht ins Ausland mitnehmen will, sieht sie dagegen oft wochenlang und manchmal auch mehrmals im Jahr. Er ist zudem ein häufiger Gast und bring viel Geld.

Ein deutschsprachiger Gast, der in seiner Nähe sitzt und das Gespräch mitgehört hat, belehrt ihn: „Das ist doch brutal. Hast Du denn überhaupt kein Gefühl? So kannst Du das doch nicht machen. Du mußt doch etwas Verständnis zeigen. Frauen wollen hören, daß sie schön sind, daß Du sie liebst und Dich um sie kümmern willst. Dann gehen sie auch gerne mit. Du mußt doch verstehen, daß die Mädchen ja nur an der Bar arbeiten, weil sie Geld verdienen müssen und diese Arbeit eigentlich gar nicht mögen, daß sie jemand suchen, der ihnen hilft, damit sie nicht an der Bar zu arbeiten brauchen.“

Doch Chris meint gar nicht, daß er das verstehen muß: „Wenn eine Frau nicht schön ist, dann such’ ich sie auch nicht aus und nehm’ sie nicht mit. Und wenn ich ihr sage, daß ich sie liebe, dann ist das glatt gelogen. Worin soll denn diese Liebe bestehen? Wie soll ich eine Frau lieben, nur weil sie eine gute Figur hat und hübsch aussieht? Dann will ich mit ihr ins Bett, sonst nichts. Ich will mich auch nicht um sie kümmern. Wenn ich ihr das sage, werde ich sie nie los, weil ich ihr versprochen habe, mich um sie zu kümmern. Außerdem gehe ich auch nur arbeiten, um Geld zu verdienen, ohne daß mir das viel Spaß macht. Ich wär’ viel lieber als Playboy beim Playboy, aber die Stelle war gerade nicht frei. Willst Du mir nicht helfen und mir etwas Geld geben, damit ich nicht zu arbeiten brauche?“, spottet er und wendet sich, ohne eine Antwort abzuwarten, an ein hübsches, schlankes Mädchen mit einem großen, stark gewölbten Ausschnitt: „Pai duai mai?“, was soviel heißt wie „gehen wir zusammen?“ und „kommst Du mit?“ bedeutet.

Das Mädchen ist einverstanden, Chris schiebt zweihundert Baht über die Theke und es setzt sich neben ihn. Das geht ganz ohne Probleme. Er fragt, ob es etwas trinken will, es bestellt Orangensaft und fragt: „Wie lange bleibst Du in Pattaya? Schickst Du mich morgen wieder weg?“, worauf er sagt: „Wenn Du gut bist und wir uns verstehen, kannst Du auch länger bleiben, aber ich hab’ nicht vor, zu heiraten.“

Dann wendet er sich an seinen Nachbarn: „Warum bist Du denn nach Pattaya gekommen?“ Der zeigt sich bei der Beantwortung eifrig: „Ich bin gekommen, um eine Frau zu suchen, die ich liebe und die hab’ ich auch gefunden. Wir sind sehr glücklich miteinander und wollen uns im nächsten Jahr wiedersehen. Dann wollen wir heiraten.“ Chris versteht nicht gut und will wissen: „Woran sieht man denn, daß Du sie liebst und daß ihr so glücklich seid? Wie empfindest Du das?“ Doch auch darauf konnte der Mann sofort antworten: „Ich denke viel an sie und sie macht sich Sorgen um mich und kümmert sich den ganzen Tag um mich, sie beschafft Essen, das gesund ist, macht die Wäsche und sagt mir, was ich am besten anziehen soll, sie sorgt dafür, daß ich nicht so viel rauche, weniger trinke und nicht soviel Geld ausgebe und sie ist immer für mich da. Das ist einfach ein großartiges Gefühl, das man gar nicht beschreiben kann.“

„Und daran soll man erkennen, daß Du sie liebst und daß sie glücklich ist?“, staunt Chris, der überhaupt nicht versteht, was das mit Liebe oder mit Glück zu tun hat. Er glaubt vielmehr, der Mann sucht einen Mutterersatz oder vielleicht eine vollbusige Kinderpflegerin. Aber Leute, die von Liebe redeten, waren ihm schon immer suspekt gewesen. Meist machten sie einen so abgehobenen, schwärmerischen Eindruck, nur hatte ihm noch keiner sagen können, was Liebe tatsächlich ist, abgesehen von jenen, die von Liebe sprachen, wenn sie mit einer Frau ins Bett wollten, aber das nannte man Sex und nicht Liebe.

Nun wandte sich Chris’ Leihfrau an ihn, sie wollte kurz eine Freundin besuchen. Er fragte, wie lange, nickte und erklärte: „Wenn Du mich nicht hier findest, bin ich in der Soi 7“, und nannte ihr den Namen der Bar. „Und wenn Du um Mitternacht nicht da bist, nehm’ ich eine andere Frau mit nachhause.“ Das war vollkommen problemlos, aber es war ja auch keine Liebe; es sollte ja schließlich Spaß machen.
Dann stellte sich sein Nachbar vor, Bernie nannte er sich, was Chris sich gut merken konnte, weil er ihn stark an eine gleichnamige Figur aus der Muppet-Show erinnerte. Genauso wie diese plapperte er nun vor sich hin und erzählte Chris von dem himmelhochjauchzenden Glück und der großen Liebe zu der einzigen anständigen, sauberen, hingebungsvollen, intelligenten... An diesem Punkt merkte Chris, daß er nicht mehr zuhören mußte und tatsächlich schaffte es Bernie, alleine weiterzureden. Zumindest solange, wie man seine große Liebe nicht gehört hatte, die sich nun wie ein Waldhorn allesdurchdringend hörbar näherte. Sie war sehr ungehalten, daß sie Bernie nicht im Hotel angetroffen hatte und daß er in eine Bar gegangen war. Dann war sie ungehalten, daß er schon wieder Alkohol trank und schließlich störte es sie, daß er zuviel rauchte. Bernie hingegen warf ihr vor, daß sie zu lange weggewesen war und sich noch nicht einmal bei ihm gemeldet hatte, daß er die ganze Zeit allein im Hotel sitzen mußte und daß sie ihm noch nicht einmal einen Kuß zur Begrüßung gegeben hat.

Als der Streit an Bewegung zunahm und die Tonhöhen sich steigerten, forderte er von Chris eine Bestätigung dafür, daß er doch zumindest einen Kuß von ihr verlangen konnte, doch der murmelte nur: „Mein Gott, muß Liebe schön sein“, und dann fragte er Bernie: „Warum küßt Du sie dann nicht, wenn Dir das so wichtig ist? Oder soll sie Dir damit beweisen, daß sie Dich liebt?“

In die entstehende Stille sagte die Einzige, daß sie zu der Geburtstagsparty einer Freundin gehen will. Bernie war empört, weil er dann ganz alleine an der Bar sitzen und warten mußte, bis sie von der Party kam, weil er nicht alleine im Hotel sein wollte. Er verbat ihr, zu der Party zu gehen. Dann wollte er wissen, wie lange die Party dauern sollte und geriet geradezu außer sich, als sie sagte, die würde länger dauern, weil sie erst gegen Mitternacht beginnt und viele Freundinnen die Bar, an der sie arbeiteten, nicht vor zwei Uhr verlassen dürfen. Er versuchte, ihr verständlich zu machen, wie verwerflich und unmoralisch es ist, wenn eine junge Frau nach Mitternacht alleine ausgeht und Chris mußte lachen. Darauf fragte er Chris, was er denn an seiner Stelle machen würde und der meinte, sich umsehend: „Warte mal... Ich würde die Kleine im roten Pullover mitnehmen; die hat eine gute Figur und ein hübsches Gesicht.“ Doch Bernie schlug den guten Rat in den Wind und sperrte statt dessen den Mund auf.

Nachdem der Streit über den Partybesuch eine Weile gedauert hatte, sagte die Einzige zu Bernie, daß er ihr Geld geben soll, sie wollte eine Nudelsuppe essen und zeigte auf einen Stand in der Nähe. Bernie gab ihr sein Portemonnaie und wandte sich wieder Chris zu, um ihn über seine große Liebe und das Glück der Gemeinsamkeit zu informieren. Das dauerte länger, obwohl Chris nur halb zuhörte und nicht darauf einging. Erst als Bernie sagte, daß seine Frau alles für ihn tut, meinte er besorgt: „Hoffentlich benutzt sie dafür nicht Dein Portemonnaie.“ Erst jetzt bemerkte Bernie, daß seine Einzige schon länger weg war und auch nicht am Nudelstand saß. Und dann bemerkte er, daß er hier an der Bar auf sie warten mußte, weil er kein Geld hatte, seine Zeche zu bezahlen. Chris nutzte die günstige Gelegenheit, sich ganz alleine an eine andere Bar zu setzen und hoffte, daß er niemand traf, der ihn über das einmalige Glück der großen Liebe informieren wollte.

Chris hatte eine vergnügte Nacht, einen tiefen Schlaf und eine ausgiebige Massage genossen, als er mit seiner Mietfrau essen ging. Sie bekam ihr Geld und sie wollten sich abends wieder in der Bar treffen, weil die Frau tagsüber einige private Angelegenheiten erledigen wollte, wonach sie weitere Einkünfte erhoffte. Sie hatte Chris angeboten, daß sie ihn auch schon am Nachmittag treffen könnte, aber der wurde ganz gut mit sich selbst fertig und meinte, es reicht, wenn sie abends so gegen acht, neun Uhr zur Bar kommt, weil er noch nicht weiß, wohin er dann zum Abendessen geht.
 
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Paul

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Am Abend ging Chris in die Bar, wo er Bernie traf. Der hatte zwar nicht seine Einzige, statt dessen jedoch ein blaues Auge und ein zerkratztes Gesicht mitgebracht. Seine Freundin war nach vier Uhr morgens gekommen und sehr böse, daß er nicht im Hotel war. Als er erklärte, daß er nicht gehen konnte, weil sie sein Portemonnaie hatte und er nicht bezahlen konnte, sagte sie, daß sie ihm das Portemonnaie zurückgegeben hat und daß er das nur vergessen hat, weil er wieder betrunken gewesen war. Im Hotel ist der Streit dann eskaliert, worunter Bernies Gesicht und die Zimmereinrichtung zu leiden hatten. Aber dann haben sie sich wieder versöhnt. Im Bett. Und es gibt tatsächlich Leute, die behaupten, daß man daran die wahre Liebe erkennt.

Chris hatte auf die Ausführungen nicht reagiert. Auf die Versöhnung im Bett sagte er nur: „Ich kann Eure Liebe nicht verstehen.“ Nun versuchte Bernie, ihn zu überzeugen: „Das kannst Du nicht verstehen, weil Du keine Gemeinsamkeit kennst. Du wechselst die Frauen, wie es Dir gerade paßt. Du denkst gar nicht ans Heiraten, an eine Verbindung auf Lebenszeit. Du benutzt die Frauen nur zum Sex, Du benutzt sie wie ein Möbelstück, aber Du kennst keine wahre Liebe. Du kennst nicht die Gemeinsamkeit, die man mit einer Frau hat, das Gefühl, das über alle kleinen Auseinandersetzungen und Probleme hinweg miteinander fürs ganze Leben verbindet und uns unzertrennlich macht.“

„Schön,“ meinte Chris, der normalerweise nicht viel spricht, aber eine Aversion wegen Vorwürfe und inhaltsloses Geschwafel hat, „dann klär’ mich auf. Welche Gemeinsamkeiten habt ihr denn? Ein gehobenes Kunstgefühl, vielleicht beim Hören derselben Musik, bei Filmen oder Fernsehsendungen, die ihr gemeinsam seht und über die ihr diskutiert? Dieselbe Anschauung bei Literatur, Gesellschaftsproblemen oder Eurem Lebensziel? Denselben Geschmack bei der Hausdekoration oder beim Essen?“ Als Bernie nicht antwortete, fuhr er fort: „Du belügst Dich doch selbst. Ihr könnt mit Euch nichts anfangen und ihr könnt nicht alleine sein, deshalb nennst Du es Gemeinsamkeit, wenn Ihr Euch streitet und die Schädel einschlagt. Du liebst sie nicht, Du liebst nur, daß sie Dich liebt. Deshalb willst Du sie zwingen, in Deiner Nähe zu sein, sich um Dich zu kümmern, weil Du mit Dir nicht alleine fertig wirst. Wie ein Kleinkind, dem man den Fernsehapparat ausschaltet. Du willst sie nicht heiraten, weil Du sie liebst, sondern weil Du sie besitzen willst, weil Du Angst hast, daß sie Dir wegläuft und Dich alleine läßt. Ihr redet von Liebe, aber in Wirklichkeit kämpft Ihr gegen-einander, weil ihr jemand braucht, der sich mit Euch beschäftigt, um vor Eurer Einsamkeit und Euren Problemen zu fliehen. Ihr streitet Euch, um Euch zu beweisen, daß sich jemand für Euch interessiert. Ihr habt Krach miteinander, so wie andere Leute laute Musik aufdrehen, um an nichts denken zu müssen. Die einzige Gemeinsamkeit habt Ihr vielleicht im Bett. Und die hab’ ich auch, aber ohne Streit und ohne Zwang. Ich zwinge meine Freundinnen zu nichts. Ich akzeptiere sie so, wie sie sind. Sie können anziehen, essen und machen, was sie wollen, sie können weggehen, Freundinnen oder Parties besuchen. Und ich kann auch machen, was ich will. Und wenn Du meinst, daß ich sie wie Möbel behandele, dann muß ich Dir sagen, daß ich meine Möbel aber auch pflege und nicht zusammenschlage.

Ich geh’ gerne mit Frauen ins Bett, weil mir das Spaß macht. Aber ich dreh’ nicht durch, wenn keine Frau da ist oder wenn eine bestimmte Frau nicht kommt. Ich tu dann irgend etwas anderes, aber ich fange nicht an, zu schreien, wie ein Kleinkind, dem die Mutter weggelaufen ist. Ich schluchze auch nicht: „Oh, Laila, verlaß’ mich nicht!“ Wenn eine Frau nicht bei mir sein will, weil sie sich nicht wohlfühlt, dann soll sie halt gehen. Ich kann doch nicht eine Frau zu irgendetwas zwingen und dann auch noch frech behaupten, das tu ich, weil ich sie liebe.“ Nachdem Bernie weiterhin still blieb, meine Chris: „Mir ist aufgefallen, daß die Leute, die hier in Pattaya von Liebe reden, nur schwafeln, sich selbst leidtun, mit sich nicht fertig werden und Hilfe suchen. Es ist nicht so, daß sie einen Menschen lieben, vielmehr wollen sie von einem Menschen geliebt werden.“

Chris war das Thema leid, so war es gut, daß seine Freundin kam. Sie wechselten ein paar Worte, sie erzählte, was sie am Tag gemacht hatte und bald danach wechselte er mit ihr die Bar, um sich zu vergnügen. Sie hatten beide noch keinen Hunger und vereinbarten, vielleicht nach der nächsten Bar gemeinsam essen zu gehen.

Wenige Tage später traf Chris erneut unerwartet Bernie, der völlig aufgelöst an der Bar saß: „Sie ist weg. Mit meiner Brieftasche und meiner Uhr. Was soll ich nur machen?“ Chris wollte wissen, ob seine Papiere oder viel Geld in der Brieftasche gewesen waren, doch Bernie meinte: „Nein, die sind im Safe. In der Brieftasche hatte ich so um die viertausend Baht und zwei Kreditkarten.“ Darauf zeigte Chris auf die Mädchen: „Such’ Dir eine hübschere, die nicht klaut.“ Doch Bernie schluchzte: „Aber ich liebe sie doch!“ Und Chris meinte recht gleichmütig: „Na gut, dann tu das, wenn’s Dir hilft.“

Aber Bernie war es wichtig, daß sich jemand mit ihm beschäftigte. Deshalb klagte er jetzt: „Aber ich muß doch etwas tun, daß mir das nicht wieder passiert.“ Doch Chris blieb hart: „Ja, such’ Dir eine andere Frau. Wenn Du diese Frau lieben würdest, dann würdest Du Dir mehr Sorgen machen, wie es der Frau geht und nicht, wie es Deiner Brieftasche und Deiner Uhr geht. Wenn Du willst, daß Dir das nicht wieder passiert, dann gibt’s nur zwei Möglichkeiten: Entweder Du hörst auf, Dir vorzumachen, daß Du die nächste Frau auch wieder liebst, oder Du läßt Dich für den Fall versichern, daß die Frau, die Dich liebt, mit Deiner Brieftasche verschwindet. Und zwar darauf, daß die Brieftasche zurückkommt und die Frau wegbleibt. Übrigens, was hältst Du davon, wenn Du Dich einmal mit Dir selbst beschäftigst und Dich fragst, was Du überhaupt willst und warum Du unbedingt eine ganz bestimmte Frau haben willst?“

„Du verstehst mich nicht. Ich will doch nur, daß meine Frau zurückkommt, weil ich sie doch so liebe.“ Chris verlor die Geduld und meinte: „Du verstehst mich ja auch nicht. Ich hab’ nicht gesagt, Du sollst Dich mit mir beschäftigen. Ich hab’ gesagt, Du sollst Dich mit Dir beschäftigen. Außerdem ist Wollen eine Aktivität. Du willst nicht, daß Deine Frau wiederkommt, sonst würdest Du etwas daran tun. Du sitzt nur da und wartest, daß sie wiederkommt, weil Du willst, daß sie Dir damit beweist, daß Dich liebt und Dir deswegen hinterherläuft. Wenn keine Wolke am Himmel ist, dann kannst Du hoffen oder warten, daß es regnet. Wenn Du willst, daß es regnet, mußt Du etwas unternehmen. Du kannst dann einen Regentanz aufführen oder Dir überlegen, wozu Du das Regenwasser brauchst und etwas tun, um Dir das Wasser zu beschaffen. Wenn Du nur an der Bar sitzt und sagst, Du willst, daß Deine Frau zurückkommt, ähnelst Du einem trotzigen Kleinkind, das mit dem Fuß auf den Boden stampft und schreit: „Ich will aber, daß meine Mutti mich liebt!“ Du solltest wissen, daß das nicht hilft.

Da Chris nicht länger vorhatte, sich Bernies Herz zu zerbrechen, nahm er einen Ortswechsel vor und vernügte sich mit einem hübschen Barmädchen, das ihm viel vernünftiger schien, als Bernie. Sie vergnügten sich miteinander und genossen die Zeit, statt sich darüber zu streiten, daß sie doch wollten, daß der Andere sie liebt.

Doch die Gemeinsamkeit von Bernie und seiner Partnerin besteht nicht nur darin, daß er mit ihr ins Bett will und sie sein Geld haben will. Außerdem können sie nicht allein sein und kämpfen darum, daß der Andere sie will. Selbstverständlich kam Bernies Frau zurück, denn sie hatte die Brieftasche und die Uhr nur mitgenommen, weil sie wollte, daß Bernie sie sucht und ihr hinterherläuft. Da Bernie aber vorzog, sie an seinem Stammplatz zu suchen, kam sie schließlich zu ihm, machte ihm bittere Vorwürfe über sein Verhalten und daß er sie nicht gesucht hatte. Er machte ihr bittere Vorwürfe, weil sie die Sachen gestohlen hatte. Sie sagte, die hatte sie nur mitgenommen, weil sie das Gefühl hat, daß er sie nicht mehr will, vergaß zwar zu sagen, daß sie den größten Teil des Geldes inzwischen für dringende Ausgaben, wie beispiels-weise den Kauf von Armreifen und einem Goldkettchen gebraucht hat, weil die Gelegenheit gerade so günstig war und sie sich für den Liebesverlust entschädigen mußte, gab ihm aber seine Sachen zurück, bestätigte, wie sehr sie ihn liebt, worauf er ihr verzieh. Es dauerte nur wenige Minuten, bis sie aufstanden und in sein Hotel gingen, weil sie sich dringend versöhnen mußten, was ihnen an der Bar nicht möglich war.

Es war nur wenige Tage später, als Chris mit einem hübschen Mädchen in einem kleinen Restaurant saß. Sie hatten schon gegessen, weil sie sich aber bedingt durch Sprachprobleme nicht so gut miteinander unterhalten konnten, war Chris auf den Gedanken gekommen, aus den bereitgestellten Zahnstochern ein dem Mikado ähnliches Spiel zu konstruieren, das ihnen viel Spaß bereitete. Mitten in dieses Vergnügen platzte streitend und keifend ein Paar, das sich in die Nähe setzte. Nach längerem Streit entdeckte Bernie, daß Chris im Raum war, begrüßte ihn gehetzt, sagte, er würde gerade seine Abreise vorbereiten, aber er hätte unbedingt noch einige Probleme mit seiner Frau zu klären und bat ihn dringend, ihm zu sagen, ob er wirklich gesehen hat, daß seine Frau ihm sein Portemonnaie zurückgegeben hat.

Doch Chris war das Spiel leid und erklärte: „Ich freue mich, daß Ihr glücklich seid und so gut miteinander auskommt. Es ist Eure schönste Beschäftigung, miteinander zu streiten, weil ihr dann beide erlebt, daß jemand an Euch Interesse hat. Aber nachdem ihr jetzt schon glücklich seid, ist es nicht erforderlich, uns in Euer Spiel mit einzubeziehen und auch noch glücklich zu machen. Ich sitze hier mit meinem Mädchen. Wir unterhalten uns prächtig, uns geht es gut, wir haben eine schöne Stimmung. Wir lieben uns nicht, wir kommen hervorragend miteinander aus und wir sind lustig. Wenn Du mir jetzt nicht sagst, was Euer Verhältnis mit Liebe zu tun haben soll, dann steige ich aus dem Spiel aus und sage Dir nicht, ob ich das Portemonnaie gesehen habe.“

„Was willst Du wissen, warum wir uns lieben?“, fragte Bernie erstaunt und Chris bestätigte: „Ja, oder das.“ Bernie schnappte nach Luft, dann stieß er aus: „Ja, aber wir lieben uns wirklich!“ Chris verzog keinen Muskel, als er fragte: „Also, Ihr liebt Euch, weil Ihr Euch liebt, richtig?“ Bernie nickte verständnislos, als er noch einmal beteuerte: „Ja, wir lieben uns!“ Darauf meinte Chris: „Schön, und das Portemonnaie ist ein Portemonnaie, weil’s ein Portemonnaie ist.“ Und dann fügte er hinzu: „Ihr liebt Euch und seid miteinander beschäftigt. Das ist schön. Wir lieben uns nicht und sind auch miteinander beschäftigt. Und wir haben gar keine Lust, uns jetzt mit Euch zu beschäftigen, weil ihr Euch liebt. Könnt Ihr Euch jetzt bitte weiterstreiten, dann können wir unseren gemütlichen Abend weiter genießen.“ Damit wandte er sich wieder seinem Mädchen und dem Zahnstocher-Mikado zu und hörte einfach nicht, was Bernie noch sagte.

Es dauerte nicht lange, bis ein Liebespärchen das Restaurant verließ und laut schimpfend und schreiend und sich boxend und schlagend über die Straße ging. Nicht lange danach verließ ein anderes Pärchen das Restaurant und schlenderte gemütlich Arm in Arm nach Hause. Aber das war ja auch kein Liebespärchen.


Gruß gad
 
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Paul

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Bernhard von O. hat uebrigens geheiratet und ist mit seiner Frau in den Isaan gezogen, seit dem haben wir zu dem keinen Kontakt mehr gehabt. :dancing
 

expat

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14 Dezember 2011
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Pattaya
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"http://www.johannschumacher.com/index.php/meine-veroeffentlichten-buecher-druckversion"]http://www.johannschumacher.com/index.php/meine-veroeffentlichten-buecher-druckversion[/URL]

Sehe ich das richtig, dass hier der Eindruck vermittelt werden soll, das der Autor der Bücher von Gad Labudda eigentlich Johann Schumacher ist?
 

Paul

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Da braucht man aber viel Phantasie dazu. Von Johann habe ich nicht ein Buch.
Der war zwar offizieller Erbe von Gad, aber ob er von Rama oder Sanella abstammt, weiss sicher der Klerus besser als ich.
Den Gad habe ich einmal auch in der Didibar getroffen:

paul_gad_317098.jpg

und hier ein Foto von Chris von 2005:

chris_paul.jpg

und 2011:

obi69.jpg
 

Maekong

Gibt sich Mühe
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6 April 2014
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Wo bekommt man denn die Originalen (Nicht J Schumacher) Bücher zu kaufen?
 
Zahnarzt Ramin
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Crex

Schreibwütig
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12 März 2015
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Ja auch. Als Dr Gad Labuda noch Chefredakteur der Suedostasienzeitung war, habe ich bei dem immer die alten Exemplare dieser Zeitung zum Sonderpreis gekauft ( wegen der Fortsetzungsgeschichte, die er da als Viktor Schluff schrieb). Die Redaktion dieser Zeitung lag nur ein paar Meter von der Markthalle weg.
Er ist im Jahre 2005 verstorben und ich habe alle Buecher von ihm, die er in Prosa schrieb, die gibt es heute noch in den diversen Buchhandlungen.
Es war 2006
 

kigiat

Walkingstreetverächter
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22 Oktober 2008
392
325
903
@Paul,

du verdankst Chris nicht nur dein Leben, sondern auch deinen Laptop.

viele Grüsse
Kigiat
 

Leebanon

Kein anderes Hobby?
   Autor
15 Juni 2009
1.965
2.489
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Dark Side zwischen floating market & Phönix Golf
noch kann man in isaan Forum sich ja die Stories von Gad runterladen,
auch als Nicht Forenmitglied,

der Johann hat die Forenmitglieder nur ausgesperrt,
sodass die keinen Zugang zu ihren Freds in Forenbereichen bekommen,
für das man "besondere Rechte" braucht.
 
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